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Belletristik
Buch Leseprobe KAISER KARL, Hans-Jürgen Ferdinand
Hans-Jürgen Ferdinand

KAISER KARL


Historischer Roman um Karl den Großen

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Karl selbst ritt vor die Tore von Augsburg, jener Stadt, die als Siedlung der keltischen Vindeliker


fünfzehn Jahre vor der Geburt des Herrn von Stiefsöhnen des Kaisers Augustus erobert


worden war. Karl war mit seinen engsten Begleitern sowie den bayerischen Kirchenfürsten


Arno von Salzburg und Hunrich vom Mondsee unterwegs durch die eher karg und ärmlich


wirkenden Gassen der alten Stadt. Arno und Hunrich hatten gemerkt, wie die Macht Tassilos


langsam schwand und daher sehr opportunistisch und frühzeitig einen Schwenk von Tassilo zu


König Karl vollzogen.


„Es heißt, dass die Pläne für die bürgerliche Siedlung, die nach dem Abzug der römischen Legionen


entstand, von Kaiser Augustus selbst entworfen wurden", meinte Abt Hunrich.


8


Hans-Jürgen Ferdinand


„Davon sieht man aber nicht mehr viel", entgegnete Karl. Er gab seinem bewährten Ross die


Schenkel und ritt bis zur zerstörten Stadtmauer im Süden.


„Ja, aber auch Tacitus hat die Stadt gelobt, nachdem die Voralpenländer unter Kaiser Claudius


zu einer Provinz zusammengefasst worden waren", fuhr der redselige Abt eifrig fort. „Augusta


Vindelicorum sei die glanzvollste Stadt Rätiens, hat er geschrieben."


Der Frankenkönig war offensichtlich von Hunrichs Lobpreisungen für Augsburg nicht zu begeistern.


„Und unter Kaiser Marc Aurel war bis zum Jahr 179 nach Christus die dritte römische Legion


hier stationiert", versuchte es der Abt zum letzten Mal. Doch genau dieses Argument konnte


Karl viel leichter als die vorangegangenen entkräften.


„Der dritten römischen Legion muss es hier ziemlich langweilig gewesen sein", sagte er und


schmunzelte.


„Wie kommst du darauf?", fragte Abt Hunrich erstaunt.


„Wäre sie sonst siebzig Meilen nach Nordosten gefl ohen, um am Zusammenfl uss von Regen


und Donau aus der Keltensiedlung Radasbona ihre Legionsfestung Casa Regina, also Regensburg


zu gründen?"


„Nein, nein", wehrte der Abt vom Kloster Mondsee ab. Er schwitzte plötzlich unter seiner


dunkelgrauen Kutte.


„Ich will überhaupt nicht mit dir streiten, aber die Römer waren schon hundert Jahre vor der


dritten italischen Legion dort. Die ersten trafen bereits unter Kaiser Vespasian kurz nach der


Gründung Augsburgs in Radasbona ein. Und zur Zeit Kaiser Hadrians sollte bereits eine fünfhundert


Mann starke Kohorte den Donauübergang sichern und die Täler der Flüsse Laaber,


Altmühl, Naab und Regen von Germanen aus dem Norden freihalten."


Karl und seine Begleiter verließen Augsburg und näherten sich wieder dem Heer, das inzwischen


ein Lager auf dem Lechfeld einrichtete.


„Trotzdem blieb der Oberbefehlshaber der dritten römischen Legion in Augsburg", sagte Hunrich,


der immer noch nicht aufgegeben hatte, den König von seiner Darstellung der Vergangenheit


zu überzeugen.


„Verständlich", sagte der König und ging erneut auf das Spiel mit Worten ein. „Der militärische


Oberbefehlshaber war gleichzeitig Statthalter einer römischen Provinz und der gehörte nun mal


in die entsprechende Provinzhauptstadt Regensburg." Die Männer um Karl hatten sich angewöhnt,


abwechselnd an seinen Seiten zu reiten. Jedes Mal, wenn einer von ihnen den Eindruck


hatte, dass Karl eine Weile lang nichts mehr mit ihm bereden wollte, fi el er ein wenig zurück


und machte einem anderen Platz.


Karl und seine Männer waren vielleicht eine Meile geritten, als von Osten her lautes Geschrei


und Kriegshörner ertönten.


Die zweite Heeressäule aus Ostfranken, Thüringern und Sachsen sammelte sich an der Donau


bei dem Ort Pföring. Das dritte Heer unter Karls in Pippin umgetauften Sohn rückte von der


Lombardei aus bis zum bayerischen Bozen vor, überschritt den Brenner und stand jetzt ebenfalls


auf dem Lechfeld.


Auf dem Lechfeld, in dem Karl einen idealen Sammelpunkt für Reichsheere erkannte, vergingen


die folgenden Tage mit Reiterspielen und Waffenübungen wie bei einer gerade erst


beendeten Reichsversammlung. Karl hätte jederzeit weiter nach Regensburg ziehen können,


aber er wollte, dass sein Vetter Tassilo reumütig zu ihm kam: „Er soll hier vor mir niederknien,


öffentlich seine Schuld bekennen und mich um Vergebung bitten!"


„Herzog Tassilo gebärdet sich wie ein König", sagte Angilbert, der an Karls Seite geritten war,


argwöhnisch.


9


Karl der Große: Visionär und Reformer


Karl blickte Angilbert prüfend an. Dann nickte er nachdenklich. „Wir müssen klug sein und


dürfen nichts überstürzen, wenn wir die Bayern enger an uns binden wollen", sagte er.


