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Belletristik
Buch Leseprobe Osterinselchen, Elfie Nadolny & Wolf- J Schmidt (Hrsg)
Elfie Nadolny & Wolf- J Schmidt (Hrsg)

Osterinselchen


6. Anthologie des Inselchenforums

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Ostern mit Oma

Angie hatte eine große Liebe und das war ihre Oma. Die Oma war eine ältere Dame, etwas rundlich und hatte lustige Fältchen um die Augen. Heute würde eine Kosmetikerin vielleicht ihre roten Äderchen um die Wangen mit Make-up retuschieren, aber Angie fand sie schön. Die Oma hatte immer noch ihre rotblonden Haare. Das Beste an der Oma war, sie bestand nur aus Liebe. Sie erzählte oft alte Geschichten, aber nie ließ sie die Menschen, die vor ihr waren, außer Augen. Sie war etwas Besonderes. Sie konnte so schöne Geschichten erzählen, erzählte oft Geschichten von großen Schriftstellern, erzählte dann wieder, wie sie den Opa kennen gelernt hatte, manchmal erzählte sie auch traurige Dinge von Menschen, die sie lieb gehabt hatte und die nun nicht mehr unter uns weilten. Sie hatte viele Bilder auf ihrem Regal und vor den Bildern standen immer Blumen. Sie gedachte dieser Menschen, doch ließ sie die lebenden Menschen nie aus den Augen. Manchmal erzählte sie vom Teutoburger Wald, von Hermann, dem Cherusker und sang ein Lied. Häufig kochte sie Gerichte aus ihrer Heimat. So oft es ging, besuchte Angie die Oma. Sie fühlte sich so geliebt und angenommen. Wenn sie die Großmutter besuchte, kam die Katze in den Puppenwagen, blieb dort lieb liegen, weil sie sich wohl auch auf Oma freute.
Und nun war es kurz vor Ostern und Angie hatte Schmerzen. Sie litt an Atemwegserkrankungen und immer, wenn einer rauchte, tat ihr das weh, war es eine Folter für sie. Aber Oma rauchte nicht. Und das war wie ein Paradiesgärtchen für das Mädchen. Eines Tages wurden die Schmerzen immer größer und Angie musste operiert werden, das erste Mal in ihrem Leben. Es waren die Polypen, die sie quälten. „Du schaffst das, mein Schatz“, beruhigte sie Oma und nahm sie in den Arm. Dann gab sie ihr ein Buch mit den Worten: „Ich wollte es dir Ostern schenken, aber nun brauchst du es, lies es.“ Und sie schenkte ihr die Häschenschule, ein wunderschönes Buch. Es war ein lustiges Bilderbuch von Fritz Koch-Gotha zu Versen von Albert Sixtus. Angie war glücklich. Ach, waren die Häschen süß! Angie fragte nachdenklich: „Sag mal, Oma, letztens war ich bei der Tante Agathe. Sie hatte so schöne Stallhäschen und ich habe sie jeden Tag gefüttert.“
„Ja?“ fragte Oma und nahm das Mädchen in den Arm. „Und warum kullern dir dann Tränchen die Wangen herunter?“

„Weil“, schluchzte das Mädchen, „weil..... weil, eines Tages waren die Häschen nicht mehr da und mittags.....“
„Oh“, entgegnete Oma, sagte nichts, drückte ihr Enkelchen dafür noch mehr an sich und lauschte den trotzigen Worten des Mädchens. „Die Tante hat gesagt, ich wäre böse, weil ich das Mittagessen nicht wollte. Ich wollte und will aber nicht!“
„Nein, du bist nicht böse, mein Kind, du musst nichts machen, was gegen dein Gewissen ist, gar nichts, du bist ein gutes Kind.“ Das Kind wurde nun ganz ruhig und vergaß auch die Angst vor der bevorstehenden Operation.

Als Angie aus der Narkose erwachte, sah sie etwas Wunderschönes. Da waren kleine Häschen auf Schulbänken vor ihr und ein Häschenlehrer. Oma hatte ihr die Häschenfigürchen hingestellt. Häschen, mit denen sie spielen konnte, die niemand essen würde. Sie vergaß die Schmerzen und spielte mit der Häschenschule, mal schlüpfte sie in die Rolle des Lehrers, mal in die der Schüler. Und schon hörte sie die Stimme der geliebten Großmutter: „Kinder, spricht die Mutter Hase, putzt euch noch einmal die Nase mit dem Kohlblatt-Taschen-Tuch!“ Dabei legte die Großmutter ihr ein weiches Taschentuch hin und die Nase tat schon gar nicht mehr so weh, schon bald wurde das Mädchen wieder gesund.
Und dann begann die vorösterliche Zeit. Angie ging jeden Tag in die Kirche und danach natürlich zu Oma, und diese las ihr täglich ein Kapitel aus der Häschenschule vor.

„Komm, wir blasen Eier aus“, schlug Oma vor. Gesagt getan, Eier wurden ausgeblasen, gefärbt und an Zweige aus dem Garten gehängt. Abends gab es dann Rührei. Und Oma las vor: „Wer´s nicht kann, der darf auf Erden nie ein Osterhase werden.“
Dann kam der große Tag: Ostern. Es gab eine Osternacht in St. Bruno. Es war unglaublich. In der Kirche war alles dunkel, Kerzen wurden verteilt. Auf einmal klopfte es laut. Es pochte an der Türe, poch, poch, poch. Es war richtig unheimlich. Das Kreuz Christi klopfte, gewährte um Einlass. Plötzlich sprangen die Türen auf. Der Diakon kam mit der Osterkerze herein und mit seinem Gefolge, die Lichter gingen an. Der verhüllte Christus wurde im Glanz offenbart ohne die schwarzen Tücher, die er in den Kartagen getragen hatte. Angie hörte einen Gesang: „Lumen Christi“. Dann folgte das „Exsultet“:
„Erfreue dich, o Erde, überflutet vom Lichtstrahl aus der Höhe; Licht des ewigen Königs umleuchtet sich! Wisse: Entschwunden ist allerorten das Dunkel.“ Und dann folgte: „Lichtvoll mache Er mich in dem Schein Seines Lichtes, würdig, das Lob dieser Leuchte zu verkünden.“ Angie war gepackt von der Wucht dieser Osternacht, wenn sie auch nicht alles verstand.
Und am nächsten Morgen ging sie, wie so oft, zu ihrer geliebten Oma. Die Großeltern hatten ein Reihenhaus mit einem großen Garten. Dort gab es schöne Blumen: Tulpen, Osterglocken, Märzbrecher und vieles mehr. Oma drückte ihr und ihren Geschwistern einen Korb in die Hand, damit die Kinder suchen konnten, was der Osterhase denn gebracht hatte. Da waren so viele bunte Ostereier - vor allem rote -, liebevoll und bunt bemalt, Schokoladenhasen und all solche wunderbaren Dinge. Jeder von ihnen bekam einen ganzen Korb voll der schönsten Dinge. Und danach gab es ein Frühstück, einen Osterkranz und ein Osterlämmchen. „Dürfen wir denn das Lämmchen essen?“, fragten die Kinder.
„Aber sicher, es ist nur aus Teig.“
„Was bedeutet das alles?“ wollte Angie wissen, das Osterlamm, das Lumen Christi, das Pochen an der Kirchentür, die Hasen, die Eier, das Wort Ostern..?“  ....


(c) Elfie Nadolny


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