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Belletristik
Buch Leseprobe Heiter bis wolkig, Manuela Klumpjan, Herausgeber
Manuela Klumpjan, Herausgeber

Heiter bis wolkig


Leselust statt Alltagsfrust

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Halloween - von Manuela Klumpjan

Erst vor wenigen Monaten war ich mit meinem Mann, dem Hund und der Katze in das kleine Dorf Glendalough, nur etwa 50 Kilometer südlich von Dublin, gezogen. Nach einigen krankheitsbedingt schwierigen Monaten wollten wir hier in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit mein neues Leben ein-läuten. Frei von jedem Großstadtlärm und Krankenhaus-stress. Denn nach dem Motorradunfall hatten meine Nerven gelitten. Glendalough ist ein grüner, nahezu Natur belassener Ort, dessen Name sich aus dem Irischen „Gleann Dá Locha“12 ableitet, was "Tal der zwei Seen" bedeutet. Hier gibt es deutlich mehr Landschaft als Industrie, mehr Bäume als Häuser und vor allem Menschen, die noch den Wunsch nach Einsamkeit respektieren, ohne beleidigt zu sein. Das kam unseren Vorstellungen nur allzu sehr entgegen.
Ganz selten nur sehnen wir uns noch zurück nach guten deutschen Kinos, lustigen Varietés und spannenden Krimidinnern. Das alles gibt es in diesem kleinen Dorf nicht. Aber unsere Nachbarn sind freundlich, der See beinahe direkt vor der Haustür und abends hört man hier nichts, außer den Moorhühnern, die oft bis in die Dunkelheit hinein durchs trockene Unterholz rascheln. Gleich zu Anfang hatten uns Nachbarn mit einem gebratenen Moorhuhn in Portwein und Irish-Whiskey überrascht. Eine wahre Delikatesse des Dorfes. Doch viel mehr haben wir noch nicht über die Bräuche des Dorfes oder gar des Landes erfahren. Uns fehlte bisher einfach die Zeit - auch, um unsere eher weit entfernten Nachbarn etwas besser kennenzulernen. Auf eine Einweihungsfete hatten wir bisher bewusst verzichtet.
Umso mehr waren wir von der Einladung erstaunt, die eines Morgens in unserem Briefkasten lag: „Große Halloween-Party bei den Willows. Ausgefallene Verkleidung zwingend erwünscht!“ Etwas skeptisch sahen wir uns die mit Totenköpfen und Blutaugen gruselig rot gestaltete Einladung an. Bisher hatten wir mit Halloween nur wenig am Hut gehabt. Aber die Willows sind die nettesten Leute, die wir hier bisher so kennengelernt haben. Absagen kommt also nicht in Frage. Dafür spricht auch der nicht ganz unerhebliche Umstand, dass ich an diesem Abend alleine sein werde. Denn genau am 31.10. wird mein lieber Mann auf Geschäftsreise in Deutschland sein – und ich damit hier zum 1. Mal so ganz alleine in unserem kleinen Haus am See. Eine nicht wirklich prickelnde Vorstellung. Also besser alleine auf einer Party als alleine am See. Voller Vorfreude sagte ich zu und beginne auch gleich, mich mit dem Wesen von Halloween ein wenig näher zu befassen. Dank Internet erfahre ich schnell, was es so mit dem Spielen von Streichen, dem Aushöhlen von Rüben und der Rückkehr der Toten so auf sich hat. Für mich klingt das alles eher nach Kinderfest als nach altem Brauchtum. Da ich nur noch acht Tage Zeit habe, muss schnell ein angemessenes Kostüm her. Lieber alte Hexe oder dunkles Skelett? Reicht ein einfacher Hut oder muss eine unbequeme Ganzkörperverkleidung her? Die Entscheidung fällt mir nicht leicht. Auch mein Liebling ist schon ganz genervt, da ich ihm so zirka zehnmal am Tag mit neuen Ideen komme. Aber dann finde ich bei Ebay doch noch genau das, was ich mir vorgestellt habe. Ein dunkles Hexenkostüm mit langem Reifrock, elegantem Hut und sehr viel edler schwarzer Spitze am recht eng anliegenden Oberteil. Als neckischer Gag befinden sich am Zipfelhut und an den Ärmeln große Gummispinnen mit grell rot beleuchteten Augen. Ja, das ist es!
Dazu nur ein wenig schwarzer Kajal und dunkelroter Lippenstift. Ich werde eine gruselig-elegante Hexe abgeben.
