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Buch Leseprobe Kleine Seele du sollst gehorchen, Stefan Lamboury
Stefan Lamboury

Kleine Seele du sollst gehorchen



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Der blaue VW Bulli fuhr auf den Hof. Durch das vergitterte Fenster auf der Laderampe konnte Anna die grauen Baracken sehen. Erst vor drei Stunden hatte Anna ihren Vater und ihre Mutter durch einen Unfall verloren, Verwandte hatte sie nicht. So war sie in die Obhut des Staates gekommen. Die Fahrt zum Heim war ihr wie eine Ewigkeit vorgekommen. Was würde sie hier erwarten? Ihre Eltern waren streng gewesen aber gerecht. Anna sah zwei Mädchen, welche unter Aufsicht einer Ordensschwester den Hof fegten. In ihrer rechten Hand hielt die Nonne einen Stock, mit dem sie ihrer Forderung nach Gründlichkeit falls nötig auch Nachdruck verleihen konnte. Mit einem Ruck kam der Wagen zum Stehen. Ein großer Mann vom Jugendamt öffnete die Hintertür des Bullis und sagte:“Aussteigen!“


 


Anna griff sich ihren Jutesack und stieg aus. Eine Ordensschwester nahm Anna in Empfang und sagte:“Guten Tag, mein Name ist Schwester Susanne. Willkommen im Haus der Hoffnung. Wie ist dein Name?“


 


„Anna Müller.“


 


„Geburtsdatum?“


 


„24.03.56.“


 


„Laut dem Jugendamt hast du deine Eltern bei einem Autounfall verloren, stimmt das?“


 


Anna nickte.


 


„Folge mir, ich bring dich zur Oberschwester.“


 


Anna folgte Schwester Susanne durch den dunklen Flur. Kahle Wände, der Boden war mit grauen Fliesen ausgelegt. Die Schwester führte Anna in ein Büro. Eine junge Frau Anna schätzte sie auf knapp über 20 Jahre saß an einem Schreibtisch und tippte etwas auf ein Blatt Papier. Eine Tasse dampfender Kaffee stand neben der Schreibmaschine. Das Knattern der Schreibmaschine und das Zurückfahren des Schlittens waren das einzige Geräusch in diesem Raum.


 


„Guten Tag ich bin Anna.“, sagte Anna.


 


Die Dame sah von ihrer Arbeit auf und schenkte Anna einen vorwurfsvollen Blick. Anna hörte Stimmen aus dem Raum gegenüber. Ein braune Tür aus Eichenholz verschloss das Zimmer. Anna sah sich um. Die Wände waren weiß und kahl so wie der Flur, durch den sie gekommen war. An der Wand hinter der Frau mit der Schreibmaschine hing ein Bild von Jesus Christus und seinen Jüngern. Das musste das letzte Abendmahl sein, schätzte Anna, sie hatte davon im Religionsunterricht gehört. Das war der Abend gewesen, an dem Judas seinen Bruder Jesus an die Römer verraten hatte. Sie wusste nicht wie lange sie gewartet hatte, aber Anna kam es wie eine Ewigkeit vor, bis sich die Tür öffnete und Schwester Susanne sagte:“Komm rein!“


 


Der Ton in ihrer Stimme erschreckte Anna, es war einer jener Töne, die keinen Widerspruch duldeten. Anna ging an Schwester Susanne vorüber und betrat den Raum.


 


Das Büro wirkte im Vergleich zum Rest des Hauses warm und angenehm. Der Boden war mit Teppich ausgelegt, ein schwarzer Schreibtisch stand in der hinteren Ecke des Raumes. Auf dem Schreibtisch lag eine Akte, ihre Akte. Eine beleibte Person um die vierzig saß dahinter und schien fast den gesamten Platz hinter dem Schreibtisch auszufüllen. Von der Decke hing eine staubige Messinglampe herab. Hinter der Person stand ein Regal auf dem sich Aktenordner und Klemmbrettmappen stapelten. Eine Akte lag auf dem Schreibtisch vor ihr.


 


„Wie ist dein Name?“, fragte die Schwester.


 


„Anna Bäcker.“


 


„Wann bist du geboren worden?“


 


„24.03.56“


 


„In der Akte vom Jungendamt steht, dass du deine Eltern bei einem Autounfall verloren hast.“


 


Anna nickte. Eine Träne lief ihre Wange hinab.


