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Belletristik
Buch Leseprobe MISSHANDELT Im Namen seiner Ehre, Emilia Pfeifer
Emilia Pfeifer

MISSHANDELT Im Namen seiner Ehre



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Die Geschichte, die mich fast das Leben kostete


 


Es war ein Urlaub der ganz besonderen Art. Ich verbrachte das erste Mal 10 Tage Urlaub mit meiner Tochter in unserer ersten eigenen Wohnung in Antalya. Anfänglich sollte es nur eine Ferienwohnung sein. Doch in meinem Kopf war längst klar, dass ich irgendwann hier meinen neuen Wirkungskreis aufbauen wollte. Im Sommer dieses Jahres hatte ich mir meinen Traum von einer Wohnung im Sommerparadies erfüllt. Der erste Schritt in ein neues und erfüllteres Leben. Es war eine nicht zu große Wohnanlage. Mein Urlaubsdomizil befand sich im zweiten Stock. Schon als ich diese Wohnung das erste Mal betrat, war ich begeistert. Eine amerikanische Küche die sich an das Wohnzimmer anschloss war einladend. Im Flur gewährte ein Einbauschrank Stauraum für meine ersten Sachen. Was mich am meisten begeisterte, war die Tatsache, dass ich nicht nur ein Schlafzimmer hatte, sondern es gab auch noch ein Kinderzimmer. So war es jeder Zeit möglich, dass meine Kinder gemeinsam mit mir oder allein hier eine schöne Zeit verbringen konnten. Das Bad war modern eingerichtet, wie wir als Europäer das auch erwarten. Doch wie es in der Türkei üblich ist, hatte die Wohnung als sogenannte Gästetoilette die berühmte türkische Toilette. Sie zu benutzen, stand aber nicht zur Debatte. Als Abstellkammer für allerlei Putzutensilien wollte ich sie nutzen. Der Balkon allerdings, der rund um die Wohnung gebaut war, ließ mein Herz höher schlagen. Die Sonne schien den ganzen Tag in die Wohnung. Für eine Sonnenanbeterin, wie ich es bin, war das ein Highlight. Egal aus welchem Zimmer man trat, man befand sich auf dem Balkon. Jeden Morgen lief ich einmal herum.


Ein wahr gewordener Traum. Das sollte der Anfang eines glücklichen Lebens sein. Noch nicht für immer, aber die Sommermonate wollte ich hier genießen. Dass ich in meinem Beruf nicht mehr arbeiten konnte, wusste ich schon längere Zeit. Dennoch wollte ich nicht nur zu Hause sitzen. Mein Leben sollte wieder einen Sinn bekommen, wenn auch einen anderen. Das Meer und seine Umgebung sollten mich inspirieren. Viele meiner Freunde verstanden nicht, was ich an diesem Land so begehrenswert fand. Es war in erster Linie die Nähe zum Meer und die warmen Temperaturen. Schon immer war ich ein Sonnenanbeter. Auch die Menschen und ihre Lebensweise zogen mich an, denn schließlich wuchs ich in einer Großfamilie auf. Die Landschaft war faszinierend. Da gab es auf der einen Seite das Meer mit seinen unendlich langen Sandstränden und auf der anderen Seite blickte ich zu den Bergen des Taurus Gebirges, die bis in den April hinein Schnee bedeckt waren. Ich fühlte mich einfach wohl, war zufrieden und konnte wieder neuen Lebensmut sammeln.


Zum Meer war es von der Wohnung aus nicht weit. Ich ging die Seitenstraße, in der ich wohnte, zur Hauptstraße. Hatte ich diese überquert, führte eine kleiner Weg am Fluss entlang zum Strand. Für mein neues Leben wartete ich nur noch darauf, dass ich meine Rente erhalten würde. Danach wollte ich ein Nagelstudio eröffnen. Lange hatte ich schon mit diesem Gedanken gespielt. Und es würde funktionieren. Schließlich waren künstliche Nägel in der Türkei sehr teuer. Dass ich genügend Kunden haben würde, stand fest. Zudem hatte ich schon mehrfach Kontakt mit ansässigen Frisören, die mich gern bei Bedarf abrufen würden, genauso wie die Hotels.


