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> Belletristik > Mit Ökostrom und fließend Wasser
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Belletristik
Buch Leseprobe Mit Ökostrom und fließend Wasser, Cordula von Dolsperg
Cordula von Dolsperg

Mit Ökostrom und fließend Wasser


Leben auf unserem Wwoof- Hof in Schweden

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KAPITEL 1


Auf in den Norden!


Endlich wieder auf in den Norden! Es war Mitte März und ziemlich kalt. Die Sonne hatte sich gerade über die Baumwipfel erhoben, als wir unsere beiden Samojedenmischlinge Bamse und Lisa ins Auto verfrachteten und uns nordwärts begaben, um unseren neuen Hof „Snåret“, zu deutsch „Gestrüpp“, endlich wieder zu besuchen. Das letzte Mal hatten wir Snåret Ende November bei der Schlüsselübergabe gesehen, danach hatte der Winter weitere Besuche unmöglich gemacht. Ungeduldig Pläne schmiedend hatten wir auf das Frühjahr gewartet, uns immer wieder die Fotos angesehen, die wir gemacht hatten, und uns in unsere Zukunft geträumt. Unsere anfängliche Besorgnis über den katastrophalen Zustand aller Gebäude hatte sich über Winter in tatkräftige Entschlossenheit verwandelt, und wir konnten es kaum erwarten, mit den Renovierungen zu beginnen. Jetzt war es endlich soweit. Ein neuer Abschnitt in unserem Leben hatte begonnen.


Auf unserem Weg fuhren wir durch eine herrliche weiße Winterlandschaft, und mit jedem Kilometer, dem wir uns unserem Ziel näherten, wurde ich aufgeregter. Schließlich verließen wir die befestigte Straße und bogen auf einen geschotterten Waldweg ein. Wir passierten einige Häuser und einen großen See, fuhren kilometerweit durch den Wald, an einzeln stehenden Gehöften vorbei, dann durch ein Dorf. Wieder schimmerte ein See durch die Bäume rechts von uns. Einige Kilometer weiter am Fuße eines kleinen Berges befanden sich die Briefkästen für uns und für die Nachbarn. Ab hier waren es noch drei Kilometer bergauf. Je weiter unser Bus den Hügel erklomm, desto höher türmte sich der Schnee am Wegrand. Links war der Abzweig zu den Nachbarn; ein Hinweisschild aus Holz und eine brennende Kerze in einer Laterne direkt neben einem Holztroll entlockten mir ein Lächeln. Nach weiteren dreihundert Metern, ich saß bereits erwartungsvoll nach vorn geneigt im Sitz, bog Michael links ab- und bremste. Die Einfahrt zum Hof war nicht geräumt worden und damit eindeutig unbefahrbar für uns.


Wir parkten den Wagen, schnappten uns die Hunde und stapften durch den tiefen Schnee die zweihundert Meter lange Einfahrt hinab bis zum Schlagbaum. Der Wald lichtete sich, und da lag er: unser wunderschöner Hof! In Hanglage, eingebettet von Wiesen und Wald, blickten uns rotgemalte Gebäude mit weißen Schneehauben auf den Dächern freundlich entgegen. Mir ging das Herz auf, und ich wußte, daß wir die richtige Entscheidung getroffen hatten. Hier wollte ich wohnen!


Einige Sonnenstrahlen kämpften sich durch die graue Wolkendecke und ließen den Schnee glitzern. Wir folgten der einsamen Spur einer Katze den Weg hinauf zum Wohnhaus. Kalt war es hier, erheblich kälter als in Lilla, und hier lag auch um einiges mehr Schnee.