 


„Ich werde dir jetzt die Regeln erklären, höre gut zu, denn ich erkläre sie dir nur einmal hast du verstanden?“, fragte die Nonne.


 


Anna nickte.


 


„Meine Name ist Schwester Ruth, ich bin die Oberschwester hier und leite das Kinderheim. Um 4:15 Uhr steht ihr auf, ihr habt eine Viertelstunde Zeit euch zu waschen, anzuziehen und eure Betten in Ordnung zu bringen. Ich dulde keine Verspätung hast du verstanden?“


 


„Ja Schwester Ruth.“


 


Um 4:30 Uhr geht ihr auf den Hof, ihr mistet den Schweinestall aus und fegt den Hof. Ihr werdet die Tiere füttern und ihnen frisches Wasser geben. Wir haben Hühner, Schweine und Kühe. Außerdem werdet ihr den Boden bohnern und den Tisch eindecken. Wenn ihr fertig seid, wird eine der Schwestern eure Arbeit kontrollieren. Falls ihr die Arbeit nicht ordnungsgemäß erledigt habt, müsst ihr noch einmal anfangen. Dafür habt ihr Zeit bis um 6:15 Uhr. Um halb sieben gibt es Frühstück. Das Frühstück ist um 7:00 Uhr beendet, danach wird der Tisch abgeräumt und das Geschirr gespült. Um 7:45 Uhr geht ihr auf das Feld Unkraut jäten, Gemüse anbauen, den Hof fegen und den Rasen kürzen. Um 12 Uhr gibt es Mittagessen. Um 1:00 räumt ihr den Tisch ab und wascht das Geschirr. Anschließend 2:00 geht ihr zum Gottesdienst, danach also um drei werdet ihr in der Bibel lesen und den Rosenkranz beten bis um 4: 00 Uhr. Anschließend werden die Ställe ausgemistet und die Tiere versorgt. Um 5:00 Uhr waschen der schmutzigen Wäsche. Um 7: 00 Uhr Abendessen, anschließend Tisch abräumen, beten, abwaschen und ins Bett verstanden?“


 


„Ja Schwester Ruth.“


 


„Ihr dürft dreimal täglich auf die Toilette, morgens um sechs, mittags um zwei und abends nach dem Abendessen. Mittags dürft ihr das letzte Mal ein Glas Wasser trinken, danach gilt absolutes Trinkverbot verstanden?“


 


„Ja Schwester Ruth.“


 


„Es wäre besser für dich, wenn du dir diesen Tagesablauf gut einprägst. Am Sonntag werden wir morgens um neun in den Gottesdienst gehen, dann werden wir den Rosenkranz beten und aus der Bibel lesen. Anschließend geht jedes Kind von euch zur Beichte und wage es ja nicht der Beichte fernzubleiben. Noch etwas du darfst diese Mauer nur in Begleitung einer Ordensschwester verlassen? Solltest du diese Regeln brechen, wird dir der Rohrstock oder die Peitsche die Regeln beibringen verstanden?“


 


Anna zuckte beim Klang der Wörter Peitsche und Rohrstock zusammen. Eine Ohrfeige ließ sie aufschreien.


 


„Ob du mich verstanden hast? Antworte gefälligst du kleines ungezogenes Luder.“


 


„Ich habe Sie verstanden Schwester Ruth.“


 


„Jeden Montagmorgen müsst ihr euch nach dem Gottesdienst beim Arzt vorstellen, wir wollen doch nicht dass ihr krank werdet.“


 


Schwester Ruth lachte.


 


„Jetzt leere den Jutesack, ich will sehen was ist da drin?“, sagte Schwester Ruth.


 


Anna zog eine große Plastikpuppe hervor, als sie das Spielzeug auf den Schreibtisch legte, gab die Puppe ein Geräusch von sich. Die Ordensschwester riss die Augen auf und sagte:„Du meine Güte was ist denn das?“


 


„Ich habe die Puppe letztes Jahr von meiner Mutter zu Weihnachten bekommen, das Kleidchen, welches die Puppe anhat, habe ich selbst genäht.“


 


Schwester Ruth ergriff das Spielzeug, sah es ein paar Sekunden an und legte es anschließend auf den Boden. Sie trug Puppe auf den Zettel ein, der vor ihr lag und sagte:„Wenn du entlassen wirst, erhältst du sie wieder, so lange du jedoch hier bist, wird sie von uns verwahrt, verstanden?“


 


Anna schluckte, ihre Augen füllten sich mit Tränen, doch sie nickte. Die Puppe war in ihren Augen ein Erinnerungsstück, das einzige Erinnerungsstück von ihren Eltern. Das jetzt den Weg in einen Abstellraum oder Keller fand, wo es bis zu ihrer Entlassung einstaubte.