 


              ***


 


Im Oktober hatte meine Tochter Urlaub. Sie war neugierig auf meine neue Wohnung, wollte die erste der Familie sein, die das neue Domizil begutachtete. Ich hatte zuvor mir alles für mein Nagelstudio besorgt. Mein Koffer verbarg weniger Kleidung, vielmehr transportierte ich Lichthärtungsgeräte, Pinsel, Gele und Fräser. Eben alles, was ich für mein neues Geschäft brauchen würde.


Für meine Tochter war es ein Abenteuerurlaub. Bisher kannte sie die Türkei nur aus unseren Hotelaufenthalten. Nun mussten wir für unser Essen selbst sorgen, einkaufen in einem Land, wo wir die Sprache nicht so gut sprachen. Manchmal wussten wir nicht so genau, was wir in unseren Einkaufskorb legten. Doch wir hatten Spaß dabei.


Schon ein Jahr früher hatte ich in einem Hotel eine Deutsche kennen gelernt, die auch den Schritt der Auswanderung gewagt hatte. Auch sie lebte gut allein in dem muslimischen Land. Die Abende verbrachten wir gemeinsam mit ihr, trafen uns zum Abendessen in einem nahe gelegenen Restaurant. Sie war vor fünf Jahren in die Türkei ausgewandert. Obwohl sie schon über sechzig Jahre alt war, hatten wir einen gemeinsamen Draht. Sie war in ihrem Denken und Verhalten noch recht jung geblieben. Auch vom Aussehen ähnelten wir uns. Trugen wir doch beide lange blonde Haare. Viele Leute dachten immer, sie sei meine große Schwester. Oftmals ließen wir diese Personen bei ihrer Annahme. Ihre täglich frisch lackierten Fingernägel faszinierten mich. Doch uns verband noch viel mehr als nur die Ähnlichkeit. Sie kam aus Hamburg, und auch ich hatte eine besondere Beziehung zu Hamburg. Ebenso teilten wir eine Leidenschaft. Wir strickten beide wo immer es nur möglich war. Erst durch Moni erfuhr ich, dass in der Türkei die Wolle um vieles günstiger war als in Deutschland.


Es schien ein richtig toller Urlaub zu werden. Ich fühlte mich so wohl wie schon lange nicht mehr. Die Tage am Strand oder auf dem Meer oder bei einem Einkaufsbummel in der Stadt vergingen wie im Flug. Abends putzten wir uns heraus, um außerhalb der Hotels die Abende zu genießen. Jeder Tag war wunderschön. Wollten wir nach Hause, hielten wir uns strikt an die Ratschläge des Hausmeisters und nahmen zu unserer Sicherheit ein Taxi, weil die Seitenstraßen nicht so gut ausgeleuchtet waren


Eines Morgens am Strand erzählte unsere Freundin, dass sie am Morgen von einem tollen Typen mit zur Arbeit genommen wurde. Er hätte eine Glatze und besaß eine unheimlich tolle Ausstrahlung. Sie hätten auch gleich Handynummern ausgetauscht. Schließlich war sie Single und wollte sich wieder einmal neu verlieben. Ich gab mir Mühe, nicht zu genervt zu wirken. Doch mir war klar, dass er sich bestimmt in die Reihe ihrer typischen Beutezüge einreihen würde. So unterließ ich es auch, sie nach dem Alter ihrer neuen Bekanntschaft zu fragen. Er konnte nur um vieles jünger sein als sie. Denn sonst hätte sie ihn wahrscheinlich nie angeschaut. Aber ok. Das war ihr Problem und würde erst dann zu meinem, wenn die Beziehung beendet war und sie zutiefst deprimiert war, weil wieder einmal ein junger Mann sie wegen einer jüngeren Frau verlassen hatte. Das Thema Beziehung hatte ich für mich längst abgeschlossen. Ich war glücklich als Single. Und das sollte auch so bleiben. Ich genoss ganz einfach die Tage und Abende mit meiner Tochter und unserer Freundin.


