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Belletristik
Buch Leseprobe Ranch der Liebe, Cora Cara
Cora Cara

Ranch der Liebe



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Cora Cara Ranch der Liebe ROMAN www.windsor-verlag.com © 2014 Cora Cara Alle Rechte vorbehalten. All rights reserved. Verlag: Windsor Verlag ISBN: 978-1-627842-61-7 Umschlaggestaltung: Julia Evseeva Titelbild: © polinaloves - Fotolia.com, © SeanPavonePhoto - Fotolia.com Layout: Julia Evseeva Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung. Alle Namen, Personen, Orte und Handlungen sind völlig frei erfunden. Übereinstimmungen oder Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten, lebenden oder verstorbenen Personen wären daher rein zufällig. - Chris - Katrin Wagner war tot. Es war einer der ersten warmen Tage Mitte Juni, nur ein paar Schleierwolken zogen langsam über den hellblauen Sommerhimmel, ein leichter Wind ließ die Blätter der dicken Eichen leise rauschen. Die Beerdigung war vorbei, die Trauergäste waren gegangen. Nur Christine Fischer, ihre Freunde nannten sie Chris, stand noch immer weinend an Katrins Grab. Nichts war für sie schön an diesem Tag, sie sah die Sonne nicht, hörte nicht den Wind in den Eichen, die hinter Katrins Grab standen, sie zitterte, ihr war kalt und sie fühlte sich verloren. Sie stand vor den Trümmern ihres Lebens. Seit fast einer Stunde, stand sie regungslos da, weinte leise vor sich hin und schaffte es nicht, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Chris konnte noch immer nicht begreifen, dass Katrin für immer aus ihrem Leben gerissen worden war. Lisa brachte Chris schließlich in ihre Wohnung, erst am Abend ließ sie Chris allein. Sie hatten sich nicht unterhalten, für Chris gab es nichts zu sagen, viel zu tief saß der Schmerz. Kaum war Lisa gegangen, stand Chris auf und holte sich eine Flasche Wodka, eine neue Schachtel Zigaretten und ließ sich kraftlos in die Couch fallen. Ihre Trauer saß tief, tagelang schaffte sie es nicht, auch nur einen klaren Gedanken zu fassen. Sie sprach mit niemandem, verließ ihre Wohnung nur um einzukaufen und verwandelte ihre Wohnung in einen Müllhaufen. Leere Wodka Flaschen lagen im Wohnzimmer, neben unzähligen, meist leeren Zigarettenschachteln und dazwischen lagen leere Chipstüten, Keksverpackungen und Schokolade. Am Donnerstag nach Katrins Beerdigung, rief Andrea bei Chris an. Andrea und Chris kannten sich noch aus Schulzeiten und hatten einen losen Kontakt. Andrea hatte in den vergangenen Jahren in Köln gearbeitet und rief Chris an um ihr zusagen, dass sie zurück war. Andrea lud sich selbst zu Chris ein und kündigte sich für Samstagmittag an. Chris war genervt, sie wollte keinen Besuch, sie fühlte sich nicht in der Lage dazu und sie wollte schon gar nicht reden. Am nächsten Tag schaff6 te sie es sich aufzuraffen und wenigstens das Wohnzimmer aufzuräumen. Es war der erste Tag seit Katrins Tot, an dem sie nicht gleich nach dem Aufstehen zur Flasche griff und sogar etwas aß, bevor sie am Nachmittag aufgeräumt und geputzt hatte und sich einen Drink einschenkte. Pünktlich um halb zwei, am Samstagmittag, stand Andrea vor Chris Tür. Andrea stand der Schock ins Gesicht geschrieben, so hatte sie Chris noch nie gesehen. Sie war blass, hatte