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Immer volle Kanne


von Joe Emm

belletristik
ISBN13-Nummer:
9783868503876
Ausstattung:
Paperback
Preis:
16.49 €
Mehr Infos zum Buch:
Website
Verlag:
Tredition
Leseprobe

Am besten starte ich meine kleine Erinnerung an jenem denkwürdigen Tag des Jahres
1978, als ich mittags in der Pommesbude von Curry-Paul Alwis Ennemann traf. Alwis war
ein lebendes Fossil. Er stammte aus jener Zeit, in der Männer noch richtige Kerle waren.
Oder besser gesagt, noch sein durften! Ich kann bis heute nicht sagen, ob Alwis sein wirklicher
Vorname oder nur ein Spitzname war. Ist aber auch egal. Jedenfalls war Alwis, ein
kerniger Mittfünfziger des pyknischen Typs, einer der Originale in „seiner Stadt“. Wobei
Stadt natürlich maßlos übertrieben war! Genauer gesagt handelte es sich dabei um ein unbedeutendes
Kaff namens Ebbinghausen. Dieses verschlafene Kuhkaff Ebbinghausen, das
man nicht unbedingt kennen muss, lag in unmittelbarer Nachbarschaft einer ostwestfälischen
Universitätsstadt.
Ein Kaff in Ostwestfalen! Das bedeutete Ende der Siebziger, Anfang der achtziger Jahre
des vorigen Jahrhunderts tiefste und düsterste Provinz. Das war der Rand der Zivilisation.
Schlimmer ging es nimmer. Im Rheinland sagen sie ja heute noch: Ostwestfalen, das ist dort,
wo man zum Lachen in den Keller geht!
Alwis Ennemann, Ebbinghausens oberster Sprücheklopfer und selbsternannter
„Cheferotiker“, sah wie eine bullige Variante des bekannten Hollywoodregisseurs Mel Brooks
aus. Stadtbekannt war er durch seine deftig-kernigen Sprüche geworden, die seiner Meinung
nach gleichermaßen Intelligenz wie Lebensweisheiten widerspiegelten. Seine beiden bekanntesten,
aber wahrscheinlich nicht auf seinem Mist gewachsenen Sprüche waren:
„Es kommt der Tag, da will der Hammer schlagen!“
und
„Ja, so ist das mit der Liebe, darum heiratet man!“
Aus einem mir unbekannten Grund brachte Alwis den zweiten Spruch am liebsten dann
an, wenn er mit wildfremden männlichen Personen auf irgendeiner Kneipentoilette an der so
genannten Pissrinne stand. Eindrucksvoller Begleitumstand seines „tiefsinnigen“ Spruchs
war immer ein lautes, lustvolles Räuspern wie „ääääääääääh“. Das erinnerte schon verdächtig
an die Brunftzeit!
Auf Kneipentoiletten lief Alwis sowieso (rein spruchtechnisch gesehen) zur Höchstform
auf. Als beispielsweise mal jemand die Blase sehr voll hatte und eine ungewöhnlich lange
Zeit recht kräftig pinkelte, raunzte ihn Alwis an: „Sach mal, wat ist dat eigentlich für eine
Krankheit, die Du da hast? Ist dat ansteckend? Nachher habe ich auch noch die Knarre am
eitern! Dann kanze aber wat erleben. Dann steck ich Dir Deine eigenen Klöten in den Hals!“
Alwis konnte aber auch sehr höflich und hilfsbereit sein. Als einmal minutenlang sehr
laute Verdauungsgeräusche aus einer Toilette drangen, klopfte Alwis vorsichtig an die
Klotür und fragte fürsorglich: „Ist da drin alles in Ordnung oder benötigen Sie ärztliche
Hilfe?“
Wenn man schon über Alwis Ennemann redet, dann kommt man nicht umhin, seinen
überaus brachialen, ruhrpottähnlichen Dialekt und seinen sehr herben, durchtriebenen, aber
einzigartigen Charme zu erwähnen. Nicht zu vergessen, seine sehr tiefe, durchdringende
Stimme samt seiner dreckigen Art zu lachen. Sein Lebensmotto lautete übrigens „immer volle
Kanne“. Und wenn man es ganz genau betrachtet, hatte Alwis sogar noch einen dritten markanten
Spruch drauf:
„Aus Spaß wurde Ernst und jetzt kann er schon laufen!“
Alwis erzählte mir an jenem Tag stolz wie Oskar, er wolle sich in der bekannten
Fernsehsendung „Wetten dass?“ bewerben. Seine einfallslose, aber artgerechte Wette lautete:
„Ich erkenne fünfundzwanzig verschiedene Biersorten am Geschmack!“
Die anderen Pommesbudengäste kriegten den Wettvorschlag von Alwis ebenfalls mit.
Ein vorlauter Wichtigtuer meldete sich daraufhin zu Wort und meinte prahlerisch: „Die
Wette ist doch gar nichts, stinklangweilig! Da lockst Du keinen mit hinter dem Ofen hervor!
Ich hab da mehr zu bieten! Ich erkenne fünfundzwanzig Weiber aus Ebbinghausen an ihrem
Intimgeruch!“ Auf diesen gewagten Spruch gab es ein gewaltiges Echo. Genau genommen
war das schon urgewaltig!
Es wurde sogar handgreiflich, als ein mir unbekannter, glatzköpfiger Scherzkeks zu
seinem recht dröge wirkenden Gegenüber sagte: „Deine Alte könnte bei der Wette gar nicht
