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> Belletristik > Petri Heil, Herr Pastor
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Belletristik
Buch Leseprobe Petri Heil, Herr Pastor , Claus Beese
Claus Beese

Petri Heil, Herr Pastor


Von Liebe, Fisch und Leidenschaft

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Noch einer wunderte sich, als er eines Nachts zufällig aus dem Fenster blickte und auf dem Friedhof ein kleines Licht umherwandern sah. Tobias Pott war ein tapferer Mann. Er hatte keine Angst vor den Lebenden und vor den Toten schon gar nicht. Der Küster wunderte sich also nur ein klein wenig, dann stieg er in Hose und Stiefel, griff sich im Vorbeigehen seinen Spaten, der stets neben der Tür in der Erde des Vorgartens steckte. Normalerweise benutzte er das Gerät zum Maulwurffang, denn nichts war schäbiger, als ein umgepflügter, mit Hügeln versehener Gottesacker. Abschätzend wog er die Schaufel in der Hand. Notfalls würde er auch größere Tiere, oder was ihm sonst noch so in die Quere kam, damit verscheuchen können. Der stabile Holzknüppel in seiner Hand gab ihm das nötige Selbstvertrauen, und er stiefelte davon in Richtung Friedhof. Hatte ihn nicht sein Chef noch vor kurzem gerügt, weil das Eingangstor angeblich quietschen sollte? Pott bewegte den Torflügel lautlos hin und her. Wer, zum Teufel…, pardon, hatte die Pforte geölt? Er bestimmt nicht! Merkwürdige Dinge gingen hier vor. Pott schritt grimmig voran, wild entschlossen, sie ans Licht zu bringen.


 


Apropos Licht, Pott hatte es aus den Augen verloren, war sich aber sicher, es zuletzt etwa in der Richtung gesehen zu haben, wo am Tag zuvor ein Grab frisch ausgehoben worden war. Leise setzte er Fuß vor Fuß, schlich zwischen den Gräbern über den nächtlichen Friedhof, dessen  Boden von feinen Nebelschwaden umwabert wurde. Es hatte geregnet, und nun verdampfte die Feuchtigkeit auf der warmen Erde und stieg als Dunst in die klare Nachtluft. Er umfasste den Spatenstiel fester, als er in die Nähe des offenen Grabes kam. Seine Augen weiteten sich, sein Atem stockte, als er den feurigen Schein aus dem Loch im Boden bemerkte. Er glaubte nicht wirklich an den Teufel und die Hölle, doch was seine Augen hier sahen, ließ ihn selbst an seinem Unglauben zweifeln. Geräusche klangen aus dem Höllenschlund, eine dumpfe Stimme murmelte undeutliche Worte. Potts Mut hatte einen merklichen Dämpfer erlitten, eigentlich wollte er gar nicht wissen, was sich da unten befand.  Doch trieb ihn seine Neugier voran, er musste noch näher an das Grab, um wenigstens etwas zu verstehen.


 


»So, mein Lieber, Du auch noch. Du bist dick und rund und jetzt fällig. Du gehörst mir!«


Potts Nackenhaare richteten sich auf.  Panik stieg in ihm empor. Wollte der Satan ihn jetzt holen? Stand er schon mit einem Bein im Grab? Er zwang sich zur Ruhe und schaute dann an sich herab. Er war gertenschlank, fast dünn. Wer auch immer dort sprach, konnte Pott nicht gemeint haben. Pott schickte ein erleichtertes Stoßgebet zum Himmel.


»He, nicht so drängeln, es kommen alle dran. Ab mit Euch in die Büchse«, klang es dumpf aus der Erde. Das Licht wurde mal heller und mal dunkler. Es rumorte in dem offenen Grab, stöhnte und ächzte ganz schauerlich, dann war es eine Weile still.


»Verdammt! Wie kann man nur so blöd sein? Runterspringen war leicht, aber wie komme ich hier wieder heraus? Hm. Vielleicht mit Anlauf?«


 


Bevor Pott reagieren konnte, tauchte unter lautem Stöhnen und Ächzen aus dem Grab ein Schädel auf. Das Höllenfeuer aus dem Loch beleuchtete ihn auf schaurigste Art, die Augen schienen zu glühen, die Nüstern waren gebläht, der Rachen weit aufgerissen. Pott verdrehte die Augen und sank zu Boden. Das war doch mehr, als seine Nerven bereit waren mitzumachen. So hörte er auch nicht das Poltern im Grab, mit dem Klaaspedder nach diesem tollkühnen Sprung unten aufschlug.


»Ah, au! Verdammt! Pott, sind sie das? Mann, Sie schickt mir der Himmel. Holen Sie eine Leiter, damit ich endlich aus dem verflixten Loch rauskomme. Pott! Hallooo! Pohott! Sind sie noch da?«


 


Ob er wollte oder nicht, Klaaspedder musste sich in Geduld üben, bis der Küster wieder zu sich kam. Aber auch dann gestaltete sich das Ganze nicht so einfach, wie der Pastor es gern gehabt hätte. Tobias Pott schlug die Augen auf und hörte neben sich eine Stimme, die dumpf aus dem Inneren der Erde zu kommen schien.


»Pohott! Sind sie endlich wach? Ich will….«


Pott beschloss, nicht weiter zuzuhören. Vielleicht konnte er dem offensichtlich Unvermeidlichen entwischen, wenn er es ignorierte. Oder noch besser…. Er tastete nach dem Spaten. Fest umschlossen seine Hände den Stiel, dann sprang er auf, holte aus und schlug zu.


»Pott!«, schrie Klaaspedder in höchster Not, denn er hatte dem eisernen Schaufelblatt nur knapp ausweichen können. Beinahe hätte ihm sein eigener Küster den Schädel eingeschlagen. »Pott, ich bin es! Klaaspedder!«


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