Dann endlich ist es soweit, der 31.10. ist da. Mein Mann verlässt mich schon recht früh morgens, um seinen Flieger zu bekommen. Bevor er geht, zeigt er mir noch einmal den direkten Weg zu den Willows: Erst den kleinen Feldweg durch den Wald, dann die erste links und einmal quer über das Feld. Zu Fuß sollte für mich der Weg nicht mehr als fünfzehn Minuten dauern. Ein letzter Kuss und ein angedeuteter Vampirbiss, dann ist er auch leider schon weg. Ich begebe mich direkt in die Küche.
Denn im Internet hatte ich erfahren, dass es durchaus üblich ist, zu Halloween ein paar selbst
gemachte gruselig verzierte „Halloween-Monster-Leckereien“ mitzubringen. Da Kochen eine meiner Leidenschaften ist, mache ich mich voller Elan an mein Werk. Ich backe schimmeliges Brot, Augäpfel
in Eiter und lustige Monsterkekse. Es macht riesig Spaß und schmeckt eindeutig besser, als es
aussieht. So merke ich gar nicht, wie die Zeit vergeht. Erst, als ich dann am frühen Nachmittag ganz entspannt in der Badewanne liege, fällt mir auf, wie ruhig es doch eigentlich im Haus ist. Überall knackt und knistert es. Der Wind rauscht an den Fensterläden und gerade heute ist es auch draußen viel herbstlicher als die letzten Tage. Als ich dann die Musik etwas lauter drehe, muss ich über mich selber lachen. „Es ist doch nur ein Haus und Geister gibt es nicht!“, versuche ich mir selber Mut einzureden. Aber mich gruselt es doch. Da hilft es auch nur wenig, dass ich überall die Lampen angestellt habe. Also schminke ich mich schneller als gedacht, kleide mich an, packe die Gastgeschenke ein und mache mich fast eine Stunde früher auf den Weg, als ich eigentlich vorhatte.
Meinen Vorsatz, nicht die erste auf der Feier zu sein, habe ich ganz schnell gegen das gute Argument getauscht, dass ich ja nicht alle kenne und es dann doch viel einfacher ist, wenn mich die anderen begrüßen müssen. Tja, es ist wohl nicht immer leicht, sich seine Ängste einzugestehen. Und ich habe Angst! Nicht nur vor dem leeren Haus, sondern auch davor, was und wer mich wohl auf der Party so erwarten wird. Noch kurz überlege ich, ob ich vielleicht nicht doch noch besser akutes Bauchweh vorschützen sollte, um abzusagen. Aber dann ziehe ich mit einem Ruck die Haustür hinter mir zu und begebe mich auf den dunklen Weg, natürlich mit einer Taschenlampe in der Hand. Ein wenig komisch komme ich mir ja doch vor in dem Kostüm. Die leuchtend roten Spinnenaugen sehen auch äußerst merkwürdig aus und verbreiten ein unruhiges Licht mit viel zu vielen dunklen Schatten. Als das erste müde Moorhuhn aufgeschreckt über den Waldweg rennt, lasse ich vor Angst beinahe die Kekse fallen.
Der Weg erscheint mir unendlich lang. Wann kommt nur endlich die Abbiegung, an der ich links
muss? Bin ich schon vorbei? Und warum ist es um sechs Uhr heute schon so richtig dunkel? Als dann noch ein Raubvogel direkt vor meinen Augen kreischend auffliegt, raffe ich das lange Kleid bis übers Knie und nehme die Beine in die Hand. So schnell es geht, stolpere ich durch den stockfinsteren Wald.
Da endlich ist sie, die langersehnte Abbiegung. Ich habe mich also doch noch nicht verlaufen. Mein Herz schlägt wild - ob vor Anstrengung oder Angst vermag ich gerade nicht zu sagen. Um wieder zu Atem zu kommen, zwinge ich mich, langsamer auf das Feld zu treten. Es können noch maximal tausend Meter bis zu dem Haus der Willows sein. Wo ist das Eingangslicht? Da bewegt sich plötzlich seitlich neben mir etwas. Erst höre ich in einiger Entfernung ein Rascheln, dann blitzt etwas Gelbes vor mir auf. Es ist so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen kann. Vorsichtig bleibe ich stehen. War das ein Tier? Warum ist es jetzt wieder ganz ruhig? Woher kam das Licht? Meine Gedanken überschlagen sich, als ich mutig mit der Taschenlampe in die Richtung strahle. Doch da ist nichts außer Dunkelheit und einem Busch ein paar Meter voraus. „Mensch Alte, jetzt spinnst du ja völlig!“, sage ich leise, um mich selbst zu beruhigen. Da raschelt es erneut. Dann sehe ich wieder dieses gelbe Glühen. Es sieht aus, wie gelb leuchtende Tieraugen. Unwillkürlich muss ich an Werwölfe denken.
