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Belletristik
Buch Leseprobe Ich sehe was, was du nicht siehst, Lars Madaus
Lars Madaus

Ich sehe was, was du nicht siehst



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Vor dem OP-Saal wartete Adam nervös neben seiner Mutter. Sie saßen in einem Gang, der mit sauberen, schwarzen Stühlen und weißen Wänden Ernsthaftigkeit ausstrahlte. Das helle Grün des Fußbodens machte einen vergeblichen Versuch, den Jungen zu beruhigen. „Was für eine Vorsorge soll das sein? ” – „Sie soll dich vor Dummheiten bewahren. Es ist nur zu deinem Schutz. ” antwortete seine Mutter nicht ohne Besorgnis in ihrer Stimme. An der Wand hing eine monoton tickende, schwarz-weiße Uhr, deren Zeiger Adam mit einem umgekehrten Smileymund assoziierte. Es war zwanzig Minuten vor fünf an diesem düsteren Herbstnachmittag. Regen begann gegen die Fenster zu prasseln und der Wind schien von draußen eine Warnung zu heulen. Adam und seine Mutter saßen allein in dem Korridor, was bedeutete, dass er der Nächste war.


 


 


 


Die weite Tür des OP-Saals öffnete sich und ein junges Mädchen wurde auf einer Bahre heraus gerollt. Es war ein Mädchen von seiner Schule, das Adam als seine Traumfrau Natyra kannte. Ihr benommener Blick sah Adam im Vorbeifahren an als sagten ihre Augen: Du hast noch die Möglichkeit wegzulaufen im Gegensatz zu mir. Aus Nervosität wurde Angst und bald Panik. Adam wollte aufstehen und davonrennen, aber seine Mutter versicherte noch einmal Harmlosigkeit.


 


Die Tür schloss sich hinter Adam. Vor ihm stand ein Chirurg in blauem Kittel. Neben ihm bereitete eine Krankenschwester eine Spritze vor. Es gab kein Entkommen mehr. Von draußen hörte er die undeutliche Stimme des Mädchens, als er unvermittelt den Stich der Spritze in seiner Schulter spürte. Bevor die Benommenheit ihn übermannte, hörte er Natyra rufen, er solle fortlaufen, doch es war zu spät.


 


 


 


***


 


 


 


Unweigerlich fiel Adam in den Schlaf und dem Verbrecher-Chirurgen zum Opfer. Alles wurde schwarz und der Junge fühlte sich wie eingemauert in eine finstere Höhle. Außer ihm befand sich etwas Bösartiges in der Dunkelheit und wartete darauf anzugreifen. Es war der Tod, den Adam in dieser Höhle fühlte. Nicht der seines Körpers. Was er fühlte, war die Bedrohung seiner Seele, doch vor dem Angriff, fanden ein paar Lichtstrahlen in die Todesfalle.


 


 Das Licht schien Adam nicht echt zu sein. Eine Illusion der Hoffnung, um der Angst zu weichen. Er fühlte sich machtlos. Jegliche Kontrolle war ihm schon entzogen worden. Dennoch entschied sich ein Teil von ihm, dem Hoffnungsschimmer zu folgen. Ein Teil, der sich von dem Rest der sterbenden Seele losriss, weil er noch immer an eine bessere Welt voller Liebe glaubte. Es war ein separater Charakter, den ich Christian oder als Abkürzung Chris nenne. Er folgte dem Licht und gewann mehr Kontrolle über seinen Traum je näher er kam. Christians Fantasie wurde sichtbar und sein eigenes Paradies wieder erreichbar. Schließlich entkam die neue Persönlichkeit dem Tod und trat aus der Höhle. Geboren.


