Suchbuch.de

Leseproben online - Schmökern in Büchern



Kategorien
> Belletristik > Hollywood Wedding Dreams
Belletristik
Bücher Erotik
Esoterik Bücher
Fantasy Bücher
Kinderbücher
Krimis & Thriller
Kultur Bücher
Lyrikbücher
Magazine
Politik, Gesellschaftskritik
Ratgeberbücher
regionale Bücher
Reiseberichte
Bücher Satire
Science Fiction
Technikbücher
Tierbücher
Wirtschaftbücher
Bücher Zeitzeugen

Login
Login

Newsletter
Name
eMail

Belletristik
Buch Leseprobe Hollywood Wedding Dreams, Josie Charles
Josie Charles

Hollywood Wedding Dreams


Liebesroman

Bewertung:
(4)Gefällt mir
Kommentare ansehen und verfassen

Aufrufe:
145
Dieses Buch jetzt kaufen bei:
Drucken Empfehlen

 


Prolog


 


Beverly Hills, Los Angeles


 


Liza


 


Wenn man mich als Kind gefragt hat, was ich später einmal werden möchte, habe ich immer geantwortet: »Prinzessin. Und wenn das nicht geht, dann wenigstens Braut. Eine Prinzessin für einen Tag.«
Tja, und hier stehe ich nun, inmitten von tüllverzierten Pavillons, von kitschiger Blumendeko, Herzchenkonfetti und romantischer Hintergrundmusik und lebe meinen Traum.
Oder zumindest lebe ich das, wozu mein Traum mit den Jahren geworden ist.
Während meine Freundinnen aus Kindertagen irgendwann ihre Collegeliebe oder ihre Supermarktbekanntschaft geheiratet haben, habe ich von Mister Right geträumt und tue es immer noch. Solange ich darauf warte, dass mein Prinz angeritten kommt, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht, für Frauen, die ihren Ritter auf dem weißen Pferd schon gefunden haben, ihr Märchen wahrwerden zu lassen.
Ich bin Hochzeitsplanerin bei Hollywood Wedding Dreams, einer der angesagtesten Agenturen in Los Angeles, und ich liebe meinen Job.
Eigentlich.
»Wo ist die Braut?« Abgehetzt kämpfe ich mich durch die Hochzeitsgäste auf der Suche nach Jada Layton, einem Topmodel, deren Heirat meine Agentur planen durfte. »Entschuldigung? Haben Sie Jada gesehen? Nein?«
Ich sehe unter der blütenweißen Büffet-Tischdecke nach, doch natürlich kauert Jada nicht unter dem Tisch. Wo steckt sie dann?
Eigentlich steht jetzt das Brautstraußwerfen an, das nach der Trauzeremonie mein liebster Programmpunkt ist. Es ist ein schöner Brauch, weil er der Strauß-Fängerin signalisiert, dass sie die Nächste sein könnte, die ihr Glück findet. Außerdem ist es wichtig, dass wir uns an den Zeitplan halten, denn Jada und ihr Mann, der erfolgreiche, aber unscheinbare Produzent Oakley Winchester, müssen pünktlich um Mitternacht ihren Flieger auf die Malediven bekommen. Bis dahin haben wir noch viel vor, ohne Braut wird es allerdings schwierig. Oder, besser gesagt, unmöglich.
Ich drohe in dezente Panik zu verfallen, schnappe mir eine Serviette und fächere mir damit Luft zu.
Durchatmen, Liza, durchatmen.
Wo habe ich noch nicht nach Jada gesucht?
Ich war überall in der prunkvollen Villa, die das Paar extra für die Feierlichkeiten angemietet hat. Ich habe jeden Winkel des weitläufigen Gartens durchsucht, alle Familienmitglieder gefragt und … Moment. War ich wirklich überall im Haus?
Einen Ort gibt es, an dem ich noch nicht nachgesehen habe, von dem ich aber auch nicht glaube, dass ein verwöhntes High-Society-Girl wie Jada ihn überhaupt kennt: die Küche.
Sie wird heute nur zur Lagerung des schmutzigen Geschirrs genutzt, denn das Essen kommt selbstverständlich von einem Sterne-Caterer. Um ihn ins Boot zu holen, musste ich mich richtig ins Zeug legen, da er eigentlich die nächsten zweieinhalb Jahre restlos ausgebucht war. Aber ich wäre nicht Liza Bennet, wenn ich meinen Bräuten nicht jeden Wunsch erfüllen würde.
Bisher hat das immer ganz gut geklappt – bisher habe ich aber auch noch nie eine Braut verloren.
Obwohl es wirklich an eine Verzweiflungstat grenzt, muss ich in der Küche nachsehen, denn der nächste logische Schritt wäre äußerst unangenehm. Ich müsste Oakley Bescheid geben, dass seine Frau verschwunden ist, was sicher einen Riesenaufstand verursachen und so gar nicht zum Konzept dieser Märchenhochzeit passen würde.
