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Belletristik
Buch Leseprobe Rebecca, Sanela Egli
Sanela Egli

Rebecca


Eine fast normale Frau

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Die drei bestellten ihre erste Flasche Sekt, und los ging das Geplapper. Jede erzählte etwas aus ihrem Arbeitsleben.


 


Am Tisch nebenan setzte sich eine junge Familie. Die Frau, man hätte sie eher als sportlicher Single als als Mutter und Hausfrau gesehen, nahm ihr weinendes Baby zu sich und stillte es.


 


„Hat die ein Glück. Hat ihre Milch immer und überall dabei“, fing Rebecca an, da fiel ihr Sandra ins Wort:


 


„Und Gratis ist sie auch. Kannst du dich noch an deine Stillzeit erinnern?“


 


Rebecca verdrehte ihre Augen und winkte ab. „Na, das war eine Geschichte, ich sag‘s euch. Ich will nie wieder stillen …


 


Damals war ich noch mit Johannes verheiratet. Er hatte in der Apotheke um die Ecke eine Milchpumpe gekauft. Er wusste wohl nicht, dass man diese auch nur leihen konnte. Jedenfalls, Mit dem Stillen hatte ich arge Probleme. Ich hatte das Gefühl, zu wenig Milch zu produzieren. So überwindete ich mich eines Tages dazu, bei der örtlichen Mütterberatungsstelle um Rat zu fragen. Dort wurde mir geraten, mehr zu stillen.


 


„Je mehr sie stillen, desto mehr Milch wird ihr Körper produzieren.“ Ich fragte mich, wie ich es schaffen sollte, alle sechzig Minuten, zwanzig Minuten lang zu stillen. Aber, für meine Anna, versuchte ich das Akkordstillen. Es dauerte nicht eine Woche, bis sich meine Nippel entzündeten.“ Sandra und Maria schmunzelten und gönnten sich einen großen Schluck Sekt.


 


„Na toll, dachte ich. Das hatte mir gerade noch gefehlt.


 


Am sonntäglichen Beisammensein wandte ich mich Johannes zu. „Johannes, ich denke, es wäre wirklich besser, wenn ich Anna zusätzlich mit Babynahrung füttern würde. Das mit dem ‚mehr Stillen‘ bringt außer meiner entzündeten Brustwarzen gar nichts. Anna ist nur am Schreien.“


 


„Muttermilch ist aber das Beste fürs Baby“, wandte er ein. Ich konterte sogleich.


 


„Es kommt nichts raus. Und die verdammte Milchpumpe tut höllisch weh. Ich fühle mich wie eine menschliche Kuh. Ich bin aber keine Kuh! Wenn‘s mit dem Stillen nicht klappt, dann klappt es eben nicht.“ Johannes wusste, dass er am kürzeren Hebel saß.


 


„Tu, was für dich am besten ist“, willigte er ein. Er bemerkte, dass mich dieses Thema in Aufruhr brachte. Schnell griff er zum Fläschchen, welches mit abgepumpter Muttermilch gefüllt war, und fütterte Anna. Dafür setzte er sich gemütlich vor den Kamin und genoss den Augenkontakt mit seinem kleinen Sonnenschein. Aber es war nicht nur das Füttern von Anna, was Johannes mir abnahm. Er wechselte Annas Windeln, badete sie, ließ sie Bäuerchen machen und beruhigte sein Töchterchen, wenn sie schrie. In Johannes‘ Armen war Anna immer viel ruhiger, als in den meinen. Ich war mit ihr ungeschickt und nervös. Zudem war ich oft in schlechter Stimmung. Ich wollte so gelassen sein wie Johannes, aber es gelang mir nie. Er war der Ruhepol in unserer Familie. Später hab ich dann gewusst, warum er immer so ausgeglichen war. Er tobte sich immer an seiner Assistentin aus, bevor er nach Hause kam.“ Alle drei schlürften einen Schluck Sekt.


