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Belletristik
Buch Leseprobe Neues von Gut Birkenfeld, Martina Sein
Martina Sein

Neues von Gut Birkenfeld


Wo ist der Retter in der Not?

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„Wow, da ist ja ganz schön etwas los“, stellte Kerstin fest, als sie mit Tobias zu der großen Halle in Hamburg kam. Die beiden hatten Karten für eine Pferdeshow. „Was hast du denn erwartet?“, fragte Tobias. Er nahm die Hand seiner Freundin und stellte sich mit ihr in die Schlange der Wartenden. Am Eingang mussten die beiden ihre Taschen öffnen und wurden sogar abgesucht. Seit es immer wieder vereinzelte Anschläge auf Großveranstaltungen gab, nahmen es die Betreiber sehr genau damit, wer mit was in die Hallen oder Stadien durfte. „Man kommt sich fast vor wie ein Schwerverbrecher“, seufzte Tobias. Kerstin zuckte mit den Schultern. „Mir gibt es ein besseres Gefühl, wenn ich weiß, dass sie so gründlich sind. Tante Frieda hat auch schon gesagt gehabt, dass wir ja gut aufpassen sollen.“ „Wollen wir uns noch etwas zum Trinken holen, ehe es losgeht?“, erkundigte Tobias sich. Jeder mit einem großen Pappbecher in der Hand suchten sie ihre Plätze, die auf den Eintrittskarten angegeben waren. Lange mussten sie nicht mehr warten. Da ging es mit dem ersten Programmpunkt los. Nun folgten einzigartige Nummern. Teilweise wurden Lektionen vom Boden gezeigt, dann wieder vom Sattel aus. Desweiteren gab es hervorragende Artisten, in deren Programm die Pferde eingebaut waren. Außerdem hatten sie auch eine Westernshow. Vorneweg fuhr eine Postkutsche, wie man sie aus Wildwestfilmen kennt. Hinter ihr kamen einige Reiter in den typischen Sätteln mit Horn und Lasso hereingeprescht. Sie schossen mit Platzpatronen in die Luft und lieferten sich eine atemberaubende Verfolgung mit dem Sheriff. „Schau dir nur an, wie die ihre Pferde lenken können“, meinte Kerstin atemlos. „Ja klar, die müssen ja schließlich mindestens eine Hand frei haben, um die Kühe treiben zu können. Zumindest, wenn es darum geht, wo das ursprüngliche Westernreiten herkommt“, erklärte Tobias. „Ich finde es trotzdem irre.“ Kerstin verfolgte atemlos das Geschehen in der Arena. „Sind ja Bounty und Liberty schon so geritten, dass sie echt fein reagieren, aber damit können sie nicht konkurrieren.“ Tobias legte seinen Arm um Kerstins Schultern. „Das brauchen sie auch gar nicht. Kannst dir ja überlegen, ob du deine Buffy Western zureiten lassen willst.“ „Dann müsste ich das ja auch erst einmal lernen. Eigentlich hatte ich gehofft, dass ich das mit Tanjas Hilfe selber hinkriege. Hat ja zum Glück noch ein paar Jahre Zeit.“ „Zieh dir nur rechtzeitig ein Ersatzpferd für Bounty!“ Tobias lachte. „Dann kann sie bei den Magic Riders einspringen, falls mal etwas ist.“ Seit Kurzem machte Kerstin selbst bei einer Laiengruppe von Showreitern mit. Das war ganz durch Zufall so gekommen. An Neujahr hatten sie schließlich ihren ersten Auftritt gehabt. Der war bei Weitem besser gelaufen, als Kerstin sich das hatte vorstellen können. Obwohl sie sich bereits vorher dafür entschieden hatte, stand spätestens seit diesem Tag fest, dass sie ein festes Mitglied der Magic Riders sein wollte. „Buffy soll ihre Kindheit genießen. Ich arbeite ja eh schon viel mit ihr.“ Die junge Stute war ziemlich frech und teilweise auch richtig respektlos. Das war mit der Zeit sogar gefährlich geworden, weil sie während der Schmiedtermine mit den Hinterhufen getreten hatte. Daher hatte Kerstin sich von Anneliese, einem anderen Mitglied der Magic Riders, zeigen lassen, wie sie sowohl die Hierarchie zwischen sich und Buffy klären als auch das junge Pferd beschäftigen und dessen Aufmerksamkeit auf sich lenken konnte. Beim letzten Besuch des Schmieds war es dann wesentlich besser gewesen. Viel zu schnell kam die Pause. „Hast du Hunger?“, fragte Tobias. „Also zu einer Portion Pommes oder einem Brötchen mit einer Bratwurst drin würde ich nicht gerade nein sagen.“ An dem Stand, an welchem Kerstins Wünsche erfüllt werden konnten, hatte sich schon eine Schlange gebildet. Plötzlich tippte jemand von hinten auf Kerstins Schulter. Es war Noah, der Kopf der Magic Riders, mit seiner Freundin Lisa. „Was macht ihr denn hier?