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Belletristik
Buch Leseprobe Küss mich, Schweinchen, Angela Weinmann
Angela Weinmann

Küss mich, Schweinchen



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„Scheiße.“ Sie kennen einen dieser Tage? An dem Sie aufstehen, die Knochen knacksen, die Pantoffel kilometerweit entfernt liegen, der Fußboden verdammt kalt ist und der Wecker sich nicht mit ihrer Meinung von einer Uhrzeit, die sich zum Aufstehen lohnt – also ungefähr drei Uhr Nachmittags – abfinden möchte? Ich fürchte, genau das ist einer dieser Tage. Müde brummend hieve ich meinen heute nicht vorhandenen Astralkörper aus dem Bett und tippt mit einer Zehe auf den Boden. Kalt. Nein. Saukalt. Aus zugeschwollenen Augen schiele ich nach einem Paar Socken, das hier doch laut meiner letzten Erinnerung des Abends irgendwo abgeblieben sein musste. Falsch gedacht. Die liegen neben der offenen Schlafzimmertür. Jedenfalls einer davon. Warum ist eigentlich diese Tür nicht zu? Langsam aber sicher dämmert mir, das das letzte Glas Rotwein doch nicht die erfolgreiche Wirkung auf die ich hoffte, auf meinen Körper hatte. 3 Wenn ich mich genau entsinne, war das Letzte, an das ich mich erinnere: „Hallo – Boden:“ Still halten - abwarten ob der Kopf dröhnt. Kurzes Hin – und Herschenken. Nein. Das erwartete Hämmern bleibt aus. Guter Wein – den trinken wir wieder. Hm, wenn ich es mir so recht überlege, ist das Bett schon noch angenehm warm. Die teure Ralf Lauren Bettwäsche, die ich mir zum Geburtstag geleistet habe – ein ganz schön ansehnliches Teil. Ein weiterer Grund, im Bett zu bleiben. Grunzend haue ich mein Kissen in die richtige Form und bette meinen Kopf auf diesem wunderbaren Ralf Lauren - Muster, ehe mein Blick auf den Wecker fällt. Ganz plötzlich – und für mich völlig untypisch- sind die geschwollenen Augen hellwach und greifen nach dem Telefonhörer, der wie immer griffbereit für Notfälle neben dem Bett liegt. Notfälle? Ja auch Verschlafen gilt als Notfall! Kurz die 1 auf der Kurzwahltaste gedrückt und schon wählt dieses tolle Hightechteil, das mir der nette Saturnverkäufer aufs Auge gedrückt hat. Tut. Tuuut. Tuuuuut. Oh. Musik klingt an mein Ohr. So macht das Telefonieren doch gleich noch mehr Spaß. Culcha Candela am Morgen, das vertreibt Kummer und Sorgen. Gerade als ich in einen lauten Hinternwackelnsingsang verfallen wollte, meldete sich jemand am anderen Ende. „Lass mich raten. Der Rotwein ist schuld. Oder die Katze?“ Die Katze – das ist der falsche Ausdruck für das Vieh, das sich mein Mitbewohner schimpft. Socke- die Katze- ist ein leibhaftig gewordenes, auf vier Pfoten schreitendes, flauschiges Fellmonster. „Äh, wenn ich sage die Katze ist schuld- glaubst du mir dann?“ schnurre ich in den Hörer und versuche, so wenig verkatert wie nur irgendwie möglich zu klingen. „Ich kenne das Vieh. Und ich kenne dich. Wie weit bist du?“ Jeder andere würde nun auf einen glorreichen Wutanfall warten – ich hörte jedoch den schmunzelnden Unterton meiner besten Freundin. „Ralf Lauren ist ein toller Designer?“ Ducken und weg – das wäre jetzt wohl die Devise. „Du LIEGST NOCH IM BETT?!“ Kreischen. „Äh, nein. Eigentlich sitze ich im Bett.“ Hey. Das sind Tatsachen. „Frau, hiev deinen Hintern aus Ralf Lauren und beweg ihn sofort in Richtung Badezimmer. Und zwar Rápido. Maldita sea rápida. Ich sehe ich in einer Halben Stunde im Laden.” “Eine halbe Stunde? Ich dachte du kennst mich!” jammere ich. Es sollte vorwurfsvoll klingen. Nun ja. Verbittert traf es eher. “Halbe Stunde, Elise. Eine Halbe Stunde. Ich sperre auf.” Bevor ich etwas erwidern konnte, hatte sie aufgelegt. Tief durchatmen, den Hörer böse anstarren, jammernd vor mich hin brummen, raus aus dem Bett. Es half alles nichts. Ich schlug die Bettdecke zurück und spürte den kalten Hauch auf meinen nackten Beinen. Ja- es war kalt. Verdammt kalt. Miaauuu. Ein