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Belletristik
Buch Leseprobe Kisses of Love - Lisas Moment, Eleonora Park
Eleonora Park

Kisses of Love - Lisas Moment



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KISSES OF LOVE




Lisas Moment


 


 


Unglaublich, wie schnell ein Weihnachtsurlaub vorbeigehen kann, und man auch schon wieder in den Trott des Alltags rutscht, dachte sich Lisa, als sie ihren Laptop zuklappte und ihr Telefon auf die interne Sprachbox umleitete. Schon wieder eine Arbeitswoche um. Eine Mischung aus Enge und Betroffenheit machte sich in ihr breit, und so versuchte sie sich mit Gedanken an den bevorstehenden Freitagabend zu trösten. Wieder ein heiterer Abend mit den Mädels in Wien. Wo würden sie sich zum Essen treffen? Noch war nichts vereinbart. Aber jeder zweite Freitag im Monat war für die »Vienna-Hot-Girls« eingeplant und daran war »fast« nichts zu rütteln. Lisa schaltete die grellen Neon-Röhren in ihrem Zweier-Büro in der Operngasse der Wiener City aus und beschloss, sich in eines ihrer Stamm-Cafés zu setzen und nach einem Latte Macchiato ihre zwei Freundinnen zu kontaktieren. Als sie aus dem kühl anmutenden Bürogebäude mit der spiegelglatten Granitfassade und der großen Vorhalle trat, wurde ihr klar, dass sie genau da gelandet war, wo sie eigentlich nicht mehr hinwollte. Sie wollte definitiv nicht mehr in diesen Job zurück. Sie hatte sich vor Weihnachten geschworen, dass sich etwas ändern musste und nun stand sie nach einer stressigen, einengenden Arbeitswoche vor dem Gebäude, welches sie nie mehr betreten hatte wollen. Wie gut sie darin war, sich selbst zu belügen. Sie schüttelte die Gedanken ab und setzte sich zögerlich in Richtung des Kärntner-Ringes in Bewegung. Ihre neuen Reiterstiefel quietschten leise, fühlten sich noch ein klein wenig steif an. Sie waren noch nicht richtig eingegangen und ein liebes Geschenk ihrer Schwester, die in Zürich lebte. Der Ring, der sich tatsächlich wie ein Ring um die Wiener Altstadt, das Innere, den 1. Wiener Gemeindebezirk schloss, beherbergte nicht nur das Rathaus, Parlament und das Burgtheater, auch die Staatsoper prägte diese spezielle Aura. Dort bei der großen Oper begann auch die Kärntnerstraße, die nobelste und bekannteste Einkaufsstraße Wiens, neben der Mariahilfer Straße, selbstverständlich. Gruppenweise schoben sich Touristen an Lisa vorbei, während sie ihren Weg vorbei am Wiener Naschmarkt, der goldenen Secessions-Kugel erbaut von Otto Wagner, fortsetzte. Im Untergrund bis zum Kärntnerring oder oben über diverse Fußübergänge? Jedes Mal stellte sie sich die Frage. Denn neben viel Verkehrslärm gab es nicht so vieles zu sehen, allerdings war es in den Unterführungen auch nicht so berauschend, obwohl nach dem Umbau alles in hellem Feinsteinzeug, blank poliert, erstrahlte und die Junkies nicht mehr herumlungerten. Ok, also doch lieber unten durch, … oder vielleicht doch oben und noch ein wenig Luft schnappen? Sie war sonst nicht so unentschlossen, aber seit einigen Wochen war alles etwas zäher. Es war, als würde ihr eine höhere Macht noch andere Vorschläge machen wollen. Sie sollte andere Wege gehen, was Anderes ausprobieren als das Altbewährte. Aber wie das gehen sollte? Sie stand dann einfach an der Weggabelung und wusste nicht, ob sie nun nach links oder nach rechts gehen sollte. Oder vielleicht doch einen ganz anderen Weg? Und sie wurde dann auch immer sehr ungeduldig mit sich selbst. Außer