tiefe, dunkle Augenringe um die rot geäderten, nur noch blaßblauen Augen. Jeder Glanz war verschwunden. Mit hängenden Schultern stand Chris in der Tür und wirkte wie eine Ameise unter Elefanten, klein und verloren. Andrea entdeckte nicht mal einen Anflug von Freude über ihr Wiedersehen, als sie Chris umarmte und ihr schließlich in die Wohnung folgte. Im Wohnzimmer roch es noch immer nach Alkohol und kaltem Zigarettenrauch. Vorsichtig fragte Andrea was passiert war, geduldig und aufmerksam hörte sie Chris zu. Nach einer Stunde hatte sie von Chris erfahren, was passiert war. Andrea empfahl Chris dringend wieder arbeiten zu gehen und sich abzulenken. Es verging noch eine weitere Woche, ehe Chris sich aufraffte und wieder arbeiten ging. Stoisch ging sie ihren Aufgaben nach, immer wieder fiel sie zurück in das tiefe, schwarze Loch, ohne einen Gedanken und ohne eine Hoffnung. Die Wochenenden verbrachte sie allein, einsam und mit ihrem neuen, besten Freund, dem Wodka. Es vergingen einige Wochen, bis Chris sich entschloss ihr Leben zu verändern. Andrea, Steffi und besonders Lisa hatten sie immer wieder angerufen und sich darum bemüht Chris aufzuheitern, doch alles in ihrem Leben erinnerte sie an Katrin und damit konnte und wollte sie nicht mehr Leben. Chris Eltern hatten wenig Verständnis für ihre Pläne, sie verstanden nicht, dass Chris so sehr um Katrin trauerte. Schon Jahre zuvor hatte sich die Beziehung zu ihren Eltern abgekühlt. Nach ihrem Realschulabschluss hatte Chris eine Ausbildung zur Bürokauffrau gemacht. Während ihrer Ausbildung änderte sich ihr Leben gravierend. Sie war gerade 18 Jahre alt und verliebte sich zum ersten Mal in eine Frau, eine Klassenkameradin in der Berufsschule. Ihre Liebe fand keine Erwiderung und Chris vertraute sich ihrer Freundin Steffi an, ebenfalls eine Klassenkameradin. Es vergingen einige Monate bis Chris sich eingestand lesbisch zu sein. Nach ihrer Ausbildung zog Chris bei ihren Eltern aus und arbeitete als Buchhalterin in einem großen Unternehmen. Nach wenigen Monaten lernte sie die attraktive Carolin kennen und verliebte sich in sie. Euphorisch stellte Chris sie schon bald ihren Eltern vor, jedoch hatte sie sich allein angemeldet und Chris stellte ihre Eltern vor vollendete Tatsachen. Enttäuscht stellte sie fest, dass ihre Eltern ihre Beziehung nur für eine vorübergehende Ausschweifung hielten und maßen der Beziehung keinerlei Bedeutung bei. Nach nur sechs Monaten trennte Chris sich wieder von Carolin, ihre Eltern hatten Recht, ihre Beziehung hatte keine Bedeutung. Doch die Beziehung zu ihren Eltern war noch weiter abgekühlt. Chris war 20 Jahre alt, als sie aus Bremen an den Hamburger Stadtrand zog. Nun war sie 27 Jahre alt und fühlte sich einsamer denn je. An einem kalten Abend im Oktober telefonierte sie mit Steffi, sie sprachen über Chris Job und ihre Pläne für die Zukunft. Chris hatte sich entschlossen Deutschland zu verlassen, wohin war ihr egal. Zwei Tage später schickte Steffi ihr eine kurze E-Mail. „Hallo Chris, wenn du tatsächlich weg willst, habe ich eine Adresse für dich. Vielleicht hilft sie dir weiter. Allerdings fände ich es wirklich schade, ich verstehe deine Entscheidung, aber ich werde dich dennoch sehr vermissen. Viele liebe Grüße, Deine Steffi“ Neugierig