 


„Gut und jetzt folge Schwester Susanne, Sie wird dich zum Arzt bringen, wir wollen uns hier keine Keime einfangen.“


 


„Gib mir deinen Jutesack.“, sagte die Ordensschwester.


 


Anna überreichte ihr den Sack mit ihren wenigen Habseligkeiten.


 


Die Oberschwester leerte den Inhalt auf ihrem Schreibtisch aus. Ein Teddy, eine kleine Stoffpuppe und ein verblichenes Foto ihrer Eltern waren sein einziger Inhalt.


 


Ruth schlug Annas Akte auf und trug die Habseligkeiten ein.


 


„In diesem Heim, ist jeglicher persönlicher Besitz verboten. Wir werden deine Sachen in Verwahrung nehmen, wenn du hier entlassen wirst bekommst du sie wieder hast du verstanden?“


 


Anna blickte auf ihren Habseligkeiten, welche die Nonne wieder in den Sack stopfte. Sie schluckte. Sie schloss die Augen, sie spürte wie Tränen in ihre Augen kriechen wollten, als die Oberschwester das Bild ihrer Eltern an sich nahm, doch es gelang ihr in letzter Sekunde die Tränen zurückzudrängen.


 


Anna nickte.


 


Schwester Susanne führte Anna einen langen tristen Korridor entlang. Die Wände waren weiß und kahl. Die Türen waren aus dunkelbraunem Eichenholz, die Türrahmen waren weiß gestrichen. Neben den Türen stand ein Schild mit einer Nummer darunter war der Name der Ordensschwester vermerkt, der dieses Büro gehörte. Die Schwester bog rechts ab, es ging durch eine hölzerne Schwingtür in einen weiteren Gang, der ebenso trostlos aussah wie der Rest. Anna warf einen Blick durch das Fenster, ein hauseigener Friedhof schien auf der anderen Seite des Gebäudes zu liegen. Anna erschrak, was waren das für Gräber? Die Nonne führte Susanne durch das Treppenhaus einen Stock höher. Medizinischer Dienst stand in großen goldenen Lettern auf einem Schild über der Brandschutztür. Die Nonne stieß die schwere Eisentür auf und trat in den Gang, während Anna ihr folgte. Sie klopfte an.


 


„Ja bitte.“, rief eine Stimme auf der anderen Seite.


 


Schwester Ruth stieß die Tür auf und sagte:“Der Neuzugang ist da.“


 


„Der Neuzugang soll reinkommen und geradeaus durchgehen ins Behandlungszimmer der Doktor kommt sofort.“, sagte eine Frauenstimme.


 


Ein Mädchen etwa in ihrem Alter huschte wortlos an Anna vorüber. Ihr Gesicht war bleich und ihre Augen ausdruckslos.


 


„Die Nächste!“, erschallte eine Stimme auf der anderen Seite des Raumes. Anna trat mit klopfenden Herzen ein.


 


Eine Frau um die 40 saß im Sprechstundenzimmer.


 


„Du bist die Neue Anna Müller?“, fragte die Sprechstundenhilfe.


 


„Ja.“, sagte Anna.


 


Geradeaus durch den weißen Vorhang, das ist das Behandlungszimmer du kannst schon durchgehen und dich freimachen. Die Frau Doktor kommt gleich.“


 


Anna tat was ihr aufgetragen wurde.


 


Ein ältere Dame Anna schätzte sie um die 50 betrat den Raum. Die Frau trug einen weißen Kittel und hatte ein Stethoskop um den Hals hängen. Die Ärztin sah in Annas Akte, dann kam sie auf Anna zu um sie abzuhorchen.


 


„Tief einatmen.“


 


Anna tat was man ihr auftrug.


 


„Umdrehen und noch einmal einatmen.“


 


Anna atmete ein.


 


„Okay Mund auf!“


 


Anna öffnete den Mund, worauf die Ärztin ihr einen Holzstiel auf die Zunge legte und mit einer Taschenlampe in ihren Rachen leuchtete. Anschließend leuchtete die Ärztin Anna mit der Taschenlampe ins Gesicht und sagte: „Bitte einmal dem Lichtkegel folgen.“


 


Annas Augen verfolgten den Lichtkegel.


