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> Belletristik > Liebe geht durch die Waden
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Belletristik
Buch Leseprobe Liebe geht durch die Waden, Anouk Ferez
Anouk Ferez

Liebe geht durch die Waden


Heartache Trio

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Heftigem Magendrücken zum Trotz schwelge ich im siebten Himmel. Zwischen meinem Bett und Elles Liege ist der Kuscheltierzoo gewichen. Statt-dessen steht dort nun ein Höckerchen. Und darauf eine Glasvase. Und darin mein Strauß. Nachdenklich lasse ich meinen Blick über die florale rosa Wolke gleiten. Die Blumen sind wirklich wunderschön, allen voran die Rosen. Wenn es auch keine roten sind, sondern bloß pinke. Allerdings in unterschiedlicher Farbintensität. Das geht von Perlmuttrosa über Schweinchenrosa zu kräftigen Berry-Tönen bis hart an die Grenze zum Himbeerrot. Aber eben doch nicht wirklich rot. Feigling! Aber immerhin, es sind Rosen und ich will mich nicht beklagen. Rosen an und für sich sind schon mal klasse. Es hätte schließlich auch so ein nichtssagendes Kraut wie Astern oder Margeriten sein können. Meine Liebe brennt so heiß wie eine Margerite. Klingt nicht sehr leidenschaftlich. Da sind Rosen ein völlig anderes Kaliber. Immerhin tragen sie den Titel ›Königin der Blumen‹ und zwar unabhängig von ihrer Farbe. Königin ist Königin – selbst in Schweinchenrosa. Basta. Blumen sind wahre Botschafter, oh ja. Was die alles ausdrücken: Art, Form, Farbe, Anzahl …Nun, es hätten ruhig ein paar mehr sein können. Fünf Stück gehen schon ein wenig unter in all dem begleitenden Grünzeug. Aber wer weiß, vielleicht steht die Fünf für etwas ganz Bestimmtes. Vielleicht auch nur für ein knappes Budget. Ich lächle: Der Gedanke zählt! Der Junge, von dem ich ein Kaugummi habe, schenkt mir Blumen. Das ist so fein¬sinnig. Aber hätte er nicht besser anrufen können? Oder meint der etwa, er habe bereits genug gesagt, weil er schließlich ›durch die Blume‹ mit mir gesprochen hat? Ich lasse mich wieder in meine Kissen sinken und hoffe, dass der Magen weniger drückt, wenn ich mich auf den Rücken drehe. Seltsam, wie viel Platz ich heute auf meinem Kopfkissen habe. Da stimmt doch was nicht. Ich taste. Kein Handy! Von blanker Panik erfüllt fummele ich an meinem Pyjama herum. Nichts! Die neckische aufgenähte Tasche direkt über der Herzregion ist leer. Stimmt, ich Esel, ich habe mein Handy ja Joe gegeben! Jede Einzelheit der peinlichen Freya-Beschwörung kommt mir plötzlich wieder in den Sinn und ich laufe mindestens so quietschrosa an wie die Rosen. Also kein Hallofon. Hm. Grummel. Knurr. Andererseits heißt das: genügend Platz. Sowohl auf dem Kopfkissen (hurra, morgens kein rechteckiger Ab-druck mehr in der Wange!) als auch in meinem Pyjama. Offen gestanden herrschte dort ohnehin nie Gedränge: Handy und Brüste hatten reichlich Platz. Bei dem bisschen Oberweite wäre wahrscheinlich noch genug Raum für ein Morsegerät vorhanden gewesen. Aber man muss sich Dinge schließlich schön reden. Sonst würde ich jetzt wahrscheinlich einen hysterischen Anfall erleiden und mich fragen, wie ich ohne Telefonverbindung zu Marc leben soll. Zum Glück bin ich so schlau, unheimlich viele Vorteile in dieser handyfreien Lebensweise zu entdecken. Himmel, ich laufe nun 100% weniger Gefahr, Gen-Schäden, Gehirn-Dysfunktionen, sowie irgendwelche Tumore im Oberstübchen aufgrund von elektromagnetischer Strahlung durch mein Mobiltelefon zu entwickeln. Und das ist bei weitem noch nicht alles! Ich bin akut nicht mehr Burnout gefährdet! Multimediale Ablenkung gehört der Vergangenheit an. Okay, okay, ich konnte mit dem alten Knochen ohnehin nur simsen und wenn’s hochkam telefonieren. Trotzdem. Und das Beste: die 24-stündige Erreichbarkeit ist keine Gefahrenquelle mehr. Dass mich kaum jemand jemals anbimmelte, steht nun wirklich auf einem anderen Blatt. Mensch, hier geht′s rein um die psychische Belastung. Darum, dass man theoretisch verfügbar wäre. Wenn’s denn von anderer Seite gewünscht wäre. Und zwar von irgendeiner anderen Seite – und davon gibt’s viele. Theoretisch. Das ist doch Psychostress pur! Man stelle sich nur mal vor: da sitzt man bei einem gemütlichen Brettspiel-Pizza-Abend mit Mam und Paps und Vinz und bekommt per Anruf in Aussicht gestellt, spontan bei irgendeiner wilden Party aufzukreuzen. Wie soll man sich denn da bloß entscheiden? Nee, was ist das doch für ein herrliches, friedliches Leben so ganz ohne Handy. Jetzt bin ich ›frei‹. Keine Panik-Attacken, wenn ich einen fremden Raum betrete und nicht weiß, ob ich dort überhaupt Empfang hätte. Toll: Keine Stoßgebete, kein stundenlanges Lauschen nach nicht vorhandenem Klingeln, keine imaginären SMS mehr, die ich zumindest in meinem Kopf verfasse. Bockmist, was mache ich denn nun mit der ganzen freien Zeit?


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