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Belletristik
Buch Leseprobe Neues von Gut Birkenfeld, Martina Sein
Martina Sein

Neues von Gut Birkenfeld


Jedem Tierchen sein Pläsierchen

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„Ich fall vom Glauben ab!“, rief Kerstin aus, als sie durch das Schultor trat. „Wir haben es tatsächlich geschafft!“ Regina, ihre beste Freundin, stimmte zu: „Ich habe auch schon fast nicht mehr daran geglaubt. Seit Julia und Tobias mit den Prüfungen durch sind, ist es mir so vorgekommen, als wäre die Zeit einfach stehengeblieben.“ „Sechseinhalb Wochen keine Schule, kein Lernen, keine Lehrer …“, schwärmte Kerstin. „Außer Reitlehrer“, begehrte Regina auf. Kerstin musste lachen. „Die zählen nicht wirklich. „Außerdem ist gleich am Wochenende Springturnier auf Birkenfeld.“ Sie seufzte tief. „Das wird so cool!“ „Wenn du und Liberty dabei wieder abräumen“, warf Regina ein und hob dabei den Zeigefinger. „Das wage ich zu bezweifeln. Wir haben bei Weitem nicht so viel trainiert wie sonst. Die Magic Riders haben einfach viel Zeit in Anspruch genommen. Außerdem konnte Carsten nicht so oft, seit seine Kinder geboren sind.“ Kerstin hatte das große Glück, von einem Profi auf ihre Springturniere vorbereitet zu werden. Carsten Stroo war ein international erfolgreicher Vielseitigkeitsreiter. Er hatte seit Kurzem seinen eigenen Stall auf Gut Birkenfeld, welches zum Teil Kerstins Vater, dem Hauptmann gehörte. Allerdings waren im Hause Stroo vor wenigen Monaten Zwillinge geboren worden. Mara und Leni hatten einige Wochen im Krankenhaus verbringen müssen, weil sie deutlich zu früh gewesen waren. Nun lebte die Familie jedoch in einem Haus, das sich ebenfalls auf dem Gelände von Birkenfeld befand. Zu allem Überfluss war Karl, Carstens Pferdepfleger, kurz darauf ebenfalls Vater seiner Tochter Inga geworden. Daher hatte Kerstin in dieser Zeit viel im Stall des Profis mitgeholfen. Das war sie ihrem Trainer schuldig gewesen, fand sie. Seit einiger Zeit hatte Kerstin jedoch das Showreiten für sich entdeckt. Sie war Teil der Gruppe Magic Riders, mit denen sie nun auch schon ein paar Auftritte gehabt hatte. „Sehen wir zu, dass wir nach Birkenfeld kommen“, forderte Kerstin Regina auf. „Unsere Rösser warten doch auf uns.“ „Von Fine ganz zu schweigen“, warf Regina ein. Kerstin nannte nicht nur ein Fellpony namens Bounty und dessen einjährigen Nachwuchs Buffy ihr Eigen, sondern auch einen braun-weiß gefleckten Jack Russel Terrier. Fine saß täglich vor dem Weidezelt bei den Pferden und wartete auf Kerstin. Früher waren diese Tiere in einem anderen Bereich untergebracht gewesen. Da hatte Fine genau gewusst, dass ihr Frauchen erst einmal zum Essen ins Verwaltungsgebäude gegangen war, wenn sie nach der Schule aufgetaucht war. In der Neuzeit, wie Kerstin das nannte, führte ihr erster Weg zu den Pferden. Daher hielt Fine sich ebenfalls dort auf. Auch heute konnten Kerstin und Regina ihre geliebten Vierbeiner bereits durch die Bäume der Birkenallee erkennen. Sie standen im Schatten, dösten oder zupften noch ein wenig am Gras. Lediglich Romeo, der Friese von Kerstins Freundin Julia, und Buffy fehlten. „Die zwei Unzertrennlichen pennen wahrscheinlich wieder einmal im Zelt. Unter den Bäumen ist es doch viel angenehmer, als da drin. Komisch, dass die beiden das nicht merken.