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Belletristik
Buch Leseprobe Mystery Man, Kristen Ashley
Kristen Ashley

Mystery Man



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Prolog Mystery Man


Ich spürte, wie die Decke an meinem Körper hinabglitt, dann eine Hand in der Mulde meines Rückens. Sie war so warm, dass sie heiß war, so als ob das Blut, das durch ihre Venen schoss, schneller lief als das eines durchschnittlichen Mannes. Wenn das wahr wäre, würde es mich nicht überraschen. Ich öffnete die Augen und es war dunkel. Es war immer dunkel, wenn er mich besuchte. Jedes Mal, wenn er auftauchte, hatte ich einen Moment. Einen Moment der Zurechnungsfähigkeit. Einen Moment, in dem mein Geist mir sagte, ich solle meine Augen schließen und meinen Mund öffnen und ihm sagen, er solle weggehen. Aber wenn ich das täte, und das war mir klar, würde er genau das tun. Er würde kein Wort sagen. Genauso geräuschlos, wie er gekommen war, würde er verschwinden. Und nie mehr wiederkehren. Aber es wäre das Richtige zu tun. Das Kluge. Das Vernünftige. Und ich dachte darüber nach, es zu tun. Ich schwöre bei Gott. Ich dachte jedes Mal darüber nach es zu tun. Und dann spürte ich, wie sich sein Gewicht auf das Bett legte und sein Körper sich neben dem meinen ausstreckte. Er drehte mich zu ihm um. Ich öffnete meinen Mund, um zu sprechen. Und bevor ich das Vernünftige tun konnte, waren seine Lippen auf den meinen. Und für die nächsten zwei Stunden dachte ich an gar nichts. Aber ich spürte. Ich spürte sehr viel. Und alles davon war gut. Es war noch immer dunkel, als sich sein Schatten im Zimmer bewegte. Ich lag im Bett und sah ihm zu. Er gab keinerlei Geräusch von sich. Es war merkwürdig. Seine Kleidung raschelte, aber ansonsten – Stille. Sogar in Form eines Schattens sah ich ihm an, dass er maskuline Grazie besaß. Das war ebenfalls merkwürdig. Er war mein geheimnisvoller Mann, mein Mystery Man, der einfach nur seine Kleidung anzog, und es war, als beobachtete ich einen krassen Macho–Tanz, wenn es so etwas denn gab. Gab es natürlich nicht, außer in meinem Zimmer, wenn er mich besuchte. Nein, wenn er dabei war, wieder zu gehen. Es war so faszinierend, dass ich Tickets dafür verkaufen sollte. Aber dann müsste ich ihn teilen. Ich teilte ihn wahrscheinlich schon mit halb Denver, wobei sicher alle ihre eigene private Show erhielten. Das machte mich bereits verrückt genug, das und die Tatsache, dass er überhaupt kam. Ich ließ ihn kommen, dann ließ er mich kommen, worauf hin er nochmal kam. Dann häufig, wie auch heute Nacht, Wiederholung. Ich war nicht besonders scharf darauf, ihn mehr zu teilen, als ich es wahrscheinlich bereits tat. Er kam ans Bett und ich sah ihm auch dabei zu. Er beugte sich tief herab. Ich spürte die Hitze seiner Hand auf meinem Knie, seine Finger, wie sie sich um meine Kniekehle schlossen. Er küsste sanft meine Hüfte, seine Lippen strichen dabei über meine Haut und brachten sie zum Kribbeln. Dann zog er die Bettdecke bis zu meiner Taille hoch, und ließ sie fallen. Ich lag teils auf meinem Bauch, teils auf meiner Seite. Mein Arm war angewinkelt, meine Hand unter meinem Gesicht und dem Kissen vergraben. Sein Körper bewegte sich in ebendiese Richtung, seine Finger glitten unter mein Haar, streiften es sanft zurück und seine Lippen kamen an mein Ohr. „Bis später, Babe“, flüsterte er. „Bis später“, flüsterte ich zurück. Sein Kopf bewegte sich eine Winzigkeit und seine Lippen berührten flüchtig die Rückseite meines Ohres, bevor seine Zunge mich dort berührte. Das ließ meine Haut erneut kribbeln, so sehr, dass mein gesamter Körper erbebte. Er zog mir die Decke über die Schultern. Dann drehte er sich um und war verschwunden. Kein Geräusch, nicht einmal die Tür, wie sie sich öffnete und schloss. Völlig verrückt. Ich starrte für eine Weile auf meine Schlafzimmertür. Mein Körper fühlte sich warm, befriedigt und müde an. Aber mein Geist fühlte sich nicht so. Ich drehte mich um und schlang die Decke um meinen nackten Körper. Ich starrte an die Decke. Ich kannte noch nicht einmal seinen Namen. „Gott“, flüsterte ich, „ich bin so eine Schlampe.