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Belletristik
Buch Leseprobe Kuss des Schattenwolfs, Janin P. Klinger
Janin P. Klinger

Kuss des Schattenwolfs



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Prolog Als er ihr zum ersten Mal begegnete, war ihm bewusst geworden, wie viel Macht Liebe besitzt. Nie hätte er gedacht, wie viel er tatsächlich für die Person imstande war zu tun, der seine ganze Liebe galt. Er war im Begriff, denjenigen zu töten, der vor langer Zeit sein Vater, sein Bruder, sein bester Freund und engster Vertrauter gewesen war. Inzwischen sah er in ihm nichts anderes als den Verantwortlichen für all das Leid, all die Schmerzen und Albträume, die ihr widerfahren waren. Er war nicht mehr derselbe wie früher; ein Niemand, ohne Regeln und Pflichten. Die Entscheidung Polizist zu werden hatte sein Leben von Grund auf verändert. Anstatt einen kaltblütigen Mord zu planen, sollte er sich überlegen, wie er den Mann hinter Schloss und Riegel brachte. Doch diese Möglichkeit zog er überhaupt nicht in Erwägung, sondern ging gleich davon aus, dass ihn umzubringen, die einzige Lösung war. Bei dem Gedanken, denjenigen zu töten, der ihm alles beigebracht, ihn zu dem gemacht hatte, der er inzwischen war und ihn vor drei Dutzend Jahren vor dem sicheren Tod bewahrte, empfand er ein merkwürdiges Gefühl. Sein einziger Blutsverwandter würde durch seine Hand sterben. Der Gedanke war merkwürdig, aber erträglich. Kapitel 1 1974, Los Angeles Obwohl er wusste, dass es nicht sein konnte, fühlte sich sein Körper erschöpft an, als er sich auf eine Bank im Park fallen ließ. Er hatte sich ein Versprechen gegeben. Selbst wenn es ihn umbrachte, er musste damit aufhören. Sein Körper zitterte stark, als er sich seufzend zurücklehnte und durch die Haare fuhr, die feucht an seiner Kopfhaut klebten. Er schwitzte gewöhnlich nicht mehr, aber der Entzug brachte alte Gewohnheiten wieder zutage. Wie lange war es nun her? Das letzte Mal, das wirklich allerletzte Mal, bei dem er völlig berauscht gewesen war. Bestimmt zwei Monate. Es kam ihm vor wie eine halbe Ewigkeit. Als er noch ein Mensch gewesen war, hatte er seinen Kummer in Alkohol ertränkt und gedacht, nichts könnte schlimmer sein als dieser elendige Entzug danach. Natürlich hatte er sich gehörig getäuscht. Auf Alkohol zu verzichten, war eine Lächerlichkeit dagegen. Nie hätte er sich ausmalen können, dass es eine andere Art von Entzug gab, die solche Qualen hervorrufen könnte. Qualen, die er in seinen schlimmsten Albträumen nicht erwartet hätte. Und dennoch wollte er nicht aufgeben. Er wollte den Kampf gegen die Sucht gewinnen, sich der Versuchung widersetzen, auch wenn das sein Leben nicht lebenswerter machte. Er existierte nur noch. Wieder verkrampfte er sich für einige Sekunden, es fiel ihm schwer zu atmen, völlig absurd, da er nicht darauf angewiesen war. Dennoch hatte er das Gefühl, als würden seine Adern plötzlich anfangen zu pulsieren. Die Versuchung, die Sucht … „Nein“, fluchte er leise. „Nein, nein, zum Teufel.“ Es war einfach nicht fair, er hatte das alles nicht gewollt. Lieber hätte er weiter sein tristes Dasein ertragen, als mit diesem neuen Leben in einem solchen Zwiespalt zu stecken. Sein Körper zitterte erneut. Es gelang ihm nicht, sich von der Bank zu erheben. Fürchterliche Angst beschlich ihn, die Sorge, dass er nicht stark genug wäre, um der Versuchung zu widerstehen. „Argh“, entfuhr es ihm, als ein erneuter Krampf quer durch seine Eingeweide zog. Diese Schmerzen würde er nicht ewig ertragen. Was bedeutete schon Ewigkeit? An diese Zeitspanne wollte er überhaupt nicht anfangen zu denken. Ohne jegliche Vorwarnung verirrte sich ein bekannter Duft in seine Nase. Es war wie ein Schlag in den Magen. Er wusste instinktiv, womit er es zu tun bekam. „Hey Süßer“, quietschte