öffnete Chris den Link. Sie las von einer deutschen Auswanderer Familie in Texas, doch ein Stellenangebot fand sie dort nicht. Wenige Tage später hatte Chris sich entschlossen die Familie anzurufen. Nervös wählte Chris die lange Telefonnummer. Tatsächlich suchte die Familie jemanden der sie entlasten konnte. Das war ihre Chance, sie konnte weg, raus aus Deutschland, weg, weit weg von ihren unsensiblen Eltern. Nachdem Chris aufgelegt hatte, rief sie Steffi an und erzählte von dem Angebot. Nur fünf Wochen später, am 1. Dezember flog Chris nach Texas. Sie hatte es geschafft, sie hatte Deutschland hinter sich gelassen. Ihre Eltern hatten ihr abgeraten, was sie denn ganz allein dort wolle, hatten sie gefragt. „Ich werde nicht allein sein!“, hatte Chris darauf gesagt und entschieden, dass ihre Eltern sie nie verstehen würden. Chris war eine gute Schülerin gewesen und sprach sehr gut englisch, doch schon bald bemerkte sie, dass sie noch einiges dazu lernen musste. Um ihre Sprachkenntnisse aufzubessern ging Chris regelmäßig in Bistros, Bars und Discotheken. Schon bald stellten sich Chris neue Arbeitgeber als schwierig und egoistisch heraus. Sie waren nur auf Profit aus, es interessierte sie nicht, wie und womit sie ihr Geld verdienten, eine Tatsache mit der Chris sich nicht identifizieren konnte und auf Dauer auch nicht wollte. - Renee - Es war ein eiskalter Wintertag, Ende Januar, als Renee aufgewühlt und einsam am Strand von Los Angeles entlang schlenderte. Schon seit Tagen geisterte ihr nur eines durch den Kopf: Mike! Seit gut zwei Jahren war sie nun mit ihm zusammen, doch in letzter Zeit war sie um jede Minute ohne ihn froh. Mike tat alles für Renee, ohne Wiederworte und Murren sagte er zu allem was Renee wollte ja und amen. Eine Tatsache die Renee so gar nicht gefiel, sie wollte einen gleichberechtigten Partner, keinen Leibeigenen. An diesem Samstagmittag war sie regelrecht geflüchtet, sie dachte über eine Trennung nach und wollte sich nun mit ihrer Freundin und Kollegin Lucie Silverstein treffen. Lucie war nicht nur ihre beste, sondern auch ihre einzig wahre Freundin mit der sie wirklich über alles reden konnte. Es war ruhig und menschenleer auf dem breiten Sandstrand. Renee hatte ihre Hände tief in den Jackentaschen vergraben und starrte auf den Horizont. Der Pazifik schimmerte tiefblau und verschwamm in der Ferne mit dem blaßblauen, klaren Himmel. Renee war stehen geblieben und atmete tief durch. Sie ließ ihr aufregendes, gerade erst 31 Jahre altes Leben, Revue passieren. Doch am meisten beschäftigte sie, dass keine ihrer Beziehungen länger als zwei Jahre gehalten hatte. Oft waren es sogar nur einige Monate gewesen. Sie beneidete Lucie um ihre glückliche Beziehung. Sie war seit mehr als sechs Jahren mit Kyle zusammen und nun auch schon seit knapp fünf Jahren mit ihm verheiratet. Lucie schien sehr glücklich mit Kyle zu sein, aber Renee mochte ihn nicht, sie hielt ihn für oberflächlich, erfolgssüchtig und arrogant. In diesem Moment dachte sie jedoch über Mike nach und schüttelte verständnislos den Kopf. Sie hatte ihn vor zwei Jahren im Spätsommer kennen gelernt. Er war charmant, sah sehr gut aus und trug Renee auf Händen. Doch schon nach wenigen Wochen erklärte Renee ihm, dass sie durchaus in der Lage war ihr Leben selbst zu bestreiten. Mike hatte sich kleinlaut zurückgezogen und Renee in Ruhe gelassen. Doch es dauerte nicht lange und alles begann von vorn. So war es auch nun, doch dieses mal wollte Renee nicht wieder alles erklären und Gefahr laufen, dass sich auf Dauer doch nichts änderte. Hinzu kam das jedes kribbeln verschwunden war und Renee eher genervt war, wenn sie Mike sah. „Hier bist du!