 


„Gut, ich nehme dir ein wenig Blut ab, also streck deinen Arm aus und mache eine Faust.“


 


Anna hielt der Schwester ihren Arm hin, als die Krankenschwester ihren Arm mit einem feuchten Wattebausch betupfte und die Nadel ansetzte. Anna schloss die Augen, sie mochte und sie konnte kein Blut sehen, wenn sie Blut war wurde ihr schlecht. Das Herz in ihrer Brust schlug schneller und Schweißperlen bildeten sich auf ihrer Stirn. Sie hatte keine Lust vor dieser Krankenschwester in Ohnmacht zu fallen. Sie spürte ein leichtes Kältegefühl auf ihrer Haut, gefolgt von einem Stich.


 


„Alles schon vorbei und jetzt geht es zum wiegen.“


 


Anna stellte sich auf die Waage. Die Krankenschwester notierte ihr Gewicht und reichte ihr einen kleinen Plastikbecher.


 


„Voll machen.“, sagte die Krankenschwester und deutete auf einen Vorhang.


 


Anna ging hinter den Vorhang, zog ihre Unterhose hinab und ließ es in den Becher laufen. Sie zog ihre Hose wieder hoch, trat hinter den Vorhang hervor und reichte den Becher der Schwester.


 


Die Schwester betrachtete Anna von oben bis unten und notierte etwas auf ein Stück Papier.


 


„Zwei Tabletten Chlorphomazin jeweils Morgens und Abends.“ sagte die Krankenschwester.


 


„Ich bin nicht krank, ich brauch keine Tabletten.“, sagte Anna.


 


Eine schallende Ohrfeige war die Antwort.


 


„Halt den Mund, du tust was wir sagen, wenn wir es sagen. Wenn wir sagen du brauchst Chlorphomazin, dann benötigst du Chlorphomazin. Hast du verstanden? Du bist hier um zu gehorchen, das wäre besser für dich.“, sagte die Nonne und drückte ihre Finger so fest auf Annas Schulter, dass sie fast in die Knie gegangen wäre.


 


Anna nickte.


 


„Du kannst dich anziehen. Schwester Susanne bringt dich zur Kleiderkammer.“, sagte die Ärztin.


 


Was hatte das alles zu bedeuten? Warum brauchte sie Medikamente? Sie hatte nie Medikamente gebraucht ihr ganzes Leben lang nicht. Die Schulter wo die Schwester sie angefasst hatte schmerzte. Eines war Anna in dieser Sekunde klar geworden, hier musste sie parieren, wenn sie es nicht tat, würde man ihr schreckliches antun. Schweigend folgte Anna der Nonne zu den Sanitäranlagen.


 


„Hier kannst du dich duschen und beeil dich, ich habe heute auch noch etwas anderes zu tun!“, sagte Schwester Susanne.


 


Schweigend betrat Anna den Duschraum, er war groß, viel größer als die Dusche die sie zu Hause besessen hatten. Zwölf Duschköpfe hingen an den Wänden. Auf einer Ablage, die an der Wand hing, stand ein Tube Shampoo und ein Stück Kernseife. Graue Fließend zierten den Boden und die Wände. Ein Neonstrahler tauchte die Duschkabine in gleißendes Licht. Anna zog sich aus und drehte den Duschkopf auf, heißes Wasser ergoss sich auf ihrer Haut. Für einige Sekunden schloss sie die Augen, dass alles kam ihr wie ein böser Traum vor. Wahrscheinlich würde sie gleich erwachen, ihre Mutter würde neben ihrem Bett sitzen und ihre Wange streicheln. Alles wäre gut, und das Heim und die Nonne wäre ganz weit weg. Anna seifte sich ein, eine Träne lief ihre Wange hinab. Sie war gerade sich die Haare auszuspülen als die Nonne die Tür aufstieß und schrie:“ Bist du endlich fertig, raus da oder ich mach dir Beine!“


 


Anna fuhr herum.


 


„Sofort Schwester Susanne. Bitte nur noch eine Minute.“


 


„Nichts da, du hast lange genug geduscht.“, sagte die Nonne und kam auf Anna zu. Anna fuhr vor Schreck einige Schritte zurück. Anna biss die Zähne zusammen, als Schwester Susanne ihr Handgelenk ergriff und sie aus der Dusche zerrte.