“, rief Kerstin überrascht aus. Nun drehte auch Tobias sich nach hinten um. Noah lachte. „Ich denke das Gleiche wie ihr. Wir schauen uns die Show an. Lisa dachte, die Karten wären ein tolles Weihnachtsgeschenk für mich. Damit hat sie bei mir natürlich voll ins Schwarze getroffen. Da sind ein paar tolle Nummern dabei, über die wir in einfacher Form auch nachdenken sollten.“ „So lange ich mich nicht kopfüber an einem Seil von der Decke hängen lassen muss, während Bounty frei unter mir herumläuft …“ „Warum denn nicht?“ Noah legte den Kopf schief. „Ich könnte mir dich sehr gut als Artistin vorstellen.“ Da schritt Tobias ein. „Das wäre mir eindeutig zu gefährlich für meinen Schatz. Wo habt ihr denn eure Plätze?“ Die Karten, welche Lisa Noah geschenkt hatte, lagen in einer anderen Preiskategorie als die von Kerstin und Tobias. Dennoch schlug Noah vor: „Wenn ihr mögt, könnt ihr nachher bei uns im Auto mit zurückfahren.“ „Das wäre toll“, freute Kerstin sich. „Wir sind mit dem Zug gekommen.“ „Alles klar! Dann treffen wir uns nach der Show einfach am Ausgang.“ Schon mussten sie zurück zu ihren Plätzen, wenn sie nichts verpassen wollten. Tobias fragte, als sie sich gesetzt hatten: „Hattest du eine Ahnung, dass Noah und Lisa auch hier sein würden?“ „Nein, das hast du doch vorhin selber gemerkt. Ich war genauso überrascht wie du, die beiden zu treffen.“ „Ich dachte halt, dass einer von euch beiden doch sicher erwähnt hätte, Karten für heute zu haben“, beharrte Tobias. Kerstin gab zu: „Eigentlich wollte ich das den anderen wirklich die ganze Zeit erzählen, seit du mir die Karte geschenkt hast, aber dann habe ich es über Training und Buffy immer wieder vergessen. Vielleicht ist es Noah ja genauso gegangen.“ „Ja, vielleicht.“ Auch der zweite Teil der Show ließ keine Wünsche für Pferdeliebhaber offen. Einzig bedauerte Kerstin, dass das alles viel zu schnell vorüberging. Am Ende kamen alle Beteiligten mit ihren Pferden noch einmal in die Halle. Da wurde es bald ziemlich eng, obwohl die Arena wirklich groß war. Kerstin raunte Tobias zu: „So viele Leute und Pferde sind da dabei? Das ist ja der Hammer!“ Tobias nickte. „Ich hätte auch nicht gedacht, dass die so eine riesige Truppe sind. Da müsst ihr lange wachsen, ehe ihr etwas in der Art auf die Beine stellen könnt.“ „Das haben die mit Sicherheit auch nicht in nur ein paar Monaten geschafft. Wäre ja eher toll, wenn wir alle zusammen ein Engagement bei so etwas kriegen könnten.“ „Größenwahnsinnig bist du aber überhaupt nicht, oder?“ Langsam leerte sich die Arena wieder. Als das letzte Paar durch den Ausgang verschwunden und der Vorhang gefallen war, ging das normale Licht in der Halle wieder an. Nun begannen auch die Zuschauer, von den Rängen zu strömen. Kerstin und Tobias kamen nur langsam voran. Noah und Lisa warteten bereits, als die beiden endlich draußen waren. Eine kalte, klare Nacht empfing sie. Lisa kramte bereits nach ihrem Autoschlüssel. „Hoffentlich wird es nicht glatt“, meinte sie. Gemeinsam gingen sie zu dem riesigen Parkplatz. „Wo haben wir geparkt?“, fragte Lisa an Noah gewandt. „Du hast das Parkticket, Liebling“, gab Noah lachend zurück. „Jetzt weißt du, warum ich darauf bestanden habe, dass du die Parkplatznummer aufschreibst.“ An Kerstin und Tobias gewandt fügte er hinzu: „Meine Lisa hat viele Vorzüge, aber sie würde ihr Auto hier nicht einmal bei Tag und wenn alle anderen schon gefahren wären, wieder finden.“ Dafür handelte er sich einen Stoß in die Rippen ein. „Sei nicht so frech, sonst fahre ich Kerstin und Tobias nach Hause, und du darfst den Zug nehmen.“ Sie fand den Parkschein und las im Schein einer Straßenlaterne ihre eigene Notiz. „Wenn ich jetzt noch wüsste, wo genau das ist.“ Noah ergriff die Hand seiner Freundin und übernahm die Führung. So erreichten sie den Wagen binnen weniger Minuten. Während der Fahrt unterhielten sie sich angeregt über das gerade gesehene Programm. Dann ließ Lisa Tobias zuerst bei sich zu Hause in Reimerdingen aussteigen und fuhr weiter nach Langeloh, wo Kerstin bei ihrem Vater und dessen Schwester lebte. Kerstin hatte Tante Frieda natürlich Bescheid gegeben, dass sie nicht mit dem Zug fahren würde und somit nicht vom Bahnhof abgeholt werden musste. „Danke fürs Mitnehmen.