“ Die Mädchen stellten ihre Fahrräder am Eingang zu der Einfriedung ab und betraten sie. Bounty hob nur müde den Kopf und verscheuchte mit ihrem buschigen Schweif ein paar lästige Fliegen. Die nervten um diese Jahreszeit natürlich sehr. Cassi kam neugierig heran. Sie war eine Pintostute und gehörte Regina, die sie vor ein paar Jahren aus dem alten Schulpferdebestand übernommen hatte. „Warum kommt Fine denn heute nicht?“, wunderte Kerstin sich. „Die hört uns doch sonst immer und rückt sofort an.“ Sie ging in das Weidezelt und begrüßte dort Buffy. Von dem kleinen Hund war allerdings nichts zu sehen. Regina meinte: „Wahrscheinlich war es ihr zu warm. Drum wird sie bei deiner Tante im Büro sitzen und dort auf dich warten.“ „Wahrscheinlich hast du Recht.“ Kerstin streichelte Buffy noch einmal und wandte sich dann dem Ausgang zu. Im Verwaltungsgebäude empfing die beiden Mädchen eine angenehme Kühle. Sie wuschen sich rasch auf der Damentoilette die Hände und betraten dann das kleine Büro, in dem Tante Frieda als Sekretärin tätig war. „Ist Fine bei dir, Tante Frieda?“, erkundigte Kerstin sich sofort und sah sich suchend um. Tante Frieda schüttelte den Kopf. „Nein, die ist wie immer draußen geblieben. Sie wartet doch jeden Tag auf dich. Vielleicht hat sie um die Zeit noch nicht mit dir gerechnet.“ Heute, am letzten Tag vor den großen Ferien, waren die Schüler natürlich deutlich früher entlassen gewesen als sonst. „Ich gehe in den Stall und schaue mich nach ihr um“, nahm Kerstin sich vor. Für das Mittagessen war es ja eh auch noch zu früh. „Vielleicht haben mein Vater oder Tanja Fine gesehen.“ „Ich komme mit!“, rief Regina sofort. Auch im Stall war es angenehm gegen die stechende Hitze draußen. Dennoch waren die Boxen fast alle leer. Die Tiere durften sich auf den Koppel tummeln. Das Gut machte seinem Namen alle Ehre. Überall standen Bäume herum, unter denen die Tiere Schatten fanden. Sowohl vom Hauptmann als auch von Tanja, seiner Lebensgefährtin, war weit und breit nichts zu sehen. Dafür kam Frau Anders den Mädchen mit einem Dunkelbraunen am Zügel entgegen. „Na, Schule endlich geschafft für dieses Jahr?“ Kerstin nickte und wollte dann gleich wissen: „Sie haben nicht zufällig Fine gesehen?“ „Nanu? Sobald du hier auftauchst, ist sie doch kaum mehr von dir wegzubringen“, wunderte Frau Anders sich. „Die hat sich bestimmt nur irgendwo verkrochen, weil es ihr zu heiß war.“ Der Hauptmann trainierte in der großen Halle mit Polly, einer Auszubildenden, die am Ende ihres ersten Lehrjahres stand. „Schultern locker und mehr treiben Dimmerstorf!“, rief er. Reitstunden beim Hauptmann waren grundsätzlich kein Vergnügen. Er verlangte seinen Schützlingen alles ab und noch mehr. Kerstin wusste, dass sie hier nicht stören durfte. Also gab sie nur ein Zeichen, dass sie jetzt da war. Der Hauptmann reagierte nicht darauf. Seinen Adleraugen entging nicht der kleinste Fehler, den Polly machte. „Das war kein starker Trab, sondern Bummeln, mit dem man eine Kuhherde umkreisen kann. Von K nach B noch einmal!