Doch eines Abends konnten wir kein Taxi zu einem vernünftigen Preis bekommen. Die Taxifahrer wollten einen unverschämten Preis haben für eine Stecke, die sonst immer nur fünf Euro gekostet hatte. An diesem Tag wollten sie das Doppelte an uns verdienen. Anscheinend wollten sie uns als Touristen etwas erleichtern. Was tun? Moni fiel ihre Bekanntschaft von vor ein paar Tagen zuvor wieder ein. Sie rief an, fragte, ob Helmut noch in seinem Reisebüro sei. Nach bejahender Antwort wollte sie weiter wissen, ob er nicht vorbeikommen könnte, um uns nach Hause zu fahren. Kein Problem lautete die Antwort. Er würde sich sofort auf den Weg machen. Nach nicht einmal zehn Minuten hielt ein Auto vor unserem Lieblingsrestaurant. Ein Glatzkopf stieg aus, der ziemlich ernst drein schaute und auch recht groß war. Mit dem sollten meine Tochter und ich nach Hause fahren? Wohl war mir bei diesem Gedanken nicht. Aber meine ältere Freundin würde schon wissen, was sie tat. Schließlich hat sie viele Jahre in Hamburg gelebt. Sie kannte also auch die Gefahren der Großstadt. Außerdem lebte sie auch schon einige Jahre hier. Ich ließ mich also überreden. Ab ins Auto und nach Hause. Nachdem wir ausgestiegen waren, ging es mir wesentlich besser. Am nächsten Morgen wollte Moni wissen, was ich von dem Typ, wie sie ihn nannte, halten würde. Sein Name sei Helmut. Naja, also mein Typ war er nicht. Aber das spielte ja auch keine Rolle. Wenn er ihr gefiel, dann war das völlig in Ordnung. Ich stehe nun mal eher auf Anzugtypen. So muss das ja auch sein. Und wie auch schon die Abende zuvor gingen wir auch an diesem Abend wieder ins „Hayat“. Den ganzen Abend erzählte sie aus ihrem Leben. Alles klang recht spannend. Doch hin und wieder wollte ich ihr sagen, dass sie, bei dem was sie alles so erlebt hatte, mindestens hundert Jahre alt sein müsste. Aber alles klang sehr amüsant und so ließen wir uns unterhalten. So gegen zehn Uhr geschah das, womit keiner von uns Dreien gerechnet hatte. Zumindest dachte ich das zu diesem Zeitpunkt. Moni bekam einen Anruf. Sie schaute auf ihr Handy.


„Das ist Helmut.“


Ihre gespielte Überraschung nahm ich für bare Münze.


„Was will er?“, fragte ich skeptisch.


„Keine Ahnung.“


Sie ging ans Telefon.


„Im Hayat. Ja, klar, Emilia und ihre Tochter sind auch mit.“


Am anderen Ende wurde etwas entgegnet.


„Emi, wie lange wollen wir noch bleiben?“, wandte sie sich an mich.


„Wie spät ist es?“


„Elf Uhr“, antwortete meine Tochter mit einem Blick auf ihre Uhr.


„Eigentlich spät genug“, antwortete ich, „Warum? Wer will das denn wissen?“


„Helmut will jetzt nach Hause fahren. Er würde hier vorbeikommen und uns mitnehmen“, gab sie mir zur Antwort.


Ich zuckte mit den Schultern und verzog meinen Mund. „Mir egal. Sparen wir wenigstens wieder die Taxikosten.“


„Ja, wir gehen jetzt auch nach Hause“, sprach sie ins Telefon.


Sie wartete die Antwort ab.


„Alles klar. Wir werden dann jetzt bezahlen und noch austrinken. Sagen wir so in zehn Minuten?“


Am anderen Ende des Telefons wurde wieder etwas gesagt.


„Alles klar. Bis denn. Tschüs, bis gleich“, antwortete Moni darauf.


Wir beglichen unsere Rechnung und wollten noch in Ruhe austrinken. Dazu kamen wir aber nicht mehr. Denn schon kurze Zeit nach dem Anruf hielt ein schwarzer VW-Bus. Helmut stieg aus und ermahnte uns, uns zu beeilen. Gepasst hat mir das nicht. Ich war doch im Urlaub und nicht auf der Flucht. Doch sein Blick schien keine Widerrede zu. Schnell noch das Wasser hintergekippt, Tasche geschnappt und los.


Helmut hielt mir die Autotür auf. Monis Gesicht verfinsterte sich schon leicht. Für mich war das aber kein Grund. Ich erwarte das eben von einem Mann. Und er schien das zu ahnen. Zu Hause bei uns angekommen, sprang er aus dem Auto, öffnete mir die Tür und fragte fast ganz nebenbei, ob wir uns am nächsten Tag sehen würden. Ich musterte ihn von oben bis unten. Er trug einen schwarzen, langen Ledermantel. Bei diesem Anblick  hatte ich bestimmte Assoziationen, die sich in Richtung Hamburg-Herbertstraße bewegten.