 


 


 


Er sah einen traumhaften Strand und einen Ozean aus Farben, die viel zu schön waren, um real zu sein. Am Himmel funkelten unzählige, silberne Sterne und erhellten die fantastische Landschaft. So viele, dass die Zwischenräume kaum zu sehen waren und hell genug, um tief in seine vorherige Falle zu reichen. Das Licht war konzentriert wie ein Scheinwerfer auf das schönste Element des Bildes, das Chris vor sich sah. Es schien auf einen weiblichen Engel mit langem, goldbraunem Haar. Natyra saß auf einem Felsen und schaute auf das Meer. Langsam drehte sie sich zu Chris.


 


„Du kannst nicht entkommen.” krächzte eine tödlich infizierte Stimme wie ein Stich in den Rücken. Chris sah sich um, während die Landschaft verdarb wie Obst im Zeitraffer. Im Eingang der Höhle stand der zurück gelassene Teil, Adam, eine seelenlose Marionette des Teufels. Er wirkte wie in einem verfluchten Spiegel, worin man sich selbst zu erschreckender Hässlichkeit verdorben sieht. Auch die Traumfrau auf dem Felsen verwandelte sich in ein graues Skelett und schrie in Panik, aber die Bedeutung ihrer Worte war immer noch himmlisch: „Ich liebe dich.”


 


 


 


***


 


 


 


Der neue Charakter Christian erwachte in einem Krankenhausbett. Sein schmerzender Kopf lag auf der linken Seite, sodass er aus dem Fenster sah und den Parkplatz erkannte, wo Adams Mutter geparkt hatte. Er fasste seine Stirn und spürte eine Naht. Was zum Teufel hatten sie mit ihm gemacht? Chris drehte den Kopf und erblickte wieder die Gestalt aus seinem Traum am Ende des Bettes, eine gealterte Version von Adam. Einen Mann um die 60 Jahre alt mit Halbglatze. Sein Gesichtsausdruck war emotionslos als er wie ein Roboter sprach:


 


- Willkommen zurück. Wie fühlst du dich?


 


- Ich fühle eine Naht an der Stirn und ich frage mich, was mit mir passiert ist.


 


- Kurz gesagt ist es eine Technologie, um Menschen in Maschinen zu verwandeln, aber bei dir hat es offensichtlich nicht vollständig funktioniert. Das Projekt befindet sich noch in einer geheimen Testphase. Man erzählt den Menschen von einer Vorsorge. Implantierte RFID-Chips, um Kinder orten zu können, damit sie nicht entführt werden oder Ähnliches.


 


 Anfangs stimmte das auch. Dann wurde damit experimentiert, durch elektro-magnetische Wellen unterschiedliche Teile des Gehirns zu stimulieren. So sollten Verbrechen verhindert werden und Menschen mehr oder weniger ferngesteuert werden. Die Kontrolle wurde jedoch von verschiedenen Hackern manipuliert. Manche nutzen dies als Gehirnwäsche, um Anhänger für ihre Religion, Sekte oder Terrororganisation zu gewinnen, aber größtenteils soll es kommerziell missbraucht werden wie in deinem Fall. Du wirst auf Arbeit und Konsum programmiert. Ein Teil von dir leistet noch Widerstand, aber auch der muss sterben.


 


 


 


Chris hoffte, immer noch zu träumen. Herr Morgen näherte sich, ohne eine Miene zu verziehen. Hinter dem Rücken nahm er ein langes Küchenmesser hervor. Er holte mit seiner Waffe aus. Plötzlich klopfte es an der Tür und das Messer verschwand wieder hinter dem Rücken. In normalem Ton rief er „Herein” und warf dem Jungen einen blitzend drohenden Blick zu. Adams Mutter trat ein und Chris erzählte außer sich:


 


- Du musst mir helfen. Man hat etwas in meinen Kopf eingepflanzt, um mich in eine menschliche Maschine zu verwandeln.


 


- Nein, das ist nur zu deinem Schutz. Du bist ein bisschen verwirrt. Das liegt an der Betäubung oder wie kommst du auf so etwas Seltsames?


 


- Dieser Mann hat es mir erzählt.


 


- Es tut mir wirklich leid, aber du und ich sind hier die einzigen Personen im Raum.



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