Also los. Auf geht’s in die Küche.
Auf dem Weg dorthin drücke ich mir selbst fest die Daumen. Bisher lief doch alles nach Plan: Die Braut sah fantastisch aus und die Trauung war so wunderschön, dass mir die Tränen gekommen sind. Gut, das ist keine Seltenheit, trotzdem war es bisher eine rundum gelungene Hochzeitsfeier.
»Tschuldigung. Darf ich mal?« Ich schiebe mich durch eine Gruppe von älteren Herren, die mitten im Korridor stehen und rauchen. Sie sind allesamt hohe Tiere in der Modebranche, weshalb ich sie nicht auf das Zigarettenverbot und die Sprinkleranlagen hinweise. Sie werden schon merken, wenn sie nass werden.
Ich klettere unter der Absperrung aus weißem Organza hindurch und nehme die Treppe nach unten zur Küche. Schon nach den ersten paar Stufen fühle ich mich wie in einer anderen, weniger glamourösen Welt. Die ausgelassene Stimmung ist hier nicht zu spüren. Es ist beinahe totenstill und überall haben die Caterer Deckel und Warmhalteboxen abgestellt. Ich möchte gar nicht wissen, wie es in der Küche aussieht. Aber ich muss. Über den schwarzweißen Kachelboden nähere ich mich der Tür und habe irgendwie ein ungutes Gefühl.
Was ist, wenn ich Jada dort drinnen nicht finde? Oder noch schlimmer: Ich finde sie, aber sie ist verletzt. Oder gar tot!
Wieder drohen meine Nerven mit mir durchzugehen, doch ich setze tapfer einen Fuß vor den anderen – und höre plötzlich etwas, von dem ich wünschte, dass ich es nicht hören würde.
Ein Stöhnen.
Oh nein, bitte, bitte nicht!
Doch mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht. Das Stöhnen erklingt erneut, diesmal erkenne ich zweifelsfrei eine weibliche und eine männliche Stimme. Aber gehört die Frauenstimme auch Jada?
Mein Herz beginnt zu rasen und meine Beine drohen mir den Dienst zu versagen. Ich fühle mich wie eine dieser Frauen, die ihren Mann auf frischer Tat beim Fremdgehen ertappen. Dabei handelt es sich hier nur um eine Kundin und um niemanden, der mir nahesteht. Trotzdem fühle ich mich verraten und verkauft, denn ich glaube an die große Liebe und daran, dass eine Hochzeit das Happy End einer jeden Lovestory ist. Dass danach der Alltag einzieht, dass es Streitereien und Untreue geben kann, blende ich gekonnt aus. Für mich zählt nur dieser eine perfekte Tag. Obwohl ich bisher selber in der Liebe nur Pech hatte, bin ich eine hoffnungslose Romantikerin. Das zeigt sich schon an meinem Namen: Obwohl ich eigentlich Vivienne Liza Bennet heiße, lasse ich mich von aller Welt Liza nennen, weil er dem Namen Elisabeth Bennet ähnelt, und das wiederum ist die Hauptdarstellerin aus meinem liebsten Jane-Austen-Roman. Ich stehe auf Liebesgeschichten und gefühlvolle Märchen. Aber das ist ja das Schöne. In meinem Job muss ich nicht darauf warten, dass Märchen wahr werden. Ich kann selbst dafür sorgen. Es sei denn natürlich, die Prinzessin entpuppt sich als böse Hexe.
Ob es in diesem Fall so ist, werde ich allerdings nur herausfinden, wenn ich endlich diese Tür öffne. Also tue ich es.
Ich halte die Luft an, stoße die Küchentür auf und erfasse die Situation sofort.
Jada sitzt auf der Anrichte, das Brautkleid hochgeschoben bis zu den Schenkeln und die Augen geschlossen. Zwischen ihren Beinen steht ein Kerl in einem maßgeschneiderten dunkelgrauen Anzug und mit einem auffälligen roten Hemd, den ich den Abend über bisher nur aus der Ferne gesehen habe. Er wurde streng von Bodyguards bewacht, obwohl es auf der ganzen Party bis auf die Kellner, die Caterer und mich keine Normalsterblichen gibt.
»Liza!«, entfährt es Jada, sobald sie mich entdeckt hat, und ich sehe ihr das schlechte Gewissen förmlich an.
Na, immerhin.
Ihren Gespielen scheint mein Auftauchen jedoch nicht im Mindesten zu beeindrucken. Er bewegt sich sogar noch ein paar Augenblicke weiter rhythmisch zwischen Jadas Schenkeln.
»Ist das zu fassen?!«, platzt es aus mir heraus. »Hören Sie sofort auf damit, Jada zu … zu …«
