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Belletristik
Buch Leseprobe Narreng’schichten, Ernst Luger
Ernst Luger

Narreng’schichten



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Tills Erzählung
(Till Eulenspiegel)
„Seid gegrüßt, ihr Lieben und Bösen, ihr Kleinen und Großen, ihr „Schierchen“41 und Schönen, ihr Dummen und „G’scheiten“. Heute will ich euch weder aufs Glatteis führen, noch will ich euch auf den Arm nehmen. Auch müsst ihr euch nichts hinter die Ohren schreiben, denn dort könnt ihr es ja sowieso nicht nachlesen. Ich wünsche euch einen schönen Abend und erwarte, dass ihr wohl gespeist habt. Hoffentlich seid ihr dem Leitsatz „Lieber in Massen genießen, als aus kleinen Dosen“ treu geblieben? Wenn ich euch so anschaue und dann „meinereiner“ im Spiegel bewundere, dann merke ich erst, wie mickrig und hager ich in Wirklichkeit bin. Doch esset sorglos weiter, unser „Tischlein deck dich“ wird sich erst leeren, wenn sich auch der Hinterste und Letzte von euch seinen Ranzen bis obenhin gefüllt hat. Merkt euch meinen Leitsatz, viel Essen macht nicht dick, es formt nur den Körper.
Muss euch dringend was erzählen. Gestern tagte unser Familienrat, denn meines Erzeugers Tochter musste ihren Zukünftigen dem Rat vorführen. Seither hat für unseren Vater das Wörtchen „Mit-Gift“ plötzlich eine ganz andere Bedeutung.
Das Problem fand dort seinen Ursprung, als der Mond sich anstandshalber hinter einer Wolke versteckte und der Hirsch seinen Brunftschrei ausstieß. Ja, so kann dich plötzlich ein Wildfremder zum Onkel machen. Ihr Auserwählter, ein wohlbeleibter Mann, gibt vor, von Beruf ein Manager zu sein. Wohlbeleibt mag wohl jedem ein Begriff sein, aber was bitte ist ein Manager? Also wenn ich mir das Wort einmal genauer durch den Kopf gehen lasse, dann sehe ich darin zwei englische Wörter herumlungern, „Man und Ager“. Versucht man diese Vokabeln in unsere Sprache zu übertragen, dann entspricht „Man“ gleich „Mann“ und „Ager“ kommt wahrscheinlich von „Age“ also Alter. Somit muss wohl ein Manager ein „alter Mann“ sein. Wo da wohl meines Erzeugers Tochter hingeschaut hat? Nicht nur dass so eine Masse von einem Mann meine dünne, zarte Schwester verführt hat, müssen da auch noch so viele Jahre zwischen den beiden stehen?
Fehlt gerade noch, dass dieser Dicke erst meines Vaters Dünne dick und dann sich selber dünn macht. Damit der alte Mann sich nicht heimlich verdünnisiert, ergriff unser Familienoberhaupt selbstsicher die Situation und verdonnerte diesen fiesen „Onkelmacher“ förmlich zur Fahrt in die Hölle. Er wirkte so überzeugend, dass dieser Genannte sich vorsichtshalber lieber auf die Hochzeit gefreut hat, als heimlich abzuzwitschern. Er wird meine Schwester ganz freiwillig ehelichen und das ganz ohne „mit Gift“ (Mitgift). Ja, ja, gegen Pechsträhnen ist auch der Figaro machtlos, im schlimmsten Fall kann so einer immer noch als schlechtes Beispiel dienen, so bleibt keiner unnütz.“
Das Publikum lacht und klatscht laut. Langsam kommt wieder echte Stimmung im Saal auf. Der vorangegangene Beitrag scheint langsam verdaut zu sein und die Märchenfiguren lauschen frohgelaunt weiter der Erzählung von Till.