“ „Gerne Kerstin“, antwortete Lisa. Im Haus des Hauptmanns, Kerstins Vater, empfing sie wohlige Wärme. „Kerstin, bist du das?“, rief Tante Frieda. Der Hauptmann knurrte: „Wer soll es denn sonst sein, wenn ich schon hier bin?“ Aus ihrem Körbchen kam Fine, Kerstins braun-weiß gescheckter Jack Russel Terrier. „Hi mein kleiner Schatz! Na, hattest du einen schönen Tag? Ich hab dich vermisst, aber dahin konnte ich dich nun wirklich nicht mitnehmen.“ Tante Frieda und der Hauptmann saßen im Wohnzimmer; er wie immer kerzengerade aufgerichtet in seinem Ohrensessel. Obwohl er das steife Korsett nicht mehr tragen musste, legte er immer noch großen Wert auf eine anständige Körperhaltung. Sofort sprudelte Kerstin los, wie toll die Show gewesen war. Tante Frieda stellte Fragen und ging darauf ein, doch der Hauptmann schien gar nicht richtig zuzuhören. Mit einem Ruck wandte er Kerstin seinen Kopf zu und unterbrach sie in ihrer Erzählung. „Kerstin, ich muss etwas mit dir besprechen, ehe du vielleicht irgendwelche Gerüchte hörst, an denen nur viel Übertreibung aber wenig Wahrheit dran ist.“ Bei einem Blick in das Gesicht ihres Vaters bekam Kerstin einen Schreck. Es musste etwas passiert sein, so ernst, wie er dreinschaute. Sie hatte das Gefühl, als würde sich ihr eine eiskalte Hand ums Herz legen. „Ist etwas mit Birkenfeld? Geht es um Liberty?“ „Ja und nein“, antwortete der Hauptmann. „Was ich dir jetzt sage, ist absolut im Vertrauen. Ich muss mich auf dich verlassen können, dass du weder deinen Freunden gegenüber etwas sagst noch mit sonst jemanden darüber sprichst.“ „Du machst mir Angst.“ „Was mir heute zu Ohren gekommen ist, ist ja auch furchteinflößend. Die wirtschaftliche Lage war in diesem Jahr grundsätzlich nicht so berauschend. So haben viele Anleger ihr Geld aus dem Fonds gezogen, mit dem Birkenfeld finanziert wird. Kurz und knapp, die Gesellschaft sieht das Gut nicht mehr als lukrativ und interessant für Anleger und will nun verkaufen.“ „Was? Nicht schon wieder!“, rief Kerstin entsetzt aus. Sie hatte noch lebhaft in Erinnerung, was sich alles verändert hatte, als Gut Birkenfeld beim letzten Mal verkauft worden war. Es hatte ehrgeizige Pläne gegeben. Daher hatte man aus dem Reitstall ein Ausbildungszentrum gemacht. Das hatte Abschied von vielen lieb gewonnen Pferden, aber auch Menschen bedeutet. Es hatte eine ganze Weile gedauert, ehe Kerstin sich daran hatte gewöhnen können. Und nun sollte das alles wieder von vorne losgehen? „Was bedeutet das denn genau? Ich meine, die suchen jetzt wieder nach einem Käufer, oder?“ „Ich fürchte, so einfach wird es diesmal nicht werden. Die Finanzgesellschaft muss zusehen, dass sie mit dem Objekt nicht selbst in Bedrängnis gerät. Beim letzten Mal waren es Privatleute, die einfach Geld dafür sehen wollten. Sollte sich nicht in absehbarer Zeit ein Käufer finden, wird es wohl zur Zwangsversteigerung kommen.“ „Und dann?“ „Dann würden Tanja und ich vermutlich unsere Arbeitsplätze verlieren. Auch Bounty, Buffy, Admiral und Avantus würden ein neues Zuhause brauchen.“ Nicht nur Kerstin besaß selbst Pferde. Der Hauptmann hatte sich vor einiger Zeit den großen Fuchswallach Admiral zugelegt. Seine Freundin war ebenfalls Trainerin auf Birkenfeld und hatte dort ihr eigenes Pferd stehen. Kerstin war wie vor den Kopf gestoßen. Auf Birkenfeld war sie mehr daheim als in dem Haus, in dem sie lebte. Allein der Gedanke, dass sie nicht mehr jeden Tag dorthin fahren und mit all den herrlichen Pferden, die sie in ihr Herz geschlossen hatte, zusammen sein würde, war unerträglich. Was sollte aus ihrem Vorbild und Trainer Carsten Stroo, dem erfolgreichen Vielseitigkeitsreiter, seinen Pferden und Angestellten werden? Wo sollten all die Auszubildenden, die man im Rahmen der Umstrukturierung angestellt hatte, so plötzlich hin? Der schöne Tag war wie ausgelöscht. Plötzlich beherrschten Sorgen, Angst, ja Panik Kerstins Gedanken und Gefühle. Tante Frieda nahm ihre Nichte in die Arme. „Noch ist es nicht so weit. Ich bin sicher, dass die Leitung von Birkenfeld alles dafür tun wird, um eine Zwangsversteigerung zu verhindern.“


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