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Belletristik
Buch Leseprobe Picalilli, Lea Kardov
Lea Kardov

Picalilli



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Zwölf Stockwerke, Betonplatten, gekrönt von hundert-vierundvierzig abgewetzten Treppenstufen. Unzählige Apartments bildeten eine Parallelwelt zur realen Umgebung der Stadt. Rüttelnde Aufzüge und Wandkritzeleien ließen den Plattenbau im Norden Hackney´s ins Leben erwecken. Wankte um Stapel an Werbezeitungen den Flur entlang.


 


Fünfzehn Quadratmeter, Westlondoner Standard. Zwei Betten, Gitterfenster, Schreibtisch und Küchenzeile. Modoras Badezimmer, voll getürmt von Heilsteinen und verstaubten Nagellack Flaschen. Es roch nach angebrannten Potato Mash und Chai Latte. Dienstags strömten Curry-Wolken bis in unsere Wohnung hinein.


 


Vor einem Jahr sprach ich über Cottages mit verzierten Fenstersimsen. Häuser wie aus National Geographic Dokumentationen. Kritzelte Zeichnungen über Chesterfield Sofas und Taubenblaue Vorhänge in mein Notizheft. Zugegebener Weise stritt sich keiner um die Stuttgarter Kellnerin mit stoischen Locken. Mir blieb die Wahl zwischen der Dachkammer des Restaurants oder dem Rückzug.


 


Madora, meine Zimmergenossin und Wirtschaftsstudentin, sah bei meiner Einkehr nicht auf. Sie drückte Zigarettenstummel aus dem Fenster. Entzog Sauerstoff.


 


»Zurück?«, murmelte sie.


»Nein, ich sandte meinen Zwilling.«


Die Schicht im Restaurant endete selten bevor Sonnenuntergang. Sie reichte einen Stapel an Briefe.


»Kehrwoche?« „Gerard sagte, du zogst den Matsch hinein.«


 


Ich musterte ihre Stiefel.


»Klar, was stelltest du an?« Sie grinste auf.


»Wenigstens weiß ich jetzt, dass wir Mutter Erde nicht in unser Heim hineinnehmen dürfen. Denke an die Rechnung für dein Zeitungen-Abo, Sarah.«


Ich besaß kein Abonnement. Madora deutete auf Kuchenstückchen.


»Die Lady aus dem dritten Stockwerk«, sagte sie.


 


Es existierten drei Arten von Nachbarn in der Brenthouse Road Nummer zehn. Nachbarn mit habichtartigen Augen wie Gerard. Sie beobachteten jedes Vorgehen. Deklarierten Schuhe vor Haustüren zu potenzielle Todesfallen und führten Nachtwache über eine nie ruhende Straße. Es gab Nachbarn wie die Familien Basu oder Litrano. Nachts hörte man ihre Stimmen wieder hallen, durchdringend von Musik, laufenden Küchengeräte und nicht einschlafenden Babys. Zu guter Letzt existierten, wie ich sie nannte, die Schatten. Nachbarn, von denen man nichts wusste außer das Namensschild an der Haupttür. Mademoiselle Coraline gehörte zu ihnen. Keiner kannte die Lady in Wahrheit. Sie lebte alleine im dritten Stockwerk und verließ nur zur Vergabe von Kuchen oder Streitschlichtung ihr Apartment.


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