“ Kapitel Eins T–o–t, Tot Am nächsten Morgen saß ich an meinem Computer in meinem Home Office. Ich hätte arbeiten sollen. In den folgenden zwei Wochen musste ich drei Deadlines einhalten und ich hatte noch kaum mit der dafür nötigen Arbeit begonnen. Ich war freiberufliche Redakteurin/Lektorin. Ich wurde auf Stundenbasis bezahlt, und wenn ich ebendiese Stunden nicht arbeitete, wurde ich auch nicht bezahlt. Ich hatte einen Mund zu füttern – meinen eigenen. Ich hatte einen Körper zu kleiden. Einen Körper, der alle möglichen Arten von Klamotten liebte, der förmlich nach diesen lechzte. Also musste ich dieser Angewohnheit Rechnung tragen, sonst würden schlimme Dinge passieren. Ich war süchtig nach Cosmopolitans und Cosmos waren nicht gerade günstig. Und ich hatte ein Haus, das ich dabei war zu renovieren. Also musste ich bezahlt werden. Okay, das entsprach nicht ganz der Wahrheit. Ich renovierte mein Haus nicht. Mein Vater machte einige der Arbeiten. Mein Freund Troy erledigte andere. Also sollte ich sagen, dass ich ein Haus besaß, für das ich andere mit Schuldgefühlen behaftete, sie anbettelte und emotional erpresste, dass sie es in Schuss brachten. Aber dennoch, es benötigte Sanierungsmaßnahmen und die Schränke und Fliesen kamen nicht einfach von selbst aus dem Schränke– und Fliesen–Land daher marschiert und sagten: „Wir wollen bei dir leben, Gwendolyn Kidd, häng uns an deine Wände!“ Dies geschah nur in meinen Träumen, von denen ich viele hatte, die meisten von ihnen Tagträume. Wie gerade jetzt, während ich, an meinem Computer sitzend, ein Absatz auf dem Stuhl, Kinn am Knie, aus dem Fenster starrend, an meinen Mystery Man dachte, den großen MM. Ich träumte davon, wie ich unser erstes Treffen anders gestalten würde. Pfiffiger, witziger und geheimnisvoller würde ich sein. Verführerischer und interessanter. Ich würde ihn mir auf Anhieb angeln mit meinem schneidigen Witz, Talent für Konversation und meiner Fähigkeit, Politik und Weltgeschehen zu diskutieren. Ich würde meine bescheidenen Geschichten über meine umfangreiche Wohltätigkeitsarbeit erzählen, verziert mit einladenden Blicken, die lebenslange, atemberaubende Orgasmen versprachen und ihn dazu brachten, mir seine unsterbliche Liebe zu erklären. Oder mir zumindest seinen Namen zu verraten. Stattdessen war ich betrunken gewesen und nicht eines der erwähnten Dinge. Ich hörte meine Türklingel, einen Glockenschlag, dann einen Knall, der mich aus meinem Tagtraum riss, wo dieser doch gerade begonnen hatte, gut zu werden. Ich stand auf und ging durch mein Büro in den oberen Flur, wobei ich mir die mentale Notiz machte, Troy anzurufen, damit er meine Türklingel für eine Sechser–Packung Bier und eine selbstgemachte Pizza reparierte. Dies könnte jedoch bedeuten, dass er seine nervige, konstant meckernde neue Freundin mitbrachte, daher änderte ich meine Meinung und würde stattdessen meinen Vater anrufen. Ich gelangte ans untere Ende meiner Treppe und lief durch mein weites Wohnzimmer, wobei ich dessen Zustand ignorierte, dekoriert in Renovierungs–Chic. Mit anderen Worten Staub¬lappen, Malpinsel, Elektrowerkzeuge, Nicht–Elektrowerkzeuge, und daher nicht sehr stark, Dosen und Tuben gefüllt mit praktisch allem Möglichen, alles davon durcheinander und von einer Schicht Staub bedeckt. Ich bahnte mir meinen Weg durch diesen Bereich, ohne, dass meine Hände sich an den Kopf griffen, Finger an meinen Haaren zogen und mein Mund schrie, was man als Fortschritt bezeichnen konnte. Ich erreichte den Eingang, der umrissen war von zwei engen Wänden, in die wunderschönes buntes Glas eingefasst war. Zwei Jahre zuvor war dieses Buntglas mein Verderben gewesen. Zwei Jahre zuvor, ungefähr sechs Monate und zwei Wochen, bevor ich meinen Mystery Man getroffen hatte, war ich einen Schritt in dieses Wrack eines Hauses hineingegangen, hatte das Buntglas gesehen, hatte mich zum Makler umgedreht und gesagt: „Ich nehme es.“ Das Gesicht des Maklers hatte gestrahlt. Mein Vater, der es noch nicht einmal bis ins Haus geschafft hatte, hatte seine Augen gen Himmel gerichtet. Seine Gebete dauerten lange Zeit an. Seine Strafpredigt noch viel länger. Ich kaufte dennoch das Haus. Wie gewöhnlich hätte ich auf meinen Vater hören sollen. Ich blickte aus dem schmalen Seitenfenster bei der Tür und sah Darla, die Freundin meiner Schwester draußen stehen. Shit. Shit. Shit. Shit. Ich hasste Darla und Darla hasste mich. Was zu Hölle tat sie hier? Ich hielt Ausschau, ob meine Schwester sich vielleicht hinter ihr oder hinter den Büschen versteckte. Ich würde es meiner Schwester und Darla zutrauen, mich zu überfallen, an mein Treppengeländer zu fesseln und das Haus zu plündern. In meinen dunkleren Tagträumen war das die Art wie Ginger und Darla ihre Tage verbrachten. Ich war mir sicher, dass das der Wahrheit nicht so fern lag. Kein Witz. Ihr Blick traf mich im Fenster. Ihr Gesicht war zerknautscht und ließ das, was hübsch sein könnte, wenn sie nicht ganz so viel schwarzen Lidstrich und Rouge verwenden würde und wenn ihr Lippenkonturenstift nicht eine völlig andere Farbe als ihr Lipgloss haben würde, nicht so hübsch aussehen. „Ich sehe dich!