Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Belletristik > Rettung des Paradieses
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Belletristik
Buch Leseprobe Rettung des Paradieses, Udo Fehring
Udo Fehring

Rettung des Paradieses



Bewertung:
(260)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
2232
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
amazon.de, bod.de, bol.de
Drucken Empfehlen

Dann endlich das Ende der Vormittagsdebatte. Alle strömten in die große Kantine außer dem Außenminister. Dieser brachte sein Redemanuskript schon mal vorsorglich zum Rednerpult. Hier würde er gleich den bisherigen Höhepunkt in der Geschichte Tuvalus setzen. Seine feuchten Hände klebten ein wenig an den Manuskriptblättern.


Dann kamen die Abgeordneten nach und nach zurück in den Sitzungssaal. Der Sitzungspräsident kündigte den nächsten Tagesordnungspunkt an, nämlich die Aufnahme Tuvalus in die internationale Gemeinschaft der UNO. Er hieß die Delegation aus Tuvalu, die sich stehend dem applaudierenden Auditorium präsentierte, ganz herzlich willkommen und gab Außenminister Mutomba das Wort.


Dieser räusperte sich zunächst, um dann seine Rede zu beginnen:


„Meine sehr verehrten Damen und Herren. Etwas abgewandelt möchte ich mit den Worten von Neil Armstrong beginnen: Ein kleiner Schritt für die UNO, ein großer Schritt für Tuvalu. Bis vor einem halben Jahr war es noch blanke Phantasie, dass ich heute hier stehen würde, aber die Ereignisse in Tuvalu haben sich seitdem überschlagen und deshalb bin ich überglücklich, heute zu Ihnen sprechen zu dürfen.


Für diejenigen, die Tuvalu geographisch nicht ganz einordnen können. Unser Staat besteht aus 9 Atollen im Südwesten des Pazifischen Ozeans, genauer gesagt, östlich von Papua-Guinea und nördlich von Neuseeland.


In anderen Staaten würde unsere Einwohnerzahl nicht reichen, um die Stadtrechte zu erhalten, mit anderen Worten, wir haben nur 10.000 Einwohner.


Und ich muss leider sagen, dass die Tendenz abnehmend ist, was vor allem einen Grund hat: Die Vorhersage von Wissenschaftlern, dass Tuvalu eines Tages überflutet werden wird, weil der höchste Punkt auf Tuvalu nur 5 Meter über dem ständig steigenden Meeresspiegel liegt.


Und da sind wir auch schon bei unserem Hauptproblem: Die Bedrohung Tuvalus durch das Meer.


Diese Bedrohung ist kein naturgemachtes Problem, sondern ein menschengemachtes, denn durch das ständige Aufheizen der Atmosphäre, vor allem durch die Industrieländer, führt dazu, dass das Meer an unseren Küsten mehr und mehr nagt.


Unser Entschluss, der UNO beizutreten ist vor allem diesem bedrohlichen Phänomen geschuldet und wir möchten die Stimme erheben für den Klimaschutz, denn sonst werden wir irgendwann wirklich unsere Heimat verlieren.


Wir wissen, diese Debatte ist nichts Neues. Es hat schon eine Menge Klimakonferenzen gegeben ohne ein wirkliches Bekenntnis zum Umdenken. Immer noch werden die wirtschaftlichen Interessen der Industrieländer über die anderen Interessen, also auch über den Klimaschutz gestellt.


Es wird immer so viel von Nachhaltigkeit geredet, doch wir erkennen, dass vor allem der kurzfristige Profit die Menschen dazu treibt, sich nicht um das Klima zu scheren.


Wir wissen, dass viele hier im Saal mit uns einer Meinung sind, aber leider gibt es genauso viele, die das nicht so sehen und unser Ziel ist es, auch diese Politiker zu überzeugen, denn wir als Einwohner von Tuvalu werden vielleicht noch die Möglichkeit haben, umzusiedeln und uns eine neue Heimat suchen können, aber die Menschheit wird keine neue Erde finden, auf die sie zur Not umsiedeln kann."


Außenminister Mutomba nahm den Kopf hoch und blickte in den Sitzungssaal. Er sah in erstaunte Gesichter. Die meisten hatten sich wohl auf einen ruhigen Ausklang der Vollversammlung eingestellt, aber nicht eine solche Rede erwartet.


Er kam zum Ende seiner Rede: „Wer Tuvalu bisher nicht kannte, sollte sich diesen Staat merken. Wir werden von nun an alles tun, unsere Inselatolle zu retten. Und wir werden auch vor großen Staaten und Klimaverweigerern nicht Rücksicht nehmen. Die nächste Klimakonferenz muss eine Wende in der globalen Klimapolitik bringen, wenn wir die globale Erwärmung begrenzen wollen."


Anschließend bedankte er sich bei dem Sitzungspräsidenten für seine Redezeit.


Dann brandete Applaus auf: Es schien, dass Tuvalu mit seinem Ansinnen nicht alleine dastand: Im Gegenteil, es schienen nur einige mit seiner Rede nicht einverstanden zu sein. Das Problem war nur, dass die Macht noch (!) in ihren Händen lag. Es war nur die Frage, wie lange sie sich noch gegen die Klimaschützer würden durchsetzen können.


Präsident Tilasi war sehr zufrieden mit dem ersten Auftritt Tuvalus bei der UNO.


Doch der feierliche Teil der Aufnahme Tuvalus in die UNO kam erst noch. Die Mitglieder der Versammlung verließen den Sitzungssaal und versammelten sich vor dem Gebäude. Dort stand ein Musikorchester bereit, um die Hymne des kleinen Pazifikstaates zu spielen und dabei das feierliche Hissen der Staatsflagge zu untermalen.


Die Abordnung Tuvalus hielt sich an den Händen und sang lauthals mit. Als die Hymne beendet war, brandete noch ein letztes Mal Applaus aus, bevor die Veranstaltung als beendet erklärt wurde.


Als die Delegation am kommenden Tag wieder auf dem Flughafen Funafati auf Tuvalu landete, wurden sie wie Helden von ihren Landsleuten begrüßt. Endlich hatte die Welt die Stimme Tuvalus wahrgenommen und, sollte man der Ankündigung von Außenminister Mutomba und Präsident Tilasi Glauben schenken, war dies erst der Anfang.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 5 secs