Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern

zurück zum Buch

Opakalypse


Ein bitterböser Altenheimroman

von Ingo Bartsch

belletristik
ISBN13-Nummer:
B07NS2WHYQ
Ausstattung:
368 Seiten, eBook, auch als TB erhältlich
Preis:
4.99 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Piper Digital
Kontakt zum Autor oder Verlag:
bartsch.ingo@googlemail.com
Leseprobe

In der Zeit nach dem Frühstück und den folgenden Klogängen mit den Blasenschwachen, in der ich theoretisch meine Pause nehmen könnte, muss ich die ersten schon wieder vollen Katheterbeutel leeren und außerdem einige Bewohner wiegen. Dafür gibt es eine große flache Waage, auf die ich die alten Leute stelle. Ich habe einen Zettel mit dem Gewicht der Rollstühle, das ich anschließend abziehen muss. Allerdings stimmen die Namen darauf nicht mit den Namen der Bewohner überein, die ich wiegen muss. Ich gebe Cindy die Liste. Sie betrachtet sie kurz.

»Die sind alle tot«, sagt sie. »Mit diesen Listen läuft das nicht so super hier.« »Und … äh … jetzt?« »Entweder, du hebst die Bewohner runter und wiegst erst ihre Rollstühle. Oder du machst es wie alle.«

»Wie machen es alle?«

»Wiegen und zwanzig Kilo abziehen.«

Ich möchte gewissenhaft arbeiten und das korrekte Gewicht angeben. Also Variante eins. Ich fahre Frau Kohlmeier zur Waage und beginne, die Armstütze an ihrem Rollstuhl zu lösen.

»Was machen Sie da?«

Ich erkläre es ihr.

»Sind Sie verrückt? Glauben Sie, ich habe Lust auf so ein Hin und Her? Rein in den Rollstuhl, raus aus dem Rollstuhl … Machen Sie es einfach wie alle.«

 

Klappentext

Jules Wicküler hat ein Problem: Dem Endzwanziger aus reichem Elternhaus wird der Geldhahn zugedreht – er braucht einen Job. In seiner Not bewirbt er sich bei einer Zeitarbeitsfirma, die ihn als Pflegehelfer an das Altenheim Haus Nikolaus vermittelt. Dort erwarten ihn Demenz, Körperausscheidungen, Stress, eine fiese Oberschwester und jede Menge Pflegemissstände. Nach anfänglichem Fluchtimpuls entwickelt Jules bald den Ehrgeiz, den alten Menschen im häufig urkomischen, doch leider viel zu oft auch furchtbaren Heimalltag zur Seite zu stehen.

Rezension

ch habe das Buch nach einer Lesung des Autors in Mainz erworben und bin begeistert. Aber: Ist „begeistert“ nicht das falsche Wort dafür, dass man gemütlich auf den Sofa, ein gutes Essen im Bauch, einen guten Tropfen neben sich im Glas über die Missstände in den ganz normalen Pflegeheimen liest? Eine ähnliche Frage stellt sich, ob man dieses Thema überhaupt humorvoll beschreiben kann? Ist das nicht ebenso ein Wiederspruch? Nein – denn der Autor findet einen Ton, der bei allen düsteren Details und bissigen Betrachtungen die betroffenen Menschen mit höchster Würde behandelt. Und ist nicht gerade ein feinsinniger Humor besten geeignet, die Szenen unter die Haut gehen zu lassen, einen zum Nachdenken zu bringen? Es ist wirklich ein wunderbares Buch, das sich schwer aus der Hand legen lässt. Ich kann mich nur der Rezession von Herrn Engelhartd anschließen: Pflichtlektüre für die Träger der Pflegeheime und unsere Politiker*innen. Es sollte verfilmt werden! Und die Rezession von Antje B. zitiere ich voller Zustimmung: „Hut ab vor allen, die in der Pflege arbeiten. Sie verdienen Respekt. Und Hut ab vor diesem Buch, das so menschlich daherkommt und auf wunderbare Weise die Tragikomik der menschlichen Existenz einfängt.“ 100 % Leseempfehlung!

 

(Steffi G. auf Amazon)