Der Typ dreht den Kopf, sieht mich an und lässt mich damit verstummen.
Bisher war ich nicht nah genug an ihm dran, um ihn zu erkennen, aber jetzt, wo er mir gegenübersteht, weiß ich natürlich sofort, wer er ist. Es handelt sich um Chad Thornhill, einen bekannten Schauspieler oder, besser gesagt, einen absoluten Megastar und Hollywood-Herzensbrecher. Einen dieser Männer, die Kreischkonzerte auslösen, sobald sie in der Öffentlichkeit erscheinen oder manchmal auch, wenn nur ihr Gesicht in einem Kinotrailer auftaucht.
Seine Augen sind wirklich so tiefblau wie auf seinen Filmplakaten und seine Hände, die sich gerade in diesem Moment provozierend auf Jadas Brüste legen, sind schlank und männlich zugleich. Doch selbst, wenn sie mir noch so gut gefallen, befinden sie sich an der absolut falschen Stelle.
»Hey, lassen Sie das!«, fordere ich deshalb, nachdem es mir endlich gelungen ist, den Blick wieder auf Thornhills Gesicht zu richten. »Nehmen Sie die Finger da weg!«
Chad Thornhills Antwort besteht bloß aus einem süffisanten Lächeln.
Na, warte! Während Jada eine Mischung aus Lachen und Stöhnen erklingen lässt, suche ich nach etwas, womit ich diesen Kerl von ihr ablenken kann. Ich greife nach einer Serviette, die zusammengeknüllt auf einem Teller liegt, und werfe sie nach ihm.
»Schluss damit!«
»Ernsthaft?« Chads Lächeln nimmt eine ungläubige Note an und er löst endlich seine Pfoten von der Frischvermählten.
»Jada, Sie müssen jetzt den Brautstrauß werfen«, sage ich, bemüht darum, dass diese Hochzeit nicht platzt. Dass meine Illusion von der wahren Liebe nicht platzt.
Aber dafür ist es im Grunde zu spät.
Chad ‚Herzensbrecher‘ Thornhill hat sie mir versaut.
»Ich komme ja schon, Liza«, sagt Jada, dann wird ihr die Doppeldeutigkeit ihrer Worte bewusst und sie fängt an zu kichern.
Ich bin froh, dass Chad sich endlich aus ihr zurückzieht und darauf verzichtet, ebenfalls zu kommen. Er besitzt sogar den Anstand, sich wegzudrehen, während er sein bestes Stück einpackt, jedoch nicht, ohne mir vorher noch einen spöttischen Blick zuzuwerfen.
»Sie sind wirklich eine Spielverderberin, Liza«, sagt er, aber ich ignoriere ihn.
Ich helfe Jada von der Anrichte und versuche zu retten, was noch zu retten ist. »Wissen Sie, was mir bevorsteht, Liza?«, jammert jetzt auch sie. »Drei sexlose Wochen.«
»Das stimmt nicht«, sage ich und klopfe mit der Hand ein paar Krümel von ihrem Kleid. »Die nächsten drei Wochen verbringen Sie in den Flitterwochen mit Ihrem Mann und – oh.«
»Ja.« Jada sieht mich desillusioniert an. »Oh.«
»Aber …«
»Ruf mich an, Jay, wenn es der gute Oakley wieder mal nicht bringt. Ich komm vorbeigejettet.« Chad zwinkert Jada zu, dann verlässt er lässig die Küche, wobei seine Schulter sachte meinen Rücken streift. Es ist nur eine flüchtige Berührung, dennoch jagt sie mir einen eisigen Schauer der Abscheu über den ganzen Körper.
Fassungslos sehe ich Chad Thornhill hinterher. Ist dieser Sex-Zwischenfall gerade wirklich passiert oder habe ich beim Brautstraußwerfen den Strauß vor den Kopf bekommen und träume das alles nur?
»Verraten Sie Oaky nichts, ja? Es würde ihm das arme Herz brechen.« Jada schiebt sich in mein Blickfeld, klimpert mich mit ihren dichten, dunklen Wimpern an und ich würde ihr in diesem Moment am liebsten die falschen Lashes aus dem Gesicht reißen.
Hätte sie sich auch nur einen Gedanken um das arme Herz ihres Mannes gemacht, dann wäre sie niemals mit diesem Aufreißer hier heruntergegangen!
»Kommen Sie, bevor die anderen noch Verdacht schöpfen.« Ich fasse Jada am Arm, aber sie rührt sich nicht von Fleck wie ein störrischer Esel.
»Versprechen Sie es, Liza.«
»Ich verspreche es«, sage ich widerwillig.
Was bleibt mir auch anderes übrig? Ich bin Hochzeitsplanerin und somit für die perfekte Romantik verantwortlich und nicht dafür, die Zukunft eines Ehepaares zu zerstören, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat.