„Hmm, mal sehen, weiß ich noch nicht“, gab ich mit einem Lächeln zurück.


„Ich bin mir da aber schon sicher, dass wir uns morgen sehen.“  Mit siegessicherer Miene grinste er mich an. Spinner, dachte ich so bei mir. Was bildete er sich bloß ein?


Am nächsten Tag wollten wir wieder zum Strand. Doch unterwegs begann es heftig zu regnen. Der Regen wurde so stark, dass wir an dem Reisebüro, in dem Helmut arbeitete, gezwungen wurden Halt zu machen. Später erfuhr ich, dass er Idris hieß. Selbst ein Regenschirm half nicht, denn der Wind blies so stark, dass der Schirm sich immer wieder selbstständig machen wollte. Angenehm war es für mich nicht, dass wir uns dort unterstellen mussten. Doch wie ein Monster sah er ja nicht aus. Auch ihm blieb nichts anderes übrig, als seine Bergtour abzusagen, da es zu gefährlich war, mit den Gästen in die Berge zu fahren. Was sprach eigentlich gegen eine Einladung zu einem Kaffee? Angenommen. Da mir noch immer sein siegessicheres Verhalten vom Vorabend im Magen lag, hielt ich mich sehr zurück. Außerdem kam für mich niemals ein Urlaubsflirt in Frage, auch wenn ich mich nicht mehr als normaler Tourist ansah. Zu viele Geschichten hatte ich bereits von solchen Abenteuern gehört. Uns blieben noch zwei Tage und dann wären wieder zu Hause in Deutschland. Aber irgendwie gelang es ihm, mich in ein Gespräch zu verwickeln. Er wollte alles ganz genau wissen, fragte nach meinen Plänen. Ich mochte darüber nicht sprechen, schon gar nicht mit einem fremden Mann. Sofort wollte er mit mir zum Bürgermeister fahren, um eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung zu beantragen. Das lag aber so gar nicht in meinem Wollen. Zumindest zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Viel mehr beabsichtigte ich, mich erst einmal zu orientieren, was für mich möglich wäre.


Sein Aktionismus stieß mich schon ein wenig ab. Dennoch blieben wir, notgedrungener weise. Er bearbeitete mich weiter, versuchte mich zu überreden, meine eigene kleine Firma zu gründen. Ich hatte jedoch schon meine eigenen Pläne. Schnell, ja in meinen Augen überstürzt, sollte alles noch an diesem Tag vorbereitet werden. Mir ging das alles viel zu schnell. Ich war nicht gekommen, um ein neues Leben vorzubereiten, sondern mit meiner Tochter ein paar nette Tage genießen. Zugegeben hatte ich schon das notwendige Material für mein kleines Studio im Gepäck. Doch all das war noch Zukunftsmusik. Sein Drängen verschaffte ihm nicht gerade mehr Sympathiepunkte. Ganz im Gegenteil, ich ging noch mehr auf Abstand. Das schien ihm nicht entgangen zu sein, denn er brach endlich seinen Wortschwall ab.


Von Moni hatte ich schon den ganzen Tag nichts gehört. Sie konnte unmöglich zur Arbeit gegangen sein. Bei diesem Wetter waren doch keine Gäste am Strand. Dann ein kurzer tränenerstickter Anruf. Sie sei zu Hause, weil auch im Hotel die Leute sich nach drinnen verzogen hatten. Doch warum heulte sie deswegen? Eigentlich hatte sie sich doch immer beschwert, dass sie auch mal einen freien Tag brauche, weil sie ihre Wohnung wieder einmal auf Vordermann bringen wollte. Jetzt, wo sie diesen Tag hatte, heulte sie, brachte kaum ein Wort heraus. Ich schüttelte den Kopf und erzählte dies Helmut. Auch er war etwas verdattert, zumindest sollte es den Anschein haben.