“ rief Lucie und riss Renee aus ihren Gedanken. Freudestrahlend drehte sie sich zu Lucie um, doch ihr Lächeln erstarb, als sie neben Lucie auch Kyle auf sich zukommen sah. ‚Der hat mir gerade noch gefehlt’, dachte Renee und bemühte sich, nicht allzu sehr zu zeigen wie wenig begeistert sie von seiner Anwesenheit war. „Hey, schön dich zu sehen“, freute Renee sich und schloss Lucie herzlich in die Arme. Beruhigend strich Lucie über ihren Rücken. Renee genoss die sanfte Berührung ihrer Freundin und schloss für einen Moment die Augen. „Hallo Kyle“, begrüßte sie ihn wenig später mit einem aufgesetzten Lächeln und reichte ihm die Hand. „Renee“, erwiderte er und nahm ihre Hand. Er schien nicht sonderlich begeistert, seinen freien Samstag Nachmittag mit Renee verbringen zu müssen, doch das störte weder Renee noch Lucie. „Wie lange bist du schon hier draußen?“, fragte Lucie, als sie wenig später zu dritt am Wasser entlang schlenderten. „Keine Ahnung, zwei oder drei Stunden vielleicht“, wich Renee zögernd aus. „Du musst total durch gefroren sein“, meinte Lucie besorgt. „Lass uns erst mal einen Kaffee trinken gehen.“ Renee nickte zustimmend und folgte Lucie zu einem Strandcafe. Kyle folgte ihnen mit einigem Abstand. Lucie hatte ihm nicht gesagt warum sie sich unbedingt mit Renee treffen wollte. Sie ahnte bereits, dass es um Mike ging, doch sie schwieg, bis sie sich in dem kleinen Café setzten. Renee war Lucie gefolgt ohne auf den Weg zu achten, erst als sie am Tisch saß bemerkte sie, dass Lucie einen Tisch mit Blick auf den Pazifik ausgesucht hatte. Es war ein kleines, feines aber unauffälliges Café Lucie ging sehr gerne in dieses Café, genau wie Renee, dort konnten sie sich öffentlich bewegen ohne von Fotografen, Fans oder Touristen angesprochen zu werden. Auch viele ihrer Kollegen tummelten sich gerne dort, schließlich gab es nur wenige Lokalitäten in L.A. in denen es so lief. Lucie bestellte für sich und Renee Cappuccino, während Kyle mit der jungen Kellnerin flirtete und schließlich einen Irish Coffee bestellte. Genervt wandte Lucie sich von ihm ab und sah Renee prüfend an. Renee reagierte jedoch nicht und sah stattdessen weiter aus dem Fenster. Sie liebte das Meer und die Ruhe, die es ausstrahlte. „Hey Süße, was ist passiert?“, fragte Lucie nach einer Weile und berührte Renee sanft am Arm. Nur langsam wandte Renee ihren Blick und sah Lucie an, ehe sie antwortete. „Ich werde mich von Mike trennen“, sagte Renee einfach. Sie hatte sich entschieden und Kyle stöhnte genervt auf. Er erntete dafür einen unsanften Seitenhieb mit dem Ellenbogen von Lucie. „Was ist denn passiert?“, fragte Lucie sanft. Von nun an war Kyle abgemeldet, Lucie würdigte ihm keines Blickes und vergaß beinah, dass er überhaupt da war. „Ach es ist wie immer, er versteht einfach nicht, dass ich selbstständig leben kann. Ich brauche kein Kindermädchen, ich bin 31 Jahre alt, keine dreieinhalb“, erklärte Renee aufgebracht. „Aber warum sprichst du denn nicht noch mal mit ihm?