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Belletristik
Buch Leseprobe Keine Schlampe, Stella d'Alberti
Stella d'Alberti

Keine Schlampe



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Carolin brauchte dringend etwas Bestätigung, soviel hatte für Marie schon länger festgestanden. Und aus eigener Erfahrung wusste sie, dass nichts das Selbstbewusstsein so sehr päppelte, wie ab und an ein Date mit einem Mann, von dem man ansonsten völlig unabhängig war. Was für ein abgegriffener Mythos, dass Frauen Sex und Liebe nicht trennen konnten! Marie war inzwischen der festen Überzeugung gewesen, dass Carolin genau diese Erkenntnis dringend nötig hatte. Carolin hingegen hatte sich durch Maries unerwarteten Vorstoß völlig überrumpelt gefühlt.


„Das stimmt schon, Marie, es läuft nicht so gut. Aber das bedeutet doch nicht, dass ich jetzt gleich alle Brücken hinter mir einreiße. Ich muss an meine Töchter denken.“


„Süße, du musst auch gar nicht alle Brücken einreißen. Es geht nur darum, dass du mal rauskommst aus deinem Hamsterrad, vor allem emotional. Was du brauchst, ist Bestätigung. Glaub mir einfach! Es ist ein wirklich geiles Gefühl, wenn dich ein Mann so sehr begehrt, wenn er so viel Wert darauf legt, Zeit mit dir zu verbringen, dass er dafür ein ordentliches Honorar hinblättert. Man muss natürlich an die richtigen Männer geraten, aber darin habe ich Erfahrung.“ Dabei hatte sie selbstgefällig gegrinst. Carolin hingegen war alles andere als überzeugt gewesen.


„Und wie kommst du darauf, dass die richtigen Männer sich ausgerechnet für mich interessieren könnten?“, hatte sie voller Selbstzweifel geseufzt. „Ich wüsste zum Beispiel gar nicht, worüber ich mit ihnen reden sollte und abgesehen davon schaffe ich es noch nicht mal, dass sich mein eigener Mann für mich interessiert.“


Marie hatte daraufhin nur die Augen verdreht.


„Entschuldige bitte, aber dein eigener Mann hat auch eine mittelschwere Störung. Er ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass er gar nicht mehr registriert, was für eine tolle Frau er da an seiner Seite hat. Umso schlimmer, dass er damit bewirkt, dass du jetzt ständig an dir selbst zweifelst und dich in Frage stellst, wo es nicht angebracht ist.“


Marie war richtig wütend gewesen. Es hatte ihr überhaupt nicht gepasst, dass ihre früher so lebensbejahende Freundin nach und nach immer mehr resignierte. Carolin hatte geseufzt.


„Es stimmt schon, als wirklich glücklich kann ich mich zurzeit nicht bezeichnen.“


„Dann ändere es!“, hatte Marie schärfer als gewollt erwidert. „Und ich habe auch schon genau den richtigen Kandidaten für dich“, hatte sie dann deutlich sanfter hinzu gesetzt.


Carolin war mit Maries Tempo sichtlich überfordert gewesen.


„Marie, jetzt mal ganz im Ernst, ich weiß gar nicht, ob ich einfach so mit einem fremden Mann ins Bett gehen kann.“


Marie hatte sich daraufhin laut vernehmbar geräuspert.


„Dann hast du diese Affäre mit Jürgen damals offensichtlich völlig verdrängt? Oder war das etwa ein guter Bekannter, als du mit ihm ins Bett gegangen bist?“


Carolin war zutiefst errötet, weil ihr klar geworden war, dass sie mit ihren Zweifeln nicht besonders glaubwürdig wirkte. Marie war quasi live dabei gewesen, als Carolin bereits einmal kurzfristig aus ihrer Ehe ausgebrochen war. Hilflos hatte sie daher nach einer Begründung gesucht.


