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Belletristik
Buch Leseprobe Mara, Patricia Hemberger
Patricia Hemberger

Mara


Eine wahre Geschichte

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Jugend :  Mara wuchs zu einem hübschen Mädel heran. Das Verhältnis zu ihrer Mutter besserte sich nicht. Im Gegenteil, mittlerweile hatte sie einen Stiefvater. Er war weder Vater noch Freund für sie. Sie wusste zwar tief im Inneren, wer ihr leiblicher Vater war, nämlich der Bauer, bei dem ihre Mutter noch lange arbeitete. Mara hatte jedoch nie die Chance, das laut auszusprechen. Ihre Mutter reagierte immer seltsam, wenn sie begann, Fragen zu stellen. Einmal verpasste sie ihr sogar eine Ohrfeige, bis Mara endlich still wurde. Schließlich gab sie es auf, weiter nachzufragen. Zwischen ihrem Stiefvater und Mara gab es allerdings eine unausgesprochene Regel: Nur keine Sympathie füreinander aufbauen! Sie konnte ihn nicht leiden und er machte auch keinen Hehl daraus, dass er den Bastard seiner Frau nicht unbedingt durchfüttern wollte. Maras Mutter hatte ein kleines Stück Land von dem Bauern erhalten. Man muss sich das schon einmal durch den Kopf gehen lassen, dass eine Dienstmagd ein Stück Land geschenkt bekommt. Auf diesem Grundstück bauten Maras Mutter und ihr Ehemann dann ihr Haus. Mara fühlte sich kein bisschen geborgen in der gefühlskalten Umgebung ihrer Familie. Schließlich bekam sie auch noch einen Halbbruder. Das war für sie schrecklich, als sie feststellte, dass die ganze Zuneigung ihrer Mutter dem kleinen Nachkömmling galt Immer wieder kam es zum Streit, bis Mara schließlich von ihrer Mutter mit 13 Jahren zu einer Arztfamilie in den Dienst geschickt wurde. Ihre Mutter hat Mara einfach von heute auf morgen vor die Tür gesetzt. Von da ab war Maras Kindheit vorbei. Sie war auf sich alleine gestellt und trat ihren Dienst bei der Familie an. Der Hausherr war nicht nur Mediziner, sondern auch ein angesehener Politiker, der weit über die Ortsgrenzen, wie sich später herausstellte, bekannt war. Mara jedoch wurde in dieser Familie behandelt wie eine Sklavin. Es war nicht allein die schwere, viele Arbeit, die sie täglich verrichten musste. Die verwöhnten Kinder der Arztfamilie setzten Mara von Anfang an zu. Kaum hatte Mara die Küche sauber gemacht, kam einer dieser Bengel und versaute den ganzen Boden mit seinen dreckigen Schuhen. Egal wie sehr sich Mara bemühte, die Kinder der Familie hatten in ihr ein Opfer gefunden. Zudem konnten sie lügen, ohne dass sie rot im Gesicht wurden. So war es klar, dass eines Tages, als Süßigkeiten im Schrank fehlten, Mara zur Rede gestellt wurde. Ehe sie wusste, wie ihr geschah, war sie eine Diebin und wurde aufs Übelste beschimpft. Noch in der gleichen Nacht packte Mara ihre Habseligkeiten und schlich sich aus dem Haus. Sie wollte weit weg von diesen Neureichen, die ihr niemals eine faire Chance eingeräumt hatten. Mara selbst zweifelte an sich. Wieso gelang es ihr einfach nicht, sich gegen diese Ungerechtigkeit zu wehren? Innerlich kochte sie vor Zorn und war doch den Tränen nah. Wo sollte sie überhaupt hin? Zurück zu ihrer Mutter? Das war unmöglich. Und wie sollte sie ihrer Mutter erklären, dass sie die Anstellung verloren hatte und vor allem, dass sie einfach bei Nacht und Nebel davongelaufen war? Ihre Mutter würde ihr doch kein Wort glauben. Sie war ja immer an allem, was bisher passiert war, schuld. Sie wünschte sich in diesem Moment einen Zufluchtsort, wo sie einfach jemand in den Arm nehmen und trösten würde. Vielleicht mit den Worten: „Kind, das wird schon wieder. Du hast alles richtig gemacht; dich trifft überhaupt keine Schuld!