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Belletristik
Buch Leseprobe ICH BEREUE NICHTS, ian-jonathan rhonztam
ian-jonathan rhonztam

ICH BEREUE NICHTS



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Jedesmal, wenn ich im Garten vor mich hingehe...

...jedesmal dann fällt es mir schwerer, dem duftenden Rausch der Rosen, welche ich mir aus den fernen südlichen Landen habe mitbringen lassen, zu entrinnen. Seine Schwere umhüllt mein Denken, dringt mir durch die Nasenflügel tief in das Innere, verwebt den Geruch mit dem Erinnern und lässt die Gedanken schweifen bis weit an das thyrrenische Meer. Es drängen Bilder herauf, die lange, lange vorher gemalt sind auf nebligem Grunde, die sich eingebrannt haben in mich und an die ich mich gerne erinnere. Der Geruch der warmen Lüfte, die linden Winde, die so unterschieden sind von dem strengen, kalten, so harten Gestürme meiner Heimat hoch im Nordwesten. Dort auf den Inseln.

Hier im weitumzäunten Raum unterhalb der Mauern unseres conventes fühle ich mich immer wieder zerrissen; bin aufgehoben in einer wunderlichen Seltsamkeit aus meinem beschaulichen Jetzt und meinem früheren unsteten Dahinziehen zwischen dem Heimatland meiner tiefsten Seele und dem heutigen Hier meines Noch-Seins. Und zwischen beiden Welten ist ein so weites Feld, ist eine so weit vergangene Zeit mit Erlebnissen, die so manch anderen aus allen Bahnen geworfen und dem Abgrunde zugeführt hätte. Was nicht heißen soll, daß die Versuchungen der Welt nicht auch an mich herangetreten wären und ich nicht hätte mit ihnen kämpfen müssen. Es waren nicht nur die weltlichen Versuchungen. Nein. Es waren vor allem die Versuchungen des Geistes, das Essen vom Baume der Erkenntnis (eritis sicut deus, scientes bonum et malum – Ihr werdet sein wie Gott, wissend, was gut und böse ist.) Es war die Suche und die Ver - Suchung, das Wissen meiner Vorfahren mit dem Wissen der Jetzigen in Übereinklang bringen zu wollen. Es wurde ein Spagat zwischen dem im Denken und im Handeln sich widerspiegelnden Wissen um die Göttinnen und Götter meiner Altvorderen und den heute durch die Sieger, durch das römische Weltreich favorisierten Ansichten über den Einen Gott. Der dennoch sich in Drei Emanationen entäußern soll.

Aber eigentlich hat ja dann alles gepasst.

Während meiner Rundgänge durch den zauberhaft duftenden Garten – es ist ja schon ein wenig warm geworden um die Mittagszeit, so kurz vor dem gemeinsamen Gebet mit den anderen Brüdern – steigen mal zu mal stärker und deutlicher alle die vergangenen Stunden und Tage und Jahre aus der Tiefe meines Geistes herauf. Die Nebel formen sich zu Gesichtern, der Wind flüstert mit den Stimmen meiner längst dahingegangenen Kameraden und auch mit den Stimmen der Ahnen in mein Ohr. Meine alten Augen sehen scharf wie nie zuvor auf weit in der Zeit liegende Ereignisse zurück und es drängt - es drängt mich schier immer stärker, endlich den Gänsekiel zu schärfen und das Gemisch aus Kohlenruß, Harz, Weinsatz und der Tinte der Tintenfische zusammenzurühren. Irgendwo im skriptorium werden auch noch einige unbe-schriebene Häute liegen, welche ich mir unter den Nagel reiße. Denn sehr gern wird sie Bruder Dominik nicht hergeben. Vor allem dann, wenn ich ihm sagen müßte, wozu ich sie haben will und zu was ich sie nun unbedingt brauche. `domine mea culpa `, verzeih mir HERR diesen Diebstahl. Bitte – hast mir ja so Vieles schon verzeihen mögen.