 


„Trockne dich ab und zieh dich an, hier wird nicht gepennt.“, sagte Schwester Ruth. Anna zuckte beim Ton ihrer Stimme zusammen. Sie erhielt eine weitere Ohrfeige, der Abdruck von Schwester Ruth Fingern zeichnete sich deutlich auf ihrer linken Wange ab.


 


Anna wich ein paar Schritte zurück, als die Nonne auf sie zukam. Sie zitterte. Sie blieb wie angewurzelt stehen, als sie die kalten Fliesen der Gemeinschaftsdusche spürte. Anna zitterte, sie sah der Nonne genau in die Augen. Anna lief ein kalter Schauer über den Rücken und ihr Herz pochte wie wahnsinnig. Die Nonne kam langsam auf sie zu. Für Anna sahen die Augen aus, wie die eines gefährliches Raubtieres, welches sich gerade darauf vorbereitet, auf seine Beute zu springen, um sie zu Boden zu reißen. Anna presste sich so gut sie konnte gegen die Fliesen, sie konnte sich noch an die Zeit erinnern, als sie Nachts immer Angst vor dem schwarzen Mann hatte, ihre Mami hatte sie dann immer liebevoll in die Arme genommen und sie in ihrem Bett schlafen lassen. Mami hatte ihr erzählt, dass es keinen schwarzen Mann gab und der nur in ihrer Fantasie existiert. Mami hatte recht, es gab keinen schwarzen Mann, es gab eine schwarze Frau. Anna hatte die Augen weit aufgerissen, als die Nonne sie an den Haaren packte und durch den Duschraum schleuderte. Ein stechender Schmerz schoss in ihr Steißbein, als sie gegen die Fliesen stieß.


 


„Dir werde ich helfen, du wirst schon noch lernen, dass du zu parieren hast.“, sagte Schwester Susanne und kam abermals auf sie zu. Annas Augen füllten sich mit Tränen, sie zitterte am ganzen Körper, als Schwester Susanne das Mädchen an den Haaren packte und zum Waschbecken zerrte. Anna schrie. Annas Herz klopfte wie wahnsinnig, ihre Nackenhaare richteten sich langsam auf, als sie sah wie Schwester Susanne den Stöpsel ins Waschbecken steckte und den Wasserhahn aufdrehte. Was hatte die Nonne mit ihr vor? Was sollte sie tun, sollte sie schreien? Um Hilfe rufen?


 


„Nein bitte, ich bin ja schon fertig.“, sagte Anna.


 


„Das wäre auch besser für dich, trotzdem wird es Zeit, dass ich dir einen Lektion erteile, du bist hier um zu gehorchen, nicht mehr und nicht weniger und das werde ich dir jetzt beibringen.“, sagte Schwester Susanne.


 


Anna schluckte. Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in Schwerster Susannes Gesicht.


 


 Die Erzieherin packte ihren Kopf und presste sie mit dem Gesicht voran ins eiskalte Wasser. Luftblasen stiegen aus dem Wasser empor.


 


Wie lange war sie bereits unter Wasser? Zehn Sekunden oder zwanzig? Schwester Ruth zog sie an den Haaren aus dem Waschbecken. Anna keuchte und rang nach Luft.


 


„Am Besten ist es, wenn du noch einmal tief Luft holst.“, schrie die Nonne, worauf sie Anna abermals mit dem Gesicht voran ins Waschbecken drückte. Blasen stiegen aus dem Wasser auf. Anna zappelte und versuchte sich aus dem Griff der Nonne zu befreien, aber sie hatte keine Chance. Mit der linken Hand ergriff sie Annas Hände und hielt sie hinter ihrem Rücken zusammen. Von Minute zu Minute wurde Annas Gegenwehr schwächer, bis sie nach einiger Zeit aufhörte sich gegen Schwester Susannes Angriff zu wehren. Bilder tauchten vor Annas geistigem Auge auf, Bilder wie sie mit ihren Eltern und Geschwistern Weihnachten gefeiert hatten. Wie sie auf Papas Schoß gesessen und mit ihm gemeinsam Lieder gesungen hatte. Bilder wie sie draußen Seilchen gesprungen war, oder mit einer Freundin gemeinsam Kommando Pimperle auf der Straße gespielt hatte. Sie war sich sicher, dass dies ihr Ende war. Sie schloss die Augen, während sie langsam immer schwächer wurde. Es dauerte nicht lange, da wurde ihr schwarz vor Augen. Im Geiste sprach Anna ein Gebet, dann schwanden ihr die Sinne.




 



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