Snåret liegt im Värmland, 150 km von Lilla, unserem damaligen Zuhause entfernt mitten im Wald am Ende eines Weges, und das war etwas, das uns von Anfang an gefallen hatte. Wir suchten die Stille und Ungestörtheit, und hier in der Abgeschiedenheit dieses Hofes würden wir sie finden, davon waren wir überzeugt. Daß sich alle Gebäude sowohl innen als auch außen in einem furchtbaren Zustand des Zerfalls befanden, hatte nichts daran ändern können, daß wir uns sofort in diesen Ort verliebt hatten. Hier schien die Zeit einfach stillzustehen, und der Wald, der sechs Hektar Wiesen umschloß, war fast unberührt. So hatten wir es tatsächlich gewagt und diesen heruntergekommenen Hof gekauft. Elf Gebäude zählten wir, darunter drei Scheunen, eine alte Schule, eine ehemalige Schmiede und ein Waschhaus, das über einem kleinen Bächlein stand, dessen Wasser über eine Klappe im Boden erreichbar war. Der Hof war einmalig, und jetzt gehörte er uns.


Als wir das Wohnhaus erreichten, erwartete uns eine Überraschung: Jemand hatte uns einen in Plastik verpackten Brief an die Türklinke gehängt. Er war handgeschrieben und auf den November datiert, hatte also den gesamten Winter über hier auf uns gewartet. Eine Frau, die in der Gegend wohnte, beglückwünschte uns zu unserem Kauf und gab ihrem Bedauern darüber Ausdruck, daß sie einen Kauf ihrerseits nicht energischer vorangetrieben hatte. Sie fragte uns, ob wir vielleicht daran interessiert seien, Snåret an sie zu verkaufen. Noch im Nachhinein fiel uns ein Stein vom Herzen, daß sie nicht mit uns in ein Bieterverfahren eingestiegen war, denn bereits der jetzige Kaufpreis sprengte eigentlich unsere Möglichkeiten. Hätte noch jemand auf den Hof geboten, wäre ein Kauf für uns unmöglich geworden. Ich nahm mir vor, die Frau anzurufen und nach Snåret einzuladen, sobald wir wieder zuhause waren. Damit rechnete sie nach dieser langen Zeit sicherlich nicht mehr!


Wir verbrachten den Tag damit, uns unser neues Zuhause genau anzusehen, aufzuschreiben, welche Renovierungen notwendig waren und eine Liste mit Einkäufen zu erstellen. Lisa schoß wie eine Verrückte durch Wohnhaus und Schule, Treppen hoch und wieder runter; ihr gefiel es hier anscheinend ausgesprochen gut. Fast bekam ich den Eindruck, sie sei heimgekehrt, so begeistert war sie, aber das war vermutlich Unsinn. Als meine Füße dermaßen kalt waren, daß ich sie nicht mehr spürte, waren wir glücklicherweise soweit, aufbrechen zu können. Aufgrund der Wetterverhältnisse in Snåret entschieden wir uns, erst ab April damit zu beginnen, uns häuslich einzurichten und die ersten Renovierungen in Angriff zu nehmen. Ich konnte es kaum erwarten.


 