„Das war etwas ganz anderes. Damals hatte ich nicht das Gefühl, dass ich damit ein Band durchschneiden würde. Da war Markus auch noch anders als heute. Ich weiß selbst nicht, was da in mich gefahren ist.“


„Mir gegenüber musst du dich gar nicht rechtfertigen. Ich frage dich nur: Was spricht dagegen, mit einem freundlichen und charmanten Fremden einen schönen Abend zu verbringen und diesen Abend dann prickelnd ausklingen zu lassen? Das ist sicher deutlich angenehmer, als immer wieder schön brav die Einheitsnummer mit deinem Mann über dich ergehen zu lassen. Eheliche Pflicht nennt man das wohl. Im Übrigen verhält sich Markus zwischenzeitlich auch eher wie ein Fremder, zumindest aber nicht wie der Mann, den du mal geheiratet hast irgendwann im späten Mittelalter. Und wer zieht insgesamt bei alledem immer wieder den Kürzeren? Du!“ Marie hatte mal wieder kein Blatt vor den Mund genommen.


Carolin war daraufhin sehr nachdenklich geworden. Natürlich hatte Marie Recht mit allem was sie sagte. Aber sie war auch ein ganz anderer Typ Mensch als Carolin. Auf der anderen Seite hatte aber zumindest der Gedanke, kurzzeitig aus dem Hamsterrad, wie Marie es nannte, heraus zu springen, durchaus einen gewissen Reiz auf sie ausgeübt. Aber wie sollte sie das anstellen?


„Marie, selbst wenn ich es theoretisch könnte und wollte, wüsste ich nicht, wie ich das praktisch realisieren sollte. Ich kann doch nicht plötzlich mal eben so verschwinden und nach ein, zwei Tagen wieder auftauchen.“


„Das heißt, du überlegst es dir?“ Marie hatte sie begeistert am Arm gepackt und leicht geschüttelt.


„Das habe ich so nicht gesagt.“ Carolin hatte Marie verschmitzt angegrinst. „Erzähl mir mal ein bisschen was über den so genannten Richtigen.“ Offenbar hatte sie Blut geleckt. Marie hatte daraufhin den Mann, den sie zu Carolins Erlösung auserkoren hatte, mit blumigen Worten beschrieben. Sie hatte seinen besonderen Charme herausgestellt und seine Höflichkeit und sein Einfühlungsvermögen gepriesen. Carolin war jedoch skeptisch gewesen.


„So einen Traummann kann es doch gar nicht geben.“


„Aber wenn ich es dir doch sage! Und er findet dich ganz faszinierend und möchte dich kennen lernen“, hatte Marie noch rasch hinzu gefügt und war dann deutlich errötet.


„Wie kommst du denn darauf?“, hatte Carolin erstaunt gefragt. Daraufhin hatte Marie kleinlaut auf ihr Handy gezeigt und gestanden, dass sie dem Mann ein Foto von Carolin gezeigt hatte. „Nicht böse sein, es war keine Absicht, ich wollte ihm eigentlich etwas ganz anderes zeigen und da hatte er das Bild von uns beiden schon gesehen und war überaus begeistert von dir.“


„Na das nenne ich höflich, wenn er in deinem Beisein von einer anderen Frau schwärmt.“ Carolin hatte aber trotzdem darüber schmunzeln müssen und sich natürlich auch etwas geschmeichelt gefühlt. Marie hatte gelacht.


„Ein weiterer Vorteil im Escort: So etwas wie Eifersuchtsgefühle sind tabu. Außerdem hat es mich natürlich sehr gefreut, weil ich dir ein Erlebnis mit diesem Mann wirklich von Herzen gönnen würde.“


„Auch wenn das bedeuten würde, dass du ihn dann nicht triffst?“


„Ach Caro, andere Mütter haben auch hübsche Söhne“, hatte Marie gönnerhaft geantwortet. Carolin war inzwischen doch neugieriger geworden, als ihr lieb war.


„Hast du auch ein Foto von ihm?“ Marie hatte verschwörerisch gegrinst.


