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Belletristik
Buch Leseprobe Heiter bis wolkig 2, Hrg. Manuela Klumpjan
Hrg. Manuela Klumpjan

Heiter bis wolkig 2


Noch mehr Leselust statt Alltagsfrust

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Edition Paashaas Verlag
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Prioritäten - Manuela Klumpjan


Manuela befindet sich nun schon seit 2 Wochen im Bergmannsheil. Draußen sind es mehr als 30 Grad. Sie sitzt im Rollstuhl, denn bei einem Motorradunfall hat sie sich die Ferse abgerissen. Noch immer ist nicht klar, ob sie ihren Fuß behalten wird. Sie ist völlig verkabelt, neben einer für sie lebensrettenden Heparinpumpe trägt sie auch noch neben den ganzen Metallgestellen am Unterschenkel und den Schienen an den Armen eine neuartige Vakuumpumpe am Fuß, genau da, wo eigentlich die Ferse sein sollte. Sie ist die genau 5. Person, an der diese Weltneuheit getestet wird. Zugelassen ist das Verfahren noch nicht, alles rein experimentell, aber eine winzige Chance, das Bein, bzw. den Unterschenkel noch zu retten. Heilungserfolg? Keine Ahnung, aber einen Versuch ist es wert, sagen die Docs.  Das Ganze ist zudem noch undicht. Blut und Wundflüssigkeit tropfen auf dem Boden, der Verwesungsgestank, der durch die undichten Poren kommt, ist süßlich abstoßend. Manuela ekelt sich vor sich selbst.


Keine Ahnung, woher sie die Kraft nimmt, das alles durchzustehen. Und wofür überhaupt? Das alles zerrt an den Nerven, dazu die beinahe unerträglichen Schmerzen. Denn die insgesamt 17 Brüche und die offene Fußwunde können dank einer Immunkrankheit nicht mit Morphium betäubt werden. Darauf reagiert Manuela nämlich gar nicht. Nun ja, mit Novalgin geht es wenigstens so, dass man vor dem Besuch nicht die Leidende spielt. Nichts hasst Manuela mehr, als bedauert zu werden.


Also lächelt sie auch heute, als nach den vielen Trainingseinheiten der Besuch kommt. Wieder einmal muss ihr Lebensmotto herhalten: Nur Fledermäuse lassen sich hängen…


Als sie die mitleidvollen Gesichter der beiden älteren Damen sieht, ist sie wieder stark. Tränen beiseite gewischt, freudig lächeln. Alles ist gut. Die beiden kennen sich und erzählen schon nach kurzer Begrüßung nur von sich. Gut für Manuela, so steht sie nicht im Mittelpunkt, obwohl sie sich doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit gewünscht hätte. Schließlich liegt sie hier im KRH und weiß nicht, ob sie jemals wieder ohne Probleme laufen können wird… Doch die Damen setzen andere Prioritäten wie Mittagessen, die Trockenheit im Garten, der nächste Urlaub – und natürlich die eigenen Schmerzen und Wehwehchen im Alter.


Dr. Jansen betritt das Krankenzimmer und fordert Manuela noch einmal sehr intensiv auf, endlich das Zimmer zu verlassen und auf andere Gedanken zu kommen. Grübeln helfe nicht. Das nehmen die beiden Damen sofort zum Anlass: „Nun gehen wir raus, der Herr Doktor hat es gesagt! Jetzt gehen wir alle gemeinsam in die Cafeteria. Etwas Unterhaltung wird dir guttun.“


Manuela sträubt sich nicht länger, es nützt ja eh nichts. Keiner scheint zu bemerken, wie unangenehm ihr die viel zu knappe kurze Hose ist und darunter die megapeinliche Unterhose mit Klettverschluss, weil sie eine andere nicht anziehen kann ob der ganzen Metalle und Schläuche und Pumpen. Eine der Damen kämmt ihr freundlicher Weise noch das lange Haar. Mit 2 gebrochenen Händen ist das eher schwierig.  Dann kann es losgehen. Natürlich streiten sich die Damen beinahe darum, wer jetzt den Rollstuhl schieben darf. Dass sie dabei mehrmals auch mit dem kaputten Bein gegen die Tür oder herumstehende Stühle hauen, scheint keinen zu interessieren. Also lässt es auch Manuela unerwähnt. Vor dem Aufzug treffen sie einen weiteren Arzt, der dem Ausflug eher skeptisch gegenübersteht: „ Sei vorsichtig draußen! Sonne ist absolut tabu. Und immer daran denken, wenn eine der Pumpen Alarm schlägt, ist absolute Lebensgefahr bei dir gegeben. Bei der Heparinpumpe muss die Zufuhr in 10 Minuten wieder hergestellt sein, du weißt, sonst verklumpt dein Blut. Bei der Vakuumpumpe hast du 20 Minuten Zeit, danach muss der Verband komplett erneut werden. Also bleib im Haus und nimm es ernst!“


Manuela wird ganz komisch zumute. Sofort denkt sie an die unerträglichen Nervenschmerzen, die beim Verbandswechsel anfallen, wenn sich die Schwämme und Schläuche mit den offenliegenden Nervenenden verklebt haben. Am liebsten würde sie direkt umdrehen und zurück aufs Zimmer, in Sicherheit. Doch die älteren Damen haben nur noch eines im Sinn – Manuela abzulenken und natürlich Kaffee zu trinken.


