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Belletristik
Buch Leseprobe Neues von Gut Birkenfeld, Martina Sein
Martina Sein

Neues von Gut Birkenfeld


Eine Lösung für jedes Problem

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„Na komm, Liberty!“, forderte Kerstin den schönen Rappen mit der Blesse auf. Er trug ein Knotenhalfter und sollte gleich ein Verladetraining bekommen. Eigentlich hätte Liberty es gewöhnt sein müssen zu fahren. Er war ein Turnierpferd und musste öfter zu dem jeweiligen Veranstaltungsort gebracht werden. Leider mochte er nur gerne einsteigen, wenn ein ihm sympathisches Pferd schon vor ihm in den Transporter ging. Auf Gut Birkenfeld, wo Kerstin reiten konnte und auch noch ihre eigenen beiden Pferde – das braune Fellpony Bounty und deren Fohlen Buffy – stehen hatte, wurden die Tiere eigentlich dazu erzogen, dass sie alleine in einen Anhänger gingen. Auf diese Weise brauchte man beim Verladen keine Hilfe und musste sich auch nicht der Gefahr aussetzen, welche die Enge eines derartigen Gefährts mit sich brachte. Liberty war es bisher gewöhnt, dass ihn immer vorne einer führte. So musste eine zweite Person hinter ihm zumindest die Stange einhängen. Bindet man ein Pferd zuerst an, damit es nicht mehr raus kann, kann es zu schweren Unfällen kommen. Tanja Allenfels, eine der Reitlehrerinnen auf Birkenfeld, hatte sich heute extra Zeit genommen, um mit Kerstin das alleinige Verladen zu üben. Sie wartete schon an einem Transporter für zwei Tiere, den sie an ihr eigenes Auto gekuppelt hatte. Pferde sind nicht dumm. Übt man mit ihnen das Einsteigen an einem Gefährt, welches sich gar nicht bewegen kann, wissen sie ziemlich schnell, dass sie nicht fahren müssen. Also gehen sie ohne Probleme hinein. Wird es dann ernst, kann es trotz des Trainings Probleme geben. Also wollte Kerstin unter richtigen Bedingungen üben. Ehe Kerstin Liberty an den Hänger heranführte, erklärte Tanja ihr das Vorgehen noch einmal: „Wichtig ist, dass Liberty keine Pause bekommt. Entweder beschäftigt er sich mit dem Hänger oder er geht hinein. Wenn er drinnen steht, wird er in Ruhe gelassen. Das ist seine Belohnung. Wir arbeiten auch nicht mit Lockmitteln.“ „Okay.“ Kerstin nickte und ging mit Liberty auf den Transporter zu. Der Wallach senkte sofort die Nase und schnupperte an der Rampe. Als er den Kopf wieder hob und wegdrehte, sollte Kerstin ihn sofort einen Schritt zurückschicken und dann auffordern, erneut nach vorne zu gehen. Am Anfang musste Liberty auch noch gar nicht alleine einsteigen. Dennoch würde Kerstin nicht vor ihm herlaufen, sondern in das freie Abteil neben ihm gehen. Vor und wieder zurück kam Liberty in ein paar Schritten ganz in den Anhänger. Kerstin ließ ihn hier wenige Sekunden stehen und schickte ihn dann hinaus. Dort lobte sie ihn: „Das hast du gut gemacht. Siehst du? Ist überhaupt kein Problem.“ „Noch einmal!“, forderte Tanja. „Diesmal soll er stehenbleiben, damit du zumindest Richtung Klappe gehen kannst.“ Natürlich wollte Liberty aussteigen, sobald Kerstin nicht mehr an seiner Seite war. Wieder hieß es, Druck aufzubauen, so lange er eigenmächtig handelte. Reagierte er richtig, wurde er sofort in Ruhe gelassen. Nach einigen Versuchen gelang es Kerstin tatsächlich, selbst die Stange ein-, wieder auszuhängen und Liberty dann nach Aufforderung aus dem Hänger zu holen. „Gut“, freute Tanja sich. „Nächster Schritt. Du bleibst neben der Rampe stehen und forderst ihn auf, dass er alleine hineingeht.