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> Belletristik > Retha, das Lausemädchen
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Belletristik
Buch Leseprobe Retha, das Lausemädchen, Margaretha Main
Margaretha Main

Retha, das Lausemädchen


Band 1 der Retha-Reihe

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Hallo! Wie ihr sicherlich schon gehört habt, lautet mein Name Margaretha Main. Im Moment bin ich schon uralt und habe so einiges erlebt. Meine Freundinnen meinten, meine Geschichten wäre dermaßen interessant, dass ich sie doch mal für euch aufschreiben sollte. Na gut, dann will ich das mal machen. Also, ich stamme aus einem winzigen Gebirge in Deutschland. Meine Eltern waren über meine Geburt nicht sehr glücklich, da sie viel lieber einen Sohn gehabt hätten. Da ich nur ein Mädchen war, wurde ich nicht so richtig beachtet. Das hatte zwar viele Nachteile, aber auch etliche Vorteile. Diese musste ich allerdings erst mal herausfinden. Natürlich war ich tierisch neidisch auf meinen Bruder. Er hatte die ganze Aufmerksamkeit der Familie und wurde immer umsorgt und umhegt. Alles wurde ihm vor den Hintern getragen. Nichts brauchte er selbst zu tun. Egal, was auch immer er tat, und war es noch so ein Blödsinn, wurde bejubelt und beklatscht. Als Kleinkind litt ich sehr darunter und so beschloss ich eines Tages, wenn ich erst groß bin, auch ein Junge zu werden. Dass das gar nicht ging, habe ich damals natürlich noch nicht begriffen, aber trotzdem fest daran geglaubt. Was hätte ich nicht alles dafür gegeben, um auch so ein Röhrchen zum Pinkeln zu haben. Dieses Röhrchen war der Schlüssel zu meinem Glück. Denn, ganz ehrlich, einen anderen Unterschied konnte ich zwischen mir und meinem Bruder nicht ausmachen. Warum waren bloß alle von so einem kleinen Ding so dermaßen mordsmäßig angetan. Ich verstand das alles nicht. Aber, sosehr ich auch nachts darum betete, es wollte mir einfach keines wachsen. Also ergab ich mich in mein Schicksal und überlegte mir, welche Vorteile es hatte, ein Mädchen zu sein. Das Erste, das mir einfiel war, dass ich nichts ausziehen musste, wenn ich mal musste. Außerdem konnte ich auch nicht mit dem Röhrchen an einem Zaun oder Busch hängen bleiben. Ja, so machte ich mir selbst Mut. Heute kann ich über solche Gedanken natürlich nur schmunzeln. Damals waren das aber echte Probleme für mich, die gemeistert werden wollten. Die größten Probleme hatte ich stets mit meinen Spielkameraden. Da ich immer kucken musste, was mein Bruder so macht, bin ich ihm dauernd hinterhergerannt. Allerdings wollten mich seine Freunde nie mitspielen lassen, da Mädchen in einer echten „Männerbande“ nichts zu suchen haben. Also zog ich beleidigt ab und setzte mich in mein Zimmer, um kräftig Trübsal zu blasen. Meistens hielt ich es aber nicht sehr lange dort aus, weil es mir schnell zu langweilig wurde. Aber, was sollte ich denn nur tun? Notgedrungen spielte ich mit den anderen Mädchen. Deren blöde Spiele lockten mich allerdings nicht sehr. Ich hatte keine Lust, stundenlang mit dem Puppenwagen durch die Gegend zu rennen und „Mutter und Kind“ zu spielen. Ich wäre lieber mit den Jungs auf Bäume geklettert oder hätte mit ihnen Fußball gespielt. Fußball fand ich zwar auch öde, aber es wurde eben von Jungen gespielt. Wie so viele Jungen hinter einem einzigen Ball herlaufen konnten, um denselben dann zwischen zwei ins Gras gelegte Jacken hindurchzukicken, ist mir noch heute ein Rätsel. Aber, wie