„Ja ihr Lieben, das Leben schreibt für jeden von uns eine andere Geschichte. Dem einen wird sein Weg endlos mit Geldscheinen gepolstert, der andere muss sein Hirn gebrauchen, weil sonst harte Arbeit seinen grauen Alltag bestimmt. Ach ja, ich habe seit einem halben Jahr einen neuen Job, bin jetzt Schwerarbeiter, echt. Ja wirklich, ich gehöre nun zur schwerarbeitenden Bevölkerung. Bei meiner Einstellung wurde auf meinen Wunsch hin vereinbart, dass mein Zeitmanagement nicht wöchentlich oder monatlich, sondern auf das ganze Jahr verteilt berechnet wird. Das heißt, im Jahr stehen mir 365 Tage zu Verfügung. Für jeden Tag sind mir 8 Stunden Schlaf bewilligt worden. Im Weiteren stehen mir täglich 7 Stunden Freizeit zu. Zudem werden alle Samstage und Sonntage abgezogen, weil da sowieso kein Schwein arbeitet. Eine tägliche Essenspause von 30 Minuten ist vorschriftsgemäß einzurechnen.
Gesetzlich stehen mir nebst den 9 Feiertagen noch 14 Urlaubstage zu. Die restliche Zeit muss ich dann in voller Länge und ohne „Wenn und Aber“ dem Arbeitgeber zur Verfügung stehen. Mit Wonne habe ich diesen Vertrag unterschrieben. Meinen ersten Arbeitstag feierte ich gleich im Wirtshaus ums Eck. Pünktlich zur Freizeit kehrte ich nach Hause zurück und meine 8 Stunden Schlaf gönnte ich mir auch. Nach der ersten Schwerarbeiterwoche stand doch plötzlich der Herr Personalchef vor meiner Tür und verlangt eine Erklärung bezüglich meines Fernbleibens vom Arbeitsplatz. Fernbleiben, warum? 8 Stunden Schlaf pro Tag macht 122 Schlaftage, dazu 7 Stunden Freizeit macht 107 Freizeittage, 30 Minuten Mittagspause pro Tag macht nochmals 8 freie Fresstage. 365 Tage hat ein Jahr, wenn man davon 122 Schlaftage, 107 Freizeittage, 104 Wochenendtage, 8 Fresstage, 9 Feiertage und 14 Urlaubstage abzieht, dann bleibt noch ein Tag übrig und das ist der 1. Mai, Tag der Arbeit, da haben sowieso alle frei. Also was soll die ganze Aufregung, ich habe lediglich meinen Vertrag erfüllt?
Jetzt streiten sich die Rechtsverdreher und ich genieße meinen Schwerarbeiterjob immer noch beim Wirt ums Eck.“
Wiederum lachte und klatschte das Publikum fröhlich und laut, was Till zum nächsten Beitrag animiert.
„Letzte Woche, als ich gerade in meinem Stammlokal saß, musste ich mal ganz dringend das gewisse Örtchen aufsuchen. Als ich so gemütlich mein ‚Geschäft’ erledigte, hörte ich von nebenan rufen: „Hallo, wie geht’s dir?“ Ich bin sicher nicht der Typ, der Gespräche auf der Männertoilette anfängt, aber in diesem Fall musste ich einfach antworten.
„Es geht gut, danke der Nachfrage“, erwiderte ich.
Wieder ertönte es von nebenan. „Was machst du gerade?“
Was ist denn das für eine törichte Frage, dachte ich mir und etwas entrüstet antwortete ich erneut: „Also ich glaube dasselbe wie du, nicht.“
Dann ging mir die Fragerei langsam auf die Nerven und ich wollte mich gerade beeilen, als von nebenan erneut eine Frage zu mir durchdrang: „Darf ich zu dir kommen?“
O. k., das ging mir jetzt zu weit. Etwas angeschnupft konterte ich dem Unbekannten. „Nein, ich bin im Moment wirklich zu beschäftigt.“
Die Rückantwort kam prompt. „Du hör mal, ich rufe dich später noch mal an, irgendein Idiot sitzt nebenan und antwortet immer auf meine Fragen.“
Nun, ich denke es kann sich jeder vorstellen, wie schnell ich die Sitzung abgebrochen und fluchtartig diese Bedürfnisanstalt verlassen habe.
