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Belletristik
Buch Leseprobe Kaltfleisch, Thomas Reich
Thomas Reich

Kaltfleisch


Gesamtausgabe

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SO MAG ES MUTTI AM LIEBSTEN

Jens saß am Isarufer, und warf flache Steine in den Fluss. Sie berührten nur die Wasseroberfläche. Dreimal, manchmal sogar viermal. Dann sanken sie auf den Grund. Jens spielte mit den Kulissen, wie er es oft getan hatte. Asperger kletterte die Böschung hinunter. Ihm fiel auf, wie seltsam gelöst sein Freund wirkte. Jens hatte seinen Frieden mit sich und der Welt gemacht.
„Was immer du tust, zieht seine Kreise.“
„Kann ich auch einen Stein haben?“
„Bitte, nur zu.“
Markus erwies sich als weitaus weniger geübt im Vergleich zu Jens. Seine Kiesel versanken sofort, in einer Fontäne aus klarem Wasser und braunem Flussschlamm.
„Habe ich dir einmal von meinem größten Traum erzählt?“
„Wahrscheinlich nicht.“
„Ich würde gerne ein eigenes Bestattungsunternehmen haben. Dann müsste ich mich nicht mehr für meine Lebensweise rechtfertigen müssen.“
„Und ich hätte eine Dauerkarte.“
„Ich wäre Freddy, und du wärst ich.“
„Wer war eigentlich dieser Freddy?“
„Mein bester Freund, bevor ich dich kannte.“
„Was ist aus ihm geworden?“
„Er hatte einen Unfall beim Wandern. Ich war einer seiner Sargträger.“
„Versprichst du, auf mich besser aufzupassen?“
Jens ignorierte die Frage, und sah zu den Brücken. Als würde die Antwort im Horizont liegen, wo die letzten Wolken nach Süden zogen. Immer dem Verlauf der Isar folgend. Das Schweigen zwischen ihnen wirkte bedrohlich.
„Ich will es versuchen. Doch es hängt auch von dir ab.“
„War er wie ich?“
„Nein, er hat meine dunklen Leidenschaften nie geteilt.“
„Eigentlich sollte ich dir danken. Früher dachte ich, dass meine Neigungen mir irgendwann einmal das Genick brechen würden. Wie ein Damoklesschwert hing diese Prophezeiung über meinem Studium.“
„Die Gesellschaft wird sich uns Nekrophilen öffnen.“
„Glaubst du das wirklich?“
„Klar. Sonst wüsste ich nicht, wofür ich kämpfen sollte.“
„Du kämpfst nicht, du nimmst. Was sich dir im Hospiz gerade bietet. So etwas nenne ich einen reinen Genussmensch.“
„Schade, dass du Mutter nicht kanntest. Sie hätte dir gefallen.“
„Wie war sie?“
„Eine Schönheit.“
„Lebend oder tot?“
„Sowohl als auch.“


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