heißt es so schön: dabei sein ist alles. So schlich ich manchmal hinter den Jungen her und beobachtete sie. Ich wurde mit der Zeit eine hervorragende Anschleicherin. Am besten gefiel es mir auf unserem nahe unserem Dorf gelegenen Hausberg. Der war innerhalb von zehn Minuten zu erreichen und so schön zerklüftet. Hier fand ich immer eine Deckung, um den Blicken der Jungen oder auch von Muttern zu entgehen. Ich warf mich ins Gras und robbte, auf dem Bauch liegend, von Stein zu Stein. Natürlich nahmen dadurch mein Rock und meine Strümpfe langsam aber sicher eine grüne Farbe an. Leider fiel mir das vor Aufregung immer erst viel zu spät auf und so konnte ich mal wieder mit einem schönen Donnerwetter zu Haus rechnen. „Deine Omma gibt sich immer so viel Mühe mit deinen Strümpfen und deinen Pullovern. Kannst du nicht einmal ein bisschen aufpassen? Musst du dich immer im Dreck wälzen?“ Ja, so schimpfte meine Mutter. Wehe, ich hatte obendrein etwas zerrissen. Dann hing der Haussegen aber gewaltig schief. Allerdings, aus heutiger Sicht betrachtet, waren die Ermahnungen gar nicht so verkehrt, da wir nicht unbedingt reich waren. Mutter musste stets zweimal überlegen, ob wir uns etwas leisten konnten oder nicht. Und wenn ich dann sonntags mein schönstes Kleid kaputtgemacht hatte, war das schon eine kleine finanzielle Katastrophe für unsere Haushaltskasse, da wir nur von dem lebten, was meine Omma uns gab und von dem, was meine Mutter durch Putzen dazuverdiente. Unsere winzige Landwirtschaft und der kleine Kolonialwarenladen warfen kaum was ab. Große Sprünge waren mit den paar Kröten ganz bestimmt nicht drin. Meinen Vater hatte es leider im Krieg erwischt und so mussten wir uns also ohne ihn durchschlagen. Ich hatte ihn nie kennen gelernt, da ich wohl im Fronturlaub entstanden war. Meinem Bruder erging es nicht anders. Er ist nur ein Jahr jünger als ich und hatte noch in den Windeln gelegen, als unser Vater sich in den Himmel aufmachte. Das fiel aber nicht so sehr auf, da mehrere Kinder in unserem Alter keinen Vater mehr hatten. Die „Mit-Vater-Kinder“ machten sich gern lustig über uns Halbwaisen und sangen gern diesen blöden Abzählreim: „Dreimal schwarzer Kater – du hast keinen Vater. Dreimal bunte Kuh – und raus bist du.“ Anfangs bin ich meistens rausgeflogen. Erst einige Zeit später begriff ich, dass die größeren Kinder vorher nachgerechnet hatten und daher schon im Voraus wussten, wer rausgehen musste. Aber eines Tages hatte ich sie durchschaut und wechselte einfach während des Abzählens meinen Platz in der Runde. Schon traf es eine andere. Ja, eine andere! Die Jungen versuchten jedes Mal, die Mädchen abzuwählen, um mal wieder unter sich zu sein und ohne uns spielen zu gehen. So kam es sehr oft vor, dass so lange abgezählt wurde, bis kein Mädchen mehr übrig war. Anfangs ging auch ich noch heulend nach Haus und beschwerte mich bei meiner Mutter über diese Ungerechtigkeit. Da ich aber meistens nicht das von mir gewünschte Gehör fand, ersparte ich mir das irgendwann. „Wenn die Jungen spielen, hast du da nichts bei zu suchen.“ Ich liebte diese mitfühlenden Worte meiner Mutter über alles. Nur Omma verstand mich. Sie winkte mich zu sich und ich durfte auf ihren Schoß klettern. Sie hatte stets eine kleine Nascherei für mich in der Schürzentasche. Ein Apfel oder eine Möhre halfen mir in solchen Momenten immer wieder über den größten Kummer hinweg.


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