“ Das waren aber nur Wunschgedanken. In Wirklichkeit war Mara immer mit ihren Sorgen allein. Doch sie ließ sich nicht entmutigen: Sie durfte sich doch von solchen Leuten nicht kaputt machen lassen. Das wäre ja gelacht, wenn sich da nicht was Neues finden würde! Also schob sie die traurigen Gedanken beiseite und machte sich auf den Weg zu ihrer Tante. Tante Wiltrud wohnte in Ehingen und hatte zwei Töchter, eine jünger als Mara, die andere älter. Mara war zwischen beiden auf die Welt gekommen und mit den Mädels immer wie mit Geschwisterkindern klargekommen. Tante Wiltrud hatte ein Herz für Mara. Auch wenn sie ihr leider nur ab und zu unter die Arme greifen konnte. Sie selbst hatte es nicht leicht, ihre Kinder großzuziehen. Tante Wiltrud war Witwe und drehte oft jeden Pfennig um Da sie aber mitbekam, wie es Mara mit ihrer eigenen Mutter erging und die Ablehnung ihrer Schwester zur eigenen Tochter missbilligte, war sie einfach für Mara da, wenn sie mit ihren Sorgen und Tränen zu ihr kam Sie hörte zu und gab ihr oft gute Ratschläge. Wichtiger noch, sie nahm sie in den Arm. Wie es eigentlich eine Mutter tun sollte. Plötzlich sieht Mara mich an und hält inne in ihrem Bericht. Sie bekommt ein ganz weiches Gesicht, als sie von ihrer Tante spricht. Ohne dass ich die Tante kennengelernt habe, kann ich mir vorstellen, dass sie eine liebe Person war. Ich denke, Mara hätte sich eine Mutter wie Tante Wiltrud gewünscht. Mara erzählt weiter, wie sie den Bus nach Ehingen genommen hat, mit wenig Geld in der Tasche und der Hoffnung auf einen Neuanfang. Mittlerweile hatte sie das Gefühl, schon zum einhundertsten Mal umgezogen zu sein. Das sollte allerdings in ihrem späteren Leben noch übertroffen werden. Als Mara bei ihrer Tante ankam, war sie todmüde und froh, etwas zu essen und ein warmes Bett zu bekommen Carla, die ältere Tochter von Tante Wiltrud, kümmerte sich gleich um sie. Als Mara ihre Geschichte berichtete, hatte Carla gleich eine Idee, wie sie ihr helfen konnte. Sie hatte gehört, dass in der Metzgerei am Ende der Straße, in der sie wohnten, eine Arbeitsstelle frei war. Einige Tage später ging Mara mit ihrer Cousine hin und stellte sich vor. Ehe sie sich versah, hatte sie Arbeit und konnte auch noch bei ihrer Tante wohnen Die ersten Tage in der Metzgerei waren einfach. Mara ging überall zur Hand. Im Verkauf, in der Wurstküche, im Haushalt. Sie war ein „Tausendsassa“, was sich auch später immer wieder bestätigt hat. Allerdings ist es meist so, dass das Pferd, das am besten den Wagen zieht, immer die Peitsche bekommt. Bei Menschen ist das nicht anders. Mara wurden immer mehr Aufgaben zugeteilt, für wenig Lohn. Sie hatte unendlich lange Arbeitsstunden und viel zu viel Arbeit. Mittlerweile war Mara 14 Jahre alt geworden. Heute würde sich das Jugendamt in solchen Fällen einschalten Kinderarbeit war in diesen Zeiten kein Fremdwort. Mara bekam eines Tages von ihrem Chef die klare Aufforderung, dass seine Frau ein schwerer Pflegefall sei und es von nun an zu ihren Aufgaben gehören würde, seine Frau zu pflegen. Nicht etwa eine neue Aufgabe. Nein, Mara musste zu all ihrer Arbeit nun noch Frau Stubenrauch pflegen. Eigentlich wäre das für Mara kein Problem gewesen, wenn ihr diese Frau nahe gestanden wäre. Aber eine für sie doch fremde Person, zu waschen und frisch zu machen, war eine Überforderung für die Vierzehnjährige Mara ekelte sich manche Tage und hatte oft Probleme, am Abend etwas zu essen. Sie kämpfte Tag für Tag mit sich und dennoch hatte sie keine Chance, all dem zu entfliehen. Sie brauchte das Geld und sagte sich, dass sie mit dem zufrieden sein musste, was sie hatte


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