Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Belletristik > Kaltfleisch I
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Belletristik
Buch Leseprobe Kaltfleisch I, Thomas Reich
Thomas Reich

Kaltfleisch I


Faule Begierden

Bewertung:
(3)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
30
Dieses Buch jetzt kaufen bei:

oder bei:
Amazon + viele Tolinoanbieter
Drucken Empfehlen

AUS DER GRABBELKISTE DER PATHOLOGIE

In der Krebssaison fiel mehr menschlicher Abfall an. Die Restekiste war kein Supermarkt, der rund um die Uhr alle Waren des täglichen Bedarfs anbot. Monatelang schleppten sich die Kranken so dahin. Hielten wacker den Kopf über Wasser. Dann explodierte plötzlich eine Supernova an Metastasen in ihrem Körper. Eilig eilten die Ärzte herbei. Wegzuschneiden, was noch ging. Bevor der Tod weiter streute. Meistens wirkte die Restekiste wie ein verwaister Brotkorb. Wo die frischen Baguettestangen wohlig duftend in den Himmel ragten. Dann begann die Krebssaison, und die Stahlwanne füllte sich bis zum berstenden Rand. Begann zu stinken und Fliegen anzuziehen. Wie der Biomüll im Pausenraum, für den sich niemand zuständig fühlte.
„Guck, dass die Restekiste rauskommt. Bei dem Mief kann ich nicht arbeiten.“
„Ich dachte, Gerichtsmediziner wären an den Geruch des Todes gewöhnt?“
„Gewöhnt, ja. Ihn mögen? Nein.“
Dieses Mal bekam Jens kaum den Kofferraum seines Wagens zu. Er klemmte einen Finger ein. Hätte noch ein Mensch daran gehangen. Hätte er vielleicht aufgeschrien. Immer wieder musste Jens daran denken, dass die Eigentümer dieser Körperteile noch lebendig auf der Welt herumliefen. Denn nicht jeder erlag gleich seinem Leiden. Und während sie ein paar Etagen über ihm in ihren Betten lagen, faulten in der Pathologie die Extremitäten. Selten war der Tod dem Leben so nah. Und um einen Abglanz dieses intimen Momentes zu erhaschen, nahm er ihre Reste nach Hause.
Die Beute war so reichlich ausgefallen, dass er sich ein Bad in ihnen gönnen konnte. Er kippte die blauen Müllsäcke in der Badewanne aus. Nahm die Wurzelbürste mit den Naturborsten, und rührte um. Ungefähr so, wie man eine Auflaufform umschichtet. Damit der Geschmack gleichmäßiger ausfällt. Fehlte nur noch der Hauptgang. Jens ölte sich mit Olivenöl ein, er mochte dessen bitteren Geruch. Flutschen musste es. Locker durchgemischt wie ein Salat. In dem er das Salatbesteck war. Er hielt die Luft an. Glitt zwischen sie. Ein Bademeister mit tausend Armen. Die indische Göttin Kali. Drehte sich. Um die eigene Achse, immer schneller. Wie ein Derwisch. Sah kleine schwarze Sternchen. Riss den Mund auf wie den Verschluss einer Getränkedose, und zog gierig Luft ein. So wie ein Verdurstender Wasser aufsaugt. Inhalierte das Aroma fauler Arme und Beine. Fleischsalat mit Olivenöl. Ein leichter Druck auf den Soßenspender, und es kam ihm.


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2019 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 2 secs