am Lago, da war alles anders gewesen. Die ganze Familie hatte sich am Lago Maggiore in einem neu umgebauten Ferienhaus getroffen, um dort Weihnachten und Neujahr miteinander zu verbringen. Nein, ihr ging es nicht schlecht. Sie verdiente ausgesprochen gut als Senior-Account-Managerin mit Provisionsanspruch, diversen Fenstertagen und Incentives, die ihr ermöglichten, auch außerhalb des Büros mit Kunden in Kontakt zu treten. Und doch fühlte sie sich seit Wochen, wenn nicht sogar seit Monaten, eingeengt, und ihr war ständig kalt. Der Urlaub war eine willkommene Abwechslung gewesen und ihre Familie, mit ihrer Herzlichkeit und dem Humor, hatte sie sehr emporgezogen. Sie hatte völlig vergessen, wie gestresst und entnervt sie am 21. Dezember Wien verlassen hatte, und mit welchen Gedanken sie aus dem Büro geflüchtet war. Kaum saß sie im Flieger, fiel die Belastung schrittweise von ihr ab. In Zürich gelandet ging das Vergessen weiter, sie erinnerte sich nur mehr schemenhaft an ihre beruflichen Herausforderungen und weiter öffneten sich die Schnüre des Korsetts. So, als würde sie in eine neue Haut schlüpfen. Hier erwartete sie ihre Schwester, die mit ihr die restliche Strecke an den See, mit dem Auto, zurücklegen wollte. Ihre Eltern pendelten seit einigen Monaten zwischen dem See und zuhause und wollten nun, da alles fertig umgebaut war, das erste Mal dort überwintern. Das alte Rustico stand in einer wundervoll lieblichen Umgebung, eines der dort typisch erbauten und jahrelang vernachlässigten Steinhäuser, welche man für wenig Geld erwerben konnte. Dieses Haus lag nur wenige hundert Meter vom Lago Maggiore mit seiner schönen, gepflegten Promenade entfernt, auf einer Anhöhe, mit herrlichem Seeblick und viel Sonne auf den beiden Terrassen. Ihre Eltern Elisabeth und Walter Roither hatten es in den vergangenen 2 Jahren zu einem kleinen Schmuckkästchen verwandelt. Es sollte die Sommer-Residenz der Familie Roither werden und letztlich auch ein Zufluchtsort in der Pension (Rente) der beiden Mittsechziger. Die Fahrt war kurzweilig gewesen, die Begrüßung herzlich und bis Weihnachten waren alle 4 mit Einkäufen und Vorbereitungen beschäftigt und damit, sich wohnlich einzurichten. Kurz vorm Christkind reiste auch noch Elisabeths Schwester Klara samt Schwager Paul aus Berlin an, und die Familie war komplett. Mehr Menschen wären sich in dem Haus auch nur mehr auf die Füße getreten. Zwei Gästezimmer mit Doppelbelegung ertrug das Rustico gerade noch so. Es war ja keine Luxus-Residenz. Jedes Zimmer hatte sein Mini-Bad, aber das WC am Gang mussten sich alle teilen. Außer jemand hatte es eilig, dann musste er sich eben in die Wohnebene, einen Stock tiefer, bemühen. Kaum waren alle zusammen, gab es auch schon das übliche Essensgelage mit viel italienischem Wein, dem österreichischen Karpfen und als Nachspeise die geliebten Salzburger Nockerl. Kein Weihnachten durfte ohne diese Völlerei begangen werden. Und kein Weihnachtsabend wurde ohne den Singsang am Weihnachtsbaum, den Elisabeth und Walter bereits Tage zuvor gekauft und bereits in vollem Umfang aufgeputzt hatten, zelebriert. Erst wenn alle brav geträllert hatten, jeder sich aufgrund der unterschiedlichen Stimmlagen den Bauch vor lauter Lachen gehalten hatte, wurden die Geschenke ausgetauscht, die vorher auf dem goldenen Tuch unter dem Baum herum drapiert worden waren. Lisa hatte ihrer Mutter ein kleines Kästchen geschenkt, in welchem sie ihren Schmuck