„Die Friesen und die Thüringer, ja selbst die Sachsen sind uns dem Blute nach viel näher als


die Bayern", entgegnete Angilbert.


„Und dabei wissen wir nicht so recht, woher sie kamen, nachdem die Römer Rätien und die


anderen Gebiete zwischen der Donau und den Alpen aufgegeben haben", sagte der König.


„Das weiß man schon", widersprach Angilbert. „Die Bajuwaren stammen aus dem Osten."


„Soll das etwa heißen, dass sie mit Awaren, Hunnen und Bulgaren mehr verwandt sind als mit


uns?", fragte Karl verdutzt. „Das lass bloß keinen hören", lachte der König.


Im selben Augenblick kam Unruhe am Lechufer auf. Der Fluss führte ebenso wenig Wasser


wie die Donau. Nicht einmal die kleinen Holzbrücken waren im Frühjahr erneuert worden, so


wenig Wasser hatte die diesjährige Schneeschmelze gebracht. Der Lärm am Ufer näherte sich,


während zur selben Zeit die Gespräche und Gesänge an den Feuern und Lagerplätzen rundum


verstummten.


Und dann geschah, was niemand mehr für möglich gehalten hatte. Am späten Nachmittag eines


milden Frühsommertages ritt Herzog Tassilo von Bayern mit weniger als dreihundert seiner


bunt gekleideten, voll gerüsteten und gut bewaffneten Krieger und Edlen von Südosten her auf


das Lechfeld. Ein ganzes Reitergeschwader begleitete den bayerischen Herzog. In ihm dienten


die freien bayerischen Heermänner oder landlose bayerische Adelige, die ihr Brot mit dem


Schwert erwarben und zu Pferd für Herzog Tassilo kämpften. Heute trugen die Männer über


den Kettenhemden oder Schuppenpanzer einen bunten Überwurf, die einen in den Farben der


bayerischen Adelsgeschlechter, die anderen mit ihren eigenen Feldzeichen. Bei manchem der


bayerischen Reiter verdeckte das farbige Gewand auch die alten Lederkoller, die nur mit Eisenblech


benäht waren. Alle trugen runde Eisenhelme mit einem Nasenschutz, der in der schon tief


stehenden Sonne blinkte. Die langen, runden oder dreieckigen Schilde auf den Schultern der


Reiter klapperten an den Beschlägen. In der einen Hand hielten die Männer eine riesige Lanze,


die sie auf den Sattelschuh gestützt hatten, das breit bebänderte Schwert hing bei jedem Mann


am Gurt.


Die letzten Meter kam Tassilo dem Frankenkönig nur noch mit kleiner Begleitung entgegen,


während sich seine Anführer und die bayerischen Edlen mit sicherem Abstand zurückhielten.


Schon als Tassilo noch zehn Pferdelängen entfernt war, nahm der bayerische Herzog beide


Hände hoch und zeigte allen die Handfl ächen. Dann griff er seinen Helm, nahm ihn ab und


setzte ihn vor sich auf den Sattelknauf. Unter schleifenden Zügeln schritt sein wertvolles Pferd


weiter auf Karl zu.


König Karl tat so, als würde er ihn überhaupt nicht bemerken. Er ließ die Reiterspiele so lange


weiterführen, bis ihn der Schatten des Bayernherzogs traf.


„Ach, Tassilo", sagte Karl zu seinem Vetter und lächelte, als hätten sie sich kürzlich gesehen.


Der Frankenkönig stand nicht einmal von seinem holzgeschnitzten Sessel auf. Karl hob den


Kopf ein wenig und schob die Unterlippe vor. Die beiden Gleichaltrigen musterten sich dennoch


sehr genau. Tassilo war weder groß noch besonders kräftig, sondern trotz seiner herzoglichen


Ausstattung eher unauffällig. Aber er hatte bis auf die Schulter fallende, weich gewellte


braune Haare, ein offenes, ovales Gesicht mit vollen Lippen, einer schön geformten, etwas


schiefen Nase und lange Wimpern über sanften Augen. Und dann, nach einem wortlos und


nur mit Blicken ausgetragenen Kampf, senkte der Agilolfi nger den Kopf. Er hob seine linke


Hand und ließ sich von den Waffenknechten von seinem Pferd helfen. Sein Seneschall reichte


ihm ebenfalls wortlos Zepter und Schwertgehänge. Tassilo legte nun beides vor Karls Füßen


ins Gras. Rings um die beiden Männer wurde es so still, dass für einige Augenblicke nur noch


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Hans-Jürgen Ferdinand


das leise Schnauben der Pferde, ihr Hufscharren und das Klirren der Metallbeschläge zu hören


war.


Dann kniete Tassilo nieder und murmelte kaum hörbar: „Ich bereue!"


Der König reagierte nicht. Er grüßte seinen Vetter auch nicht und zeigte überdeutlich, dass er


nicht bereit war, den Gruß des Agilolfi ngers anzunehmen.


Tassilo wiederholte, nur wenig lauter: „Ich unterwerfe mich mit meinem Leben und allem, was


ich habe", stieß er mit brüchiger Stimme hervor. „Ich weiß, dass ich erneut gefehlt habe und


stelle mich als dein Vasall unter deinen gnädigen Schutz."


Karl schnaubte nur und schüttelte unbeeindruckt den Kopf. „Es gibt Blutsverwandte", rief er


nun unerwartet laut, „die glauben, dass Drachenblut in ihren Adern fl ießt. Sie glauben, dass


sie unverwundbar sind wie einst Siegfried aus der Nibelungensaga. Aber sie vergessen,



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