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> Belletristik > Nähe, die ich meine...
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Belletristik
Buch Leseprobe Nähe, die ich meine..., Clara Claas
Clara Claas

Nähe, die ich meine...



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Nicht schon wieder ...


 


   Hanna zuckt zusammen. Der spleenige Ton des Telefons kommt in diesem Augenblick ungelegen. Das langgezogene Tuten vom Schiffshorn wie auch das Geschrei der Seevögel, klingen in der kleinen Wohnung auf irgendeine Weise skurril. Andererseits weckt der geschätzte Sound ihre Sehnsüchte. Er macht Lust auf Wind und Wellen, schwebende Algen leise schwappend am seichten Uferrand, auf angeschwemmte Muscheln im feuchten Sand, vermittelt für Sekunden dem weitentfernten Meer so nahe zu sein. Wie auch immer, Hanna liebt die See. Wenn ihre Zeit es nicht zuließ, dort zu verweilen, wollte sie wenigstens fernab ein Gefühl zur Nähe bekommen. Die eindrucksvollen Klänge holte sie sich einfach nach Hause. Der kostenlose Download-Manager im Netz lieferte den richtigen Ton.


Für heute hat sie den hektischen Arbeitstag abgehakt. Das Abendessen verströmt einen appetitanregenden Geruch, ihr bequemes Sofa mit Kuscheldecke lädt zum trägen Blick in die Fernsehwelt ein. Sie erwartet niemanden, auch nicht per Telefon und genau deshalb nervt das tutende Signal, das soeben lautstark durchs Zimmer dröhnt und seine magische Kraft in der Wiederholung ausübt. Hanna kann sich auf ihr feines Gespür verlassen, ahnt, wer um diese Uhrzeit am anderen Ende der Leitung ist.


Erst Vorgestern liefen sie sich zufällig unter den Arkaden in die Arme. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel stand Lutz nach wochenlangem Abtauchen vor ihr. Hanna fiel sofort auf, dass er sich verändert hatte. Er sah angegriffen aus, ihm fehlte die charakteristische Dynamik sowie das elegante Outfit. Dessen ungeachtet geriet er wie immer ins Schwärmen, schmeichelte ihrem Aussehen, erwähnte, es sei zu lange her, dass sie sich gesehen hätten. Stets berührte er beim Sprechen ihren Arm, tätschelte ihre Hand, als wolle er besänftigen. Kurzerhand lud er sie zum Italiener ein.


Hanna überkam einmal mehr dieses unbeherrschbare Herzrasen, dessen ungeachtet sie gegen jedwede Vernunft die Einladung annahm. Am Tisch redeten sie viel, viel belangloses Zeug, plauderten um den heißen Brei herum. Beide mieden indiskrete Fragen, wühlten nicht in alten Zeiten, Zeiten der glücklichen Gemeinsamkeit. Nach dem Digestif bezahlte Lutz die Rechnung und wie immer erhielt die Kellnerin ein großzügiges Trinkgeld. Zum Abschied drückte er Hanna fest an sich, nutzte den Moment und bat um ein Wiedersehen. Sie ließ es zu. 


Nicht schon wieder, hätte sie am liebsten hinausgeschrien, stattdessen begnügte sie sich mit einem Seufzer, der inmitten vorbeilaufender Stadtmenschen unterging. Einmal mehr hatte sie sich inkonsequent gezeigt, einmal mehr sich manipulieren lassen, einmal war es zu spät...


©Clara Claas


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