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Belletristik
Buch Leseprobe Pferdeparadies Stammelhof, Martina Sein
Martina Sein

Pferdeparadies Stammelhof


Isabella irrt nicht

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Voller Vorfreude gingen Leonie und Lola in den Stall. Joe, die Pferdepflegerin, hatte sich für heute Nachmittag vorgenommen, alles weihnachtlich zu schmücken. „Ob die Pferde wohl merken, dass es eine besondere Jahreszeit ist?“, fragte sich Lola, die eigentlich Carola hieß. Leonie lachte. „Die sind bestimmt traurig, dass sie kein frisches Gras mehr auf der Weide finden.“ Sie seufzte. „Vor allem Merlin kann den Frühling kaum erwarten.“ Ihr erfahrenes Springpferd hatte sich beim letzten Turnier des Jahres verletzt. Sie waren gut unterwegs gewesen, als sie mitten in der zweifachen Kombination aus dem Takt geraten und gestürzt waren. Leonie war zum Glück nichts passiert. Merlin hingegen hatte sich einen Haarriss, eine sogenannte Fissur, zugezogen. Er durfte sich einige Wochen überhaupt nicht bewegen, was für ein Pferd natürlich schrecklich ist. Schließlich ist es ein Fluchttier. „Was meinst du, wie der sich freut, wenn er das erste Mal wieder raus darf und etwas zu fressen findet?“ Lola nickte. „Wahrscheinlich. Silia ist nicht so verfressen, aber ihr gefällt das Leben hier viel besser als früher in München.“ Erst im Sommer hatte Leonies Mutter Isabella den Reiterhof gekauft. Zuvor hatten Merlin und Lolas Silia zusammen mit Isabellas eigenem Pferd Jolly und Leonies großer Nachwuchshoffnung Kobold in einem Elite-Springstall gestanden. Dort gab es keine großen Paddocks oder gar Weiden. Nicht einmal ein vernünftiges Gelände zum Ausreiten war vorhanden gewesen. Das änderte sich schlagartig mit dem Umzug nach Eching am Ammersee. Überhaupt war das Leben, das die Mädchen mit ihren Müttern Isabella und Pia, sowie die Tiere nun führten, nicht mehr zu vergleichen. Mit dem Umzug war auch ein Schulwechsel verbunden gewesen. Etwas Besseres hätte den Freundinnen nicht passieren können. Früher waren sie gemobbt worden. Ihr Hobby war bei den Mitschülern nicht gut angekommen. Außerdem hatten sie Leonie immer als Außenseiterin angesehen, weil sie ein fotografisches Gedächtnis hatte. Lola beneidete sie darum, aber allein ihre tiefe Verbundenheit mit Leonie hatte sie zur Außenseiterin gemacht. Seit einigen Monaten besuchten die beiden die Elias-Franke-Schule. Dort war alles anders, als sie es von ihren früheren Schulen gekannt hatten. Es gab viele Jugendliche mit besonderen Begabungen. Der Unterricht wurde individuell gestaltet. Die beiden Freundinnen waren nicht allein. Sie hatten den Bernhardiner Rasputin dabei. Eigentlich gehörte er Leonies Oma. Die war jedoch der Meinung, dass der große Hund auf dem Land besser aufgehoben war. Rasputin liebte es, wenn er in den Stall durfte. In letzter Zeit musste er etwas länger warten. Nach dem Mittagessen ging Leonie mit ihm zum See. Dort traf sie sich heimlich mit Lutz und dessen Hündin Truska. Da Isabella keine guten Erfahrungen mit Männern gemacht hatte und dementsprechend eingestellt war, durfte die von diesen Verabredungen nichts erfahren. Außerdem war Lutz beinahe fünf Jahre älter als Leonie. Hätte sie ihre Mutter eingeweiht, hätte es sicher Diskussionen gegeben. Die beiden hatten die Straße erreicht. Da hörten sie hinter sich jemanden rufen: „Wartet auf mich!