Ich war recht verärgert. Und wie um diese etwas komische Situation zu entschärfen, kam ein Junge vorbei. Er hatte eine Menge fang-frischen Fisch dabei. Helmut nahm einfach alles. Er forderte mich auf, Moni anzurufen. Der Regen hatte in der Zwischenzeit nachgelassen. Ich bat Moni sich fertig zu machen. Helmut würde sie dann mit dem Auto abholen. Schließlich sollte der anfänglich katastrophale Tag noch, so gut es möglich war, mit einem netten Grillabend gerettet werden. Sie sträubte sich wie ein Teenager. Durch das Telefon kniete ich sie bald an. Doch ich schien keine Chance zu haben. Völlig entnervt gab ich auf.


Dann übernahm Helmut das Überreden. Er nahm sein Handy, ging ein paar Schritte, um mit Moni zu sprechen. Das rief keinerlei Skepsis bei mir hervor. In nicht einmal fünf Minuten war alles geklärt.


„Sie macht sich fertig, ich hole sie ab“, grinste er. Was war das denn für eine Show? Erneut rief sie mich an. Sie müsse noch ihre dicken Augen pflegen, würde dafür den Kühlstift auflegen. Ich war ziemlich sauer, weil ich solch ein Verhalten von erwachsenen Menschen nicht gewöhnt war. Irgendwie verstand ich das alles nicht so recht. Sollte sie gar ein Auge auf ihn geworfen haben. Er war 45 und sie 62. Nein ganz sicher nicht. Das wäre lächerlich. Doch auch nicht so abwegig, denn ihr letzter Freund war 27 gewesen.  Trotzdem irgendetwas war nicht ganz normal. Ich fühlte mich ziemlich unwohl. Meine Tochter fand das alles recht lustig, denn er verstand sie aufzuheitern und mit ihr rumzublödeln. Mir war die Lust vergangen.


Zum Fisch brauchten wir noch ein wenig Salat, Öl und Brot.


„Komm“, sagte Idris, „wir fahren schnell zu Migros und kaufen das alles. Wir nehmen den Roller.“


„Was den Roller? Nee, da fahre ich nicht mit.“


„Komm schon, ich fahre langsam.“


Ich ließ mich überreden, wenn auch widerstrebend, und stieg auf, denn als Spaßbremse wollte ich mich nicht abstempeln lassen. Er nahm meine Hände. „Du musst dich richtig festhalten an mir.“ Mit diesen Worten schlang er meine Hände um seinen Bauch.


Und irgendwie war alles verführerisch schön, obwohl in meinem Kopf sich ein gewisser Zweifel breit machte.


Nach und nach wurden diese Zweifel aus meinem Kopf vertrieben. Vor Ort nahm er mit geübten Handgriffen die Fische aus. Mir drehte sich dabei der Magen leicht um. Abgespült wurden die Fische in einem großen Eimer mit frischem Wasser. Als sehr hygienisch empfand ich das alles nicht. Dennoch versuchte ich, locker zu bleiben, wollte die Stimmung nicht verderben. Schnell waren die Fische gesalzen und mit Pfeffer gewürzt. Als er damit fertig war, suchte er in der Umgebung nach ein paar Steinen. Damit baute er eine Feuerstelle. Für mich war das alles sehr befremdlich. Mit Holzkohle entfachte er dann recht unproblematisch ein Feuer und legte die Fische auf den Grill, made in Turkey. Meine Tochter wurde für ihn zum Schirmhalter. Die beiden hatten jede Menge Spaß. Manches Mal fiel doch der Schirm fast auf seinen Kopf. Wir mussten aufpassen, dass die beiden Grillmeister nicht beim Probieren alles verputzten.


Nach diesem für mich etwas außergewöhnlichen Grillabend schlug Idris noch vor, bei ihm einen Absacker zu nehmen. Sein Kollege würde Moni und Bine mit dem Auto mitnehmen. Er wollte mit mir mit dem Roller nachkommen.


Na ganz toll. Er ließ überhaupt keine anderen Argumente gelten. In meinem Bauch machte sich ein Unbehagen breit, das mich zur Vorsicht mahnte. Dieser Mann war mir einfach zu dominant, schon fast übergriffig. Ich war es gewohnt, meine Entscheidungen selbst zu treffen, vor allem aber wollte ich gefragt werden, ob ich einverstanden bin. Meine Tochter hatte riesigen Spaß und vertraute auch auf unsere erfahrene Freundin.