“ Das wurde schon erheblich schwieriger. Immer, wenn Kerstin stehen blieb, bremste auch Liberty und kam sofort wieder heraus. Er blieb teilweise sogar mit den Vorderhufen auf der Rampe und schaute Kerstin fragend an. „Nein, mein Schöner, rein mit dir!“, korrigierte Kerstin. „Keine Pause“, erinnerte Tanja. „Schritt zurück und wieder vorwärtsschicken! Mit der Gerte ein wenig am Po treiben!“ Es ging vor und zurück – hin und her. Schließlich wurde Liberty ungeduldig. Er schnaubte hart, legte den Rückwärtsgang sehr schnell ein und stieg leicht. „Das ist ganz normal. Wenn sie lernen sollen, alleine einzusteigen, gehen die meisten Pferde ziemlich ab“, erklärte Tanja. „Du bestimmst hier aber das Tempo. Er will rückwärts? Dann schick ihn noch schneller, als er gehen will. Halte den Druck aufrecht, bis er den Kopf nach unten nimmt.“ Liberty hatte viel Selbstbewusstsein. Es dauerte ein wenig, bis er sich Kerstin wieder unterordnete. Dann wollte er weg und begann, seine Reiterin zu umkreisen. Auch das begleitete Tanja verbal: „Jetzt baut er Druck ab. Das muss er. So kann er sich gar nicht mehr mit dem auseinandersetzen, was er tun soll.“ Also ließ Kerstin Liberty laufen. Nach einigen Runden schnaubte er wieder. Diesmal hörte es sich jedoch anders an. Dabei senkte er den Kopf und kam von sich aus auf Kerstin zu. Er ließ einen Seufzer hören. „Sehr gut. Darauf habe ich gewartet“, kommentierte Tanja. „Seine eigene Energie hat sich jetzt vollkommen geändert. Auf zum Hänger mit euch beiden!“ Plötzlich konnte man dabei zusehen, wie Liberty mit jedem Versuch ein Stückchen weiter in den Transporter ging, obwohl Kerstin an der Rampe stehenblieb. Tanja erinnerte sie dabei auch immer wieder daran, mit ihrem Körper so zu stehen, dass sie ihr Pferd nicht aus Versehen bremste. „Das Tor muss offen sein.“ Endlich war es so weit: Liberty marschierte die Rampe hoch und ging schnurstracks bis ganz nach vorne in das Gefährt. „Lass ihn kurz in Ruhe und fordere ihn dann auf, dass er wieder rauskommt!“ Zunächst sollte Kerstin die Zeit, die Liberty stehenblieb, verlängern, ohne dass er von sich aus aussteigen wollte. Dann musste sie auch hier nach vorne zur Türe gehen oder in das andere Abteil. Liberty durfte sich nicht rühren. Schließlich ging es ans Schließen des Hängers. Kerstin hakte die Stange ein und wieder aus. Liberty musste herauskommen. Erneut ging es hinein, Stange an den Pferdehintern und diesmal auch die Klappe zu. Das alles machten sie so lange, bis es Liberty überhaupt nicht mehr zu stören schien. „Gut, dann muss er natürlich auch merken, dass er fahren soll“, meinte Tanja. Sie setzte sich hinter das Steuer ihres Autos und rollte wenige Meter. Anschließend sollte Kerstin Liberty aus dem Transporter holen und erneut hineinschicken. Am Ende umkreiste Tanja den Parkplatz zwei Runden. Sie stieg aus ihrem Wagen und meinte: „Gute Arbeit. Jetzt hat er für heute definitiv genug.“ „Cool, danke“, freute Kerstin sich. Ganz ruhig kam Liberty rückwärts aus dem Hänger, als Kerstin ihn dazu aufforderte. Tanja schlug noch vor: „Du solltest ihn die nächsten Tage möglichst immer wieder verladen. Wenn ich Zeit habe, machen wir dann eine Runde zwischendurch. Ansonsten kann vielleicht auch dein Vater einmal bei sich anhängen. Ich bin ziemlich eingespannt im Moment.