***


 


Liza


 


Jada ist ein wahrer Profi. Sie hat sich schnell in ein anderes Outfit geworfen, bevor sie die Bühne betreten und sich charmant dafür entschuldigt hat, dass ihr Umstyling für Verzögerungen gesorgt hat.
Ihr Mann Oakley, der neben ihr steht und ein blaues Strumpfband fest umklammert hält, hat ihr dabei so verliebte Blicke zugeworfen, dass es mir beinahe das Herz gebrochen hätte.
Ich stehe mit den weiblichen Singles der Feier vor der Bühne und versuche, etwas Ordnung in das gackernde Chaos zu bringen, bevor ich Jada gleich das Zeichen gebe, dass sie den Strauß werfen darf. Noch philosophiert sie über die wahre Liebe und versetzt mir mit jedem ihrer Worte einen tiefen Stich.
»Bitte ein bisschen auseinander«, sage ich und dränge mich zwischen zwei Frauen hindurch, die sicher ebenfalls Models sind, denn ich komme mir zwischen ihren langen Beinen wie ein Hobbit vor. »Danke schön, so ist es gut.«
Ich bitte die Damen weiter darum, sich etwas zu verteilen, und zwänge mich anschließend bis zur Bühne durch.
»Jada«, zische ich und als sie mich entdeckt, nicke ich ihr zu, als Zeichen dafür, dass alles bereit ist und sie den Strauß werfen kann.
Sie zwinkert mir zu, dann dreht sie sich weg.
»Ladyyyys«, ruft sie und alle recken die Arme in die Höhe.
Die Stimmung ist gut, niemand hat etwas von dem Malheur mitbekommen, aber mir spukt es immer noch durch den Kopf. Wie dieser Miesling zwischen ihren Schenkeln stand, so selbstverständlich, als wäre sie seine Braut und nicht die eines anderen …
Fest kneife ich die Augen zu, um die Bilder zu verscheuchen. Dann trifft mich plötzlich etwas am Schlüsselbein und ich hebe instinktiv die Hände, um es aufzufangen.
Alle jubeln, ich öffne blinzelnd die Augen und kapiere nur langsam. In meinen Fingern befindet sich ein großer Blumenstrauß aus violetten Magnolien und mit Blattgold bepinselten Rosen.
Ich habe den Brautstrauß gefangen!
Jada zwinkert mir von der Bühne aus erneut zu und ich begreife, dass sie ihn mit Absicht in meine Richtung geworfen hat.
»Applaus für meine bezaubernde Wedding-Plannerin Liza Bennet!«, ruft sie und ich werde bejubelt.
Perplex ziehe ich die Mundwinkel hoch. Zum zweiten Mal an diesem Abend geht mir das alles zu schnell und ich kapiere nicht, in welchem Film ich mich gerade befinde.
Ich liebe das Brautstraußwerfen normalerweise und habe mir auf jeder Hochzeit immer insgeheim gewünscht, dass mir der Strauß eines Tages wie von Zauberhand in die Hände fällt.
Allerdings nicht so!
Es kann kein gutes Omen sein, wenn man ausgerechnet den Strauß einer treulosen Ehebrecherin fängt.
Trotzdem mache ich gute Miene zum bösen Spiel, denn auch ich bin ein Profi.
»Yay«, sage ich und recke den Strauß in die Luft. »Super, wie toll!«
»Und jetzt, meine süßen Single-Ladys, macht mal Platz!« Ein Security drängt die Frauen vor der Bühne sanft an den Rand.
Ich stolpere mit und frage mich, was jetzt kommt. Laut meinem Plan folgt nun der Eröffnungstanz, aber Jada und Oakley haben offenbar andere Vorstellungen. Ich habe das Strumpfband in Oakleys Hand nicht vergessen und frage mich, wo er es her hat. Ich weiß aus erster Hand, dass Jada keins trägt. Am liebsten würde ich sie fragen, aber sie steht noch immer auf der Bühne und es ist fast unmöglich, aus dem Pulk der Single-Frauen herauszukommen.
»Dann wollen wir doch mal sehen, mit wem unsere wundervolle Liza die Tanzfläche eröffnet!«, flötet Jada im nächsten Augenblick.
Was? Wer eröffnet die Tanzfläche? Ich?! Wieso ich? Das Brautpaar muss doch …
»Das ist Tradition in unserer Familie«, lässt mich Jacinda, Jadas Schwester, wissen. Sie ist genauso hübsch wie Jada, nur dass ihr Lächeln ehrlich wirkt. »Ich hoffe, wir werfen damit nicht Ihre ganze Planung durcheinander.«
Doch, das tun sie. Und vor allem werfen sie mich damit durcheinander. Ich bin nur die Hochzeitsplanerin. Ich kann nicht tanzen, ich tanze nie!
»Na los, Guys, ziert euch nicht so«, fordert Jada und eine Gruppe von Männern, die sicher um die Hälfte kleiner ist als die Frauentruppe, bezieht vor der Bühne Stellung.
Ich bin erleichtert, dass ich Chad Thornhill nicht zwischen ihnen entdecke. Vielleicht schämt sich der Kerl ja wenigstens in Grund und Boden und ist nach Hause gefahren. Oder aber er ist kein Single, was mein romantisches Weltbild gleich doppelt zerstören würde.
Oakley dreht dem Publikum den Rücken zu und ich spüre, dass ihm die ganze Aufmerksamkeit alles andere als recht ist. Er holt aus, um das Ganze schnell hinter sich zu bringen, und wirft. Allerdings tut er das derart ungelenk, dass ich mich wundere, dass sich das Strumpfband überhaupt in die Luft erhebt.
Ich folge dem feinen Stoff mit den Augen. Er fliegt zur Seite, über die Singles hinweg, und ich fürchte schon, dass das Band im Büffet landen wird, denn das wäre die Krönung für diesen Abend. Doch anstatt sich gnädig zu zeigen und wenigstens in die Bratensoße zu segeln, gibt sich das Band erbarmungslos.
Es beschreibt einen kleinen Bogen, um dann auf der Schulter von jemandem zu landen.
Ausgerechnet.
Das hat mir zu allem Übel auch noch gefehlt!
Während die Partygäste in unbändige Begeisterung ausbrechen, möchte ich nur noch eins: Nichts wie weg.


