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Irrlichter und Spökenkieker


ein Föhr Roman

von Helga Licher

belletristik
ISBN13-Nummer:
9783866751828
Ausstattung:
Taschenbuch 253 Seiten
Preis:
12.50 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Mohland Verlag
Kontakt zum Autor oder Verlag:
h.licher@gmx.de
Leseprobe

Pfarrer Harms hatte es eilig. Die letzte Ölung beim alten Christiansen hatte viel mehr Zeit in Anspruch genommen, als ihm lieb war. Bereits seit Stunden wurde er auf dem Knudtsenhof erwartet und Harms wusste genau - Ole Knudtsen konnte sehr ungnädig werden, wenn man ihn warten ließ. Hastig lief der Pfarrer den Feldweg entlang, der zur Hauptstraße führte. Von dort war es nur noch ein kurzer Fußmarsch bis nach Oldsum. Zu allem Überfluss hatte es inzwischen zu regnen begonnen und die halblangen, dünnen Haare des Pfarrers klebten zerzaust an seiner Stirn. Mit einer ungeduldigen Handbewegung strich er eine Haarsträhne zurück und schlug den Kragen seines langen, schwarzen Mantels hoch. Gewöhnlich war er mit seinem Fahrrad unterwegs, aber irgendjemand hatte ihm in der vergangenen Nacht einen Streich gespielt und die Luft aus den Reifen gelassen. Die Luftpumpe war unauffindbar und so musste sich der Pfarrer zu Fuß auf den Weg machen. Einen Augenblick lang blieb er an der Kreuzung stehen und ließ seinen Blick über das weite Deichvorland schweifen. „Hier hat unser Herrgott sein Meisterstück geschaffen", murmelte er und schlug die Richtung nach Oldsum ein. Äußerst misstrauisch waren die Oldsumer ihm gegenübergetreten, als er nach seiner Ordination das Pfarramt in der St. Laurentii Gemeinde übernahm. Doch schon bald hatte er durch seine hilfsbereite und bodenständige Art das Vertrauen der Dorfbewohner gewonnen. Das 800 Jahre alte Gotteshaus der St. Laurentii Kirchengemeinde, welches fortan seine Wirkungsstätte sein sollte, befand sich inmitten des Friedhofes der Orte Oldsum und Süderende. Das Geläut der bronzenen Kirchenglocken war weit über die Insel zu hören, wenn sie mit ihrem satten Klang zum sonntäglichen Gebet riefen. Während Oldsum im 17. Jahrhundert von Walfängern und Fischern besiedelt wurde, ist das Ortsbild heute von schmucken, reetgedeckten Bauernhöfen geprägt. Duftende Gärten säumen die schmalen Straßen. Wenn man die Hauptstraße entlang etwa bis zur Dorfmitte geht, dort wo die alte Windmühle steht, sieht man schon von Weitem den stattlichen Hof der Familie Knudtsen.

Klappentext

Die einen bezeichnen sie als mit einer besonderen Gabe gesegnet, die anderen beschreien sie als vom Teufel besessen. Aber wie auch immer man es nennen mag - die weiblichen Nachkommen der Knudtsen-Familie tragen an einem schweren Erbe mit ihren hellsichtigen Fähigkeiten.Wohlbehütet und umsorgt wächst die kleine Stine zunächst bei ihren Großeltern Ole und Meta Knudtsen auf der Insel Föhr auf. Die erste Dekade der schweren Nachkriegsjahre ist überstanden, der Knudtsen-Hof steht erneut in voller Blüte und Stine lernt früh, was es heißt, dass sie einmal Erbin all dessen sein wird.Erinnerungen an ihre Eltern Rieke und Laas hat sie kaum, ihre Mutter stirbt noch vor ihrem 3. Geburtstag und ihr Vater kehrt daraufhin aufs Festland zurück, wo er sich neu verheiratet. Stine spürt früh, dass sie anders ist als andere Kinder; sie ist introvertiert und statt herumzutollen sitzt sie lieber ruhig allein und schreibt kleine Geschichten und zeichnet wunderschöne Engel. Auch geht sie gern mit ihrer Großmutter auf den Friedhof, genießt die Ruhe dort. Ihre friedliche kleine Welt wird abrupt gestört, als sie nachts von verwirrenden Träumen heimgesucht zu werden beginnt. Immer wieder erscheint ihr eine „weiße Frau", doch deren Botschaften bleiben anfangs nicht nur rätselhaft für Stine, sondern werfen mehr und mehr Fragen auf, die auf Beantwortung drängen: Welches Geheimnis verbirgt sich hinter dem Tod ihrer Mutter und was hat Großvater Ole mit der ganzen Sache zu tun? Warum wird die Existenz ihrer Mutter auf dem Knudtsen-Hof totgeschwiegen? Anhand von Stines Weg ins Erwachsenenleben zeichnet die Autorin auf hochspannende Weise ein Bild von den Frauen dreier Generationen, deren Leben durch die ihnen gegebenen Fähigkeiten in einer einengenden, oft rückwärts gewandten und moralisch altmodischen dörflich isolierten Gesellschaft geprägt ist.

Rezension