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> Belletristik > In der Bank da sind die Räuber
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Belletristik
Buch Leseprobe In der Bank da sind die Räuber, Brigitte Wehrfritz
Brigitte Wehrfritz

In der Bank da sind die Räuber


Wie man gezielt eine Existenz zerstört

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Leseprobe Wehrfritz In der ersten Verblüffung rief ich unseren allseits beliebten Betriebsberater bei der Handwerkskammer an, forderte ihn als erstes auf, keine schnoddrigen Bemerkungen von sich zu geben, was sonst seine Art war, da mir absolut nicht zum Lachen zumute war. Fünf Minuten hielt er sich daran, aber dann schilderte er plausibel wie es ist, vor dem Kaufhaus mit dem Hut als Sozialhilfeempfänger zu sitzen. Er riet mir außerdem einen besonders alten Hut dafür zu nehmen, sonst werfe niemand Geld hinein. Vielleicht könne ich auch dabei singen, aber dann würde ich wahrscheinlich überhaupt nichts einnehmen, so sein Kommentar. Anschließend vereinbarten wir einen Termin, um eine Bestandsaufnahme zu machen und eine Lösung zu suchen. Sichtlich erschrocken von den kolossalen Zahlengebilden verging auch ihm sein makabrer Humor. Nur wusste er aber auch, wie schnell so etwas zustande kommt, noch dazu, wenn die Banken trotz frühzeitiger Anfragen und Bitten jede Hilfestellung verhindern oder ablehnen. Wir konnten uns beim besten Willen nicht erklären, wieso wir plötzlich ohne Vorwarnung „Persona non grata“ geworden waren. Als uns ein Licht aufging, war es schon zu spät. Der stille Teilhaber war nicht mehr still, aber trotzdem wollte niemand mit uns reden. Alle Vorschläge wurden ignoriert. Hatten wir doch vor einigen Jahren auf Anraten des Bankdirektors zwei riesige Versicherungen abschließen müssen, die mit 3000 DM monatlich zu Buche schlugen und vom überlasteten Kontokorrent gezahlt werden mussten, andernfalls würde er die restliche Baufinanzierung nicht durchführen können. Der wirkliche Bankräuber Ja, ja, in der Bank da sind wirklich die Räuber … ich hätte nie gedacht, dass mein Titel so nah an der Wahrheit ist! „Banker sitzt in Haft!“ Wau, das war eine Schlagzeile im Internet und am nächsten Tag in der Tageszeitung. Ich traute meinen Augen nicht, es ist der Banker, der uns jahrelang getriezt hat. Der eine Woche vor Silvester schnell mal 30.000 Euro von uns wollte um unser Konto auszugleichen, obwohl er von vielen künftigen Einnahmen wegen der Jahresabrechnungen wusste. Es waren gerade mal drei Tage um das Geld zu beschaffen damit es noch rechtzeitig einginge. Vielleicht musste er ein Loch stopfen, nicht wir. Wen fragen wir, wer gibt uns was. Vor allem warum muss das so schnell gehen. Er befürchtet eine Betriebsprüfung der Bankenaufsicht und da sollte sich unser Konto mehr als sonst im grünen Bereich befinden. Warum er die Bankenaufsicht gefürchtet hat, ist für mich jetzt eine klare Sache. Wegen uns war es nicht. Bittgänge waren erforderlich. An die Demütigungen und Beschimpfungen kann ich mich noch erinnern. So bettelten wir innerhalb dieser Tage die Summe zusammen um sie noch fristgemäß einzahlen zu können. Die Banken arbeiten ja um Silvester nicht mehr so viel, die Weihnachtsfeiertage machten es uns auch nicht leicht. Das Geld hat er natürlich nicht mehr herausgerückt, so dass wir unsere Geldgeber vertrösten mussten. Der Familienfriede war somit wieder gestört, weil wir als Lügner dastanden. Auch die andere Geschichte mit dem falschen Konto war vermutlich zum Füllen der eigenen Tasche gedacht. Zum Schluss konnte er nicht mehr auf so doofe Kunden wie uns zurückgreifen und vergriff sich, wie es jetzt heißt, an fremdem Gut. Jetzt empfinde ich Genugtuung. Die vielzähligen Canossagänge bzw. Fahrten zu den Landeiern sind mir noch in guter Erinnerung. Die demütigenden Bittgänge und Gespräche verursachen mir immer noch Ängste.


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