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Belletristik
Buch Leseprobe Reinheitsgebot, Annamoneé Bendragon
Annamoneé Bendragon

Reinheitsgebot



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Nach dreiundzwanzig Jahren ...


 


 


 


′Alexander!′ durchzuckte es Letitia als sie den Fahrstuhl verließ und ihr Blick auf die große


 


Gestalt fiel, die soeben mit offener Jacke und wehendem, gestreiftem Wollschal durch die


 


gläserne Drehtür kam.


 


Alexander Sendlinger.


 


Sein Anblick durchzuckte sie wie ein Stromschlag und ließ sie sogar augenblicklich den kaum fünfzehn Minuten zurückliegenden Streit mit dem Leiter der Werbeabteilung, in der sie


 


arbeitete, vergessen.


 


Es war bestimmt dreiundzwanzig Jahre her, dass sie Alexander das letzte Mal gesehen hatte,


 


als er mitten im Jahr die Schule wechselte, plötzlich von einer Woche zur nächsten, ohne es


 


auch nur irgend jemandem zu sagen, aus der Klasse verschwand.


 


Dennoch hatte sie jetzt nicht den geringsten Zweifel, dass er es war, sie erkannte seine große,


 


schlanke Gestalt, seine dunklen Locken sofort.


 


′Was will er hier?′ fragte sie sich nun, nach langen Sekunden der völligen Überraschung.


 


Wenn sie den Zeitungsartikel, den sie Anfang des Jahres gelesen hatte, und in dem sein Name erwähnt wurde, richtig im Kopf hatte, arbeitete er bei der Mordkommission.


 


War jemandem etwas passiert?


 


Alexander hatte sie noch nicht gesehen.


 


Er hatte sich nach rechts gewandt, zu dem kleinen Empfangstresen, hinter dem jetzt, um


 


zwanzig nach sechs, der Portier der Spätschicht seinen Dienst übernommen hatte, zeigte ihm


 


eine Art Ausweis, so wie man das im Fernsehen immer sah.


 


Letitia verhielt absichtlich ihren Schritt und beobachtete, wie der Mann daraufhin eine rasche Kopfbewegung in ihre Richtung machte.


 


Alexanders Blick folgte der Bewegung, seine Augen richteten sich auf sie.


 


Dann wandte er sich vom Tresen ab, zum Fahrstuhl, und steckte dabei seinen Ausweis in die


 


linke Innentasche seiner Jacke.


 


Letitia schluckte.


 


Sie spürte, wie ihr Herz schnell zu schlagen begann, und gleichzeitig mit einer unbestimmten


 


Angst machte sich ein anderes unangenehmes Gefühl in ihrem Inneren breit, sie wußte nicht,


 


wie sie sich verhalten sollte.


 


Nur für den Sekundenbruchteil war ein Bild der Szene damals auf dem Schulhof an ihrem


 


geistigen Auge vorbeigezuckt, und verunsicherte sie schrecklich mit dem schlechten Gewissen,


 


das sie seit dreiundzwanzig Jahren mit sich herumtrug.


 


Hilflos umklammerte sie mit der kalten Rechten den Riemen ihrer Umhängetasche etwas fester während sie ihre Linke, die sich ebenso eisig anfühlte, in ihre Manteltasche schob, nur um sie gleich wieder hinauszuziehen, weil es unhöflich war, jemanden zu begrüßen und dabei die Hand in der Tasche zu haben.


 


Alexander war in der Zwischenzeit bei ihr angelangt.


 


Letitia bemerkte, dass sie einfach stehengeblieben war, etwa einen Meter vom Fahrstuhl entfernt, und jetzt verhielt auch Alexander seine Schritte.


 


Ihrer beider Augen hatten sich schon Sekunden vorher getroffen und Letitia war sein erster Blick nach so vielen Jahren durch und durch gegangen.


 


Keine Miene verzog sein Gesicht, dennoch zuckte die Szene auf dem Schulhof wieder an ihrem geistigen Auge vorbei, verstärkte ihre Unsicherheit, ihr Schuldgefühl bloß noch mehr.


 


″Letitia. Servus.″ sagte Alexander Sendlinger jetzt.


 


Seine Stimme war ruhig, klang ihr noch immer angenehm in den Ohren und vor allen Dingen nach der langen Zeit noch so vertraut, dass sie einen kleinen Schauer über ihre Unterarme rieseln spürte.


 


″Hallo Alexander.″ erwiderte sie, sah ihn an.


 


Sie hatte ihre Stimme nicht ganz in der Gewalt, sein Erscheinen hatte sie ein wenig aus dem Gleichgewicht gebracht, warum auch immer es geschah.