“, brüllte sie. Ich seufzte. Dann ging ich zur Tür, denn Darla würde das Haus niederbrüllen und ich mochte meine Nachbarn. Die brauchten keine Motorrad–Schlampe aus der Hölle, die auf meiner Türschwelle stand, und um zehn Uhr dreißig am Morgen mein Haus niederbrüllte. Ich öffnete die Tür, aber nicht weit und stellte mich zwischen diese und den Rahmen, wobei ich meine Hand auf der Klinke behielt. „Hallo, Darla“, begrüßte ich sie, wobei ich versuchte, freundlich zu klingen, und ziemlich zufrieden mit meiner Bemühung war. „Scheiß auf „Hallo“, ist Ginger da?“, entgegnete Darla. Seht ihr′s? Definitiv verbrachte sie ihre Tage mit Plündereien. Ich hatte Mühe, nicht mit den Augen zu rollen. „Nein“, antwortete ich. „Wenn sie hier ist, sagst du’s mir lieber“, warnte sie mich, dann sah sie hinter mich und schrie: „Ginger! Bitch, wenn du da drin bist, kommst du besser verdammt noch mal sofort da raus!“ „Darla!“, fauchte ich, „Mäßige deine Stimme!“ Sie streckte ihren Hals, ging auf ihre Zehenspitzen und brüllte, „Ginger! Ginger, du verrückte, dumme Schlampe! Beweg deinen Arsch hier raus!“ Ich schob mich aus der Tür, wobei ich sie zurückdrängte, und zischte, „Ernsthaft, Darla, halt deinen Schnabel! Ginger ist nicht hier. Ginger ist nie hier. Du weißt das. Also halt die Klappe und hau ab!“ „Halt du die Klappe“, warf sie zurück, „Und du mach keine dummen Sachen. Wenn du ihr hilfst, dann …“ Sie hob die Hand und zeigte mit dem Finger auf mich, den Daumen nach oben gerichtet, dann krümmte sie den Daumen und machte ein Schussgeräusch, das sie aus ihren Backen pustete und ihre Lippen vibrieren ließ. Ich hätte einen Moment darüber reflektiert, wie gut sie in verbalen Soundeffekten war, wenn ihr scheiß ernsthafter Blick mich nicht zu Tode erschreckt hätte. Anstatt ihr zu ihrem, wie ich annahm, einzig wahren Talent zu gratulieren, flüsterte ich: „Was?“ Sie ließ ihre Hand sinken, stellte sich auf ihre Motorradstiefel–bekleideten Zehen, damit wir auf Augenhöhe waren, und sagte in einer sanften, furchteinflößenden Stimme: „T–o–t, tot. Du und sie, wenn ihr nicht clever seid. Kapiert?“ Dann stellte ich eine dumme Frage, denn diese Frage wird oft gestellt und es gibt immer nur eine Antwort. Und die Antwort ist ja. „Ist Ginger in irgendwelchen Schwierigkeiten?“ Darla starrte mich an, als hätte ich eine Schraube locker. Sie hob ihre Hand, machte die Pistolengeste samt Soundeffekt, ihren Finger auf meinen Kopf gerichtet. Dann drehte sie sich um und lief schnellen Schrittes meine Vordertreppe hinab. Ich stand auf meiner Veranda und starrte ihr nach. Mein Hirn nahm nebenbei wahr, dass sie ein enges Trägerhemdchen, eine offene lederne Motorradjacke, einen kurzen, ausgefransten Jeansrock, den so zu tragen in mehreren Staaten aus unterschiedlichen Gründen ein Verbrechen war – sowohl was Mode als auch Anstand betraf – schwarze Netzstrümpfe und Motorradstiefel. Es war draußen nur ungefähr vier Grad warm. Sie trug noch nicht einmal einen Schal. Der Rest meines Hirns war mit meiner Schwester und Darlas Soundeffekt beschäftigt. Shit. Shit. Shit. Ich saß in meinem Auto und redete mir ein, dass dies ein guter Plan sei. Ich wusste, dass mein erster Plan, bei dem ich, nachdem Darla gegangen war, ins Haus zurückging, direkt zum Telefon lief und meinen Vater anrief, der richtige Plan war, und dieser Plan hier Mist. Aber mein Vater und seine Frau Meredith hatten Ginger schon vor einer Weile verstoßen. Das passierte ungefähr zehn Sekunden, nachdem sie von einer Jamaica–Reise nach Hause zurückgekehrt waren und ihr glückseliges Insel–Mojo verloren, als sie ihre Tochter sahen. Sie kniete im Wohnzimmer, ihr Kopf zwischen den Beinen eines Mannes mit nacktem Oberkörper, seine Jeans offen, sein Kopf bequem auf die Rückenlehne des Sofas gestreckt, weil er bewusstlos war. Ginger war so zugedröhnt, oder