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> Belletristik > Joshua - die Arroganz Gottes
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Belletristik
Buch Leseprobe Joshua - die Arroganz Gottes, Stephan Rossmann
Stephan Rossmann

Joshua - die Arroganz Gottes



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Der Lenker des Schicksals werkelt seit Tagen im Elysium. Nicht mal zum Essen kommt er raus, was seltsam anmutet, wenn man bedenkt, wie verfressen der Erschaffer sonst daherkommt. Der Herrscher über alles, was war, ist und sein wird scheint schwer beschäftig, weshalb seiner Angetrauten berechtigte Sorgen durch den himmlischen Kopf geistern. Ungezählte Ewigkeiten krümmte der Allmächtige keinen Finger, kümmerte sich um rein gar nichts, nur um mir nichts, dir nichts im Elysium zu verschwinden. Kann nicht sein, der treibt was im Schilde, vermutet seine bessere Hälfte.


„Lucifer! Komm mal hoch! Er arbeitet!“ hallt es durch den Olymp.


„Der faule Sack? Gibt’s doch gar nicht“, antwortet eine sympathische, überaus fröhliche Stimme.


„Doch! Würdest du mal kommen!“


„Bin ja schon da. Also, was ist los?“


Schneller als der Flügelschlag eines Kolibris steht Lucifer in der Küche. Der kleine Bruder des Allmächtigen, ein mächtiger Gott, dessen strahlendes Licht nicht blendet, sondern wärmt und umschmeichelt. Schwarzes, natürlich gelocktes Haar, ewig blaue Augen, zu guter Laune verdammt. Ein Charmeur und Glücksritter, der selbst für einen Unsterblichen unverschämt gut aussieht.


„Seit sechs Tagen (in göttlicher Zeitrechnung) werkelt der allmächtige Herr im Elysium rum, während ich Einhorn am Spieß zubereitete und die Hälfte wegschmeißen muss, weil er keine Anstalten unternimmt rauszukommen. Was glaubt er, wer er ist?“ regt sich Alice auf, hantiert weiter mit dem Essen, konzentriert sich auf ihre Wut. Den Schwager nimmt sie nicht für voll, obwohl sie weiß, dass ihr Mann kein Deut besser ist. Sie weiß aber auch, dass er der einzige ist, dem der Allmächtige zumindest halbwegs ein Ohr schenkt.


„Als junger Gott schlief er vier Tage am Stück. Daran kann ich mich noch genau erinnern. So etwas gab es zuvor nicht. Die alten Götter schliefen nie, unsere Eltern höchstens ein paar Stunden. Dein Mann brach alle Rekorde.“


„Blödsinn! Ich hör doch, dass er da drin umeinander werkelt, schraubt, womöglich etwas erschafft“, regt sich Alice auf, legt den Kochlöffel beiseite und wendet sich Lucifer zu. Scharf sieht sie ihm in die Augen.


„Mit seiner Erschafferei geht er mir gewaltig auf die Nerven. Ich hab dies erschaffen, jenes vollbracht. Soll er mir bloß nicht wieder lauter so unnützes Zeugs in den Olymp schleppen. Ich weiß genau, wer den Dreck am Ende wegräumt.“


Lucifer hütet sich vor jeglicher Stellungnahme. Er weiß, wofür er gerufen wurde.


„Alles klar, ich geh da mal rein“, verkündet er trocken, ohne den üblichen Pathos.


„Tu das! Und sag ihm, dass wir morgen meine Eltern besuchen.“


„Dein Wille geschehe.“


Lucifer ärgert sich über seine vorlaute Schwägerin, die ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit unterbuttert und auch sonst ein respektloses Verhalten an den Tag legt. Was glaubt sie, wer sie ist, ärgert er sich. Lucifer ist weder vermählt, noch liiert, der Liebling aller, überhaupt ein Sonnenschein, der Inbegriff eines Gottes, der Prächtigste und Schönste, der mit ungezählten Affären von sich reden macht - aber halt die Nummer zwei.


Was taugt ein Gott, ohne Göttin, die ihm sagt, was zu tun ist, denkt sich die Frau des Allmächtigen, schneitet ein leckeres Stück Hüfte aus dem Einhorn und lässt es sich schmecken.


Lucifer klopft an die Tür des Elysiums, wartet nicht erst auf eine Antwort, sondern geht einfach rein. Er ist ein Gott, dem verschlossene Türen nichts bedeuten. Außerdem ist Lucifer draufgängerischer als sein großer Bruder, der hinter vorgehaltener Hand als Pantoffelheld gilt.


