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Belletristik
Buch Leseprobe Kurz gesagt:, I. Kuschnir
I. Kuschnir

Kurz gesagt:


Es tut mir leid und Tschüss

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In jeder freien Minute mussten alle für  „Volk und Vaterland“ Opfer bringen. Seidenstrümpfe  wurden mit der Nähmaschine aufgeribbelt und gespult.  Daraus wurden äußerst haltbare und warm haltende Socken für die Soldaten in Afrika hergestellt. An einem Sonntag vor Ostern wurden jüdische  Kinderbücher verbrannt. Der Bombenkrieg wurde immer  intensiver. Der Mutter bot man im Deutsch-Evangelischen- Frauenbund an, ihre Mädchen nach Königsberg zu einer unbekannten Familie zu schicken.  Sie nähte ihnen noch je ein luftiges Sommerkleid. Zum Gepäck gehörten zwei kleine Koffer und eine kleine  Hängematte. Diese wurde noch schnell zwischen zwei Gepäcknetzen festgebunden, um darin schlafen zu können. Eines der Mädchen  schlief in der Hängematte und die andere passte auf das  Gepäck auf. Eilig wurden sie einer fremden Frau, die bis Berlin  fuhr, anempfohlen. In Berlin half ihnen ein Großonkel beim  Umsteigen. In der U-Bahn stand für sie ein  gekennzeichneter Jude auf. Gisela wollte das nicht, doch  solange ein Deutscher stehen musste, durfte kein Jude sitzen.  Nach Königsberg fuhren die Züge sehr langsam. Tag und  Nacht wechselten mehrmals. In Königsberg angekommen,  froren sie schrecklich in den dünnen Sommerkleidern. Sie  sahen niemanden, der sie abholen wollte. Etwas entfernt  schaute ein großer Mann abwechselnd auf zwei Passbilder in seinen Händen,  kam auf die beiden zu und fragte, ob sie nach ihrem Nachnamen   die „Mäuse“ seien. Es war Herr Professor Köhler -  ein Zoologe. Immerhin besser als ein Pharmazeut, der sich  mit Tierversuchen befasste, dachte Hildegard bei dem Ausspruch: „Mäuse“. Zuhause beim Professor bekamen sie zum Essen glitschige Graupen und das Hausmädchen steckte ihnen, dass  das einfache Essen ein Benimmtest sei. Gisela half Hildegard  dabei, das Kotzessen trotz innerem Protest bei sich zu behalten.  Anschließend begutachtete der Professor die Füße der Kinder. Bei  Gisela sah man, dass der 2. Zeh länger als der große Zeh  war. Das galt als edel. Hildegards Füße waren natürlich normal  unedel. Sie fühlte sich wie der fast nackte Papagei. Zwei bis  drei Federn hatte er noch. Herr Professor Köhler brachte ihn  aus dem Zoo mit, um ihm das Leben zu erhalten. Zudem  konnte der Papagei fantastisch sprechen. Zur Begrüßung und  zum Leid des Professors konnte er deutlich «Heil Hitler»  rufen. Wurden am Tisch Schauermärchen erzählt, drehte er  den Kopf nach rechts und links und sagte: «So, so?!» Seit  der Herumfüßelei des Professors, stand er mit Hildegard auf  Kriegsfuss. Da sie  Probleme mit den Polypen hatte, sagte  sie z.B. Leil statt Nein. Da Hildegard mehr aus dem Mund als aus  der Nase atmen musste, sagte er einmal beim Essen: «Mach  endlich die Schnauze zu und friss.» Da er Professor war,  benutzte er immerhin den korrekten Imperativ. Frau Doktor achtete auf  Sauberkeit und schloss von sich auf andere. Sie schrieb oben als Überschrift auf die leichte Staubschicht des Spiegels der Mädchen: «SAU». Die Mädchen  baten sie, ihnen das noch einmal vorzulesen, weil sie es scheinbar zu undeutlich geschrieben hatte. Dazu  stellte sie sich direkt unter dem Geschriebenen und die beiden sagten zu  der jetzt passenden Überschrift: «Ach so, jetzt stimmt es.», und kicherten leise dabei. In  Bremen staubte es mächtig. Eines Tages rief Frau  Doktor die beiden in ihr Büro, um ihnen aus dem Brief ihres Vaters vorzulesen. Am  Ende hieß es da: «Wir besitzen noch ein Radio, zwei Gläser  und einen kleinen Schrank.» Das Elternhaus wurde durch eine  Bombe samt Staub weggeblasen.


 


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