“, forderte er gerade. Regina und Kerstin zogen sich zurück. Regina meinte: „Polly tut mir leid. Wenn mein Reitlehrer so mit mir reden würde, hätte ich mir schon lange einen anderen gesucht. Zum Glück ist Frau Allenfels da anders.“ Ja, Tanja war zwar die Freundin vom Hauptmann, hatte aber einen ganz anderen Stil zu unterrichten. Er hatte sich von selbst geweigert, mit Kerstin zu trainieren. Da Tanja eine ebenso gute Dressurreiterin wie er selbst war, hatte sie das schließlich übernommen und teilte sich die Arbeit mit Carsten. Tanja war im Reiterstübchen und unterhielt sich dort mit den Zwillingen Anton und Frank, die gemeinsam mit Polly ihre Ausbildung begonnen hatten. Außerdem war Frank der feste Freund von Regina. Daher leuchteten deren Augen, als die Mädchen den Raum betraten. „Hören Sie mir überhaupt zu, Herr Fören?“, fragte Tanja. Frank hatte nämlich Regina auch entdeckt und warf ihr einen schmachtenden Blick zu. „Entschuldigen Sie bitte, Frau Allenfels. Ich bin ganz Ohr.“ „Na, das will ich Ihnen auch geraten haben“, entgegnete Tanja. Dann wandte sie sich an Kerstin und Regina. „Hallo ihr beiden. Glückwunsch zum Beginn der Ferien.“ „Du hast nicht zufällig Fine in der letzten Zeit gesehen?“, platzte Kerstin heraus. Tanja dachte kurz nach. „Das letzte Mal, als sie deinen Vater begleitet hat, während er Admiral und Avantus auf die Koppel gebracht hat“, antwortete Tanja. Die beiden Warmblüter gehörten ihr und dem Hauptmann. „Das war doch heute Morgen!“ „Vielleicht ist sie mir in der Zwischenzeit noch einmal über den Weg gelaufen und ich habe nur nicht darauf geachtet“, winkte Tanja ab. „Mach dir keine Sorgen, Kerstin!“ Kerstin konnte nicht umhin, genau das jedoch zu tun. „Vielleicht ist sie bei Herrn Stroo hinten“, schlug Regina vor. „Oder sie hatte Sehnsucht nach unserem alten Stall. Da hatte sie doch auch ihr Plätzchen.“ „Da war sie nicht mehr, seit wir die Pferde nach vorne gebracht haben“, wandte Kerstin ein. „Trotzdem schauen wir nach und fragen Karl.“ Im Stall von Carsten Stroo war jedoch nur Ilka. Auch die wusste nichts über den Verbleib von Fine. „Jetzt mache ich mir langsam wirklich Sorgen“, entgegnete Kerstin. „Fine ist noch nie weggelaufen. Was, wenn jemand sie alleine auf dem Gut gesehen und einfach mitgenommen hat?“ „Sie hat doch einen Chip und eine Marke am Halsband“, warf Regina ein. „Man sieht sofort, dass sie jemandem gehört und außerdem gut gepflegt wird.“ Die Suche nach Fine nahm die ganze Zeit bis zum Mittagessen in Anspruch. Dennoch war der kleine Hund bis dahin noch immer nicht aufgetaucht. Tante Frieda hatte eine große Salatschüssel mit Schinken, Ei und Käse zubereitet. Wie immer kamen auch der Hauptmann und Tanja zum Essen. Erneut bat Kerstin: „Solltet ihr Fine sehen, dann sagt mir bitte sofort Bescheid! Sie war noch nie einfach unauffindbar.“ „Hast du bei Carsten nachgefragt?“, fiel es Tante Frieda ein. „Klar war ich bei ihm im Stall.“ „Nein, ich meine bei ihm zu Hause. Vielleicht ist sie Ingrid bei einem Spaziergang mit den Zwillingen nachgelaufen und dann einfach dort geblieben“, erklärte Tante Frieda. Kerstin zweifelte: „Das kann ich mir nicht vorstellen, aber es ist noch ein Anlaufpunkt. Hoffentlich wecke ich keines der Babys, wenn ich dort nachfrage.