gefrässiges Fellvieh saß in der Tür und beobachtete mich aus grünen Katzenaugen. “Was? Du etwa auch noch?” Ich bekam ein wütendes Maunz zur Antwort. Soll heißen: Beweg deinen Hintern aus dem Bett und füttere mich gefälligst. Noch ein letzter Blick auf die Uhr, ein kurzer bemittleidenswerter Schluchzer für die Nachwelt – und ich sprang aus dem Bett. Für solche Tage hatte ich ein Notfallpaket zusammengestellt. Im Badezimmer lagen die “Der Tag Danach” Klamotten, die Kopfschmerztabletten, die Kreislauftropfen – ja solche Tage gab es auch- und das sündteure “Ich verdecke auch Krampfadern im Gesicht” Make Up. So konnte nichts schief gehen. Ich sprang unter die Dusche und startete das allmorgendliche Wechselduschenquälprogramm. Mit nassen Haaren und einem etwas besseren Gefühl stand ich vor meinem übergroßen Badezimmerspiegel – der mir jeden Tag aufs Neue zeigte das auch ich nicht jünger werde. Großartiges Gefühl frühmorgens – kurz nach Acht. Irgendwie fehlte mir heut die Zeit, mir große Gedanken über das Styling meiner Haare zu machen. Also, kopfüber hinstellen, Föhn rein und los gehts. Jedes Mal versuchte ich meinem Friseur verständlich zu machen, das ich eine Frisur brauchte, die schnell und einfach zu handhaben war. Also im Klartext: Raus aus der Dusche, Föhn anschmeissen und ich sehe aus wie Cindy Crawford. Ich verstand das – aber irgendwie kam das bei meinem Friseur immer falsch an. Glaubte ich zumindest. Blinzelnd starrte ich den Muff, den ich nun auf meinem Kopf trug, an. Das war schon mal nix. Haarband schnappen, schnell einen reizenden Zopf geschwungen, und die Welt sah schon anders aus. Man konnte mir viel nachsagen: Aber Elise Pila war mit Abstand die Schnellste im Guten-Morgen Tagesmake-Up auflegen. Ein paar Minuten später schlüpfte ich in die Hose meines neuen tollen Bon Prix Hosenanzugs, der meinen etwas in die Breite geratenen Hintern schön versteckte und so nebenbei ein “Ich bin der Chef” Gefühl vermittelte. Ich bemerkte etwas verwirrt einen blauen Fleck an der Hüfte, verschob aber die Ursachenforschung auf später. Schnell in die weinrote Bluse geschlüpft, Knöpfe eingehakt, Blazer übergeworfen und ab in die Küche. Dort fütterte ich in windeseile das Fellvieh, streichelte kurz über den schnurrendbebenden Rücken und rannte weiter in den Flur. Frauen und ihr Schuhproblem – ich hatte beschlossen, mich dort raus zu halten. Ich war stolze Besitzerin eines “Alltagsstiefelpaares”. Ein Paar Stiefel für alle Gelegenheiten. Ob Beerdigung oder Hochzeit – egal- die passten immer. Solche morgendlichen überstürzten Aktionen hatten meistens den Nachteil, das ich irgendetwas vergas. 4 Leider fiel mir meistens nicht gleich auf die Schnelle ein, was es sein könnte. Später. Frauen lieben Schuhe! Das mag stimmen- aber ich fiel hier dezent aus dieser Allerweltsregel. Denn ich hatte mein Herz an etwas verloren, das eigentlich nur Männer ihr Baby nennen: Mein Auto. Ja ich gehörte zur seltenen Spezies der Autoliebenden, sich nicht in Bikini und Schaum auf der Motorhaube räkelnden, Frauengesellschaft. Das Piepen des automatischen Türöffners, das Gefühl sich auf den völlig überteuerten Ledersitz gleiten zu lassen, das Schnurren des startetenden Motors .. Ja ... das brachte das Trafohäusschen in mir zum Brummen. Ich gebe zu: Ich liebte mein Auto. Mein Auto war mein Leben. Und was ich am allerbesten an meinem Auto fand: Es war schnell. Verdammt schnell. Für mich, als etwas rasante, und zugegeben, oftmals wütende Fahrerin ein absolutes Muss. So schlängelte ich mich auch heute wieder durch den schrecklichen Verkehr in den Morgenstunden und konnte es mir nicht nehmen lassen, den hutragenden Opa mit der bestrickten Klopapierrolle auf der Kofferaumablage wüstestens zu beschimpfen. Ich brauchte das für mein inneres Gleichgewicht. Scheiß auf Karma.


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