“ − „Wie oft denn noch?“− „Sag ihm doch mal ganz deutlich was dich so stört“, riet Lucie. „Oder liebst du ihn nicht mehr?“, fragte sie leise. „Ich weiß es nicht“, gab Renee traurig zu und schüttelte den Kopf. „Manchmal glaube ich, dass ich gar nicht weiß wie sich Liebe wirklich anfühlt“, gestand Renee leise. Lucie antwortete nicht, stattdessen wurde ihr Blick starr und schien, als sei sie plötzlich Lichtjahre entfernt. „Du wirst es erkennen, du wirst es spüren wenn du sie triffst“, sagte Lucie einige Zeit später. „Aber dann ist er nicht der Richtige“, meinte Renee nun überzeugter. „Dann trenn dich von ihm und warte nicht darauf, dass deine große Liebe irgendwann vor deiner Tür steht“, empfahl Lucie mit einem seltsamen Seitenblick auf Kyle. Doch Renee bemerkte ihren Seitenblick ebenso wenig wie Kyle. „Ja, das mach ich. Ich stürze mich ins Leben und werde es genießen“, erklärte Renee mit einem sarkastischen Unterton. „Tu mir einen Gefallen und übertreibe es nicht“, bat Lucie schmunzelnd. „Ich übertreibe doch nie“, grinste Renee. „Na dann ist es ja gut.“ Renee schmunzelte in sich hinein und freute ich über Lucies Sorge. Sie war eine wirkliche Freundin und Renee genoss es soviel ehrliche Zuneigung zu erfahren. Erst am Abend verabschiedete Renee sich von Lucie und Kyle. Doch statt nach Hause zu fahren, fuhr Renee in eine kleine Rockbar unweit ihres Hauses. Erst spät in der Nacht taumelte sie zu Fuß nach Hause. Sie hatte einige Wodka getrunken, lautstark mitgesungen und getanzt. Ihr Anrufbeantworter blinkte wie wild, Mike hatte seit dem frühen Nachmittag im halbstunden Takt angerufen. Renee interessierte sich jedoch herzlich wenig für seine Sorge und machte sich auf den Weg in ihr Bett. Erleichtert stellte sie fest, dass Mike in dieser Nacht nicht mehr anrief. Am Sonntag schlief Renee bis zum späten Vormittag. Erstaunlich frisch und ausgeruht stand Renee auf, kochte sich einen Kaffee und bereitete sich ein kleines Frühstück, ehe sie schließlich gegen Mittag Mike anrief. Sie war fest entschlossen und wollte sich so schnell wie möglich mit ihm treffen. „Hallo Mike“, rief Renee, als er sich gleich nach dem zweiten klingeln meldete. „Ich bin es, Renee. Sorry, dass ich mich jetzt erst melde, aber gestern Abend war es mir einfach zu spät“, plapperte Renee einfach weiter, ohne Mike zu Wort kommen zu lassen. „Hast du heute Nachmittag schon was vor? Ich würde mich gern mit dir treffen, ich denke wir sollten reden.“ „Okay, wann soll ich bei dir sein?“, fragte Mike einfach. „Lass uns ins Strandcafe gehen, wie wäre es in einer Stunde?“, fragte Renee und verdrehte die Augen. „Im Strandcafe? Na gut, dann in einer Stunde“, war Mike natürlich einverstanden. Er schien sich nicht einmal zu wundern, dass er nicht zu Renee kommen sollte. Doch als Renee auflegte, war sie froh den ersten Schritt gemacht zu haben. Sie trank ihren Kaffee aus, räumte das Geschirr in den Spüler und zog sich schließlich um. Wenig später machte sie sich zu Fuß auf den Weg in die Rockbar, holte ihr Auto und fuhr an den Strand. Mike erwartete sie bereits vor dem Café, Renee hatte ihn schon entdeckt, als sie aus dem Auto gestiegen war. Sie