ihm eine schrille Stimme entgegen. Versuchung … Er blickte auf und sah einer kleinen blonden Frau, Anfang zwanzig, die auf wackligen Beinen in seine Richtung getaumelt kam, entgegen. Sie sah nicht besonders gesund aus, unterernährt, viel zu blass – wenn auch nicht im Vergleich mit ihm – und ihre Kleidung entsprach nicht unbedingt der neuesten Mode, aber das interessierte ihn kaum. Viel ansprechender fand er ihren Geruch, der ihm das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ und ihre von der Kälte leicht geröteten Wangen, die ihm versprachen, dass sich das Verlangen seiner Sucht stillen ließ … „Oh, verflucht“, knurrte er, wandte den Blick ab und versuchte, sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Er musste widerstehen. Schließlich war es sein letztes Mal gewesen – für immer. „Binni etwa so unattraktiv, dass du mir nich ma in die Augen schauen wills?“, fing die Blonde nun auch noch zu quengeln an. Sie war eindeutig betrunken. Eine Stimme in seinem Kopf schrie: Nutze deine Chance! Sie wird es kaum spüren. Dagegen sagte sein Verstand: Du kannst ihre Lage nicht einfach so ausnutzen. „Wieso sitzt’n mitten inner Nacht auf ’ner Parkbank?“, fragte sie und begann zu kichern. Er schwieg. Zu einer Antwort war er nicht fähig, da seine gesamte Konzentration der Aufgabe galt, ruhig sitzen zu bleiben. Nochmals durchzog seinen Körper ein quälender Schmerz, als er kurz einatmete. Er versuchte, ihn zu ignorieren. Als der Druck in seinem Magen nachließ, blickte er nach oben, der Blondine direkt in die glasigen Augen. Wahrscheinlich hatte sie mehr als bloß Alkohol intus. „Gaff mich nich so lüstern an“, sagte sie nun leise, rührte sich aber immer noch nicht vom Fleck. Dies war der falsche Ort und die falsche Zeit für diese Frau, vielleicht hatte es ihr Schicksal so gewollt. Er musste sie nicht verletzen, er könnte vorsichtig sein … Zitternd richtete er sich auf, ohne den Blick von ihr abzuwenden. Atmete tief ein. Ihr Blut roch süß, verführerisch, als wollte es ihn locken, wie eine Blume eine Biene anlockt. Der brennende Schmerz in seiner trockenen Kehle war immer noch da, aber da er den Widerstand aufgegeben hatte, übertrumpfte ihn ein Gefühl der Vorfreude. Das Zittern seines Körpers ließ nach, er fühlte sich lebendiger, bereit, sein Opfer zu jagen. „Verdammt.“ Diesmal war sein Knurren tief, was die Blondine aufschrecken ließ. Seine Adern pulsierten quälend vor sich hin, während sie die Augen aufriss und einen Schritt nach hinten machte. Zeitgleich mit ihrer Geste erreichte ihn auch ihre körperliche Reaktion. Es mischte sich eine herbe Duftnote bei, der Geruch der Angst, den er inzwischen gut kannte. Es stachelte ihn noch mehr an. Er leckte sich die Lippen. „Du Irrer!“, schrie sie und stolperte bei dem Versuch zu fliehen. Zähneknirschend packte er sie am Arm. Seine letzten Kraftreserven sammelnd, stieß er sie hinter der Bank zu Boden, sodass die Beleuchtung der nächsten Straßenlaterne keine Chance hatte, sie mit ihrem Lichtkegel einzufangen. „Ahhhh…“, schrie die Frau, aber eine Sekunde später dämpfte seine Handfläche ihre Schreie. Sein Verstand rebellierte, sein Körper jedoch war nun voll in Fahrt. Er nahm einen weiteren Atemzug und seine Bedenken waren vollkommen vergessen. „Scheiß auf das Versprechen. Selbst schuld, wenn du dich nachts an fremde Kerle ranschmeißt“, flüsterte er seinem Opfer zu, das ihn mit panischen Blicken fixierte. Hoffnungslosigkeit machte sich auf ihrem Gesicht breit und er wusste, dass es berechtigt war. Heute Nacht hatte sie Pech gehabt. Heute Nacht würde er es ein letztes Mal tun. Ein allerletztes Mal. Dann überzog ein Lächeln seine Lippen, er beugte sich völlig berauscht über die Blondine und ergab sich seiner Sucht. Seiner unendlichen Gier.


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