Kurz nachdem Moni mit Bine im Auto entschwunden waren, fuhren auch wir los. Es ging vorbei an unserer Wohnung. Er drehte sich zu mir um, da er mein Unwohlsein zu fühlen schien. „Ich wohne da, wo auch Moni wohnt. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich bin kein Perverser“, versuchte er mich zu beruhigen.


Diese Worte ließen meine Panik wieder etwas in geordnete Bahnen kommen. Mir fiel ein Stein vom Herzen, als wir endlich angekommen waren.


Beim Betreten seiner Wohnung schlug mir ein hasserfüllter Blick von Moni entgegen. Was sollte das? Bildete ich mir das alles nur ein? Ich wurde unsicher und hielt mich zurück. Nach dem kurzen Absacker, der auch wirklich nur kurz war, wollte Moni nach Hause. Idris bot sich an, sie zu bringen und bat uns zu bleiben, denn er wollte uns dann nach Hause fahren.


Wir warteten also, bis er zurück war. Dann brachen auch wir auf. Auf der Fahrt zu unserem Haus lud er uns für den nächsten Tag zu einem Ausflug ein. Das historische Side und der bekannte Basar von Manavgat sollten das Ziel sein. Warum nicht? Badewetter war nicht zu erwarten. Also was sprach dagegen? Bine war auch sofort dabei.


„Macht euch auf acht Uhr fertig. Ich hole euch ab und nehme euch gleich mit zum Reisebüro, denn dort geht es los“, sagte er. Ich war noch skeptisch, glaubte nicht daran, dass er uns mitnehmen würde. Bevor einschliefen, werteten wir noch den Tag aus. Meine Tochter war glücklich, denn ihr hatte der Tag gefallen, obwohl das Wetter unsere Pläne zerstört hatte. Ich lag noch lange wach, denn für mich war dieser Tag nicht schön gewesen. Dieser Helmut oder Idris war mir zu euphorisch, wollte mich vereinnahmen. Das behagte mir überhaupt nicht. 


Am nächsten Morgen rief er pünktlich an, um uns mitzuteilen, dass er vor dem Haus stehe. Wir waren fertig und mit dem Fahrstuhl ging es abwärts. Vor dem Reisebüro wartete auch schon der Minibus, der uns nach Side und Manavgat bringen sollte. Idris platzierte uns direkt neben dem Fahrer. Er nahm seinen Platz ein und los ging es. In Side angekommen stiegen die Gäste aus, um sich in der antiken Stadt umzusehen. Meine Tochter und ich sollten im Bus sitzen bleiben, und wir fuhren dann weiter. Erst ging es Richtung Stadtmitte und weiter zum  Hafen. Hier war ein beschauliches Restaurant, wo wir gemeinsam frühstückten. Unsere Mägen meldeten sich schon seit geraumer Zeit. Frühstück mit Blick aufs Meer. Ich genoss diesen Ausblick und merkte gar nicht, wie er ganz vorsichtig seine Hand um meine Schulter schlang und ich mich auch bei ihm anlehnte. Ich weiß nicht, wie lange ich so saß. Plötzlich wurde ich aus meinen Tagträumen gerissen und schüttelte ihn regelrecht ab. Er reagierte nur mit einem Grinsen.


„Oh, war das aber schlimm. Und du lebst noch.“ Da musste ich auch lachen. Die Zeit drängte. Die Gäste mussten wieder eingesammelt werden um nach Manavgat weiter zu fahren. Als wir wieder unterwegs waren, klingelte mein Handy. Ich schaute aufs Display. Es war Moni.


Ich ging ran.


„Hallo. Moni wie geht es dir?“


„Na bist du jetzt glücklich?“, keifte sie mir ins Ohr.


„Wie meinst du das?“ Ich wusste nicht, was diese scharfen Worte zu bedeuten hatten.


„Warum machst du das?“, fuhr sie fort. An ihrer Stimme konnte ich hören, dass sie mehr als sehr verärgert war.


„Was denn?“ Ich verstand nicht, was sie meinte.


 


Aufgelegt. Ich schaute Idris an, schaute Bine an. Ich war verwirrt. Was war passiert? Sollte sich meine schlimmste Vorahnung bewahrheiten? Und wider allen Verstandes war sie in ihn verliebt. Und es sollte noch schlimmer kommen, denn …


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