Irgendwo hier hinter den Mauern des Klosters Sankt Peter bei der ehemaligen Römersiedlung juvavum an den Ufern der Salzach, das gegründet war anno domini 700 vom alten Rupert und welches im Jahre des HERRN 739 durch Bonifazius zum Zentrum des Bistums Salzburg erhoben wurde, aufgebaut auf uraltem Grund meiner keltischen Altvorderen; irgendwo in ihm wird sich wohl auch noch ein verschwiegenes Plätzchen finden für mich. Für Mannanon, den alten Mönch mit den vielen keltischen Vorfahren hier im Salzland unter den Bergen, den dortigen auf den Inseln und den anderen allen auf dem bekannten Erdkreis. Ein kleines Plätzchen nur, an dem ich ungestört alles vor mich hinschreiben kann, und wenn es nur im ostiarium, im leerstehenden Pförtnerhaus neben dem Eingangstor sein sollte. Aber so lange die wärmenden Sonnenstrahlen den Garten erhellen, solange halte ich es draußen unter den Himmeln meiner Ahnen wohl aus.

Und es wird wie aus Träumen gewebt sein, das, was sich aus mir heraus schreibt. Manchesmal wird es erscheinen, als spalte ich mich auf in Menschen, die ich nie hätte sein können, da sie schon vor unendlichen Zeiten auf diesem Erdenrund weilten. Menschen, über die das Rad der Zeit seit Äonen hinweg gerollt ist und manchesmal werde ich es selbst nicht wissen, wer gerade die geistige Feder führen wird.

Wenn sich dann die Gesichte vermischen, sich Geschehnisse auftun, die kaum glaubhaft sind, sich Wesen wie Aina die Führerin, Ian der Schmied über dem Hallstätter See, der Römer Marcinius, der Heilige Martin und andere lang, lang Dahingegangene in den Netzen meines Geistes verfangen, dann ist das nur ein einziger Fischzug durch die Geschehnisse in der Zeit. Ein einziger Lebensstrang wird es sein. Denn wir kommen alle aus einem Früher und wir wollen doch alle über das Heute in das Unbekannteste, was es je geben wird: in das Morgen hinein!

Und so muß das alles aus meinem Kopfe heraus, muss aufgezeichnet sein, damit man eventuell später einmal erfahren kann, wie das eigentlich kam, daß sich diese neue Gedankenwelt so einen Platz hat schaffen können auf dem Erdkreis, diese katholikos orthodoxis, diese Allgemeine Rechtgläubigkeit.

In welche Schrift setze ich die Worte, die Gedanken auf das Pergament? Kann ich die durch die Jahrtausende sich verändernde Sprache und die Begriffe meiner Vorgänger wirklich nacherlebbar niederschreiben? Muß ich nicht Vieles von dem in die Diktion der heutigen Zeit bringen, damit es überhaupt verständlich wird?

Doch Versuch macht klug und so schürze ich also heute meine Kutte, greife zu Feder und Tinte und werde wohl oder übel beginnen müssen. Aber mit was? Womit anfangen?

Es liegt am ersten Satz. Immer liegt es am ersten Satz!.

Schreibe ich über meine Kindheit auf der britonischen Insel zuerst? Nehme ich die Zeit der römischen Besatzung, das Vermischen der Kulturen oder die Zeit des Abzuges der römischen Legionen in die Feder? Oder beginne ich viel viel früher in der Zeit? Dort, wo sich eine unbekannte Menschengruppe vom hohen Norden bis zum Mittleren Meer westlich über hunderte, ja, tausende Jahre damit beschäftigte, die Verehrung ihrer Göttinnen und ihrer Götter mit tonnenschweren steinernen Zeichen in und auf die Erde zu schreiben? Wohin treibt mich die Erinnerung? Denn einen Anfang, so einen richtigen Anfang wird es nie gegeben haben.

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