***


 


Einige Minuten zuvor


 


Chad


 


Ich stehe in dem marmornen Badezimmer, dessen goldene Hähne mich nicht im Mindesten beeindrucken, und starre in den Spiegel. Wasser tropft aus meinem Gesicht in das blankpolierte Waschbecken.
Was habe ich mir nur dabei gedacht? Was stimmt nicht mit mir?
Immer wieder ziehe ich die gleiche Nummer ab und jedes Mal schwöre ich mir danach aufs Neue, es nie wieder zu tun. Und dann, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, tue ich es doch. Ich benehme mich wie ein wütendes Kind auf dem Spielplatz, das seine Emotionen nicht kontrollieren kann. Wenn jemand ein Spielzeug hat, das ich nicht haben kann, mache ich es kaputt, um mich einem Moment lang besser zu fühlen. Nur mit dem Unterschied, dass ich kein Kind mehr bin und das Spielzeug, das ich zerstöre, die Liebe ist.
So geht es mir schon, seit ich als Teenager begonnen habe, mich für Frauen zu interessieren. Die, die mich so offensichtlich wollten, dass es schon peinlich war, haben mich nicht geschert. Mich haben bereits damals die Mädchen fasziniert, die in Beziehungen waren. Die glaubten, ihre erste große Liebe gefunden zu haben. Für mich hatte es einen mörderischen Reiz, ihnen das Gegenteil zu beweisen und daran hat sich bis heute nichts geändert.
Du glaubst, Liebe ist alles? Komm her und ich zeige dir, wie schnell du sie für ein bisschen schnellen Spaß vergisst.
Die wahre Liebe ist ein Witz. Ein Konzept, das sich Werbeagenturen, Filmemacher und hoffnungslose Romantiker ausgedacht haben. In Wahrheit sind wir alle Einzelgänger, Egoisten, die anderen das neiden, was sie selbst nicht besitzen können.
Eigentlich glaube ich, dass aus Oakley und Jada ein schönes Paar hätte werden können. Er ist so bodenständig, dass es ihr guttut und sie verleiht dem phlegmatischen Langweiler ein bisschen Feuer. Aber ich konnte es einfach nicht dabei belassen. Als mir Oakley von der Hochzeit erzählt hat, habe ich rot gesehen. Oakley und ich kennen uns seit Jahren und ich dachte immer, für ihn gäbe es nur seine Filme. Wie konnte es sein, dass er jetzt auch noch auf den angeblichen Zauber der Liebe hereinfiel? Wie konnte er so dumm und so blind sein? Ich habe mich verraten gefühlt.
Insgeheim weiß ich, dass meine Gedanken weder rational noch logisch sind. Ich kann nicht einerseits behaupten, dass es die Liebe nicht gibt und sie dann anderen Menschen wegnehmen wollen. Aber genau das tue ich.
Ich zerstöre Beziehungen, ohne mich auch nur im Geringsten kontrollieren zu können. Und das Schlimmste ist: Ich fühle mich nicht einmal schlecht deswegen. Im Gegenteil. Etwas in mir triumphiert, weil es mir wieder einmal bewiesen hat, dass es die Liebe nicht gibt und das ich nicht einfach nur zu unfähig bin, sie zu finden.