„Üblich ist das in dem Metier eigentlich nicht. Die Herren sind doch sehr auf Diskretion bedacht. Aber weil er mir vertraut und ich ihm auch, gibt es ein, zwei Selfies von uns in seinem und meinem Telefon.“ Sie hatte Carolin daraufhin ein Bild von sich und einem attraktiven Mann gezeigt und Carolin war fassungslos gewesen.


„Er sieht viel zu gut aus. So etwas gibt es doch nur in kitschigen Daily Soaps, dass ein Mann nicht nur schön, sondern auch interessant und trotzdem kein Arsch ist.“


„Oder im Escort“, hatte Marie gelacht. „Wenn man ein Händchen dafür hat.“


„Hat er keine eigene Frau?“ Carolin hatte es gar nicht fassen können.


„Er hatte. Aber er hat festgestellt, dass er für die Monogamie nicht gemacht ist.“


„Und deshalb bucht er jetzt Escortdamen? Er könnte doch jede Frau der Welt für umme bekommen.“


„Er sagt, in der momentanen Phase seines Lebens legt er Wert auf Unverbindlichkeit. Er hat viel Stress im Job und kein Interesse an emotionalen Verwicklungen und auch keine Zeit zum Suchen.“


„Ah ja.“ Carolin hatte noch einmal das Bild betrachtet.


„Also?“, hatte Marie lauernd gefragt.


„Was also?“


„Willst du es mal ausprobieren? Er würde dich sofort buchen. Und das Honorar kann sich wirklich sehen lassen.“


„Was sage ich denn zu Hause?“ Das hatte schon konkreter geklungen.


„Wie wäre es mit einem kleinen Wellness-Wochenende für beste Freundinnen? Ich finde, das haben wir uns wirklich einmal verdient.“


„Eigentlich ist mir nicht ganz wohl dabei, Markus so bewusst anzulügen.“


„Du wirst ihm kaum den wahren Grund deiner Abwesenheit sagen wollen“, hatte Marie trocken festgestellt.


„Nein, natürlich nicht.“ Sie hatte noch einen Moment gezögert.


„Wie hast du es denn damals bei Jürgen gemacht?“, hatte Marie immer noch lauernd gefragt. Das hatte Carolin überzeugt.


„Ach was soll's“, hatte sie dann zugestimmt. „Wer weiß, wie oft Markus mich schon bewusst angelogen hat.“


 


Bereits am darauffolgenden Wochenende hatten sie ihren Plan in die Tat umgesetzt. Carolin war natürlich vorher entsetzlich nervös gewesen.


„Was mache ich, wenn ich ihm nicht gefalle? Ich weiß doch gar nicht mehr, wie man einen Mann verführt. Das ist Jahrtausende her. Außerdem bin ich nun wirklich nicht mehr die Jüngste.“


„Sei einfach du selbst, trink' ein kleines Glas Champagner und lass' den Dingen ihren Lauf. Glaub’ mir, das wird ein Kinderspiel für dich.“


 


Ob es nun an Maries Intuition gelegen hatte oder ob Carolin tatsächlich ein Naturtalent war, dessen Begabung erst geweckt werden musste, oder ob es letzten Endes ausschließlich dem charmanten Mann an ihrer Seite zu verdanken gewesen war, auf alle Fälle waren der Abend und die Nacht ein voller Erfolg gewesen. Sie hatte sich sehr begehrenswert gefühlt und hatte es genossen, so viel ungeteilte Aufmerksamkeit zu erhalten. Völlig erstaunt hatte sie registriert, wie leicht sie sich damit getan hatte, diesem charmanten Mann in seine Kemenate zu folgen. „Gelegenheit macht Diebe“, war ihr letzter Gedanke gewesen, bevor sie das erste Mal nach langer Zeit fremde Haut gespürt, rauschhafte Glücksgefühle erlebt und das Spiel von Verführen und Verführtwerden in all seinen Facetten gespielt hatte.


 


Eine völlig verwandelte Carolin hatte sich anschließend bei Marie zurück gemeldet, um ihr mitzuteilen, dass sie künftig gerne mit von der Partie wäre...


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