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> Belletristik > Ins ungewisse Sein
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Belletristik
Buch Leseprobe Ins ungewisse Sein, Peter Pitsch
Peter Pitsch

Ins ungewisse Sein



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Die Regenwolken zogen nach Osten davon, in der Luft hing ein Geruch von feuchtem Laub und süßem Moder, der aus den Poren uralten Mauerwerks hervordampfte. Vorbei an zwielichtigen Figuren eilten sie mit langen Schritten ins Rotlichtdistrikt; eine grelle Leuchtschrift sandte eine hypnotisierende Botschaft: PEEPSHOW, LIVE. Die Fassade des Etablissements war mit überdimensionalen Grafiken dekoriert: sich verführerisch schlängelnde, halbnackte Frauenleiber. Aus verborgener Quelle entstieg ein ekstatisches Gestöhne. Verstohlenen Blickes schlichen sie über einen schmalen Flur, hinter einer Aneinanderreihung violetter Türen lockte die ultimative Versuchung, der Ruf des Fleisches. Sehnsuchtsvolles, geiles Geflacker in den Augen, drückte Martin eine Klinke und war verschwunden, ein Riegel schnappte und ein rotes Lämpchen entflammte über der Tür. Höchster Erregungszustand! Auch Walter wollte ein Lämpchen zum Leuchten bringen - in der beengenden Kabine roch es nach Desinfektionsmittel, süßlichem Sperma und nach Achselschweiß. Er las die Gebrauchsanweisung an einem Metallkästchen, zwängte ein Fünf-Gulden-Stück in den Münzschlitz und vernahm ein verdächtiges Klirren. Hokuspokus glitt in Augenhöhe eine Klappe aufwärts und gab den Blick auf schwabbelig wogende Hinterbacken frei. Die Frau drehte sich mechanisch, missvergnügt um, drapierte ihren Körper über einen gepolsterten Stuhl, spreizte die Beine und sah den jungen Spanner voller Geringschätzigkeit an. Spitzbübisch tasteten seine Augen über ihr Geschlecht, von dunklem Haarwuchs wild umwuchert. Doch wieder und wieder stierte er in das grotesk geschminkte Gesicht, auf dessen Zügen, allem Hochmut zum Trotz, eine Spur von Bitterkeit lag. 


Hinaustretend auf eine regennasse, Müll umspülte Straße, spielte Martin den Draufgänger. „Wird Zeit, uns ein paar Drogen zu besorgen." Er guckte sich nach allen Seiten um, so als hinge womöglich einer der lichtscheuen Gestalten eine lange Tüte aus dem Mundwinkel. Während der willkürlichen Suche sprachen sie einen umher torkelnden, pestbeuligen Kerl an, eine käsige Bohnenstange mit Dreadlocks, dessen knochige Hand Halt suchend zur nächsten Hauswand flatterte. „Klar! Ich habe noch Trips in der Tasche und Hasch fürn Hunderter", lallte er auf Englisch und blies ihnen seine kotzige Fahne ins Gesicht. Martin schaute den Besoffenen ehrfürchtig an, so als erscheine ihm das Orakel von Delphi höchstpersönlich. „Na prima, nehmen wir alles", posaunte er und händigte dem Zerlumpten mehrere Geldscheine aus. Der weiße Rastafari knüllte das Geld lieblos zusammen und krächzte spöttisch: „Schon gut, schon gut." Mit Siebenmeilenstiefeln suchte er das Heil in der Flucht, nach hundert Metern Schlangenlinie hatte ein nebliger Dunst seine Silhouette verschluckt. Martin bastelte einen imposanten Joint, machte beim Anzünden ein theatralisches Gehabe, und siehe da, in Sekundenschnelle qualmte es infernalisch aus der Tüte und ein abscheulicher Gestank von brennendem Gummi verpestete die Luft. Das Unikum brodelte, sprühte und knallte. Von Rauchwolken umzingelt, kämpfte Martin sich ans Ufer einer Gracht vor; der Pseudojoint landete auf dem schwarz glänzenden Gewässer und zischte ein letztes Mal gehässig. Aus unbestimmter Ferne ertönte das höhnische Gebimmel einer Trambahn.


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