“ „Super!“, freute sich Leonie. „Astrid scheint mit allem fertig zu sein.“ Schon kurz nach dem Umzug hatten sich die Mädchen mit der Nachbarstochter angefreundet. Wie sollte es auch anders sein? Astrid ritt ebenfalls leidenschaftlich gern. Zum Schulbeginn hatten ihre Eltern ihr den sehnlichen Wunsch nach einem eigenen Pferd erfüllt. Es stand in Form der hübschen, grauen Araberstute Nelly in dem Stall, den die Mädchen gleich erreichen würden. „Na, alles fertig für heute?“, erkundigte sich Leonie. Astrid nickte begeistert. „Das war nicht viel.“ Astrid war es mit ihrer Hochbegabung in der Grundschule ähnlich ergangen wie Leonie. Von ihrem Vater hatten sie den Tipp mit der Elias-Franke-Schule bekommen und waren unendlich dankbar dafür. „Ich habe noch nie einen Pferdestall weihnachtlich geschmückt. In der Reitschule hat man darauf keinen Wert gelegt. Dafür war die Feier meistens sehr schön. Zweimal bin ich mitgeritten.“ „So etwas gab es bei uns nicht“, warf Lola ein. Nachdem sie die Straße und den dahinter liegenden Parkplatz überquert hatten, zog Leonie das Tor auf. Es war bitterkalt geworden. „Da sind sie ja endlich“, bemerkte Joe. Sie gehörte zum festen Inventar des Stalls. Er war in den letzten Jahren zweimal verkauft worden. Ursprünglich hatte er zum Hotel gegenüber gehört. Dann war ein bekannter Springreiter gekommen und schließlich Isabella. Joe und ihr Kollege Carlos hatten das alles überdauert und waren mit ihrer jetzigen Chefin überglücklich. Leonie ging zu Merlins Box. Eigentlich war er in einer Laufbox untergebracht, aber so weit war sein Bein noch nicht. „Hallo mein Großer“, begrüßte sie den Braunen. „Wir drehen direkt unsere Runde, bevor es dunkel wird. Ich bin froh, wenn die Tage bald wieder länger werden und nicht noch kürzer. Wann wollt ihr mit dem Schmücken anfangen?“ „Nutzt ihr ruhig das Tageslicht für euren Spaziergang!“, forderte Joe Leonie auf. „Das machen wir später in Ruhe.“ Rasputin hatte nach der letzten Runde und dem Spiel mit Truska genug. Er ließ sich, wie es seine Art war, direkt hinter dem Tor nieder und fiel in eine Art Dämmerzustand. Inzwischen wussten die Leute, die in diesem Stall ein- und ausgingen, dass er dort, wo man ihn am wenigsten erwartete, als riesige Stolperfalle herumliegen konnte. „Ich reite Silia in der Halle“, verkündete Lola. Astrid stimmte ihr zu: „Nelly und ich sind dabei.“ So machten die drei Mädchen ihre Pferde fertig. Gemeinsam verließen sie den Stall auf der anderen Seite. Dann trennten sich ihre Wege. Lola und Astrid wandten sich nach links. Dort lag die schöne Reithalle, die zu dieser Jahreszeit sehr beliebt war. Leonie ging geradeaus weiter. Sie kam an dem großen Außenplatz vorbei. Dort entdeckte sie eine Frau auf einem hellen Fuchs und einen Mann mit einer hübschen Schimmelstute, die dunkles Langhaar hatte. Elisabeth und Christian arbeiteten mit ihren Pferden Lady Godiva und Asha. Beide stammten aus dem früheren Hotelbetrieb. Christian und sein zweieiiger Zwillingsbruder Andreas waren sogar die Söhne des ehemaligen Direktors. Im Vorbeigehen grüßte Leonie die beiden und wandte sich dem Weg zu, der zwischen den Koppeln und Paddocks hindurchführte. Jeden Tag schaute Merlin sich interessiert um und wieherte seinen Artgenossen zu. An sein Leben in Freiheit hatte er sich schnell gewöhnt. Heute tänzelte er sogar ein wenig, als sie an Bergama und Bregitte, zwei Einstellern, vorbeikamen. „Was ist denn los?