straffte die Schultern und atmete noch einmal tief durch, ehe sie ihn mit einiger Distanz begrüßte. Renee folgte Mike in eine ruhige Ecke des Cafes. Enttäuscht bemerkte sie, dass sie von ihrem Platz keinen Blick auf das Meer hatte. ‚Nicht mal daran erinnert er sich’, dachte Renee enttäuscht und umso mehr entschlossen reinen Tisch zu machen. Mike saß schweigend und nahezu regungslos da, während Renee ihm erklärte, dass sie sich nun von ihm trennte. Er sagte kein Wort, auch als sie geendet hatte, schwieg er. Mit so einer Reaktion hatte Renee nicht gerechnet. Sie saß da, sah ihn fragend an und wartete. Nach einer Weile winkte Mike dem Kellner und verlangte die Rechnung. „Mehr fällt dir dazu nicht ein?“, fragte Renee, als der Kellner wieder verschwunden war. „Was soll ich denn sagen? Du hast dich entschieden und zwar gegen mich“, meinte Mike ruhig. Renee kochte vor Wut, sie ärgerte sich, dass sie nicht schon viel früher von ihm getrennt hatte. Als der Kellner mit der Rechnung kam, zahlte Mike und verschwand ohne ein weiteres Wort aus dem Café. Völlig perplex sah Renee ihm nach. Sie saß noch eine Weile stumm am Tisch, ehe sie schließlich nach Hause fuhr. Renee war niedergeschlagen, sie hatte mit einer völlig anderen Reaktion gerechnet. Mike schien das alles jedoch völlig kalt zu lassen, umso schlechter fühlte sich Renee. Tapfer kämpfte sie gegen die aufdringlichen Tränen und ließ sich gehen. Den Rest des Tages verbrachte sie vor dem Fernseher und freute sich, dass sie am nächsten Tag wieder arbeiten konnte. Die folgenden Wochen vergingen für Renee wie im Flug, sie arbeitete viel und telefonierte regelmäßig mit Lucie um ihrem Ärger Luft zu machen. So feierte sie auch ihren 32. Geburtstag, Mitte Februar, nur mit Lucie. Nach dem sie Essen gegangen waren, hatte Renee Lucie zu sich eingeladen und sie hatten bis zum frühen Morgen zusammen gesessen, erzählt, getrunken und viel gelacht. Nur Kyle war nicht begeistert, doch auch in den folgenden Wochen trafen Renee und Lucie sich meist mehrmals in der Woche. Es war Mitte März, als Lucie Renee am späten Nachmittag im Büro anrief. „Wir können uns nicht mehr so oft treffen“, erklärte Lucie kleinlaut. „Wieso, was ist passiert?“, wollte Renee überrascht wissen. „Ist es wegen Kyle?“, hakte sie nach. „Um ehrlich zu sein, ja. Er ist total genervt, er sagt ich würde viel mehr Zeit mit dir, als mit ihm zu verbringen. Naja, so ganz unrecht hat er nicht und will mich nicht mit ihm streiten. Er versteht schon nicht, warum du dich von Mike getrennt hast“, erklärte Lucie. „Ich hab ihn nie geliebt, reicht das nicht?“, fragte Renee aufgebracht. „Doch, mir schon. Ich verstehe dich ja auch und ich würde auch gerne mehr Zeit mit dir verbringen, aber ich will meine Ehe nicht gefährden“, wurde Lucie kleinlaut. „Verstehe“, gab Renee schroff zurück. „Es tut mir wirklich leid, ich sag ja auch gar nicht, dass wir uns gar nicht mehr treffen können, nur vielleicht nicht mehr sooft.