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Belletristik
Buch Leseprobe Mitten aus´m Pott, Alexandra Döll
Alexandra Döll

Mitten aus´m Pott



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Schatten der Nacht
[...] Während er sich mit tödlicher Sicherheit seinem Ziel näherte, saßen Linda und Tim Arm in Arm auf einer Bank am Teich und beobachteten den Sonnenuntergang. Normalerweise schauten sie sich sehr gerne zusammen Sonnenuntergänge an, da sie das sehr romantisch fanden, aber an jenem Tag hatte der Sonnenuntergang etwas Unheimliches an sich, da er die Welt in ein grellrotes, merkwürdiges Licht tauchte. Linda bekam trotz fast 30° eine Gänsehaut. Sie hatte so ein unbestimmtes Gefühl, dass irgendwas Schreckliches passieren würde. Tim spürte, dass sie trotz der Schwüle fror. Er fragte besorgt: „Was ist denn los?"

„Ich weiß nicht, Schatz. Dieses eigenartige Licht ist irgendwie unheimlich und ich hab so'n ganz komisches Gefühl..."

Er zog sie enger an sich. „Dir kann nichts passieren. Ich bin bei dir." Er küsste sie sanft. Sie schmiegte sich vertrauensvoll an ihn, aber dieses unbestimmte Gefühl des Unheils blieb. Das besserte sich auch nicht, als sie sah, wie über den Wipfeln der Bäume am anderen Ende des Teiches der Vollmond aufging. Eigentlich mochte sie den Mond gerne, doch jetzt fand sie, dass er etwas entschieden Bedrohliches an sich hatte. Er war ungewöhnlich groß. Normalerweise war er über dem Ruhrgebiet maximal in der Größe eines 2-Euro-Stücks zu sehen, aber an jenem Abend war er in etwa so groß wie ein Tennisball. Er leuchtete in so einem grellen Orange-Gelb, dass sie das Gefühl hatte, augenkrank zu werden. Durch die Kombination des grellen Leuchtens beider Himmelskörper in Verbindung mit den bleiernen Wolkenbänken, deren Ränder gleichfalls zu leuchten schienen, hatte das Farbenspiel am Himmel etwas Feuriges und zugleich Unheimliches an sich. Sie sah die Welt um sich herum in einem Licht, in der sie sie noch nie gesehen hatte. Selbst der Teich, auf dem einzelne Wasservögel friedlich ihre Bahnen zogen, wirkte durch die Reflektion dieses grellen Lichts am Himmel wie ein blutiger See. Normalerweise war sie keine Schissbuchse, aber an diesem Abend hatte sie ein ganz beklemmendes Gefühl. Deshalb reagierte sie auch wahrscheinlich so verängstigt auf dieses merkwürdige Licht, obwohl der Mann, den sie von ganzem Herzen liebte, bei ihr war und sie beschützend in seinen Armen hielt.



Er war fast an seinem ersten Ziel angekommen. Ihn störte dieses merkwürdige Licht nicht, im Gegenteil, es schien ihn sogar richtig anzuheizen. Nicht umsonst wurde Rot ja nicht nur als die Farbe der Liebe und der Leidenschaft bezeichnet, sondern auch als Farbe des Zorns und der Rache. Die Sonne war noch nicht ganz untergegangen, also war es noch zu hell. Er konnte ohnehin nicht den direkten Weg über die Brücke gehen, denn dort stand ja der zweite Streckenposten, der ihn zwar nicht kannte, aber bei dem er auch keinen Verdacht erregen wollte, indem er kurz vor der Tat dort entlanglief, zudem noch in einer Kleidung, die für den Winter oder für eine Motorradtour wesentlich passender gewesen wäre als für diesen schwülen Sommerabend. So hangelte er sich ein gutes Stück von der Brücke entfernt vorsichtig an den Büschen den steilen Bahndamm hinunter, bis er endlich auf den Gleisen stand. Mittlerweile war es fast dunkel, nur der Mond spendete Licht. Offensichtlich war die zweite Kindergruppe bei dem Streckenposten auf der Brücke angekommen, denn er hörte aus einiger Entfernung das Lachen und Schwatzen von Kinderstimmen. Jetzt hatte er noch gut zehn Minuten, um sein blutiges Werk zu vollenden, denn dann würde die nächste Kindergruppe kommen. Zum Glück war die andere Seite des Bahndamms nicht so steil, so dass er relativ schnell und behände hinauf kam. Er befand sich jetzt im Wald, keine zwanzig Meter von dem neu angelegten Biotop entfernt, an dem auch die Schutzhütte stand. Als er sich anschlich, hörte er die Stimmen von Frank und Valerie. Sie schienen sich leise zu unterhalten. Er beobachtete die beiden, die auf dem schmalen Pfad vor der Schutzhütte auf und ab liefen. Ihm war klar, dass er Frank zuerst töten musste. Der war zwar etwas kleiner als er und nicht ganz so korpulent, aber immerhin auch 1.85 groß und etwa 110 Kilo schwer. Er überlegte, wie er es am besten anstellen konnte. Er hatte ein Messer dabei und eine Pistole mit Schalldämpfer. Ihm blieb nur eine Möglichkeit: Er musste Frank in den Rücken schießen. Der würde ohne jeden erkennbaren Grund in sich zusammen sinken, Valerie würde sich besorgt über ihn beugen, um festzustellen, was ihm fehlte, und dann würde er leichtes Spiel mit ihr haben. Die Pistole wollte er eigentlich nicht so gern benutzen, da er schon bei der Bundeswehr kein allzu guter Schütze gewesen war, aber ihm blieb wohl nichts anderes übrig. Wenn er Frank hinterrücks abstechen würde, hätte Valerie immer noch die Möglichkeit, zu fliehen und möglicherweise in der nahe gelegenen Kleingartenanlage Hilfe zu holen. Es musste also schnell gehen. Er stellte sich in den Schatten der Bäume, wo ihn das Mondlicht nicht sichtbar machen konnte. Er war keine zehn Meter von seinem Opfer entfernt und aus der Entfernung konnte selbst ein miserabler Schütze wie er nicht daneben schießen. Er fühlte das beruhigende, kühle Metall der Waffe in seiner Hand. Er steckte den Schalldämpfer auf, dann entsicherte er die Waffe vorsichtig. Das knackte ein wenig, blieb aber zum Glück von den beiden unbemerkt, weil um die Zeit auch die Kleintiere des Waldes munter wurden und somit gleichfalls knackende Geräusche im Unterholz produzierten.