KAPITEL 2


Alte Geschichten


Es war das Frühjahr 2008. An unserem ersten Wochenende in Snåret entschieden wir, daß das Wohnhaus nicht bewohnbar war. Nicht umsonst hatte uns der Makler nahe gelegt, das Wohnhaus abzureißen und lieber auf die Schule mit ihren hohen Decken und großen Fenstern zu setzen, die sich zumindest innen in einem erheblich besseren Zustand befand. Ich putzte und wienerte die ehemalige Lehrerwohnung, damit wir dort wohnen konnten, während wir das Wohnhaus renovierten. Der vordere Teil der Schule bestand aus einer kleinen Lehrerwohnung mit zwei Räumen: Einer Küche mit holzbefeuertem Herd und einem Schlafzimmer mit Kachelofen. Vom Fenster aus hatte man einen herrlichen Blick über die großen Wiesen und den Wald. Der hintere Eingang, der über einen Flur in den Schulsaal führte, war damals von den Schülern benutzt worden. Der Dachboden war sehr geräumig, allerdings weder ausgebaut noch isoliert, und bot einen noch grandioseren Blick über die Wiesen. Ich zog ernsthaft in Erwägung, doch auf die Schule zu setzen. Allerdings befand sich diese am hinteren Ende des Grundstücks, so daß man die Auffahrt nicht einsehen konnte, und wenn ich dermaßen abgelegen wohnte, wollte ich schon gerne mitbekommen, wer das Grundstück betrat und sich auf ihm bewegte. Also zogen wir vorübergehend in die Schule ein. Das Bett stellten wir vor das Fenster, so daß wir morgens auf die Wiesen sehen konnten. Lisas Schlafhöhle kam auf meine Bettseite, Bamse bekam sein Lager bei Michael. Das Schulplumpsklo wurde von uns in Benutzung genommen, und ich stellte fest, daß sich auf dem Küchenherd erheblich besser kochen ließ als auf dem in Lilla, der einfach nicht genug Hitze entwickelte. Ich stöberte in den alten Schulbüchern, die, alle durchnummeriert und gut erhalten, in zwei Kartons lagerten und betrachtete die Wandtafeln mit heimischer Flora und Fauna und anderes Schulzubehör vergangener Zeiten. Auf dem Dachboden befanden sich riesige Haufen alter Zeitungen, die Herbert aufgehoben hatte. Die ältesten waren aus den dreißiger Jahren, und mir war klar, daß ich diese spannende Lektüre nicht einfach würde verbrennen können. Unter anderem fand ich beim Aufräumen einen Artikel über die erste Mondlandung, den ich fasziniert las.


Wir hatten nicht gewußt, daß Snåret das Herzstück dieser Gegend war. Nicht umsonst war die Dorfschule hier errichtet worden, nachdem die alte in den dreißiger Jahren abgebrannt war. So war die Neugier der Anwohner sehr groß, als bekannt wurde, daß wir den Hof gekauft hatten. Man machte sich Gedanken, ob der Hof angemessen geschätzt und erhalten werden würde und wollte uns kennenlernen. Nach und nach erst ging uns auf, was wir da als unser neues Zuhause auserkoren hatten, und anfangs war ich nicht sehr angetan von dem Gedanken, jetzt eine Person des regionalen öffentlichen Interesses zu sein. Ich beschloß, es mit Humor zu nehmen, daß wir ständig von den Renovierungsarbeiten abgehalten und in längere oder kürzere Gespräche verwickelt wurden. Immerhin lernte ich so mehr über unser neues Zuhause und seinen schrulligen Vorbesitzer, der meiner Meinung nach immer noch auf dem Hof herumspukte und sich vergewisserte, daß dieser in gute Hände gelangt war. Über Herbert, den Einsiedler, der auf dem Hof geboren und bis zuletzt hier allein gewohnt hatte, rankten sich viele Geschichten, denen ich gerne lauschte, und in einem Buch über die Lokalgeschichte dieser Gegend wurde „Herbert in Snåret“ sogar ein ganzes Kapitel gewidmet. Er war bis zu seinem Tode dafür bekannt gewesen, jede Arbeit auf dem Hof so durchzuführen, wie er es von seinen Eltern gelernt hatte, und damit auf möglichst traditionelle Art und Weise. Allerdings fiel ihm dies in seinen letzten Jahren ziemlich schwer, denn er hatte sich beim Reinigen eines Mähdreschers den Fuß an einem ihrer Zinken aufgespießt und sich erst nach vielen Stunden davon befreien können. Die Wunde war nie wirklich verheilt, und so humpelte er danach sehr stark und hatte Mühe, seinen alltäglichen Verpflichtungen nachzugehen. Herbert weigerte sich, die Uhren auf Sommerzeit umzustellen, da er den Sinn nicht sehen konnte und nicht wollte, daß seine Kühe irritiert wurden; und so fragte er jedes Mal, wenn er einen Termin mit jemandem vereinbarte, wie spät es denn jetzt unten im Dorf sei. Oder die Erzählung, daß er nachts auf die Suche nach seinen Kühen ging, die nicht nach Hause kamen.


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