“− „Ich hab dich schon verstanden“, unterbrach Renee sie barsch. „Ich muss jetzt auch los, ich habe noch einen Termin“, erklärte sie weiter und legte ohne ein weiteres Wort auf. Renee hatte keinen Termin mehr, sie wollte nicht, dass Lucie bemerkte wie enttäuscht sie war. Ihr liefen Tränen über das Gesicht, als sie die Hände vors Gesicht schlug. ’Dann eben nicht’, dachte Renee gereizt und wischte sich die Tränen ab. Nach ein paar Minuten klingelte ihr Telefon erneut. Es war Lucie, doch Renee nahm nicht ab. Als das Telefon aufgehört hatte zu klingeln, rief Renee nach Staycie, ihrer Sekretärin und bat sie Lucie nicht mehr durch zu stellen. Staycie sah Renee überrascht an, fragte aber nicht weiter nach. Renee bemerkte Staycies Blick, doch sie wusste, dass sie sich auf sie verlassen konnte. Renee blieb bis zum späten Abend im Büro. In den folgenden Wochen versuchte Lucie immer wieder Renee zu erreichen, Renee blockte jeden Kontaktversuch ab, sie war viel zu enttäuscht, dass Lucie sich so sehr von Kyle lenken ließ. Die Wochenenden verbrachte Renee in verschiedenen Bars und Clubs. Nicht selten verbrachte sie die Nächte mit irgendeinem jungen, wilden Typ. Renee genoss die Abwechselung und die Freiheit. Nach einigen Wochen schaffte sie es schließlich, sich damit abzufinden, dass Mike sie offensichtlich nicht so sehr geliebt hatte, wie sie geglaubt hatte. Seit ihrem letzten Treffen in dem Strandcafe, hatte Renee nichts mehr von ihm gehört. Nach weiteren vier Wochen bemerkte Renee, dass sie dieses übertriebene Leben nicht mochte und sie so ganz sicher keinen festen Partner finden würde. Chris Chris ging ihrer Arbeit nach, doch auch das erwies sich zunehmend als unmöglich. Sie hatte das Gefühl, dass ihre Arbeitgeber immer wieder die Strukturen veränderten. Schon nach vier Monaten in Texas, begann Chris sich nach einem neuen Job umzusehen, doch sie hatte keinen Zweifel, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Viele Nachmittage verbrachte sie in einem kleinen, gemütlichen Bistro, in dem sie sämtliche Zeitungen auf Stellenangebote durchforstete. Es vergingen noch sechs weitere Wochen bis Chris, Anfang Mai, über eine Anzeige stolperte: Kollegen gesucht: allg. Bürotätigkeiten – TOP bez. West-Hollywood – Silver Company :-) Tatsächlich war da ein Smiley und es wirkte, sie lächelte sofort. Seit sechs Monaten lebte Chris nun schon in Texas. Sie hatte einen gut bezahlten Job, aber keinen Spaß an ihrer Arbeit. Sie bearbeitete Buchungsanfragen für Ferienhäuser, doch diese kamen größtenteils aus Deutschland. Lange schon versuchte sie ihren Tätigkeitsbereich zu erweitern, jedoch mit wenig Erfolg. In dem kleinen Bistro studierte sie den Stellenmarkt für „Office-Jobs“ und da war nun dieses Smiley, eine Telefonnummer in Los Angeles und ihre Neugier. Wieder las sie die Anzeige und wieder musste sie unwillkürlich lächeln. Kurz entschlossen griff sie zu ihrem Mobiltelefon und wählte die angegebene Nummer. Eine freundliche, junge Frau beantwortete geduldig ihre Fragen, sie fragte Chris was sie bisher gemacht habe und staunte, als sie hörte, dass Chris erst seit so kurzer Zeit in den Staaten lebte. Schließlich bat die junge Frau sie eine Stunde später wieder anzurufen, sie wollte mit ihrer Chefin sprechen. Nervös legte Chris auf, sah auf die Uhr an der Wand: 15:25 Uhr, ihre Uhr am Handgelenk zeigte die gleiche Zeit. Kurz überlegte sie in ihre Wohnung zu fahren und von dort wieder anzurufen, doch sie blieb in dem Bistro, trank eine Cola nach der anderen und sah ständig auf die Uhr.


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