Warum habe ich in letzter Zeit nur so viele Gruselromane gelesen? Doch das hier ist leider echt! Diese Lichter bewegen sich auf mich zu. Erneut leuchte ich beinahe panisch in die Richtung. Das Glühen wird heller, doch sonst sehe ich weiterhin nur Dunkelheit. Doch jetzt sieht das Licht nicht gelb, sondern eher grünlich aus. Und ja, ganz sicher, es kommt auf mich zu. Fast zaghaft höre ich da meine Stimme: “ Hallo, ist da irgendjemand? Hallooooo??? “.
Eigentlich hatte ich laut rufen wollen, doch es wurde eher ein leises Krächzen. Keine Antwort, aber die Augen bewegen sich deutlich schneller auf mich zu. Ich mache die Taschenlampe aus, will mich nur noch verstecken. Doch die blöden Spinnenaugen leuchten weiter. Ich habe Angst! Fast bin ich versucht, mir die Hände vor die Augen zu halten. So ganz wie ein Kind: Ich sehe dich nicht, du siehst mich auch nicht! Da höre ich ein Knacken ganz in meiner Nähe, doch es ist nicht mehr seitlich, sondern fast genau hinter mir. Ich erschrecke mich wahnsinnig und rufe schon etwas lauter: “ Hallo, ist da jemand?“. Als Antwort bekomme ich ein Knurren, nicht wirklich laut, aber es scheint ganz nah zu sein. Mir zittern alle Knochen, als ich wie in Panik mitten auf das Feld renne und plötzlich auch laut um Hilfe schreie. Da ertönt hinter mir ein herzhaftes Lachen. Jemand ruft meinen Namen. Es ist definitiv ein Mensch. Doch ich bin zu ängstlich, um einfach anzuhalten, will nur ganz schnell weg von hier. „Lauf so schnell du kannst!“, denke ich. Da vorne meine ich jetzt auch einen Lichtstrahl zu sehen. Da müssen die Willows wohnen. Von hinten höre ich die Stimme: „Mensch, nun bleib doch endlich stehen. Ich sehe ja gar nichts in dieser Dunkelheit!“. Sie klingt irgendwie genervt, aber auch etwas belustigt. Doch mir ist nicht nach Späßen zumute. Egal wer das ist. Ich will nur einfach weg! Möglichst unauffällig! Doch das Kleid ist zu lang. Ich stolpere über den eigenen zu langen Saum und lande mit dem Gesicht voraus im Matsch! Da umfassen mich zwei Hände. „Hey Süße, hast du dir weh getan?“ Es ist mein Mann! Jetzt erkenne ich auch seine Stimme. Doch sie klingt irgendwie anders. Doch egal, ich kuschel mich erst einmal in seinem warmen Arm. Jetzt ist alles gut!
Da schaltet er auch wieder die Taschenlampe ein und ich kann erkennen, was es so mit den vermeintlich gruseligen Lichtern auf sich hat. Mein sonst ach so kostümscheuer Gatte hatte sich zum ersten Mal ebenfalls umgezogen und trug einen pechschwarzen Skelettanzug mit nur kleinen reflektierenden Augen und einigen leuchtenden Knochen. Kein Wunder, dass mich das Ganze an einen Werwolf erinnert hatte. Im Mund trägt er ein Vampirgebiss, daher die verstellte Stimme. Noch immer ein wenig aufgeregt, aber schon wieder mutig lachend, boxe ich gegen seinen Arm. Wie hatte dieser elende Schuft mich nur so erschrecken können? Doch er lacht mich nur frech an und knurrt dann nach gruselig bester Halloweentradition: „Gespenster durch die Straßen zieh„ n. Heute Nacht ist Halloween.“ Da musste auch ich eingestehen, dass sich mein geliebter Gatte wohl schon viel besser an das neue Land gewöhnt hatte als ich dumme Kuh – oder besser noch feige Hexe… Als wir dann wenige Minuten später gut gelaunt auf der Halloweenparty ankommen, bewundern die vielen Anwesenden meine gelungene Verkleidung – durch den Dreck, der sich dank meines Sturzes nicht nur in der Kleidung, sondern auch auf Gesicht und Haaren verteilt hatte, sieht mein Kostüm erst so richtig echt aus. Ich gewinne den zweiten Kostümpreis des Abends, einen ausgehöhlten Kürbis voller Barmbracks mit Monstergesichtern. Dieses Rosinenbrötchen ähnliche Gebäck verteile ich natürlich direkt großzügig unter den Partygästen. Damit sind auch wir ein echter Teil dieser herrlich irischen Dorfgemeinschaft!


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