mitmachen! Bei der ist das da unten kein Geruch, sondern Gestank!“ „Du blöder Glatzkopp,
Du! Halt bloß Deine Schnauze! Du scheinst da was mit deiner eigenen Alten zu verwechseln.
Ich habe schließlich keine Bauerntrine zu Hause wie Du!“, lautete der trockene Konter des
drögen Typen. Der Spruch entpuppte sich als Wirkungstreffer und so wurde es richtig
urgemütlich. Zwischen den beiden Typen flogen auf einmal gehörig die Fetzen.
Durch das mutige und entschlossene Eingreifen einiger Gäste gelang es aber recht
schnell, die ursprüngliche Ordnung im Laden wiederherzustellen. Und Sprücheklopfer
Alwis fragte aufdringlich und bohrend: „Obermotzer, mein lieber Freund und
Bäckerbursche, wat meinste zu meiner Wette? Toll, wa? Dat iss doch mal wat! Nicht so
langweilig wie dat, wat die sonst da so zeigen!“ Ich sagte nur genervt: „Musst Du selbst
wissen, Alwis.“
Apropos Obermotzer. Den Spitznamen bekam ich schon in der Schule verpasst. Dabei
habe ich mich eigentlich noch nie als Motzer gesehen. Ich betrachte mich selbst mehr als den
stillen Beobachter und Genießer, der sich an der alltäglichen Situationskomik, den schrillen
Charakteren, die überall herumlaufen und den deftigkernigen Sprüchen seiner Mitmenschen
ergötzt. Im Laufe der Zeit habe ich auf diese Weise herrliche Anekdoten erlebt und tolle
Sprüche gehört.
Jedenfalls habe ich während meiner öden Schulzeit einem nicht nur in meinen Augen
ekelhaften Lehrer spektakulär die Meinung gegeigt, ihn vor vielen Zeugen lächerlich
gemacht und wie er meinte, damit seine Autorität untergraben. Dieser „zivile Ungehorsam“
hat mir seinerzeit einigen Respekt bei meinen Mitschülern und eben den netten Titel
„Obermotzer“ verschafft. Übrigens war es kein Geringerer als besagter Lehrer selbst, der mich
mit dem schönen Titel Obermotzer „geadelt“ hat.
Um noch etwas zu meiner Person beizusteuern: ich war früher zugegebenermaßen nicht
gerade ein Heiliger. Meine strenge Lehrerin hat mich immer als „schlecht Männeken“ tituliert.
Sie war eine von diesen (im damaligen Schuldienst häufig anzutreffenden) verhärmten
Fräuleintypen, die keinen Mann abbekommen hatten und ihren angestauten Frust an uns
armen Schülern austobten.
Selbst meine Mutter fand keine besseren Worte für mich wie „Du bist keinen Deut
besser wie Dein Vater!“ Diese Aussage kann ich aber bis auf den heutigen Tag nicht
beurteilen. Denn mein „stolzer Vater“ war ein Adliger von der Sorte „auf und davon“, den ich
nie kennen gelernt habe. Mit zarten 22 Jahren erfuhr ich dann von einem Halbbruder. Noch
mehr als diese Tatsache überraschte mich jedoch, mit wem ich meinen „geliebten“ Vater
teilte! Aber dazu später mehr.
Nun ja, ich kommentierte gern ungewöhnliche und komische Situationen. Oder besser
gesagt, fast alles. Irgendwie mussten diese knochentrockenen Kommentare einen hohen
Unterhaltungswert haben, denn es gab etliche Leute (meine Fangemeinde), die sich für
meine deftig-herben Sprüche samt meiner persönlichen Meinung interessierten! Deshalb
hörte man in bestimmten Kreisen schon mal Fragen wie: „Was hat Obermotzer denn dazu
gesagt?“
Aus diesem Grund wollte sicherlich auch Alwis meine Meinung zu seiner wenig
prickelnden Bierwette hören. Ich wollte ihm nicht ins Gesicht sagen, wie blöd ich seine Idee
fand und mich irgendwie diplomatisch herauswinden. Aber wie? Und als Alwis gerade
grantelte: „Obermotzer, sach wat! Butter bei die Fische, wat iss jetzt mit meine Wette?“, kam
die Erlösung laut „Mahlzeit“ sagend in Gestalt von Udo Sander, von allen nur „US“ genannt,
die Tür herein. US war Arbeitskollege von Alwis. Beide waren Fahrer beim einzigen
Transportunternehmen am Ort. US machte Alwis an: „Alwis, Du alter Schluffen, hau rein!
Sieh zu, dass Du deine Brocken zusammenkriegst, wir müssen heute noch in Herford
laden!“ So einfach gehen die Dinge manchmal!
Um noch mal auf das Motzen zurückzukommen: Ein Motzer braucht eine gute
Beobachtungsgabe, was seine Umwelt angeht. Unerbittlich und gnadenlos muss er nicht nur
Peinlichkeiten, sondern auch die dem gemeinen Betrachter oft verborgene Komik von an
sich bedeutungslosen Lebenssituationen aufdecken. Und selbst nach stundenlangem „Leute
beobachten“ und „Kommentieren“ muss ein wirklich guter Lästerer und Stänkerer selbst bei
völlig uninteressanten Situationen noch einen passablen Spruch heraushauen können!

