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> Belletristik > Jules: einmal Schottland und ...
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Buch Leseprobe Jules: einmal Schottland und ..., Nicky P. Satl
Nicky P. Satl

Jules: einmal Schottland und ...



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Erkenntnisse
Eine knallharte Woche Therapie liegt hinter Jules, Ian und Connor. Zwei Stunden jeden Morgen, immer gleich nach dem Frühstück. Jules hat an der Form der Therapie nicht viel geändert, abgesehen von den Laufzeiten. Die hat sie schrittweise verlängert und das Tempo am Ende der Woche etwas angezogen. Die größte Leistung vollbringt eindeutig Ian. Er ist konsequent dabei, sich selbst zu beobachten und sich zu korrigieren, falls nötig. Auch in diesem Augenblick kontrolliert und korrigiert er sich selbst. Jules sieht ihm durch das Fenster nach, als er den üblichen Weg zur Schmiede hinuntergeht. Immer den ganzen Fuß abrollen, denkt sie und schmunzelt.
Jules greift sich ihr Lieblingsbuch und verlässt das Haus. Sie schlendert langsam durch den Garten, obwohl sie sich das Schlendern eigentlich sparen könnte, da sowieso klar ist, wohin sie will. Schon einen Moment später findet sie sich wieder auf der kleinen steinernen Parkbank unweit der Schmiede, in den Händen ihr Alibi-Buch. Sie setzt sich und schlägt das Buch auf. Allerdings, lesen wird sie es auch diesmal nicht. Verstohlen wartet sie darauf, dass Ian die Tür der Schmiede öffnet. Als seine Therapeutin muss sie schließlich sehen, ob er sich auch an die Vorgaben hält. Zumindest ist das eine grandiose Ausrede.
Rauch steigt aus dem Schornstein empor, das bedeutet, die Glut ist perfekt. Die Tür öffnet sich und Ian klappt die beiden Türflügel an die Wand, einen links und einen rechts. Dann hängt er sich die Lederschürze um, bindet sie ordentlich fest, holt mit der Schmiedezange das Eisen aus dem Feuer und beginnt seine rhythmischen Schläge. Jules mag dieses Geräusch, es hat so angenehme Regelmäßigkeit, ähnlich wie eine laut tickende Uhr. Er steht auf beiden Beinen, keine Schonhaltung, denkt sie. Sie ist zufrieden, denn das ist ein riesen Erfolg, nach nur einer Woche. Sie beobachtet wie er die Hand wechselt und ist erstaunt darüber, dass er links exakt so gleichmäßig und hart schlägt, wie er es mit der rechten Hand tut. Deswegen gibt es bei ihm also keinen stärkeren Arm. Sowas sieht man manchmal bei Tennisspielern. Jules sieht das Spiel seiner Muskeln. Seine Haut glänzt schimmernd im Licht des Feuers. Das Eisen zischt im kalten Wasser und Dampf steigt auf. Urplötzlich tritt Ian aus diesem Dampf, wischt sich das Gesicht ab und sieht ihr direkt und grinsend in die Augen. Na toll, denkt Julia, rafft hektisch ihre Sachen zusammen und geht. Sie dreht sich nicht noch einmal um, es ist ihr einfach zu peinlich.
Ian setzt sich vor die Schmiede, in der Hand eine eiskalte Flasche Wasser. Er leert sie zur Hälfte und stellt sie neben sich ab, dann kramt er seinen Tabakbeutel aus der hinteren Hosentasche und dreht sich eine Zigarette. Er nimmt einen tiefen Zug und schmunzelt. Jeden Morgen sitzt Jules auf dieser Bank und tut so, als würde sie lesen. Getarnt von einem spärlichen Rosenstock. Sie traut ihm wohl noch nicht zu, dass er auch alles richtig macht. Fast alles, manchmal zieht er immer noch das Bein ein klein wenig an. Er bemerkt es jedoch immer, und korrigiert es jedes Mal. Ian mag es, wenn sie dort oben sitzt und ihn über das
Buch hinweg beobachtet. Hat sie eigentlich wirklich gedacht, dass man das nicht merkt? Dass er das nicht merken würde? Er lächelt, lehnt sich an und schließt die Augen. Wie warm und sanft ihre Hände sind, wenn sie ihn berührt. Nach all den Jahren kann er wieder vertrauen. Ein unheimlich gutes Gefühl. Natürlich hat er seiner Familie immer vertraut. Er hat auch keinen Grund das nicht zu tun, aber das Vertrauen zu Jules ist etwas ganz anderes. Ian fühlt sich wohl in ihrer Nähe, mehr noch, er genießt es, bei ihr zu sein. Heute ist Samstag und er bemerkt fast ein bisschen wehmütig, dass Jules nur noch zwei Wochen hier sein wird. Nachmittags will Connor mit Jules einen Ausflug machen. Soll er wirklich mitfahren? Connor hat ihn schließlich ausdrücklich eingeladen. Oder soll er die Geschwister lieber allein fahren lassen? Andererseits wäre das eine gute Gelegenheit, ganz offiziell noch etwas mehr Zeit mit Jules zu verbringen. Vielleicht fährt er mit, aber nur vielleicht. Er reißt sich selbst aus seinen Tagträumen, steht auf und geht grinsend zurück an seine Arbeit.
Als Julia die Küche erreicht, sitzt Sandra am Tisch und schält Kartoffeln. Heute Abend ist das Guinness-Fest und es gibt noch eine Menge zu tun. Julia legt ihr Buch beiseite, schnappt sich ein Gemüsemesser und greift ihrer Gast-Mom unter die Arme.
»Na, meine Süße? Warst du im Garten?.« Sandra sieht nicht von ihren Kartoffeln auf.
»Ja, es ist einfach herrlich, da draußen«, seufzt sie.
»So, so«, grinst Sandra frech.
»Ähm, ja. Der Garten ist aber auch wunderschön.« Julia schält noch eifriger, als zuvor.
»Ist das alles?«
»Was meinst du, Sandra?«
»Gibt es da nicht vielleicht zufällig einen Kerl, der meistens halbnackt in seiner Schmiede steht?« Sandra sieht Jules in die Augen.
»Also, ich …« Julia schneidet sich prompt in den Finger. »Autsch.« Sie lässt die Kartoffel los und steckt sich den Daumen in den Mund, wie ein Kleinkind.
»Ich hol dir eben ein Pflaster«, grinst Sandra und verschwindet in der Kammer. Sie kehrt zurück, zieht Jules den Daumen aus dem Mund und versorgt den kleinen Schnitt mütterlich. »Habe ich gerade den Nagel auf den Kopf getroffen?«, lächelt sie forsch.
»Gut gemacht, Jules«, ärgert sie sich. »Da war ich wohl mal wieder so unauffällig, wie eine Dampframme, super.«
»Sei nicht so streng zu dir, Schätzchen. Er ist eben ein hübscher Bengel.«
»Sandra, bitte«, fleht Jules fast. Hübsch? Der Kerl ist heiß, denkt sie und schämt sich augenblicklich für diesen Gedanken. Peinlich berührt sieht sie auf den Tisch.
»Stimmt das etwa nicht?«
»Nein, doch, was weiß ich. Ich bin Connors Schwester und Ians Therapeutin, sonst nichts«, bestärkt sie sich selbst und glaubt sich dabei kein einziges Wort.
»Selbstverständlich.« Sandra nickt wissend und ihr Lächeln ist ein wenig boshaft.
»Gut, dann wäre das ja geklärt«, bestimmt Jules und greift sich die nächste Kartoffel.


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