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Belletristik
Buch Leseprobe Mordlust Lustmord, KLAUS SEBASTIAN
KLAUS SEBASTIAN

Mordlust Lustmord



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Zwei eifrige Mönche warfen brikettgroße Holzstücke ins knisternde Feuer, dessen Flammen schon ungestüm wie die Zungen eines mystischen Drachen aus der Ofenluke hervorbrachen. Chaichet sah, dass der Sarg sich noch auf dem flachen Rollwagen befand. Wie es aussah, waren sie gerade noch rechtzeitig gekommen.


Eine kleine Gruppe von Familienangehörigen saß bereits auf knallgelben Plastikstühlen vor dem Krematorium und wartete andächtig auf den Beginn der Zeremonie. Diese Andacht zerbröselte freilich mit dem Eintreffen der Polizei und wurde schlagartig von Gemurmel und einer nervösen Unruhe abgelöst. Die schwarz gekleideten Freunde und Angehörigen tuschelten untereinander und warfen skeptische Blicke in die Richtung der Uniformierten.


„Wie sollen wir ihnen beibringen, dass wir den Sarg noch einmal öffnen müssen?“ flüsterte Anurak.


„Gute Frage“, erwiderte Chaichet. „Pass auf: Wir ziehen den Rollwagen da hinüber in das kleine Gärtnerhaus. Dort sind wir ungestört. Sag den Trauernden, dass der Tote dort noch einmal mit heiligem Wasser gesegnet wird - oder irgendetwas in der Art. Dir wird schon was einfallen.“


„Krap.“


 


Nachdem Anurak sie beruhigt hatte - nur eine Formalität, wir bitten um Entschuldigung - , zog er den Sarg gemeinsam mit dem Inspektor ins Innere des Geräteschuppens hinein. Der Abt des Tempels hatte sie begleitet, entweder aus Neugier oder weil er seine Autorität als Chef des Hauses nicht untergraben lassen wollte. Der Inspektor hatte schon mitbekommen, dass die Mönche den Sargdeckel mit sechs großen Schrauben fixiert hatten.


„Wir brauchen einen Schraubenzieher.“


Anurak sah sich suchend in dem halbdunklen Schuppen um.



„Wir haben hier sogar einen Elektroschraubenzieher“, meldete sich der Abt. Er bückte sich und zauberte einen Akkuschrauber unter einem kaputten Liegestuhl hervor.


„Danke, das hilft uns weiter“, sagte Anurak.


Nachdem er sein Werk mit dem Schrauber vollendet hatte, schien die abgestandene Luft in dem Häuschen vor Spannung zu knistern.


„Vielleicht ist der Sarg ja leer“, murmelte der Abt.


Er rieb sich mit der rechten Hand über die von der Sonne verbrannte Glatze. Er schwitzte.


„Mir kam er recht schwer vor“, erwiderte der Inspektor.


Mit vereinten Kräften hoben die beiden Polizisten den Deckel vom Sarg und legten ihn behutsam neben dem Rollwagen ab.


„Oh my Buddha!“


Wie auf Knopfdruck begann der Abt mit dem Herunterbeten einer Litanei von monoton klingenden Sutras, als gelte es den Geist der Verstorbenen in Schach zu halten. In dem Sarg befand sich eine junge Frau. Sie trug ein rotes Kleid, das bis zu den Oberschenkeln hochgerutscht war, sodass ihre blassen Beine entblößt wurden. Ein paar große Fliegen krabbelten über ihr zur Maske erstarrtes Gesicht. Zu Lebzeiten musste sie sehr schön gewesen sein. Doch nun war sie tot und lag in einer seltsam verkrampften Embryohaltung auf der hellgrauen Polsterung der Kiste. Der linke Arm stand in einem unnatürlichen Winkel von ihrem schlanken Körper ab - wie bei einer Schaufensterpuppe, der man den Kunststoffarm falsch angeschraubt hatte. Der Täter hatte sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, sie einigermaßen würdevoll zur letzten Ruhe zu betten.


„Die kommt mir bekannt vor“, flüsterte Anurak.


„Wirklich?“ fragte Chaichet.


„Ja. Das ist eine Schauspielerin aus dem Fernsehen.″


 


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