Draußen auf dem Vorhof des Bergmannsheils ist Sonne pur, keine Chance einen schattigen Platz zu bekommen. Also schieben sie Manuela in den Innenraum der Cafeteria, mitten im Eingangsbereich, die Warnungen des Arztes mehr als einmal betonend. Manuelas Einwände, dass sie wenigstens für 2 Minuten mal frische Luft gebrauchen könnte, verhallen ungehört.


Die Damen rücken gutgelaunt die Tische um, damit Manuela auch sicher sitzen kann. Dass sie bei dieser Aktion mitten im Gang sitzt und ständig Gefahr läuft, dass andere Patienten und Besucher gegen den Fuß hauen, scheint wohl in der Natur der Sache zu liegen und bereitet nur Manuela größte Sorgen. Dann endlich sitzen alle mehr oder weniger entspannt und können endlich Kaffee bestellen. Die Gespräche tun Manuela gut, ein wenig Alltag kehrt in ihr Leben zurück. Kurzfristig vergisst sie sogar ihre Schmerzen und das Unbehagen, auch wenn sie viele der Banalitäten nicht wirklich interessieren. Trotzdem ist es schön, unter Menschen zu sein, das Leben zu spüren, das ihr so gar nicht lebenswert erscheint zur Zeit.


Als Manuela sogar anfängt etwas von ihren Zukunftsplänen zu träumen und versucht auf ihre Ängste aufmerksam zu machen, passiert genau das, was keiner wollte. Mit höllischem Lärm geht der Alarm los! Die Stromzufuhr der Heparinpumpe ist unterbrochen. Manuela ist in Lebensgefahr, wenn sie nicht innerhalb von 10 Minuten an einer Steckdose angeschlossen ist. Sie selbst versucht Ruhe zu bewahren. Sie kennt das Gerät und auch den Alarmton, viel zu oft ist er in den letzten Wochen ertönt. Doch alle Umstehenden geraten regelrecht in Panik. Tische und Stühle werden ruckartig zur Seite geschoben, ein Stuhl fällt um, natürlich auf Manuelas Bein.


Sie bleibt ganz gelassen: „Hey, keine Aufregung, ich brauche doch nur eine Steckdose!“ Fluchtartig schmeißt die eine der älteren Damen das Geld für den Kaffee auf den Tisch und schiebt Manuela ohne Rücksicht auf andere Patienten quer über den Gang.  Sie ist ganz blass geworden und hat wahrhaft Angst um das Mädchen im Rollstuhl. Noch nie hat Manuela sie vorher so schnell laufen sehen. Ein paar hundert Meter den Gang hinunter ist dann endlich auch eine Steckdose zu finden. Sofort bückt sich die eine der Damen unter den Tisch und schließt Manuela an. Der laute Alarm verklingt. Manuela lächelt, jetzt hatte sie die gewünschte Aufmerksamkeit. Beide Damen diskutieren laut über den Vorfall und wie schlimm die ganze Situation doch ist. Da springt die jüngere der beiden älteren Frauen plötzlich auf und geht mit beinahe geranntem Schritt den Gang zurück. Schon halb zurückgedreht ruft sie noch: „Ich hatte meinen Kaffee erst halb ausgetrunken! Mal sehen, ob er noch dort steht!“


Manuela ist sprachlos, die andere ältere Dame ist entsetzt und lästert so richtig über das Verhalten ab. Da kommt diese zurück, krampfhaft lächelnd, denn der Kaffee war bereits abgeräumt worden… Manuela empfindet unendliche Schadenfreude. So hatte dieser Vorfall doch noch etwas Gutes. Sie fühlt, dass sie noch lebt.


Um weiteren Diskussionen zu entfliehen, bittet Manuela darum, zurück aufs Zimmer gebracht zu werden, sie fühle sich zu erschöpft. Als sie später mit Tränen in den Augen wieder im Krankenbett liegt, ist sie einfach nur fassungslos, welche Prioritäten manche Leute setzen. 1,50 € Kaffeeverlust ist also mehr wert, als ihr Leben… Genau in diesem Moment beschließt sie, die eigenen Prioritäten auch neu zu setzen: Diese Frau gehört in Zukunft nicht mehr dazu, Familie hin oder her.


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Endgültig - Petra Gockeln


 


Martin hörte den Aufprall und sah Sekunden später den großen Schatten über sich.


Verdammt, so war das nicht geplant, war sein letzter Gedanke, bevor es für immer dunkel wurde.