 


„Ich hingegen hatte schwer an so etwas wie postnatale Depression zu leiden. Johannes versuchte, nach der Arbeit auf seinem Lieblingsplatz auf dem Sofa abzuschalten. Da ich zu sehr seine Hilfe brauchte, gelang ihm das immer seltener. Das war übrigens nicht meine Schuld, ich hatte ein anstrengendes Baby! Fast den ganzen Tag lag ich im Bett. Gegen Abend konnte ich mich dann meist aufrappeln, um noch kurz mit Anna an die frische Luft zu gehen. Johannes hingegen versuchte alles, um mir mein Leben so angenehm wie nur irgend möglich zu gestalten. Nun, heute weiß ich, dass das nur sein schlechtes Gewissen beruhigen sollte.“


 


„Ja, ja …“, stöhnte Sandra, „die verfluchten Männer.“ Rebecca hob ihr Glas, Sandra und Maria machten es ihr gleich.


 


„Auf uns Frauen“, prostete sie. Sandra und Maria wiederholten lautstark:


 


„Auf uns Frauen.“ Wild mit ihren Händen gestikulierend fuhr Rebecca mit ihrer Familiengeschichte fort:


 


„Als sein bester Freund seinen Junggesellenabschied feierte, war er natürlich auch eingeladen.


 


„Ich bin um zehn wieder zu Hause, versprochen“, beruhigte er mich, als ich ihn bat, am nächsten Morgen nicht bei Jörg zu frühstücken, sondern so früh wie möglich nach Hause zu kommen.


 


Johannes watschte um dreiundzwanzig Uhr durch unsere Eingangstür. Eine Stunde später als versprochen. Eine Stunde später als meine Nerven aushalten konnten. Er fand mich auf dem mit Babymilch verspritzten Fußboden in der Küche, während Anna in ihrem Bett hysterisch schrie.


 


„Um Gottes willen“, rief er und rannte schnell in Annas Zimmer. „Rebecca, was ist los?“, fragte er, wobei er der Kleinen ihr Fläschchen gab.


 


„Ich weiß nicht mehr, was ich machen soll. Dieses Geschrei! Heilige Muttergottes!“, brüllte ich, „was haben wir nur für ein Monster bekommen.“ Johannes, die Ruhe in Person, kniete sich zu mir auf den Fußboden und küsste meine Stirn.


 


„Leg dich hin, ich wisch das sauber.“ Das musste er mir nicht zweimal sagen. Total erschöpft legte ich mich aufs Bett und schlief sofort ein. In der Nacht bekochte er mich noch mit einem Gemüseteller.


 


„Du brauchst Vitamine.“ Verzweifelt hatte er versucht, alles genau so zu machen, wie es in den diversen Babybüchern stand, die er gelesen hatte. Ich weiß, diese Babybücher sind auch etwas für Mütter.“


 


Maria und Sandra sahen ihre Freundin einige Sekunden lang stumm an. Dann ergriff Maria das Wort.


 


„Weißt du, so ging es mir auch oft. Und nicht nur mir. Ganz ehrlich? Jede Mutter ist mal am Ende ihrer Kräfte“, sagte sie und krallte sich eine Hand voll Erdnüsse, die in einer schwarzen Schüssel in der Mitte des Tisches ihren Platz hatten. Es dauerte nicht lange, dann war sie leer.


 


Zur richtigen Zeit kam der Kellner auf den Frauentisch zu, um die Bestellungen der unglaublichen Drei aufzunehmen. Ein smarter Typ, der mit seiner sympathischen Art sicherlich viel Trinkgeld verdiente.


 


„Wo waren wir stehen geblieben?“, begann Maria, „ach ja, Rebecca, du machst dir zu viele Gedanken. Glaube mir, jede Mutter verliert mal ihre Geduld. Ich auch.“ Rebecca und Sandra lauschten gespannt Marias Erzählung. Nach der zweiten Sektbestellung.


 


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