»Schluss mit dem Blödsinn«, raune ich mir selbst zu und trockne mir das Gesicht mit einem der blütenweißen Handtücher ab, die gestapelt auf einem Regal neben dem Waschtisch liegen. Jada hatte Lippenstiftspuren an meinem Kinn hinterlassen, die ich nicht spazieren tragen will.
Mit den Händen zupfe ich meine Haare zurecht, dann verlasse ich das Bad, um zurück zur Feier zu gehen.
Die heimlichen Blicke, die Jada und ich uns gleich zuwerfen werden, werden erregend sein und meine Stimmung wieder heben. Wir wissen mehr als alle anderen. Es ist unser kleines, erotisches Geheimnis.
Na ja, nicht ganz. Diese Wedding-Plannerin weiß ja leider auch davon, was das ganze Abenteuer ein Stück weit kaputt macht. Was musste sie auch einfach kurz vor dem Höhepunkt hereinplatzen und sich wie die Anstandsdame in Person aufführen?
Ich glaube, am liebsten hätte sie mich eigenhändig von Jada heruntergezerrt und mich mit der nächstbesten Austernzange kastriert. Kein Wunder. Als Hochzeitsplanerin muss sie eins dieser armseligen Geschöpfe sein, für die eine Heirat der Sinn des Lebens ist.
Wie dumm von ihr. Dabei sah sie mit ihrem glatten ebenholzfarbenen Haar und ihrem feurigen Blick eigentlich sogar ganz smart aus. Sogar weit mehr als smart. Ihre grünen Augen hatten etwas Katzenhaftes und ihre vollen Lippen fand ich ziemlich einladend.
Ich stecke die Hände in die Hosentaschen und steuere den Garten an. Mal sehen, wo meine Bodyguards abgeblieben sind. Ich habe sie abgehängt, um mit Jada allein zu sein. Wahrscheinlich suchen sie sich gerade dumm und dämlich. Ich trete nach draußen, wo sich gefühlt alle Gäste vor der Bühne versammelt haben. Gerade sehe ich mich suchend nach Rick und Diego um, als etwas mein Ohr streift und auf meiner Schulter landet.
Mit einem Mal richten sich alle Augen auf mich und Jubel bricht aus. Ich kann mir schon denken, was das zu bedeuten hat.
Innerlich seufzend klaube ich ein blaues Strumpfband von meiner Schulter und stelle fest, dass ich recht habe. Es hat mich erwischt. Wieder einmal.
Es ist nicht die erste Hochzeit, auf der ich das Band fange – ich bin sozusagen der Strumpfbandmagnet von Beverly Hills und jedes Mal ist die Reaktion der Gäste ähnlich. Genau wie der Brautstrauß ist das Strumpfband traditionell ein Zeichen, dass ich der nächste Kandidat für eine Heirat bin, und dementsprechend rasten alle aus vor Begeisterung.
Alle bis auf eine.
Inmitten einer Brautjungferngruppe sehe ich eine Frau mit dunklen Haaren, die mich so vernichtend ansieht, dass ich fürchte, auf der Stelle tot umfallen zu müssen. Ihre Hände umklammern den Brautstrauß.
Scheiße, ausgerechnet sie.
Und als Jada von der Bühne aus ruft, dass wir gemeinsam die Tanzfläche eröffnen müssen, weiß ich, dass das hier Karma ist. Meine miesen Taten haben mich eingeholt.
Ich bin am Arsch.