“ „Klopf halt leise an die Terrassentüre oder so“, empfahl Tante Frieda. Also machten Kerstin und Regina sich auf den Weg zu dem Haus, das etwas abseits auf dem Gelände des Guts stand. Sie hatten Glück. Ingrid hatte den Zwillingskinderwagen im Schatten stehen und saß selbst unter der Markise auf der Terrasse. Sie las eine Elternzeitschrift. „Hallo ihr beiden“, grüßte sie fröhlich und machte sich nicht die Mühe, leise zu sprechen. „Hi, wir wollten nicht stören“, meinte Kerstin und warf einen Blick zu den Babys. „Keine Sorge“, entgegnete Ingrid lachend. „Inzwischen habe ich den Dreh raus, beide gleichzeitig zum Schlafen zu bringen. Dann weckt man sie auch nicht mehr so leicht.“ Schon platzte Kerstin heraus: „Hast du zufällig Fine gesehen? Ich meine, du warst ja mit den beiden spazieren oder auch, als du hier gesessen hast.“ „Ich war am Vormittag einkaufen. Carsten hat so lange auf die beiden geachtet. Da hat sie mit einem anderen Hund gespielt“, antwortete Ingrid. „Ist aber schon ein paar Stunden her.“ „Mit einem anderen Hund?“, hakte Kerstin nach. Ingrid nickte. „Ja, der war nicht viel größer als sie und hatte längeres Fell. Ich hab die beiden auch nur von Weitem gesehen, aber weil ich Fine ja kenne.“ „Auch klein und längeres Fell“, dachte Kerstin laut nach. „Den habe ich in den letzten paar Tagen auch schon gesehen. Keine Ahnung, wem der gehört. Ich habe nur nicht gewusst, dass Fine sich mit ihm versteht.“ Noch einmal liefen die Mädchen das gesamte Gut ab und riefen nach Fine. Dann kam ihnen auch schon Tobias entgegen. „Jetzt habt ihr es auch endlich geschafft.“ Er grinste bis über beide Ohren. „Du hast leicht lachen“, stöhnte Regina. „Seit den Prüfungen hast du die Schule doch nur noch von innen gesehen, um deine Ergebnisse abzuholen.“ „Und ich habe auch nicht vor, sie wieder zu betreten. Was ist? Trainieren wir noch ein bisschen aufs Turnier oder reiten wir aus?“ „Ich will auf dem Gut bleiben“, antwortete Kerstin. „Fine ist verschwunden. Da reite ich nicht seelenruhig durch die Gegend. Wenn sie auftaucht, muss ich doch da sein.“ „Okay, ist mir auch recht. Ich will jetzt nur in den Sattel, nachdem endlich offiziell Ferien sind. Schließlich fängt meine Ausbildung vor eurem nächsten Schuljahr an.“ Er grinste breit. Julia fragte über die WhatsApp-Gruppe an, ob die Freunde nicht gegen Abend ausreiten wollten. Nun war es eh zu heiß. Regina grinste. „Kerstin hat ja mindestens zwei Pferde zu reiten. Ich setze jetzt einfach aus und bin dann später dabei.“ Sie fing einen Blick ihrer besten Freundin auf. „Und ja, ich suche weiter nach Fine, wenn es dich beruhigt.“ Kerstin machte sich ihr Berittpferd Liberty fertig, einen schwarzen Wallach, mit dem sie im Auftrag von dessen Besitzer auf Turniere ging. Gemeinsam mit Tobias und seiner Stute Mary Lou wandte sie sich dann dem Springplatz zu. Sie bauten sich ein paar Hürden auf, die sie möglichst nah an die Bäume stellten, welche hier wuchsen. Auch nach dem Training gab es von Fine immer noch keine Spur.


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