was auch immer sie war, dass sie keine Ahnung gehabt hatte, dass ihre Aktivitäten nirgendwohin führten. Und, im Übrigen, war das Wohnzimmer ein Desaster, wie auch der Rest des Hauses. Wie man an dieser Geschichte wahrscheinlich erkennen kann, war ich nicht willens, meinen Vater in eine weitere Situation, die Ginger betraf, mit reinzuziehen. Insbesondere, da dies nicht die schlimmste Geschichte war, die ich auf Lager hatte, es war für Dad und Meredith nur die Letzte gewesen. Derzeit lebten sie ein sorgloses, Ginger–freies Leben und ich wollte nicht für Aufruhr sorgen. Daher rief ich meinen Vater nicht an. Stattdessen dachte ich an Gingers Freund, Dog. Dog war Mitglied einer Biker–Gang und Dog war ein Raubein vom Feinsten. Aber ich hatte Dog kennengelernt. Ich mochte Dog. Dog war lustig und er mochte meine Schwester. In seiner Gegenwart war sie anders. Nicht besonders, aber immerhin war sie genießbar. Naja, Dog war wahrscheinlich ein Verbrecher. So paradox es klang, so hatte er doch einen guten Einfluss auf Ginger, und das kam nicht so oft vor, gelinde gesagt, nie. Und da ich von Darla, Gingers einziger Freundin, den Hinweis bekommen hatte, dass Gingers Problem diesmal ein wenig schwerwiegender als gewöhnlich zu sein schien, musste ich erstens etwas tun und zweitens, da es sich um Ginger handelte, Verstärkung rufen oder noch besser, das Problem eine Tür weitergeben. Auftritt Dog. Ich fuhr zum Autobedarf–Laden am Broadway und fand einen Parkplatz an der Ecke. Noch bevor ich Dog kannte und dementsprechend mitbekam, dass dies nur eine Front war für die ruchlosen Geschäfte einer Biker–Gang, kannte ich den Laden. Er nannte sich Ride und ich hatte hauptsächlich dort eingekauft, weil ich immer einen Grund fand, irgendwo einzukaufen. Aber Ride war großartig. Die hatten da tolles Zeug. Ich kaufte dort meine Scheibenwischerflüssigkeit. Ich hatte dort im letzten Jahr neue Autofußmatten gekauft und das waren bombige, erstklassige Autofußmatten gewesen, die besten, die ich je hatte. Und als ich in meinen Zwanzigern gewesen war und eine meiner vielen Phasen durchmachte, war ich dort hingegangen und hatte, um meinen Wagen aufzumotzen, eine plüschige, pinke Lenkradabdeckung und ein glitzerndes, pinkes Playboy–Hasen–Ding gekauft, das an meinem Rückspiegel baumelte. Jeder wusste, dass Ride hinten eine dreibuchtige Garage hatte, aber die war nicht für normale Autos und Motorräder. Sie war für speziell angefertigte Autos und Motorräder und weltberühmt. Sie bauten extrem coole Autos und Motorräder. Ich hatte einen Artikel im 5280–Magazin über den Laden gelesen. Filmstars und Berühmtheiten kauften ihre Autos und Motorräder dort und anhand der Bilder konnte ich auch sehen, warum. Ich wollte eines, aber ich hatte nicht die Hunderttausende an Dollars, daher fand es sich etwas weiter unten auf meiner Liste von Dingen–die–ich–will, gleich unter dem Diamanten–Armband von Tiffanys, das direkt nach dem Paar Jimmy Choo–Schuhen kam. Ich stieg aus meinem Wagen und ging den Bürgersteig entlang Richtung Ride, in der Hoffnung, dass mein Outfit okay war. Ich hatte mein Haar in einem mädchenhaften Pferdeschwanz zusammengenommen und trug tiefsitzende Jeans, Stiefel mit geringem Absatz und meine Motorradjacke. Meine war nicht wie die von Darla. Sie war aus Distressed Tan–Leder, die Taille wattiert, ausgekleidet mit kurzem, warmen Fell und hatte drei Zentimeter breite Fellpuschel an den Ärmeln. Ich fand sie heiß, und den Deal, den ich beim Kauf gemacht hatte, noch heißer. Ich war mir jedoch bei dem flauschigen Fell nicht sicher. Ich glaubte nicht, dass Biker sich um Tierrechte scherten, ich dachte eher, dass sie es als Affront gegen ihre Bruderschaft sehen könnten und mich erdrosseln könnten. Nun ja. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt! Ich straffte die Schultern, ging in den höhlenartigen Laden und wandte mich direkt der langen Theke am Eingang zu. Sie hatte nur eine Registrierkasse, obwohl der Laden oft gerammelt voll war. Da ich seine Handynummer nicht hatte, hatte ich vor, mich zu erkundigen, ob jemand hier wusste, wie ich Dog finden konnte. Ich hatte nicht erwartet, den hochgewachsenen, breiten, überall tätowierten, langhaarig blonden Dog auf der anderen Seite des Tresens zu sehen. Einen großen Biker–Typen zu seiner Seite, drei vor dem Tresen, die sich alle zu mir umdrehten in dem Augenblick, als ich den Laden betrat. „Hi Dog“, rief ich mit einem Lächeln, ging auf ihn zu und blieb jäh stehen, als sein Blick zu mir rüberschoss. Oh–oh. Seine Augen verengten sich und sein Gesicht versuchte noch nicht einmal zu verbergen, dass ihn mein Anblick extrem wütend machte. „Verarsch mich nicht“, knurrte er. Ich nutzte die Nanosekunde, die mir blieb, bevor ich mir in die Hosen machte, für den Versuch, mich an die Bewegungsabläufe zu erinnern, die ich in dem eineinhalbstündigen Selbstverteidigungskurs, den ich belegt hatte, gelernt hatte. Als ich nicht antwortete und mich nicht bewegte, wiederholte Dog: „Komm hier nicht rein um mich zu verarschen.“ „Ich verarsch dich nicht“, erklärte ich ihm, denn, naja, das tat ich nicht. Seine Brauen zogen sich hoch. „Hat dich diese Fotze geschickt?“ Nochmal oh–oh. Dog benutzte das F–Wort. Ich nahm an, dass im Gegensatz zum Rest der Welt, das F–Wort kein Worta–Non–Grata im Biker–Club–Land war. Dennoch sagte es eine Menge aus. Bevor ich sprechen konnte, tat es Dog. „Sie hat dich geschickt. Himmel, Gwen. Ich sags nur ein Mal, Mädchen. Zieh deinen Kopf aus ′m Arsch, dreh dein süßes Hinterteil herum und mach … dich … vom … Acker.“ Wow. Dog fand, dass ich ein süßes Hinterteil hatte. Er machte mir Angst, aber er war nicht vollkommen unattraktiv, daher her fand ich das irgendwie nett. Ich konzentrierte mich auf das gegenwärtige Thema, holte tief Luft und ging vorwärts. Alle Biker gingen in Alarmbereitschaft, oder, um genauer zu sein, in furchteinflößende Biker–Typen–Alarmbereitschaft, daher blieb ich stehen. Dann sagte ich zu Dog: „Ginger hat mich nicht geschickt.“ „Ich hab kein Problem mit dir, Baby, also geh“, antwortete Dog. „Nein, wirklich, hat sie nicht. Darla war heute da und hat mir Angst eingejagt. Sie hat so gemacht.“ Ich hob meine Hand und machte das Pistolen–Ding samt Soundeffekt. Mein Pistolenschuss war bei Weitem nicht so gut wie ihrer, aber ich kämpfte mich voran. „Sie schien es ernst zu meinen, daher dachte ich, ich sollte mich bei dir erkundigen und sehen, ob Ginger okay ist.“ „Ginger ist nicht okay“, erwiderte Dog augenblicklich. „Ginger ist weit entfernt davon, okay zu sein.“ Ich schloss die Augen. Dann seufzte ich. Ich machte diese Seufz–Sache laut. Ich war gut darin, da mich meine Schwester häufig seufzen ließ und ich viel Praxis damit hatte. Dann öffnete ich meine Augen. „Ich nehme an, ihr beiden seid nicht mehr zusammen“, mutmaßte ich. „Nein, Baby, sind wir nicht“, bestätigte Dog. Verdammt. „Was hat sie diesmal getan?“, fragte ich. „Das möchtest du nicht wissen“, antwortete Dog. „Ist die Polizei hinter ihr her?“ „Wahrscheinlich.“ Ich betrachtete ihn. Dann fragte ich: „Aber das ist nicht, warum sie in Schwierigkeiten steckt?“ „Ginger hat alle möglichen Probleme, Baby. Aber wenn die Bullen hinter ihr her sind, ist das ihre geringste Sorge.“ „Oh je“, flüsterte ich. „Genau“, bemerkte Dog, dann hob sich sein Blick über meine Schulter. Ich war dabei mich umzudrehen, um zu sehen, was er ansah, als ich eine tiefe, raue Stimme fragen hörte: „Wer ist das?“ Dann sah ich ihn. Ich stand nicht auf Biker–Typen, aber ich war ernsthaft geneigt, für diesen Kerl auf die Harley–Seite zu wechseln. Er war relativ groß. Er war breit und muskulös, und bei beiden Attributen gab es kein ‚relativ‘. Er hatte eine Unmenge an Tattoos auf seinen Armen und den Nacken hoch, die ich mir sofort näher ansehen wollte, bis dahin, sie zu katalogisieren und ein Buch darüber zu schreiben. Er hatte grau–meliertes, vorrangig jedoch schwarzes, tiefschwarzes Haar und es war lang, ein wenig wellig, aber nicht zu lang und nicht zu wellig. Das Gleiche galt für das Schwarz in seinem grau–melierten Spitzbart, der ein bisschen zu lang von seinem Kinn herabhing auf Biker–Art, die mega–cool war. Seine Wangen waren ein paar Tage jenseits des Bedarfs einer Rasur, was gut an ihm aussah. Er hatte Fältchen die, wie bleiche Zacken in der Bräune um seine blauen Augen herum strahlten. Es gab nur zwei Worte, um alles, was er war, zu beschreiben: Biker–lecker! „Hi“, flüsterte ich und sein Blick glitt von Dog über meiner Schulter, auf mich über, und mein Körper schauderte. Dann scannten seine blauen Augen meinen Körper, welcher erneut erschauerte. Seine Augen hielten meine fest und seine raue Stimme knurrte „Hi.