 


***


 


Liza


 


Warum? Warum, warum, warum?
Von allen Männern auf dieser Feier – warum muss es ausgerechnet Chad Thornhill sein?
Ich will nicht mit ihm tanzen. Ich will seine Aufreißerfinger nicht auf mir spüren, ich will ihm noch nicht einmal nahe sein. Dieser Mann ist ein eiskalter Ladykiller, der vielleicht in Filmen den Romantiker spielen kann, aber im wahren Leben nicht das geringste bisschen Gefühl in sich trägt.
»Nein, nein, ich …«, stammle ich, als mich die weiblichen Gäste in Chads Richtung drängen. Jemand nimmt mir den Brautstrauß ab und ich fange den Blick von Jada ein, die mich von der Bühne aus beschwörend anstarrt. Mir fällt auf, dass sie ein bisschen blass geworden ist, wahrscheinlich hätte sie nicht gedacht, dass ausgerechnet ihr heimlicher Lover mein Tanzpartner sein würde.
Tja, hätte sie den Strauß mal selbst behalten!
»Sie Glückliche«, raunt mir eine der Brautjungfern ins Ohr. »Ich würde mein rechtes Bein für einen Tanz mit ihm geben.«
Mehrere andere Frauen stimmen ihr zu und ich sehe ein, dass meine Wehrhaftigkeit total fehl am Platz ist. Was zwischen Jada, Chad und Oakley ist, geht mich nichts an, aber dass dieser Abend hier makellos und skandalfrei zu Ende geht, schon. Deshalb nehme ich Haltung an und zwinge ein neuerliches Lächeln auf meine Lippen.
Ein Tanz. Wie schlimm kann der schon werden?
Chad, der sich bereits in der Mitte der Tanzfläche befindet, streckt seinen Arm aus und hält mir galant die Hand hin. Als ich seiner Aufforderung nicht direkt nachkomme, tritt er noch einen Schritt näher und mustert mich.
Sein Gesicht ist eine Maske, starr und ausdruckslos, und ich bin mir nicht sicher, was ich in seinen Augen lese. Eine Mischung aus Gleichgültigkeit und Amüsement? Er scheint ja ein wirklich toller Schauspieler zu sein, wenn er seine Mimik so wenig im Griff hat.
Dann wird mir bewusst, dass genau darin gerade sein Talent liegt. Er will gar nicht, dass ich seine Gefühlsregung deuten kann. Er möchte unnahbar wirken, wie er es schon den ganzen Tag über getan hat. Mit einer kleinen Ausnahme unten in der Küche.
»Ausgerechnet Sie«, zische ich und ergreife endlich seine Hand. Seine Finger sind angenehm warm, was mich irritiert. Ich hatte sie mir eisig kalt vorgestellt.
Chad zieht mich an sich und die Musik setzt ein. Es ist Perfect von Ed Sheeran, ein Song, zu dem gefühlt jede zweite Braut auf der Welt ihren Hochzeitswalzer tanzt.
Chad legt seine Hand auf meinen unteren Rücken.
»Lassen Sie das«, zische ich instinktiv.
Er hebt eine seiner dunklen Brauen und ich kann nicht anders, als sein Gesicht genauer zu betrachten, nun, wo ich ihm so nahe bin. Feine Linien durchziehen seine Stirn und verleihen seinen Zügen eine tiefsinnige Note. Seine Augen sind wirklich intensiv, was nicht nur an ihrem kräftigen Blau, sondern auch an den dichten Wimpern liegt, die sie umgeben. Chads markante Wangen und sein Kinn bilden ein perfekt symmetrisches Dreieck, das nur geschaffen scheint, um seine Lippen zu betonen, von denen ich mir sicher bin, dass sie engelsgleich lächeln und teuflisch küssen können. Ein Dreitagebart ziert sein Gesicht, der seine Maskulinität noch intensiver macht.
»Was sollen wir denn tanzen, ohne dass ich Sie anfasse?«, raunt er mir zu. »Macarena? Ich bin mir sicher, das wäre nicht ganz, was die Gäste erwarten, aber wenn Sie darauf bestehen.«
Dieser Blödmann hat leider Recht. »Na gut, lassen Sie Ihre Finger, wo sie sind. Aber keinen Zentimeter tiefer.«