“, wunderte sich Leonie. „Ist eine der Damen etwa rossig? Du weißt doch, dass du ein Wallach bist und mit Platzpatronen schießt, oder?“ Sie erreichten das Ende der Koppeln. Wie immer ging Leonie mit ihrem Pferd eine etwa fünfundvierzigminütige Runde. Dabei trabten sie mehrmals an der Hand. Leonie war froh, erneut mit dem Joggen angefangen zu haben. So hatte sie die nötige Kondition, um eine Weile mit dem Pferd mithalten zu können. Das hatte immerhin vier Beine und konnte traben, als hätte es Siebenmeilenstiefel an. Wie kalt es war, spürte Leonie nur an der Luft, die sie einatmete. Ansonsten war ihr in der dicken Jacke, die sie trug, angenehm warm, als sie wieder auf dem Hof ankam. Lola und Astrid schienen mitten im Training zu sein. Also kümmerte sich Leonie erst einmal um Merlin. Er bekam eine kleine Karotte als Belohnung. Bei so wenig Bewegung musste sie aufpassen, dass sie ihn nicht zu sehr verwöhnte und er an Gewicht zulegte. Als Lola und Astrid mit ihren Pferden zurückkamen und diese versorgt hatten, holte Isabella die Dekoration, die sie für den Stall gekauft hatte. „Ich hoffe, ich habe nicht übertrieben“, meinte sie entschuldigend. Schließlich führte sie den Stall erst seit ein paar Monaten und war sich bei vielen Dingen unsicher. Da musste man einfach reinwachsen und Erfahrungen sammeln. Joe meinte leichthin: „Keine Sorge! Das verliert sich auf der langen Stallgasse schnell. Sonst können wir ja was ins Reiterstübchen oder in die Halle bringen.“ Sie begannen, jedes Namensschild mit einem Tannenzweig, einer Christbaumkugel und einer Schleife zu schmücken. Bald roch es wunderbar. „Schade, dass Chris und Elisabeth nicht mehr da sind“, stellte Leonie fest, als sie mit allen Boxen fertig waren. Joe stand auf der Leiter und befestigte eine Girlande um die Tür, die Isabella ihr reichte. „Bald kommen sie wieder“, versicherte sie. „Dann sehen sie, was wir heute geschafft haben.“ Joe wollte gerade von ihrer Erhöhung herunterklettern, als sich das Tor öffnete. Zum Glück ging die Tür nach außen auf. Emma und Stella kamen herein. Ihnen gehörten die beiden Stuten, auf die Merlin vorhin reagiert hatte. „Huch!“, rief Emma und machte einen Schritt zurück, wobei sie mit ihrer Tochter zusammenstieß. „Was ist denn hier los? Ah, Weihnachtsdeko.“ „Wow, das riecht aber gut“, stellte Stella fest, sobald sie sich hinter ihrer Mutter um die Leiter gedrückt und den Stall betreten hatte. „Da kommt man doch gleich in Weihnachtsstimmung.“ Die leise Musik, die Joe auf einem alten Kassettenrekorder im Hintergrund laufen ließ, tat ihr Übriges. Sie liebte Weihnachten. Dieses Jahr wollte sie die Adventszeit besonders genießen. Herr Baretti, ihr ehemaliger Arbeitgeber, duldete keinen Kitsch in seinem Stall, wie er es ausgedrückt hatte. Von der anderen Seite kam Carlos. Er war mit seinem eigenen Wallach Leandros auf dem Springplatz gewesen. „Ich hätte euch geholfen“, erklärte er vorwurfsvoll, als er sah, dass die Arbeit fast getan war. „Genau“, entgegnete Joe. „Gerade du mit deinen zwei linken Händen. Du hättest alle Christbaumkugeln fallen lassen oder die Zweige verkehrt herum aufgehängt.