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Belletristik
Buch Leseprobe Nur noch ein Kuss, Caroline Messingfeld, Karl Plepelits
Caroline Messingfeld, Karl Plepelits

Nur noch ein Kuss


Anthologie

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>>Schreib mal wieder. Aber bitte nicht nur Rechnungen. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mich über einen handgeschriebenen Liebesbrief freuen. SMS, Mail und WhatsApp hatte ich schon.<<



 



Feixend marschierte ich an meinem Briefkasten vorbei und fischte mit spitzen Fingern ein dickes Kuvert heraus. Für einen gewöhnlichen Brief war der Umschlag zu voluminös. Also konnte ich nicht von den geldgierigen Wegelagerern, die regelmäßig hübsche Portraits von mir anfertigten, zur Kasse gebeten worden sein. Außerdem bevorzugte die Trachtengruppe eine andere Farbe. Ein zarter Pastellton war nicht angemessen für die harten Kerle. Irritiert warf ich einen Blick auf den Absender: Isabelle Merz. Eine gute Freundin aus meiner Schulzeit, die ich nach ihrem Umzug nach München aus den Augen verloren hatte. Angesichts der piekfeinen Adresse blieb mir die Spucke weg. München-Bogenhausen klang nach hochherrschaftlichen Villen und teuren Einfamilienhäusern entlang des Englischen Gartens. Wie war sie an einen Wohnsitz im teuersten Stadtviertel gekommen? Hatte sie den Lotto-Jackpot geknackt? Was wollte sie von mir?



 



Ich legte einen Zahn zu und stürmte die Treppen bis in den zweiten Stock hinauf. Mit zitternden Händen schloss ich die Wohnungstür auf, huschte hinein und kickte sie lässig mit dem Fuß hinter mir zu. Diese schlechte Angewohnheit aus meiner verflossenen Studienzeit hatte ich mir nicht abgewöhnen können, auch wenn ich nicht mehr in einer gemütlichen WG in einem bei Studenten beliebten Stadtviertel in der City, sondern in einer hübschen Wohnung am grünen Stadtrand wohnte. Zielsicher steuerte ich meine knallrote Einbauküche an, schnappte mir eine Schere aus der Besteckschublade und schlitzte entschlossen den Briefumschlag auf. Eine steife Karte, ein vergilbtes Foto und ein handgeschriebener Brief flatterten zu Boden. Aller guten Dinge waren drei, aber ich verstand nur Bahnhof. Nanu? Was hatte das zu bedeuten? Ich stellte meine Handtasche auf dem Küchentisch ab, angelte nach meiner geheimnisvollen Post und ließ mich auf einem Stuhl häuslich nieder. Als ich die ersten Zeilen des Briefes gelesen hatte, wurden meine Augen kugelrund. >>Das kann nicht wahr sein.<<



>>Liebe Nicki, du warst meine beste Freundin, seitdem wir in der ersten Klasse die Schulbank gedrückt haben. Kannst du dich noch daran erinnern, wie du mich vor den bösen Jungs auf dem Nachhauseweg beschützt hast, die mir ihr Kaugummi in die Haare schmieren wollten? Auch später hast du mich nie im Stich gelassen. Deshalb möchte ich dich unbedingt an meiner Seite wissen, wenn ich dem Mann meiner Träume im August das Jawort geben werde… <<



Die Buchstaben tanzten vor meinen Augen, als ich mit offenem Mund weiterlas. Isabelle war in festen Händen. Nach einer offiziellen Verlobung wollte Isabelle ihren Traumprinzen in einer romantischen Kirche in Bayern heiraten. Eigentlich hatte ich gar nichts gegen die Reihenfolge verliebt, verlobt, verheiratet einzuwenden, auch wenn ich sie für eine Erfindung von Kitsch-Roman-Schriftstellerinnen hielt. Mir war der dreifache Axel in der Liebe noch nie gelungen. Alle Männer, die ich mir zum Paarlaufen ausgewählt hatte, waren nicht in der Lage, eine tadellose sportliche Leistung zu bringen und längere Zeit mit einer Partnerin über das Eis zu gleiten. Irgendwann ging ihnen die Puste aus. Sie setzten zum Wurf an, wirbelten mich durch die Luft und fingen mich nicht wieder auf, sondern ließen mich unsanft zu Boden knallen. Nach einigen bösen Stürzen und mühsam verheilten Blessuren war ich vorsichtig geworden und probierte mein Glück lieber als Solo-Künstlerin. Es war nicht schön, aber auf alle Fälle sicherer als sich mit Leib und Seele einem egoistischen, wankelmütigen Mann anzuvertrauen.



 



Aber die überstürzte Hochzeit von Isabelle war noch nicht mal das Schlimmste. Gegen eine Reise nach Bayern hatte ich gar nichts einzuwenden. Gesunde Landluft hatte durchaus etwas für sich. Nach der Trauung konnte ich einen kleinen Abstecher nach München unternehmen und Schwabing unsicher machen. Dort war ich ewig nicht mehr gewesen. Aber leider gab es ein klitzekleines Haar in der Suppe. Isabelle hatte eine sentimentale Anwandlung erlitten, sich an unsere langjährige Freundschaft erinnert und mich gebeten, ihre Brautjungfer auf der schicksten Hochzeit des Jahres zu spielen. Ausgerechnet mich. Das war der Obergau. Schlimmer ging es nimmer.



 



 


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