»Mein Ehrenwort«, erwidert er und seine Braue, die er eben so blasiert in die Höhe gezogen hatte, zuckt schon wieder leicht. »Und nun entspannen Sie sich. Ich will nur mit Ihnen tanzen …«
Damit beginnt er sich unter wilden Anfeuerungsrufen mit mir zu bewegen. Für die Gäste ist das hier das perfekte Cinderella-Märchen – die Hochzeitsplanerin und der Superstar. Und unter anderen Umständen hätte ich vermutlich das Gleiche gedacht.
Widerwillig lege ich eine Hand an Chads Oberarm, der sich ganz schön muskulös anfühlt.
»Sehen Sie, es geht doch. Und nun machen Sie nicht so ein Gesicht«, flüstert Chad mir zu. Sein Atem streift dabei meinen Hals und ich kann mich gerade noch so davon abhalten, eine Gänsehaut zu bekommen. »Sie versauen dem Paar noch die ganze Feier.«
Ich? Ich versaue dem Paar die Feier? Jetzt reicht es aber. Hollywood-Star hin oder her, diese selbstgefällige Art muss dem Kerl mal einer austreiben.
»Wer hat denn –«
Weiter lässt Chad mich gar nicht kommen. Er schleudert mich weg und zieht mich dann wieder an sich, wobei ich eine Drehung vollführe, die die Umstehenden zu Applaus veranlasst. Eins muss man ihm lassen, führen kann er, denn im Tanzen bin ich normalerweise wirklich eine Niete. Nicht, dass es mir keinen Spaß machen würde, es sieht nur eben nicht sonderlich gut aus.
»Sie sind ein selbstsüchtiger und –«
Chad scheint nicht das geringste Interesse an meinen Beschimpfungen zu haben. Er packt meine Hüfte, beugt sich über mich und schon befinde ich mich in Schräglage, was die anderen Gäste noch mehr durchdrehen lässt. Chad zwinkert mir zu, dann zieht er mich elegant wieder hoch und erneut in seine Arme.
Der Refrain setzt ein und unser Tanz gewinnt an Tempo. Zu Ed Sheerans samtiger Stimme schweben wir jetzt übers Parkett und obwohl ich die Schritte nicht kenne, fügt sich alles wie von allein. Dieser Mann sieht also nicht nur blendend aus, sondern kann auch noch tanzen, als hätte er die letzte Staffel Dancing with the Stars gewonnen. Das macht ihn allerdings nicht zu einem besseren Menschen!
»Sie haben Jada zu Ehebruch verleitet«, starte ich einen dritten Versuch, ihm die Meinung zu geigen, und diesmal lässt er mich zumindest aussprechen.
»Ja«, sagt er, wobei er mich unbeeindruckt ansieht. Dann stößt er mich wieder von sich, zumindest so weit, dass er mich packen und in die Höhe heben kann wie eine Puppe.
Ich kreische auf und zapple, vermutlich wenig anmutig, mit den Beinen. Die Gäste lachen und johlen und Chad setzt mich wieder ab.
»Ich hab ihnen einen Gefallen getan«, raunt er mir dann zu.
»Mir?!«
»Nein, dem Brautpaar. Die wahre Liebe gibt es nicht, alles daran ist nur Lüge und Show. Besser, sie verstehen es heute als morgen.«
Während seine Worte in mir nachhallen wie ein Echo, wirbelt Chad mich noch ein letztes Mal herum. Danach endet der Song und er lässt mich abrupt los. Höflich verneigt er sich vor mir, um anschließend so schnell von der Tanzfläche zu verschwinden, dass ich nichts mehr erwidern kann.
Alles nur Lüge und Show.
Die wahre Liebe gibt es nicht.
Ich sehe von Jada, die ihm hinterher schmachtet, zu Oakley, der nach wie vor nur Augen für seine Braut hat, und bin ernüchtert.
Was ist, wenn es die Liebe wirklich nicht gibt? Verkaufe ich dann nicht ebenfalls bloß Lügen?


***


 


Für den Inhalt dieser Seite ist der jeweilige Inserent verantwortlich! Missbrauch melden



© 2008 - 2021 suchbuch.de - Leseproben online kostenlos!


ExecutionTime: 3 secs