“ Carlos verzog beleidigt das Gesicht. „So ungeschickt bin ich nicht!“ „Ach, echt?“ Joe stemmte die Hände in die Hüften. „Wer stellt bei euch zu Hause den Christbaum auf? Ich erinnere mich, dass du mir ein paar Mal erzählt hast, Maya würde dich nicht einmal in die Nähe lassen.“ Mit einem unverständlichen Brummen verschwand Carlos mit seinem Pferd in der Box, um es in Ruhe zu versorgen. Stolz blickten Isabella, Joe, Leonie, Lola und Astrid die Stallgasse entlang. Ihre Arbeit konnte sich wirklich sehen lassen. „So habe ich mir Weihnachten im Pferdestall immer vorgestellt“, erklärte Astrid. „Veranstalten wir eine Feier oder so was? Ich meine, das machen doch die meisten Vereine.“ „Ich glaube, zumindest dieses Jahr können wir nicht viel auf die Beine stellen“, antwortete Isabella. Joe hatte jedoch eine Idee: ″Wie wär′s, wenn wir am Samstagnachmittag im Reiterstübchen eine Adventsfeier machen? Ich rede nicht von irgendwelchen Vorführungen und Gästen, sondern einfach von einem gemütlichen Beisammensein aller, die mit dem Stall zu tun haben. Wir könnten eine Liste aushängen, in die sich jeder einträgt, der gerne etwas mitbringen würde. Wenn mehr Leute etwas beisteuern, wird es nicht teuer, aber dafür abwechslungsreich.“ „Ich finde die Idee super“, meldete sich Carlos zu Wort. ″Logo, wenn‘s ums Essen geht, bist du dabei.″ Joe sah ihren Kollegen finster an. Isabella meldete sich zu Wort: „Ich kann Carlos nur zustimmen. Das hört sich gut an. Außerdem lernen wir uns so endlich alle ein bisschen besser kennen. Wir könnten gleich die Gelegenheit nutzen, um über unsere geplante Vereinsgründung zu reden.“ „Perfekt!“ Joe klatschte begeistert in die Hände. Astrid bot an: „Ich gehe nach Hause und drucke die Liste aus.“ „Super! Aber beeil dich! Wir wollen mit alkoholfreiem Punsch auf die Adventszeit anstoßen. Ein paar Plätzchen haben wir auch.“ „Mama gibt mir bestimmt was dazu. Sie hat vor drei Wochen mit dem Backen angefangen“, erklärte Astrid, bevor sie das Gebäude verließ. Die anderen mussten nicht lange warten. Bis Isabella in aller Ruhe genügend Tassen aus dem Reiterstübchen geholt und mit dem süßen Heißgetränk gefüllt hatte, war Astrid zurück. Sie hatte eine Tabelle mit Namen, Anzahl der Gäste und dem, was jeder mitbringen wollte, vorbereitet. Die Überschrift war fett gedruckt: Adventsfeier im Reiterstübchen am 9. Dezember. Sie bekam eine Tasse in die Hand gedrückt. Leonie war richtig feierlich zumute, als sie mit den anderen anstieß. Es fühlte sich großartig an, wie das heiße Getränk ihre Kehle hinabrann. „Wer hat den gemacht?“, wollte sie wissen. „Meine Wenigkeit, wenn es recht ist“, erklärte Joe. „Ist es. Der ist nämlich lecker. Was ist da drin?“ „Früchtetee, Orangensaft und Gewürzauszüge“, gab Joe bereitwillig Auskunft. Draußen war es dunkel geworden; höchste Zeit für Joe, Carlos und Isabella, die Pferde, die noch auf den Koppeln standen, hereinzuholen. Leonie nutzte die Zeit, um sich frisch gestärkt um Kobold zu kümmern.


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