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Belletristik
Buch Leseprobe Rache, Stefan Lamboury
Stefan Lamboury

Rache



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In der Nacht habe ich einen seltsamen Traum. Ich träume ich stehe am Rande einer Klippe, es ist Nacht. Der Mond hängt wie ein runder dämonischer Wächter am Himmel. Schwarze Wolken bedecken das Himmelszelt. Das Meer ist unruhig, die Wellen peitschen gegen die Felsen wo sie brechen. Ein Donnerschlag zerreißt die Stille während ein Blitz auf die Erde niedersaust. Er taucht die Umgebung in gleißendes Licht. Nebel liegt über der Bucht, er steigt aus dem Boden hervor und wird so dicht, dass man kaum die Hand vor Augen sehen kann. Aus der Ferne höre ich ein Geräusch, war das ein Schrei? Es klang wie der Schrei einer Frau. Der Schrei dran vom Wasser zu mir herüber. Ist jemand in Not? Soll ich Hilfe rufen? Aber ich kann nicht, meine Beine bleiben wie angewurzelt stehen. Erneut höre ich den Schrei, aber dieses mal scheint er deutlich näher zu sein. Was war das? Ich spüre wie mich Panik überfällt meine Nackenhaare richten sich auf. Mir fröstelt, aber von Innen heraus. Das Herz schlägt mir bis zum Hals. Kalter Schweiß steht auf meiner Stirn und läuft meinen Nacken hinab. Meine Kneipe kommt macht mir plötzlich Angst. Die Grabsteine des Friedhofes sehen aus als ob sie sich bewegen, überhaupt scheint die Ruhestätte im Mondlicht sehr unheimlich auszusehen. Was geht hier vor? Ich höre ein seltsames Geräusch, ein Stöhnen direkt hinter mir, dann spüre ich wie etwas meinen Nacken streichelt. Es fühlt sich an wie Finger eiskalte Finger. Nein, das ist nicht richtig höre ich mich selbst im Traum sagen, es sind tote Finger. Die Finger packen mein Genick, ich versuche die Augen zu schließen, ich will nicht hinsehen, aber ich muss hinsehen. Ich erblicke eine junge Frau mit schwarzen langen Haaren, die mich aus dunklen Augen, nein korrigiere ich mich selbst, das sind keine dunklen Augen, das sind tote Augen heraus ansieht. Ihr Gesicht ist weiß wie der Tod. Ihre Wangen sind eingefallen. Ich sehe wie sich faules Fleisch aus ihrem Gesicht schält und zu Boden fällt, sodass man stellenweise bereits den blanken Knochen sehen kann. Mit ihren spindeldürren Fingern hält sie mich fest. Für ihre Figur scheint sie doch über eine erstaunliche Körperkraft zu verfügen. Die Frau öffnet ihren Mund, aus dem eine Reihe schwarzer verfaulter Zähne zum Vorschein kommen. Der Geruch nach totem Fisch, Verwesung und Fäulnis scheint mir die Sinne zu rauben. Ich spüre wie sich mein Magen umdreht, dann kotze ich dem Wesen mitten ins Gesicht. Eine Mischung aus halbverdauten Nudeln und Hackfleischsoße läuft ihr Kinn und ihre Wangen hinunter. Ich spüre wie sich die Zähne des Ungeheuers in meinen Hals bohren. Blut tropft auf meine Schulter, begleitet von einem stechenden Schmerz.


 


Von einer Sekunde zur nächsten, erwache ich, mein Herz rast, Schweißperlen stehen mir auf der Stirn. Was war das für ein entsetzlicher Traum? Seltsam meinen letzten Alptraum hatte ich mit acht Jahren, als ich damals mit meinem Bruder heimlich Nightmare on Elm Street geschaut habe. Ich erinnere mich, dass ich nach dem Film fast eine Woche nicht schlafen konnte. Meine Frau knipst die Nachttischlampe an und fragt: „Was ist los Liebling? Ist alles in Ordnung.“


 


Ich drehe mich zu ihr um, drücke einen Kuss auf die Stirn und sage:“Schlaf ruhig weiter Schatz, es ist alles in Ordnung, ich habe nur schlecht geträumt.



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