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> Belletristik > Mein Leben mit M.
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Belletristik
Buch Leseprobe Mein Leben mit M., Eugenia Meier
Eugenia Meier

Mein Leben mit M.



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Zu Hause verfolgte ich meine Diät verbissen weiter. Nach jedem Essen spürte ich einen Adrenalinstoß durch meinen Körper und konnte nicht mehr still sitzen. Dann lief ich im Wohnzimmer herum oder ging joggen. Ich spürte zwar jedes Mal die beunruhigenden Blicke meiner Eltern, aber ich konnte sie leicht vertrösten, indem ich sie erinnerte, wie gesund Sport doch sei. Aber ich denke, dass ihnen damals weniger der Sport Sorgen bereitet hatte, als vielmehr meine Ernährungsumstellung. Besonders mit meiner Mutter geriet ich bei diesem Thema öfters in Streit. Wenn sie beispielsweise Tortellini zubereitete, verlangte sie von mir, mindestens einen Teller aufzuessen. Später sanken ihre Ansprüche, und sie war froh, wenn ich einen Löffel von ihrem Essen zu mir nahm. Die Diskussionen endeten immer gleich: ohne einen Bissen zu mir genommen zu haben verschwand ich in meinem Zimmer. Meine Mutter selbst war in einem kleinen russischen Dorf aufgewachsen und musste relativ früh auf dem Hof mitanpacken. Damals litt ihre Familie immer an Nahrungsmangel, und sie hatte gelernt, das Essen zu schätzen. Umso unverständlicher schien ihr mein Verhalten. Wegen mir musste sie Lebensmittel wegwerfen, und das passte nicht mit ihrer Wertevorstellung überein. Mich selbst machte es auch traurig, Lebensmittel wegzuschmeißen, aber sie stattdessen in mich reinzustopfen sah ich als keine gute Alternative. Oftmals kochte meine Mutter auch Gerichte, von denen sie wusste, ich würde sie nicht essen. Deshalb waren ihre Klagen nicht immer nachvollziehbar. Ich begnügte mich damit, dass meine Mutter auf mich sauer war, wenn ich nichts aß. In der Schule und in meiner Freizeit tat ich alles, um meinen Eltern zu gefallen, aber beim Essen wollte ich selbst das letzte Wort haben. Mein Körper musste erzogen werden, und schon bald würden mir meine Eltern dafür dankbar sein. Ich wünschte mir nur, dass ihr Gemecker schnell ein Ende haben würde.


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