Die Leute im Saal bogen sich vor Lachen, aber nicht genug, Till wusste noch mehr zu erzählen.
„Ja, manchmal spielt einem das Leben einfach einen kleinen Streich, aber deswegen muss man nicht gleich die Nerven über Bord werfen. Wenn eine dumme ‚Kuh’ beim Metzger einkauft, darf sie sich nicht wundern, wenn sie von keinem ‚Schwein’ bedient wird. Kleiner Tipp, wenn du mal kein Geld hast, dann borg’s dir von einem Pessimisten, denn dieser erwartet es eh nicht zurück. Damit der Monat nicht länger wird als die Reichweite meines Geldes, ist auch bei mir seit Längerem Sparen angesagt. Zum Beispiel heute, da war ich beim Bäcker und wollte Brot von gestern für morgen vorbestellen, da dies morgen nur die Hälfte kostet. Die Verkäuferin schaute mich ganz verdutzt an und fragte mich verwundert: „Sie wollen was?“
„Brot von gestern vorbestellen, ich komm’s dann morgen abholen.“
„Das geht nicht, das morgige ‚Brot von gestern’ ist ja heute schon da. Das kann man nicht vorbestellen.“
„Aber morgen kostet das Brot von heute, weil’s von gestern ist, doch nur noch die Hälfte.“
„Ja schon.“
„Na und das will ich eben vorbestellen.“
„Aber das geht nicht, es gibt noch kein Brot, das morgen von gestern ist.“
„Ja, aber da liegt es doch.“
„Was?“
„Na, das Brot, das morgen von gestern ist.“
„Ja, aber das ist doch das Brot von heute.“
„Eben, deshalb will ich’s vorbestellen. Morgen kostet’s ja nur die Hälfte.“
„Man kann nicht Brot von gestern vorbestellen, man kann nur Brot für morgen vorbestellen.“
„Ja, aber das will ich ja. Ich will ein Brot von heute für morgen vorbestellen, weil’s dann von gestern ist.“
„Ja, ja, aber das geht nicht. Wie stellen Sie sich das denn vor? Wenn das alle machen würden. Wo sollte ich denn das ganze Brot lagern? So viel Platz habe ich hier gar nicht.“
„Ach so der Lagerplatz ist also das Problem?“
„Ja, genau. Ich brauch doch morgen den Platz für das Brot von morgen.“
„Na ja, wenn das das ganze Problem ist, dann bestell ich eben jetzt für morgen ein Brot von gestern, aber ich nehm’s heute schon mit.“
Die Verkäuferin war fassungslos und schaute mich böse an. Dann starrte sie auf die Warteschlange, die mittlerweile bis vor die Ladentüre reichte. Mit wütenden Augen packte sie mir das Brot ein, kassierte den halben Preis und bediente den nächsten Kunden:
„Bitte mein Herr, was bekommen sie?“
Dieser grinst verschämt und sagt: „Ich würde gerne für morgen sechs Brötchen von gestern vorbestellen.“
„Bevor ich euch noch langweile, wünsche ich euch noch weiterhin einen lustigen und fröhlichen Abend.“ Mit diesem kurzen Satz verabschiedet er sich von seinen Zuhörern.

Das Publikum lacht und applaudiert minutenlang. Die Stimmung im Saal hat sich also wieder gehoben. Jedoch bevor Till die Bühne wieder verlässt, verbeugt er sich noch mehrmals vor dem immer noch lachenden Publikum. Dann entschwindet er mit einem Salto rückwärts hinter den Vorhang.
Als nächster erklimmt nun ganz kess „Zwerg Nase“ die Bretter der Bühne. Heute will er mal seine Zuhörer mit einer drolligen Geschichte verzaubern. Mit kräftiger Stimme und spitzer Zunge richtet er nun seine Worte an das neugierige Publikum.


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