aufbewahren konnte. Ein kleines Nussholz-Kästchen mit Intarsien. Wochen zuvor schon hatte sie das edle, alte Stück am Wiener Naschmarkt erstanden, wo wöchentlich ein Antiquitäten-Flohmarkt stattfand. Da fand man mehr oder weniger edle Stücke. Manche waren es wert, zu einem Restaurator gebracht zu werden. Lisa hatte sich auf Anhieb in das Kästchen verliebt und es verschönern lassen. Jetzt fand es den Weg zu ihrer Mutter. So ähnlich war es mit einer dunkelbraunen Pfeife mit Zubehör. Ihr Vater liebte es, Zigarre oder Pfeife zu rauchen. Allerdings besaß er nur eine einzige und die war schon ein wenig zerschunden. Er hing sehr an ihr. Als er aber sein Weihnachtsgeschenk in den Händen hielt, war er mehr als entzückt. Er war schon fast entrückt gewesen. Elisabeth teilte die Begeisterung, da er fast nie richtig rauchte, sondern eher nur an dem Holzstück herumlutschte und bedankte sich auch im Namen von Walter bei ihrer Tochter. Der war so abgelenkt gewesen, dass er seiner Tochter erst eine gute halbe Stunde später einen dicken Kuss auf die Wange drücken konnte. In dieser Zeit hatte Lisa auch ihre Geschenke alle erhalten und war um ein paar Reiterstiefel aus edelstem Rindsleder reicher, außerdem um einen Gutschein von Jochen Schweitzer, der für einen kurzen Wellnessurlaub sein sollte. Der kam übrigens von Onkelchen und Tante. Und ihre Eltern hatten ihr nicht nur das Ticket für die An- und Abreise bezahlt, sie bekam auch einen Burberry-Trenchcoat, den sie sich schon lange selbst hatte kaufen wollen. Ihre Mutter hatte ihr aber mit einem Augenzwinkern davon abgeraten. So saß sie nun da, in Stiefel und Mantel und einer Wellness/Erlebnis-Box in den Händen und lauschte den herzlich liebevollen Diskussionen ihrer Angehörigen. Wer konnte schon sagen, dass er eine so harmonische und glückliche Familie hatte? Ein kurzer Anflug von Enge tat sich am Weihnachtsabend in ihr auf und verschwand nach einem Schluck Baileys vor dem Kaminfeuer. Walter ließ ein wenig Sinatra laufen und jeder hatte etwas Nettes zu erzählen. Das war ganz selbstverständlich, wenn man sich zumeist nur via Skype unterhielt oder kurze Telefonate führen konnte. Lisas Eltern wohnten außerhalb von Wien, im ländlichen Waldviertel, wenn sie in Österreich weilten und waren nun seit dem Sommer nicht mehr da gewesen. Und Lisa hatte ihren letzten Urlaub im Sommer gehabt. Tränen waren ihr in die Augen getreten, über diese Wärme, die Geborgenheit und die ehrliche Anteilnahme an ihrem Leben. Jeder wollte, dass es ihr gut ging. Und eigentlich ging es ihr doch gut. Oder? Noch ein paar Schritte, dann war sie in dem kleinen, mit Vintage-Möbel dekorierten Café, in einer Seitengasse zur berühmten Kärntnerstraße, angekommen. Vielleicht sollte sie sich noch einen Cookie zu ihrem Caffè Latte bestellen? Ihr knurrte der Magen. Das war wohl das Fitnesstraining der vergangenen Tage, das ihren Stoffwechsel so anregte. Ihre einzige Ausflucht aus dem Alltag. Ja, einen Hazelnut-Cookie, den wollte sie noch haben. Warum alles in englischen Namen angepriesen wurde, war ihr noch immer ein Rätsel, wo sie doch in Wien zuhause war. Alles international, alles für Touristen zurechtgemacht. Im Grunde war es doch die letzten Jahre generell dazu gekommen, dass die eigene Sprache mit Englisch vermischt wurde. Sicher nicht nur in Österreich. Ob man davon wieder abkommen würde, war fraglich, ob das gesund für den eigenen Sprachschatz war, auch. Sie nahm an einem kleinen, weißen