“ „Ich rede mit ihm“, nahm Kerstin sich vor. Sie wollte den Erfolg von heute auf keinen Fall gefährden, indem sie das Gelernte bei Liberty nicht festigte. „Komm mit, mein Schöner!“, forderte Kerstin den Rappen nun auf. „Du darfst heute direkt auf die Koppel. Ich glaube, du hast genug zum Nachdenken gehabt. Vielleicht longiere ich dich später noch ein bisschen, damit du auch Bewegung hast.“ Sie führte Liberty auf seine Einfriedung und nahm ihm dort das Knotenhalfter wieder ab. Obwohl Liberty für gewöhnlich über viel Temperament verfügte, tobte er eigentlich nie davon, wenn er auf der Weide freigelassen wurde. Meistens blieb er stehen und schaute Kerstin fragend an, denn er wollte noch eine kleine Belohnung haben. Erst dann trottete er davon, um sich das um diese Jahreszeit nur noch spärlich wachsende Gras zu suchen. Nun hatte Kerstin auch noch ein wenig Arbeit mit Buffy auf dem Plan. Tanja hatte ihr ein bisschen etwas gezeigt, aber dann war sie auf Horsemanship gestoßen. In manchen Dingen deckte sich das damit, wie Tanja arbeitete, andere waren unterschiedlich. Auf jeden Fall gefiel es Kerstin, wie sie am langen Strick mit Buffy arbeiten konnte und diese zunehmend aufmerksamer und auch respektvoller ihr gegenüber wurde. In der Zucht angekommen holte Kerstin das Knotenhalfter, das sie extra für Buffy gekauft hatte. Diese stand mit den anderen Jährlingen auf der Koppel, die hinter dem großen Gebäude lag. Auch sie war auf der Suche nach den letzten Halmen des Jahres. Kerstin staunte immer wieder darüber, wie die Pferde nach wie vor fündig wurden und sogar im Winter wenigstens ein bisschen knabbern konnten. „Hey mein kleiner, großer Schatz!“, rief Kerstin, als sie bis auf wenige Meter an Buffy heran war. Als Fohlen konnte man sie wahrlich nicht mehr bezeichnen. Inzwischen hatte sie auch ihren ersten Geburtstag gehabt. Es war Kerstin unheimlich wichtig, dass Buffy ihre Hufe schön gab. Bald kam der Schmied wieder. Beim letzten Mal hatte sie mehrfach versucht, ihre Hinterbeine freizubekommen. Kerstin hatte eisern festgehalten, doch das konnte auf Dauer nicht die Lösung sein. Mit jedem Pfund, das Buffy zulegte, wurde sie ja auch kräftiger. Daher übte sie unermüdlich. An Tagen, an denen die Zeit knapp war, machte sie wenigstens die Hufe. Zum Glück war es trocken. So konnte Kerstin auf den kleinen Sandplatz gehen, der sich neben dem Zuchtgebäude befand. Für diese Arbeit hatte Kerstin sich einen extra Stick mit langer Schnur besorgt. Nun forderte sie Buffy auf, dass die mit entsprechendem Abstand zu Kerstin stehen bleiben sollte. Den Strick hatte sie lediglich auf ihrer Hand liegen und gar nicht umschlossen. Als Erstes streichelte Kerstin Buffy am ganzen Körper mit dem Stick. Dann trat sie ein paar Schritte zurück, wobei ihr der Jährling nicht nachkommen durfte. Sie begann, die Schnur am Boden auf Buffy zuzubewegen und wieder wegzunehmen. Bald ließ sie diese sogar sachte auf den Körper des jungen Pferdes fallen. Buffy stand ruhig da. Sie war noch nie erschrocken, wenn man das mit ihr gemacht hatte. Da sie in ihrem ganzen Leben keine schlechten Erfahrungen gemacht