Klappentext

 

Deftig-heftig mit einer anständigen Portion Humor und Ironie schildert Joe Emm in seinem im Mai 2009 erschienenen Roman „Immer volle Kanne“ die teils grotesken Abenteuer des Studenten Obermotzer in einem ostwestfälischen Provinzkaff zu Beginn der Achtzigerjahre. Obermotzer macht da recht wilde und stürmische Zeiten durch.

 

Der Roman von Joe Emm spielt sich größtenteils in Ostwestfalen ab, einer Region, die für viele Menschen der Inbegriff einer hinterwäldlerischen und langweiligen Gegend am Rand der Zivilisation ist. Für den Studenten und Lebenskünstler Obermotzer geht es hier aber von 1978 bis 1981 richtig spannend zu. Zu dieser Zeit lebt er in einem spießigen Kaff namens Ebbinghausen und nimmt es mit dem Studieren nicht so genau. Lieber treibt er sich, statt zur Uni zu gehen, in urigen Kneipen und Spelunken herum. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er recht erfolgreich mit Glücksspiel und Wetten. Bis ihn eines Tages das Glück verlässt……

Obermotzers Erlebnisse werden in einer schonungslos-harten Sprache erzählt und kommen dementsprechend authentisch herüber. „Immer volle Kanne“ ist eine spannende Geschichte über sehr skurrile Typen im Ostwestfalen der beginnenden Achtzigerjahre.

Der Autor hatte eine ganze Reihe recht unterschiedlicher Motive für dieses Buch. Das ging von „verrückte Geschichten der Nachwelt erhalten“ bis zur „humorvollen Abrechnung mit Ostwestfalen“. Mehr Informationen und eine Leseprobe gibt es im Internet unter:

 

http://www.tredition.de/books/ID916

 

Der Autor mag deftige Gegenwartsliteratur und kam dadurch zum Schreiben. Beim Lesen eines Buches dieser Kategorie sagte er sich: „So etwas kannst Du auch“ und begann zu schreiben. „Immer volle Kanne“ ist sein erstes Werk.

 

Joe Emm, Immer volle Kanne, ISBN 978-3-86850-387-6, ist im Tredition Verlag, Internet: www.tredition.de, erschienen. Es kostet als Printbook 16,49 €, als E-Book 4,99 € und kann im Internet bei Tredition über den link http://www.tredition.de/books/ID916 oder anderen Anbietern im Internet bestellt werden. Natürlich ist das Buch auch im Handel erhältlich. Ein Hörbuch ist in Arbeit.