“ Noch ein Schauer. Wow! „Tack, sie ist cool, sie gehört zu mir“, erklärte Dog. Mein Körper vollzog einen Ruck und ich drehte mich zu ihm um und sah, dass er um die Theke herum war und auf dem Weg zu mir war. „Tue ich das?“, fragte ich und Dogs Blick nagelte mich an Ort und Stelle fest und sagte ohne Worte: „Halt verdammt nochmal deinen Mund!“ Ich hielt verdammt nochmal meinen Mund und drehte mich wieder zu heißem Biker–Typ um. „Sheila weiß von ihr?“, fragte heißer Biker–Typ. Ich drehte mich, um Dog anzusehen, der neben mir stand. „Sheila?“ „Wie viele Tussis brauchst du?“, fragte heißer Biker–Typ weiter. „Sie ist nicht mein Mädchen, Brother, sie ist eine Freundin. Sie ist cool“, antwortete Dog. „Okay. Also, wer ist sie?“, drängelte heißer Biker–Typ, auch bekannt als Tack. „Sie heißt Gwen“, antwortete Dog. Tack sah mich an und erstarrte. Dann beobachtete ich, wie seine Lippen sich bewegten, um sanft meinen Namen zu formen. „Gwen.“ Noch ein Schauer. Ich hatte immer irgendwie meinen Namen gemocht. Ich hatte immer gedacht, dass er hübsch war. Die Art wie Tack ihn aussprach, ließ mich ihn verdammt noch mal lieben. „Du bist also Gwen?“, fragte er mich direkt. „Ich bin, äh … eine Freundin von Dog“, erklärte ich ihm. „Das haben wir schon festgestellt, Schätzchen“, informierte er mich. „Woher kennst du meinen Jungen hier?“ „Sie ist Gingers Schwester“, sagte Dog schnell. Tacks gesamter, stark gebauter Rahmen verspannte sich augenblicklich und es war so verdammt furchterregend, dass ich vergaß zu atmen. „Sag mir, dass sie hier ist, um das Geld abzuliefern“, flüsterte Tack mit einer Stimme, die in gleicher Weise furchteinflößend war, wie die Art, wie er seinen Körper hielt, wenn nicht mehr. „Sie und Ginger stehen sich nicht nahe“, erklärte Dog. „Wie ich sagte, sie ist cool. Sie ist eine von den Guten.“ „Sie ist das Blut des Feindes, Dog“, flüsterte Tack. Auweia–auweia–auweia. Ich wollte nicht das Blut des Feindes sein, nicht vom Feind von irgendjemand, aber speziell nicht vom Feind dieses Typen. Er war heiß, aber er war auch scheiß furchterregend. Es war an der Zeit, die Dinge zu klären. Pronto. Ich schob meine Handtasche von der Schulter und zog sie vor mich hin murmelnd auf. „Ginger. Eine Nervensäge. Eine Nervensäge seit dem Tag, an denen sie all meinen Barbie–Puppen die Haare abgeschnitten hat. Sie war drei. Ich war zu alt für Barbies, aber es waren meine. Konnte sie sie nicht einfach in Ruhe lassen? Was sollte das mit dem Haareschneiden?“ Ich sah auf zu Dog und sagte: „Ich glaube, das ist es, was Psychos tun. Wir hätten es von dem Moment an schon wissen sollen. Sie war drei, wedelte mit Scheren herum und verursachte Chaos und Herzleid.“ Ich plapperte weiter, während ich in meine Handtasche tauchte, mein Scheckbuch fand und dann weiter nach einem Stift fischte und erklärte: „Sie war schon immer, immer eine schlechte Saat.“ Ich zog mein Scheckbuch hervor, machte es auf, knipste die Miene aus meinem Stift raus, setzte dessen Spitze auf den Scheck und sah Tack an. „Okay, wie viel schuldet sie Ihnen?“, fragte ich wütend, nicht glücklich darüber, Ginger wieder einmal aus der Patsche zu helfen, insbesondere, da Geld und wütende Biker involviert waren. Es war in diesem Moment, dass ich bemerkte, wie Tack mich niederstarrte und er gar nicht mehr beängstigend war. Er sah mich an, als ob er lachen wollte. Es war ein schöner Anblick. Ich wollte weder seinen schönen Anblick sehen, noch seinen Ausdruck oder alles andere in seinem Gesicht (und seinem Haar, seinen Tattoos und Körper). Ich wollte nach Hause gehen, eine Portion Keksteig machen und diesen samt und sonders aufessen. Alles davon. „Also?“ „Zwei Millionen, dreihundert–fünfzig–tausend, einhundert–und–sieben Dollar“, antwortete Tack. Ich spürte, wie mein Kiefer herunterfiel und das weiße Aufblitzen eines Lächelns umrandet von seinem schwarzen Spitzbart benommen auf irgendwelche Schlupfwinkel meines Hirns traf. Er endete mit: „Und zwölf Cent.“ „Oh, mein Gott!“, flüsterte ich. Tack lächelte noch immer, als er seinen Kopf zu meinem Wangenknochen runter neigte. „Meinst du, du kriegst das in eine Zeile, Peaches?“ „Oh, mein Gott!“, wiederholte ich. „Brauchst du Mund–zu–Mund?“, fragte Tack und lehnte sich näher. Ich trat einen Schritt zurück, presste meinen Mund zusammen und schüttelte den Kopf. „Schade“, murmelte er und lehnte sich zurück. „Meine Schwester schuldet Euch mehr als zwei Millionen Dollar?