hatte, war sie immer unvoreingenommen derartigen Lektionen gegenüber. Kerstin hatte gelernt, dass man ein Pferd nicht nur mit der Stimme und direkter Berührung loben konnte. Machte Buffy alles richtig, streichelte sie den Strick oder rieb den Stick an ihrem Rücken. Das war angeblich für die Pferde etwas Beruhigendes. In der nächsten Stufe sollte Buffy rückwärts gehen, ohne dass Kerstin wie üblich eine Parade gab und sie an der Brust anfasste. Dazu ließ sie den Stick sachte auf den Boden titschen. Reagierte Buffy nicht, wurde Kerstin heftiger. Schließlich wurde die Bewegung größer und sie machte auch einen Schritt auf das Jungtier zu. Buffy hatte schnell verstanden, was man von ihr wollte und ging mittlerweile schon nach wenig Aufforderung rückwärts. Zwischendurch kam es leider auch vor, dass der Jährling Kerstin ignorierte und einfach weggehen wollte. Dann musste Kerstin einmal eine klare Ansage machen und die Aufmerksamkeit wieder zu sich lenken. Wie hatte Tanja einmal gesagt: „Wenn der Herdenchef sagt, jetzt wird marschiert, dann bleibt sicher kein Fohlen einfach stehen. Das bist du in dem Fall.“ Die letzte Übung, die Kerstin momentan mit ihrem Pferd in dieser Richtung machte, war, dass sie erst Stirn und Nase streichelte, dann Buffy jedoch gezielt ein Stück über dem Ansatz des Nasenbeins berührte. Auch daraufhin sollte sie rückwärts weichen. Tat sie das nicht, musste Kerstin den Druck erhöhen. Am Anfang war es nötig gewesen, dass sie ziemlich deutlich wurde. Nun reagierte Buffy schon auf Stufe zwei. „Du bist ein ganz schlaues Mädchen“, lobte Kerstin. Nun streichelte und klopfte sie auch den Hals ihres Pferdes. Dann kratzte sie es am rechten Ohr. Buffy liebte das. Da kam sie selbst so schlecht hin, wenn es juckte. Sie senkte den Kopf und machte ihn immer länger. Dabei fielen ihr die Augen vor lauter Wohlgefallen beinahe zu. „Das ist immer toll, nicht wahr?“, lachte Kerstin. Sie führte Buffy zurück zur Koppel, nahm ihr das Knotenhalfter ab und gab ihr ein Leckerli. „Tschüss mein Schatz. Hab noch einen schönen Tag!“ Lächelnd schaute Kerstin Buffy nach. Dann brachte sie das Knotenhalfter zurück und wandte sich in Richtung der Selbstversorgerboxen. Dort entdeckte sie Nikola, die erst vor Kurzem mit ihrem braun-weiß gescheckten Pony Maiglöckchen eingezogen war. Nikola indessen schien Kerstin noch nicht bemerkt zu haben. Sie ging mit ihren Krücken in Richtung Koppel. Eigentlich hatte Kerstin auf sich aufmerksam machen wollen, doch aus irgendeinem Grund folgte sie Nikola einfach nur. Was Kerstin dann zu sehen bekam, verschlug ihr beinahe den Atem. Das gehbehinderte Mädchen wandte sich nicht Maiglöckchen, sondern Valentino zu. Das ehemalige Zirkuspferd kam sogleich heran und verbeugte sich vor Nikola. Sie legte ihm ein Halfter mit zwei Führstricken an. Was wollte Nikola denn da machen, fragte Kerstin sich. Valentino schien jedoch genau zu wissen, worum es ging. Er legte sich mitten auf der Koppel hin. Nikola deponierte ihre Krücken im Gras und hob mit der Hand ihr rechtes Bein über Valentinos Rücken. Dieser hievte sich wieder auf seine Hufe, ging ein paar Kreise, die von ihm gefordert wurden, und setzte Nikola sanft wieder genau da ab, wo sie nach ihren Gehhilfen greifen konnte.


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