Sabine kam glücklich lächelnd vom Briefkasten zurück. In der Hand hielt sie das Schreiben des Amtsgerichts. Ihre Scheidung war nun rechtskräftig. Endlich frei! Nach vielen unschönen Streitereien war ihre Ehe mit Martin nun offiziell Geschichte. Das wollte sie mit ihrer Freundin Steffi feiern. Die wohnte zwar direkt gegenüber von Martins Haus, aber es machte Sabine schon lange nichts mehr aus, wenn sie Martin unverhofft sah. Sie sahen in solchen Momenten beide geflissentlich zur anderen Seite. Sabine rief  kurz bei Steffi an, um ihren Besuch anzukündigen. Sie freute sich auf das Treffen mit ihrer Freundin. Sie ahnte, dass Steffi schon den Sekt kaltgestellt hatte, um mit ihr auf die erfolgreiche Scheidung anzustoßen.


Kurz darauf saß Sabine in ihrem Auto und machte sich auf den Weg. Es war ein alter Mercedes, den sie heiß und innig liebte. Sie hatte das Auto schon sehr lange. Eigentlich konnte sie es sich nicht leisten, ein so großes und kostspieliges Auto zu fahren, aber zum Glück war ein gemeinsamer Bekannter von ihrem Ex-Mann und ihr ein begnadeter Autoschrauber, der sie schon oft vor kostspieligen Aufenthalten in der Werkstatt bewahrt hatte, da er aus Freundschaft immer nur die auszutauschenden Ersatzteile berechnete, wenn etwas an ihrem Wagen defekt war. Sabine lauschte dem satten Brummen des Motors. Sie ließ die letzten beiden Jahre Revue passieren. Nachdem sie aus der gemeinsamen Wohnung ausgezogen war, hatte es das übliche Anwaltsgeplänkel gegeben, wobei ihr Mann jedoch relativ zurückhaltend gewesen war. Sie hatte schon die bei Scheidungen übliche Schlammschlacht befürchtet, aber diese war ausgeblieben. Kurz und knapp hatte man sich per Brief über die wichtigsten anstehenden Dinge informiert und sich jeden persönlichen Kommentars enthalten. Darüber war Sabine ziemlich froh. Denn wenn sie sah, was sich bei Freunden und Bekannten, die sich scheiden ließen, an Gemeinheiten abspielte, war sie entsetzt. Liebe wandelte sich schnell in Hass. Die ehemals Liebenden kämpften oft einen langen zermürbenden Kampf ohne wirkliche Sieger.


Sabine war nun schon fast bei Steffi angekommen. Die Straße führte bergab. Direkt hinter der nächsten Kurve lag Steffis Haus und genau gegenüber ihr ehemaliges Zuhause, das Martin nun allein bewohnte. Sabine ließ den alten Mercedes zügig die Straße hinabrollen und sang laut zur Musik aus dem Radio. Kurz vor der Kurve wollte Sabine das Auto abbremsen, aber die Bremse reagierte nicht. „Mist“, schrie sie und trat das Bremspedal nochmals mit aller Kraft durch. Nichts! Sie riss die Handbremse hoch und spürte im gleichen Moment, dass die Kette gerissen war. Dabei war sie doch gestern erst bei dem Autoschrauber ihres Vertrauens gewesen. Plötzlich war ihr alles klar! DAS war also der Plan ihres Mannes gewesen! In Sekundenschnelle fügte sich alles zu einem Ganzen zusammen. Ihr Mann und Thomas, so hieß der Autoschrauber, waren immer schon dicke Freunde gewesen – schon lange, bevor sie ihren Mann kennen lernte. Deswegen hatte sich Martin auch während des Scheidungsverfahrens erstaunlich zahm gezeigt – weil er anschließend eine viel endgültigere Lösung angestrebt hatte. Und Thomas hatte ihn dabei unterstützt – indem er ihr Auto manipulierte. Martin hatte einmal hasserfüllt während eines der wenigen Telefonate gesagt, dass sie niemandem außer ihm gehören würde – dafür würde er schon sorgen! Damals hatte Sabine das nicht ernst genommen – aber jetzt, in den wenigen Sekunden – schossen ihr diese Worte durch den Kopf.


In Zeitlupentempo nahm sie war, dass der schwere Wagen aus der Kurve schleuderte, gegen die Wand von Steffis Haus krachte, einen Linksdrall bekam, über einen niedrigen Betonpoller schoss, abhob und dann frei durch die Luft flog! Sabine hielt das Lenkrad fest und kreischte! Sie kniff die Augen zu und wartete auf den Aufprall.


Sie sah nicht, dass Martin genau in dem Moment aus der Haustür trat, als sich der Mercedes im freien Flug befand. Das, was sich für Sabine im Auto wie Zeitlupe anfühlte, ging für Martin draußen rasend schnell. Gerade noch ein Mann im besten Alter – und zwei Sekunden später schon eine Intarsie an der eigenen Hauswand!


Sabine kreischte nicht mehr. Halbtaub vom Knall des Airbags, durchgeschüttelt von der wilden Fahrt, mit schmerzendem Brustkorb vom Sicherheitsgurt stieg sie mit zitternden Knien aus dem verbeulten Mercedes. Sie wankte auf Steffis Haus zu, ohne sich umzusehen. Ein Glas Sekt hatte sie nun wirklich bitter nötig!


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