“, flüsterte ich. „Jo“, erwiderte Tack. „Habt ihr da auch keinen buchhalterischen Fehler gemacht?“, fragte ich hoffnungsvoll. Tacks Lächeln wurde breiter und weißer. Dann schlug er die Beine übereinander, kreuzte seine tätowierten Armen vor der breiten, muskulösen Brust und schüttelte seinen Kopf. „Vielleicht handelt es sich um ausländische Währung und Ihr habt es nur vergessen. Pesos vielleicht?“, schlug ich vor. „Nö“, gab Tack zurück. „So viel Geld habe ich nicht.“ Ich erklärte ihm etwas, von dem ich annahm, dass er es bereits wusste. „Was du nicht sagst, Süße, das habe ich mir fast gedacht“, erwiderte er. Nun gut, die gute Nachricht war, dass die Fellpuschel ihn nicht abtörnten. Die schlechte Nachricht war, dass meine Schwester ihm über zwei Millionen Dollar schuldete. „Ich glaube, ich werde eine Weile brauchen, diese Geldsumme aufzubringen“, erklärte ich und endete mit: „Vielleicht eine Ewigkeit.“ „Ich habe keine Ewigkeit, um zu warten, Peaches“, antwortete er und lächelte weiterhin so breit, dass es mich nicht überrascht hätte, wenn er in Gelächter ausgebrochen wäre. „Das habe ich angenommen“, murmelte ich, klickte meinen Stift, klappte mein Scheckbuch zu, steckte es zurück in meine Tasche und verlor den Verstand. Ich meinte, ich hatte Grund genug, den Verstand zu verlieren, und dieser Grund hatte einen Namen: Ginger Penelope Kidd. Ich sah zu Dog auf und verlangte nach Antwort. „Warum ich? Warum? Ich wurde unschuldig geboren und, zack, sieben Jahre später bestraft mich Gott mit einer Schwester aus der Hölle. Ist es zu viel verlangt, sich eine Schwester zu wünschen, die mit einem kichert und Make–up–Geheimnisse austauscht? Ist es zu viel verlangt, sich eine Schwester zu wünschen, die großartige Schlussverkäufe findet, dich sofort anruft, aber sofort an den Ständern zu stöbern anfängt, die großartigen Angebote zusammensammelt, von denen sie weiß, dass sie toll an dir aussehen, damit du eine Chance hast, sie zu ergattern, bevor jemand anderer sie abgreift? Ist es zu viel verlangt, sich eine Schwester zu wünschen, die zu dir rüberkommt, um sich zusammen neue Hawaii Five–O anzusehen, damit ihr beide Steve McGarrett lüstern anstarren könnt und euch wünschen könnt, ihr hättet einen Camaro? Ist es das? Ist es das?“ Ich beendete mit einem Schrei. „Gwen, Babe, du solltest dich beruhigen“, murmelte Dog, und ich hätte schwören können in seinem Gesicht zu lesen, dass er sich fragte, ob er mich zu meinem eigenen Besten K.O. schlagen sollte. „Ruhig?“, schrie ich. „Ruhig?“, schrie ich wieder. „Sie schuldet euch über zwei Millionen Dollar. Sie hat die Haare meiner Barbies abgeschnitten. Sie hat das Amulett, das mir meine Großmutter auf dem Sterbebett gegeben hat, geklaut und es versetzt, um Marihuana zu kaufen. Sie hat sich betrunken und beim Thanksgiving Dinner ihre Hand in die Hose meines Freundes gesteckt. Er war ein Puritaner, ging zur Kirche und, nach Gingers Eskapaden … ihre Hand in seiner Hose war nur der Höhepunkt, er hatte sie auch dabei erwischt, wie sie im Badezimmer Kokain schnupfte … er dachte, meine Familie sei verrückt, möglicherweise unzurechnungsfähig, und eine Woche später machte er mit mir Schluss. Er war vielleicht puritanisch und, rückblickend betrachtet, wahrscheinlich langweilig, aber zu der Zeit mochte ich ihn!“ Nun rief ich. „Er war mein Freund!“ „Peaches“, rief Tack und mein Körper dreht sich zu ihm hin, um zu sehen, ob er in meinen Bereich eingedrungen war. Ich warf den Kopf zurück und fauchte schreiend: „Was?“ Seine Hand kam hoch, seine Finger legten sich um meinen Hals und er lehnte sein Gesicht in meines und flüsterte: „Babe, beruhige dich.“ Ich starrte direkt in seine blauen Augen und beruhigte mich augenblicklich. „Okey–Dokey“, flüsterte ich zurück. Seine Augen lächelten. Mein Körper schauderte. Mit seiner Hand um meinen Hals wusste ich, dass er es spürte, und ich wusste es noch mehr, als seine Finger sich tiefer in mein Fleisch gruben. Etwas blitzte in seinen Augen auf und ließ mich an einer Stelle erschauern, die er nicht sehen konnte, aber die ich fühlen konnte. Sehr. Zeit zu gehen. „Ich könnte wahrscheinlich Blutplasma verkaufen und eine Niere, aber ich denke, noch nicht mal das würde funktionieren, also, äh, kann ich es einfach meiner Schwester überlassen, mit der Sache allein fertig zu werden?