 


Ihre Angst verstärkte sich als Alexanders Gesicht völlig ernst blieb, er selbst nach den vielen Jahren kein Begrüßungslächeln für sie hatte.


 


Mit einem Mal wusste sie, dass er ihr eine schlechte Nachricht überbringen würde.


 


Nur so eben spürte sie, wie ihre Finger leicht zu zittern begannen.


 


War ihrem Vater irgend etwas passiert?


 


Oder Mario, ihrem Bruder?


 


Sie konnte ihren heftigen, aufgeregten Herzschlag bis hoch hinauf in ihrem Hals spüren.


 


Alexander hatte seinen Ausweis wieder aus der Innentasche seiner Jacke genommen und hielt ihn ihr jetzt entgegen.


 


″Letitia, ich arbeite bei der Mordkommission.″ meinte er dabei während sie bloß das kleine grüne, eingeschweißte Schriftstück vor sich sah, mit einem kleinen schwarz-weiß Foto von ihm.


 


′Ich weiß.′ wäre ihr beinahe herausgerutscht.


 


Sie ließ ihre Augen von dem Polizeiausweis wieder zu seinem Gesicht wandern, auf dem noch immer keine Emotion zu erkennen war.


 


Alexander steckte den Ausweis wieder ein.


 


″Wir haben vor gut zwei Stunden deinen Bruder tot aufgefunden.″


 


Ganz plötzlich war sein Gesichtsausdruck wachsam, der Blick seiner grünen Augen ruhte prüfend auf ihr.


 


Nur so eben meinte sie, seine Hand an ihrem Ellbogen zu spüren.


 


Was hatte er gesagt?


 


Mario?


 


Tot?


 


Sie hatten vor ungefähr fünf Stunden noch zusammen bei ihrem Lieblingsitaliener gesessen und eine angenehme Mittagspause verbracht.


 


Das Bild zog langsam an ihr vorbei, Mario in einem seiner heißgeliebten schwarzen Armani-Anzüge, er aß bei LUIGI immer Salbei-Schnitzel.


 


Sie musste schlucken, ein zweites Mal, musste sich zusammenreißen um in die Wirklichkeit zurückzukehren weil sie glaubte, ihren Namen gehört zu haben.


 


Alexander vor ihr sah sie noch immer wachsam an, sie spürte seine Hand an ihrem Arm.


 


Ihr Herzschlag hatte sich beruhigt, nur ihr Hals schien mit einem Mal wie zugeschnürt.


 


Sie fühlte sich, als hätte man ihr mit einem Ruck den Boden unter den Füßen weggezogen.


 


″Was ist passiert?″


 


Sie sah zu Alexander hoch, sie hatte schon immer zu ihm aufschauen müssen.


 


Ihre Stimme klang im ersten Moment fremd in ihren Ohren, das Sprechen tat weh in ihrem Hals.


 


Wenn Alexander es sagte, musste es stimmen, auch wenn ihr Gehirn sich weigerte, die Nachricht anzunehmen.


 


Vorhin war doch noch alles in Ordnung gewesen.


 


″Das wissen wir noch nicht.″ antwortete ihr Alexander.


 


Letitia entging es nicht, dass seine Stimme jetzt eine Spur sanfter klang.


 


″Wir hoffen, dass Du uns weiterhelfen kannst. Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen?″


 


″Wir haben zusammen Mittag gegessen.″ erwiderte Letitia, war sich bewusst, dass sie noch immer zu ihm aufsah, so als fände sie bei ihm eine Erklärung für das, was ihrem Bruder geschehen war.


 


″Und dann? Hat er Dir gesagt, was er heute Nachmittag vorhat?″ fragte Alexander weiter.


 


Letitia versuchte nachzudenken, versuchte, sich jeden einzelnen Satz des Gespräches mit ihrem Bruder ins Gedächtnis zurückzurufen.


 


Sie hatten sich nur über Belanglosigkeiten unterhalten, nichts von dem schien wichtig zu sein, einen Hinweis zu geben.


 


Ihr Vater fiel ihr ein.


 


Er wusste noch nicht, was geschehen war, er befand sich zur Kur in Bad Aiblingen.


 


″Ich muss meinen Vater anrufen. Er ist zur Kur.″ meinte sie statt dessen abgelenkt zu Alexander, wand ihren Arm aus seinem Griff um nach ihrem Handy zu suchen.


 


″Des wird schon erledigt.″ sagte Alexander sachlich zu ihr.


 


Letitia sah ihn nicht begreifend an.


 


″Eure Haushälterin hat ihn verständigt.″ erklärte Alexander ihr und weil sie immer noch nicht verstand fügte er hinzu: ″Kollegen haben in eurem Haus sein Zimmer durchsucht, um Hinweise zu finden.



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