„Wohnst du am Berg, oder was? Tür zu!“ dröhnt es aus einer beleuchteten Ecke des ansonsten finsteren Arbeitszimmers.


„Du weißt genau, wo ich wohne. Unten! In dem modrigen Keller, weil mein lieber Herr Bruder das Wort teilen recht großzügig, zu seinen Gunsten auslegt.“


„Hör auf zu jammern, du Muschi! Du hörst dich an wie unsere Schwestern.“


Lucifer schließt die Tür, grummelt in seinen nichtvorhandenen Bart und schlappt in die vom Chaos beherrschte Ecke, wo der Lenker des Schicksals mit allerhand Gerätschaften und Materialien hantiert. Er scheint etwas zu erschaffen, mit göttlichen Händen, unendlicher Kreativität. Lucifer stellt sich neben den Allmächtigen, kratzt sich an der Nase, schaut ihm gelangweilt über die Schulter. Gemeinsam betrachten sie sein Werk.


„Was sollen das sein?“ nörgelt Lucifer rum, worauf er vom Lenker des Schicksals keines weiteren Blickes gewürdigt wird. Demonstrativ bastelt er weiter.


„Ein Universum! Hast du noch nie ein Universum gesehen?“ mault der Lenker des Schicksals. Insgeheim jedoch freut er sich, dass sein kleiner Bruder vorbeischaut und er zeigen kann, was er in einer Woche erschuf. Für Götter kommt es nicht in Frage Freundschaften zu pflegen, wodurch die eigene Verwandtschaft umso wertvoller wird.


„Ja, toll! Und wie kommt man auf so einen Blödsinn?“


„Da kommt man gar nicht drauf. Ich hab einfach ein wenig rum gebastelt, mit dem alten, düsteren Zeugs von unseren Eltern. Raum, etwas Zeit, eine Prise Materie, vermischt mit Energie. Was halt so rumlag. Aus reiner Langeweile knetete ich ein wenig damit, schlug da mal drauf, trat dort dagegen, als Alice urplötzlich im Zimmer stand, mich ordentlich zusammenstauchte und die Tür so feste zuschlug, dass die Wände wackelten. Da kam Bewegung in die Hütte, kann ich dir sagen. Und nicht nur das, mein Universum legte so richtig los, dehnte sich aus und so.“


„Na, hoffentlich überdehnt es sich nicht.“


„Quatschkopf! Eine ungeheure Druckwelle schoss durchs Zimmer, erfasste das Universum. Mit einem Mal verselbstständigte sich alles, einfach alles. Diese wahllos zusammengeworfene Masse wurde größer und größer, bewegte sich fächerförmig von der Türe weg und dehnt sich seitdem weiter aus. Die Expansion hält an.“


„Ha, Ha! Dein Universum ist auf der Flucht! Auf der Flucht vor Alice. Wird schon wissen, was ihm blüht.“


Lucifer kann sich seinen Spott nicht verkneifen, genauso wenig wie ein Grinsen. Bisher bekam sein Bruder noch selten etwas auf die Reihe. Die Umbauarbeiten am Olymp zogen sich über tausende von Ewigkeiten und wurden doch nie fertig. Eine unbeendete Baustelle folgte auf die nächste und so weiter, bis seine Frau die Sache selbst in die Hand nahm. Seitdem herrsche Ruhe im Olymp. Der Allmächtige liegt faul auf seinem Sofa, lässt sich den Rücken kraulen, vernascht hier und da eine Nymphe.


„Ja, ja, jetzt mach dich nicht so wichtig. Es gibt einiges zu entdecken. Du wirst Galaxien, Sternennebel, Sonnen, Planeten und vieles mehr entdecken. Milliarden davon, es werden immer mehr. Der Große Knall, wie ich es nenne, setzte das Universum in Bewegung, ein Eigenleben entwickelte sich. Klar, musste ich hier und da eingreifen, etwas modifizieren, dort was wegnehmen und so weiter.“


Lucifer rückt näher ran, begutachtet das allmächtige Werk und gerät unfreiwillig ins Staunen. Betrachtet man den schwarzen Klumpen näher ist doch einiges los. Hin und weg ist er, von dem was seines Bruders Geist erschuf. Fein und raffiniert ausgearbeitet erscheinen die Details, geballt die Galaxien, immer eine Einheit.



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