“, fragte ich höflich und wollte mich von seiner starken Hand lösen, hatte aber Angst, es zu tun. „Keiner setzt dir wegen Ginger eine Klinge an den Hals“, sagte er leise. „Okay“, erwiderte ich. „Oder überhaupt“, fuhr er fort. „Äh …“, murmelte ich. „Okay.“ Ich sagte das, weil ich nicht wollte, dass irgendwer mir wegen Ginger oder überhaupt eine Klinge an den Hals setzte, und ich wollte das wirklich ungemein sehr nicht. Seine Finger krallten sich tiefer in meinen Nacken und er zog mich ein wenig hoch, so dass ich fast auf Zehen stand und sein Gesicht mir näher war. Viel näher. Zu nah. Zum Schaudern nah. „Ich glaube, du verstehst nicht, was ich dir sage.“ Er sprach noch immer ruhig. „Wenn diese Ginger–Sache heißer wird, dann funkst du durch, erwähnst meinen Namen, ja?“ Oh, nein. Das klang nicht gut. Dies klang schlimmer als einer Biker–Gang zwei Millionen Dollar zu schulden. Und ich nahm an, dass es nicht viele Dinge gab, die schlimmer als das wären, aber wenn es sie gab, würde Ginger sie finden. „Äh … wenn du ‚ja‘ fragst, meinst du das im Sinne von ‚ja, ich verstehe dich‘, dann nein, ich verstehe dich nicht“, erzählte ich ihm ehrlich, denn ich dachte, mit Tack wäre Ehrlichkeit die beste Strategie. „Okay, Peaches, was ich sage ist, dass, wenn du in eine Situation gerätst, dann erwähnt du meinen Namen. Verstehst du mich jetzt?“ „Äh … irgendwie schon“, antwortete ich. „Aber warum sollte ich in eine Situation geraten?“ „Deine Schwester hat da hingeschissen, wo sie wohnt, sie hat hingeschissen, wo sie nicht wohnt, sie hat überall hingeschissen. Du bist hier reingelaufen und hattest keine Ahnung. Stolpere nicht in eine andere Situation, denn andere …“ Er pausierte. „Andere mögen dich vielleicht nicht so süß finden wie ich.“ „Okay“, flüsterte ich. Ich mochte die Tatsache, dass er mich süß fand, bereute aber gleichzeitig, dass ich nicht meinen Vater angerufen hatte oder, sagen wir mal, in ein Flugzeug Richtung Frankreich gestiegen war. „Falls ich, äh … deinen Namen erwähnen muss … äh, was bedeutet das?“ „Das bedeutet, dass du mir was schuldest.“ Oh, je. „Dir was schulde?“ Er grinste, aber antwortete nicht. Oh, je! „Dir was schulde?“, wiederholte ich. „Wenn ich auf mein Motorrad steigen und dich aus einer Situation rausholen muss, dann reden wir drüber.“ „Ich bin mir sicher, dass ich klarkommen werde“, versicherte ich ihm und sprach ein kurzes Gebet in der Hoffnung, dies wahr werden zu lassen. Sein Grinsen wurde größer. Dann ließ er mich los, zog aber meine Handtasche von meinem Arm, und bevor ich ‚Piep‘ machen konnte, griff er hinein. Ich entschied, ihn gewähren zu lassen. Er hatte mich bereits berührt und ich war mir nicht sicher, dass ich das noch einmal geschehen lassen wollte. Ich war mir nicht sicher, was meine Reaktion sein würde, aber ich war mir sicher, dass ihn zu bespringen weit oben auf meiner Liste an Möglichkeiten stand. Ich dachte mir auch, dass er bei einem Kampf um meine Handtasche gewinnen könnte, also würde ich ihn sich nehmen lassen, was er wollte. Mein bestes Lipgloss war in meiner Tasche, aber im Moment war ich willens, diesen aufzugeben, wenn er ihn einem seiner Flittchen geben wollte. Er kam wieder heraus mit meinem Handy in der Hand, klappte es auf, sein Daumen drückte die Knöpfe, er klappte es wieder zu, ließ es zurück in meine Handtasche fallen, die er dann wieder über meinen Arm hängte. „Du hast meine Nummer, Peaches. Wenn du sie brauchst, benutze sie. Wenn du sie nicht brauchst, sie aber dennoch benutzen möchtest, nur zu. Das hast du begriffen, oder?“ Ich zog meine Handtasche weiter über meine Schulter und nickte. Ich hatte es begriffen. Er fand, dass ich süß war. Ich bekämpfte ein weiteres Schaudern. „Nett, dich getroffen zu haben, Gwen“, sagte er sanft. „Ja“, flüsterte ich. „Bis später.“ Dann drehte ich mich um, nur um zu sehen, wie mich Dog niedergrinste und ich sagte: „Bis später.“ „Bis später, Babe“, erwiderte Dog auf eine Art, die es klingen ließ, als würde er mich tatsächlich später sehen, was mich ein weiteres Schaudern bekämpfen ließ. Ich drehte mich zu den schweigenden Biker–Jungs hinter mir um, sah sie lächeln, fand das beängstigender als zuvor, als sie angsteinflößend gewesen waren, hob eine Hand und rief: „Bis später.“ Ich bekam eine Menge Kinn–Gesten und ein „Bis später, Schätzchen“, dann machte ich, dass ich zur Hölle da raus kam.


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