Tischchen Platz, setzte sich auf eine in hellem Violett gepolsterte Bank und bestellte bei Julia, die sie von den letzten Malen kannte, ihr Menü. Völlig automatisch griff sie in ihre braune Ledertasche und zog ihr Smartphone heraus. Aha, da waren zwei neue Nachrichten. Klar, es waren bereits Anna und Rosi, die sich den Kopf darüber zerbrachen, was sie unternehmen wollten. Manches Mal ging es noch zu einem Schlummertrunk in eine der bekannten Bars rund um den Stephansplatz. Wenn Lisa ehrlich zu sich selbst war, ödete sie das Ganze »sich selbst präsentieren« gründlich an. Ihre Freundinnen waren überzeugt davon, dass sie nur durch hübsches Aussehen den richtigen Mann finden würden, Anna ein wenig mehr als Rosi. Lisa sah das völlig anders. Sie pflegte sich sehr gerne, aber sie musste nur sich selbst gut gefallen, nicht mehr und nicht weniger. Alles was darüber hinausging, kam ihr zu kompliziert vor. Anna meinte immer: »Lisa, du wirst doch nie jemanden finden, wenn du nicht schaust, ob dich die Männer ansehen und cool finden.« Lisas übliche Antwort darauf war: »Wer nur meine Oberfläche liebt, der ist sowieso nicht der Richtige für mich.« Das ließ sie sich nicht nehmen. Außerdem hatte sie die Suche nach der letzten dreimonatigen Beziehung, die auch noch im Streit auseinander ging, generell eingestellt und wurde trotzdem wöchentlich angesprochen. Egal, ob im Supermarkt, auf dem Weg zur Arbeit oder bei einem Meeting eines Kunden. Sie konnte sich nicht über fehlende Aufmerksamkeit der männlichen Gattung beschweren. Nur war da keiner dabei gewesen der ihr Herz zum Flattern gebracht hätte, oder sie gar aus dem trüben Alltag entführen hätte können. Lisa trank ihren Latte immer ohne Zucker, und befreite ihn zuerst vom meist sehr üppigen Schaum, inklusive Schokopuder. Erst wenn sie ihn genussvoll bis zum Milchkaffee heruntergelöffelt hatte, nahm sie einen Bissen vom Cookie oder Cupcake ihrer Wahl und trank dann einen Schluck Kaffee dazu. Sie liebte ihr Ritual und hatte am Lago Maggiore jemanden kennengelernt, der genau dieses Ritual mit ihr teilte. Auch das Drehen des Glases nach rechts oder links. Der Löffel musste auf jeden Fall auf der rechten Seite landen, egal ob er bereits im Glas war oder daneben auf dem Teller lag. Gregor, ach.... Was machte er jetzt wohl? Lisa zog es das Herz zusammen, ohne zu wissen, warum. Oder doch? Seitdem sie von ihrem Weihnachtsurlaub zurückgekommen war, hatte er sie zweimal angemailt. Er war ein absoluter Freigeist, ganz im Gegensatz zu ihr, wie sie selbst der Meinung war. Gregor machte ihr sogar ein wenig Angst. Sie hatte den dunkelhaarigen Halbitaliener mit österreichischen Wurzeln nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Und wie es schien, ging es ihm ähnlich. Aber nein, sie war wieder in Wien und er war geschäftlich zurück nach Italien gegangen. Der Südtiroler mit dem zauberhaft-herzlichen Lächeln, der sonnengegerbten Haut und dem Geruch nach Freiheit und Unabhängigkeit. Er hatte es ihr angetan und als sie ihn dort am See kennengelernt hatte, da trug sie auch die neuen braunen Leder-Reitstiefel aus Zürich. Marta hatte sie ihr am 24.ten in einem großen schwarzen Karton überreicht und ihr eine Karte dazu gesteckt, auf der stand: »Für viele schwungvolle und glückliche Schritte in deinem Leben. - Ich hab dich lieb, deine Marta.« Lisa stiegen die Tränen in die Augen, als sie an diese Karte dachte.


 


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