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Belletristik
Buch Leseprobe Jackson, Leroy Carver
Leroy Carver

Jackson


Jackson putscht in Mexiko

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„Du spielst falsch, Amigo!“ In der schäbigen Grenzlandspelunke, die sich hochtrabend Golden Palace Saloon nannte, wurde es augenblicklich totenstill. Das Stimmengemurmel der wenigen Gäste erstarb und das Klirren von Flaschen und Gläsern setzte aus. Ungläubig starrten die Anwesenden auf den hageren Texaner, der am Spieltisch saß. Amos Jackson trug die Armeehosen eines Soldaten der ehemaligen konföderierten Armee, dazu ein zerschlissenes Baumwollhemd und eine ärmellose Weste. Seine Füße steckten in hochhackigen Reiterstiefeln aus brüchigem Leder und mit schiefgelaufenen Absätzen. Unter der Krempe seines breitrandigen Texashutes quoll sandfarbenes Haar in dichten Strähnen hervor. Ernste, wasserblaue Augen, eine kurze, gerade Nase und ein nachdenklicher Zug um den Mund verliehen seinem Gesicht eine kantige Härte. Langsam lehnte er sich auf seinem Stuhl zurück. „Du verdammter Bastard!“, zischte sein Gegenüber. „Sag das noch mal.“ Es war offensichtlich, dass der Mann trotz der frühen Mittagsstunde nicht mehr ganz nüchtern war. Sein verschwitztes Haar klebte ihm wirr um den Schädel. Er hatte eine Zigarre im Mundwinkel, rülpste ständig und klammerte sich immer wieder mit der Linken an die Tischkante, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. „Ich sagte, dass du falsch spielst. Schon seit einiger Zeit markierst du die Karten mit deinen Fingernägeln. Für wie dumm hältst du mich eigentlich, oder meinst du am Ende gar, ich bin blind? Du gibst mir jetzt mein Geld zurück, und dann vergessen wir beide die ganze Sache, savy?“ Der angesprochene Spieler lachte schrill. „Ich an deiner Stelle wäre vorsichtig mit dem was ich sage. Männer, die solche Töne pfeifen, sterben hierzulande relativ früh.“ „Falschspieler aber auch!“ Der Spieler sprang auf und stieß seinen Stuhl zurück. Wut blitzte in seinen vom Alkohol geröteten Augen auf. Seine Rechte fuhr mit einer raschen Bewegung unter das verdreckte Hemd und kam mit einem Derringer wieder zum Vorschein. Waffenstahl blinkte im düsteren Licht des Saloons auf, als er die Mündung der kurzläufigen Taschenpistole auf Jackson richtete. Der Texaner reagierte mit der Wildheit eines Pumaweibchens, der man die Jungen wegnehmen wollte. Während sein Gegner den Zeigefinger um den Abzug krümmte, versetzte Jackson dem Tisch einen Stoß und ließ sich mitsamt seinem Stuhl nach hinten fallen. Die Tischkante rammte dem betrunkenen Spieler in den Leib und er torkelte nach hinten. Er hatte damit nicht gerechnet und veriss den Schuss deshalb total. Zu einem zweiten kam er nicht mehr. Bevor er den Lauf seiner Waffe erneut auf Jackson richten konnte, blitzte es an dessen Hüfte auf. Noch im Fallen hatte sich die Rechte des Texaners auf den zerschrammten Griff seines Navys gelegt. Eine gedankenschnelle Bewegung und es schien, als würde der schwere Revolver von alleine aus dem Holster springen. Das dumpfe Wummern der großkalibrigen Waffe erfüllte den Saloon bis in den hintersten Winkel. Der Spieler wurde vom Aufprall der Kugel förmlich aus den Stiefeln gehoben. Die Wucht des einschlagenden Geschosses warf ihn nach hinten an die Theke. Eine Mischung aus Erstaunen und Entsetzen lag in seinen Augen, als er langsam zu Boden sank. Seine Finger öffneten sich und der Derringer fiel polternd auf die ausgetretenen Holzdielen. Aus einer großen Wunde in der Brust sickerte dunkles Blut. Einen Moment noch verharrte er in sitzender Haltung vor der Theke, sein Mund öffnete sich, dann kippte er jäh zur Seite. Jackson wandte sich kopfschüttelnd ab und ersetzte die abgeschossene Patronenhülse sofort durch eine neue. Pulverdampf zog in stinkenden Schwaden durch den Saloon. „Das hättest du auch einfacher haben können“, sagte er verärgert und sammelte anschließend das Geld vom Boden auf, während sich unter dem Körper des Falschspielers ein dunkler, hässlicher Blutfleck auf dem Fußboden abzuzeichnen begann. Die anderen Gäste waren inzwischen alle verschwunden. Offensichtlich wollte hier niemand mit dem Geschehen in Verbindung gebracht werden. Nur der Barkeeper war zurückgeblieben. Er stand wie angewurzelt hinter der Theke, starrte den Texaner aus großen Augen an und tupfte sich immer wieder mit einem geblümten Taschentuch den Schweiß von der Stirn. Seine Hände zitterten dabei wie Espenlaub. „Ich denke, wir beide sollten uns einmal unterhalten!“ Die Stimme schien aus dem Nirgendwo zu kommen. Instinktiv zuckte Jacksons Revolverhand nach rechts, wo sich allmählich die Umrisse einer massigen Gestalt aus dem Halbdunkel des Saloons schälten. Sein Blick wanderte an einer dunkelblauen Stoffhose zu einem wohlgenährten Bauch hoch, über dem sich in bedenklicher Weise eine geblümte Samtweste unter der offenen Anzugsjacke spannte. Dann bis zu einem schwammigen Gesicht, das beherrscht wurde von einem gewaltigen Sichelbart, und weiter zu einem Geierschnabel von Nase und zwei dunklen Augen, die glänzten wie frisch polierte Kanonenkugeln. „Mein Name ist Lawson“, sagte der Dicke, der keine Waffe zu tragen schien, jedenfalls nicht offen. Ein falsches Lächeln lag auf seinem Gesicht, als er Jackson mit einem halb gefüllten Whiskyglas zuprostete. „Henry Lawson, ich bin Geschäftsmann.“ Nachdem Jackson erkannt hatte, dass ihm der Mann nicht gefährlich werden konnte, steckte er den Navy wieder zurück ins Holster. „Was wollen Sie?“ Lawson kam ohne Umschweife zur Sache. „Auf einen wie dich warte ich schon seit Tagen.“ „Tatsächlich?“ Das zur Schau getragene, vermeintlich freundliche Grinsen im Antlitz des Mannes verschwand urplötzlich und machte seinem wahren Gesicht Platz. Vor Jackson stand jetzt ein eiskalter, profitgieriger Geschäftsmann. „Ich bin hier, um dir ein Geschäft vorzuschlagen.“


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