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Belletristik
Buch Leseprobe Miras Welt, Marlies Lüer
Marlies Lüer

Miras Welt



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Ich arbeitete zu der Zeit an einer Reportage über deutsche Landfrauen, die altes spirituelles Brauchtum pflegten, insbesondere über die „Heilerinnen des Dorfes“, die das Wissen der Vergangenheit für die Nachwelt erhalten wollten. Ich hätte lieber eine echte Schamanin aus dem Altaigebirge interviewt, die Kontakte mit Tiergeistern herstellte, das Wetter machte und andere, für Westler seltsame, aber doch höchst eindrucksvolle Aktivitäten pflegte. Aber Linda, unsere Redaktionsleiterin, hatte mein Ansinnen sofort abgewimmelt, und zwar mit einem Hinweis auf die knappen Finanzen des Verlages. Schade.


Auf meiner Liste standen jetzt noch drei Adressen zur Auswahl für ein Interview, zwei davon lagen im Umkreis von 30 Kilometern. Ich warf einen Blick auf die Uhr: In zwei Stunden würde der Brunch geliefert werden. Bis dahin wollte ich den Text der Reportage in die vorläufige Endfassung bringen, die Fotos einarbeiten und die letzten Interviewpartnerinnen ausgewählt haben.


Hoffentlich war die nächste Frau nicht auch wie diese merkwürdige „Möchtegernschamanin“ aus Travemünde, von einem Nöck „vor dem Ertrinken bewahrt worden und lebte seitdem mit ihm in trauter (eingebildeter!) Zweisamkeit.“


Ich wünschte mir von Herzen, eine ernstzunehmende Gesprächspartnerin zu finden. Gab es eigentlich einen Schutzheiligen für geplagte Journalisten?


Während ich darauf wartete, dass eine gewisse Mira Mertens den Hörer abhob, ging ich im Geiste die bisherigen Ergebnisse durch. Von zweiundzwanzig Adressen hatten sich bisher nur vier als brauchbar erwiesen! So manch eine „Dorfhexe“ wollte etwas Besonderes sein, war es aber in Wirklichkeit nicht. Ich selbst stand dem Thema der Reportage mit einer Mischung aus Skepsis und Aufgeschlossenheit gegenüber.


„Ja? Hier Mertens am Apparat.“


„Frau Mertens, ich grüße Sie! Ich bin Melissa Fink vom Magazin „FRiZ, Frauen in der Zeitenwende“ und möchte Sie um ein Interview bitten. Vor einiger Zeit haben wir einen Leserbrief von Ihnen abgedruckt, zum Thema „Alternative Heilmethoden“. Sie berichteten von ihrer selbstgemachten Salbe, mit der Sie die Neurodermitis des Nachbarkindes heilten.“


„Also, geheilt würde ich jetzt nicht sagen, es war eine deutliche Besserung der Haut, mehr nicht“.


„Frau Mertens, wären Sie denn bereit, mir einige Fragen zu beantworten? Ich arbeite an einer Reportage über Dorfheilerinnen, die ihr Wissen an die Nachwelt weitergeben möchten.“


„Wie bitte? Ich kann Sie so schlecht verstehen, ich bin etwas schwerhörig und es rauscht grad so im Telefon. Schorffeilerinnen?“


„Nein, Dorfheilerinnen!“


„Was für Dachrinnen?“


Ich merkte, das würde schwierig werden und schielte schon zur nächsten Adresse auf meiner Liste.


„Junge Frau, wenn Sie netterweise zur mir nach Hause kommen würden und ich dann auch Ihre Lippen sehen kann, dann würde ich mich gerne mit Ihnen unterhalten, aber am Telefon ist mir das zu anstrengend, ich bin über 70 Jahre alt, das müssen Sie bitte verstehen. Und jetzt habe ich auch keine Zeit, weil gleich jemand kommt, dem ich die Karten legen soll.“


Kräutersalben und Kartenlegen? Vielleicht passte sie ja doch in die Reportage.


„Frau Mertens, wäre es Ihnen recht, wenn ich übermorgen, also Mittwoch, gegen halb zehn zu Ihnen komme? Das Gespräch würde etwa eine halbe Stunde dauern.“


„Übermorgen? Ja, meinetwegen. Wir können eine halbe Runde durch das Dorf gehen.“


„Halbe Stunde, Frau Mertens, das Gespräch würde eine halbe Stunde dauern!“


„Und wie war noch mal Ihr Name? Frau Fritz?“


„Nein, ich bin Frau Fink und arbeite für das Magazin „FRiZ“.


„Schön, schön, ich freue mich auf den Besuch, Frau Fink. Ich backe für uns dann was Leckeres, so erzählt es sich doch angenehmer.“


„Das ist wirklich nicht nötig, liebe Frau Mertens. Ich bin also Mittwoch um 9.30 Uhr bei Ihnen.“


(Gott, das hätte mir noch gefehlt, dachte ich. Kaffeekränzchen am Morgen, oder was?)


„Ach ja, Frau Fink, bevor wir auflegen, möchte ich Ihnen noch sagen, wie leid mir das mit dem Brief tut! Bis bald, und seien Sie pünktlich, liebe Frau Fink!“


 



 


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