Seine Rechnung ging auf: Sein Schuss traf Frank genau in die Lunge. [...]

Halloween

[...] Endlich war der 31. Oktober gekommen. Die Leichen konnten es kaum noch erwarten, bis die Sonne untergehen würde. Um 18.15 Uhr hörten sie das ersehnte Klicken des Schlüssels am Seiteneingang, der Friedhofsgärtner hatte ihn verschlossen. Er schritt eilig mit einer Taschenlampe an ihren Gräbern vorbei; wahrscheinlich, um zum Hauptportal zu gehen, von wo aus er den Heimweg antreten würde.



Um 18.30 Uhr setzte sich das Sarghebewerk, das der Sensemann persönlich für diesen Tag hatte installieren lassen, in Gang. Die Leichenwürmer waren gespannt, ob den Toten die Party gefallen würde, die sie in Zusammenarbeit mit dem Tod organisiert hatten. Ein Sarg nach dem anderen kam aus der Erde hoch. Die Tiere, die auf dem Friedhof lebten wie beispielsweise wildlebende Katzen, Tauben, Ratten und Haselmäuse wunderten sich etwas über die Vorgänge in ihrer Umgebung. Aus diesem Grunde zogen sie es vor, sich lieber in anderen Teilen des Friedhofs zu tummeln, wo es ruhiger war, zumal dieser glücklicherweise recht groß war und somit jede Menge Raum bot. Die Eulen, die über den Friedhof hinweg flogen, wunderten sich, als sie aus der Luft mit ihren scharfen Augen beobachten konnten, wie sich die Särge aus der Erde hoben und ein Sargdeckel nach dem anderen aufsprang, um die Toten an die frische Luft zu entlassen. Eusebius Eule, der gerade mit seinem besten Freund, Karl dem Karate-Kauz, auf Beutezug war, schüttelte den Kopf, tippte sich mit einem Flügel an die Stirn und meinte kopfschüttelnd:

„Die spinnen, die Leichen!"

Karl der Karate-Kauz nickte zustimmend. Aufgrund des merkwürdigen Treibens auf dem Friedhof zogen sie es vor, ihre Jagdaktivitäten auf das Gebiet am nahe gelegenen Rhein-Herne-Kanal zu verlagern, denn dort würde es unter Garantie nicht so merkwürdige Vorgänge geben wie hier.



Nach gut einer Viertelstunde waren alle Leichen über der Erde. Sie erhoben sich erstmal aus ihren Särgen, um sich zu recken und zu strecken. Uropa Adolf fielen dabei zwei Finger ab, da er bereits skelettiert war und seine steifen Fingerknöchel soviel Bewegung auf einmal nicht mehr gewohnt waren. Oppa Ottokar und Omma Minna, deren Verwesungsprozess noch nicht so weit fortgeschritten war, da sie erst in den Jahren 2003 und 2004 verstorben waren, tanzten auf den Kult-Hit der Toten, den der Sensemann als gelungene Einstimmung auf die Halloween-Party mittels Ghetto-Blaster spielen ließ - „Living after midnight" von Judas Priest. Er und die Leichenwürmer hatten sich natürlich auch nette Partyspielchen, insbesondere für die verstorbenen Kinder, ausgedacht. Statt Topfschlagen gab es jetzt Blumenschalenschlagen. Das Kind, das Blumenschalenschlagen spielen durfte, bekam statt eines Holzlöffels einen trockenen Ast in die Hand. Unter der Blumenschale befanden sich natürlich nicht, wie normalerweise bei Kindergeburtstagen üblich, Süßigkeiten, sondern verwelkte Blumen aus dem Kompostbehälter. Trotzdem hatten die lieben Kleinen jede Menge Spaß. Das ebenfalls sehr beliebte Spiel Gummistiefelweitwurf wurde kurzerhand in Grablampenweitwurf umgewandelt. Es gab nur ein bei den Lebenden sehr beliebtes Spiel, das keiner spielen wollte, da ihnen das doch etwas pietätlos erschien: Tote Oma, denn davon befanden sich im Kreise der feiernden Toten doch jede Menge. [...]

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