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Belletristik
Buch Leseprobe HEART ROCK: Zwischen Baby & Bourbon, Josie Charles
Josie Charles

HEART ROCK: Zwischen Baby & Bourbon


Rockstar-Liebesroman

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Prolog


London, England


Milo


»Seid ihr noch da, Wembley?!«, brülle ich in die Menge des voll besetzten Stadions.
Ohrenbetäubender Jubel schallt mir entgegen und lässt die Bühne unter meinen Boots vibrieren.
»Habt ihr Bock auf noch eine Zugabe?!«
Der Jubel wird sogar noch lauter und ich sehe über die Schulter, um meinen Bandkollegen Jaz anzugrinsen. Mit dem Bass in der Hand steht er bereit für unseren größten Hit, den wir heute Abend noch nicht gespielt haben. Jeder im Publikum weiß, dass dieser Song jetzt kommen wird und alle rasten aus, bevor auch nur der erste Akkord erklingt.
Ich rücke mir das Mikro zurecht, dann lege ich die Hand um den Hals meiner E-Gitarre. Die silbernen Ringe an meinen Fingern erzeugen ein kratzendes Geräusch, das überlaut durch die Arena hallt, während ich rufe: »Wollt ihr Sick of Summer hören?!«
»Jaaaaa!«, schallt es mir entgegen.
Immer noch zufrieden grinsend beiße ich mir auf die Unterlippe und gebe unserem Drummer Rob ein Zeichen.
Er zählt den Song ein, indem er die Sticks gegeneinander schlägt – 1, 2 … 1, 2, 3, 4 –
Und dann bricht im Wembley-Stadion die Hölle los, als wir mit dem Lied loslegen, das uns vor mittlerweile fünf Jahren aus dem Nirgendwo an die Spitze des Rockolymps katapultiert hat.
Ich trete näher ans Mikro, spiele die harten Akkorde auf der Gitarre und fange an zu singen: »It’s the sickness of summer and the scent of your tears, it’s the madness of moonlight and the taste of your fears – jetzt ihr!«
Die ganze Arena singt über Sommer, das Mondlicht und den Irrsinn. Jeder kennt den Text. 90.000 Stimmen, die wie eine einzige klingen. Dieses Gefühl, genau jetzt, ist das beste der Welt. Abgesehen von Sex vielleicht. Oder nein, ich schätze, es ist genauso gut wie Sex.
»Ihr seid der Hammer!«, brülle ich den Fans zu, bevor ich im Refrain wieder mit einsteige: »Falling like rain, falling like rain, falling like … Los, lasst was hören!«
Die zweite Strophe beginnt. Links und rechts von mir hüpfen Jaz und Ambrose, der die zweite Gitarre spielt, im Takt auf und ab und die Fans tun es ihnen gleich. Vor der Bühne herrscht die reinste Party und obwohl wir schon seit über zwei Stunden spielen, habe ich das Gefühl, sie fängt gerade erst an. Wembley ist das letzte Konzert unserer Europatournee, bevor in New York die US-Tour startet, aber ich wüsste nicht, wie irgendein Gig dort noch besser als das hier werden sollte. Die europäischen Zuschauer hauen einen einfach um und ich finde, es ist an der Zeit, etwas zurückzugeben.
Die Bridge kommt. Gewohnheitsmäßig ziehen wir sie ein bisschen in die Länge und lassen die Fans immer wieder die bekanntesten Zeilen des Liedes singen: I’m falling like rain, I’m sick of this summer, I’m falling like rain, I’m …
Ich höre auf zu spielen, nehme die Gitarre ab und drücke sie einem Roadie in die Hand, der am Bühnenrand bereitsteht.
In den vorderen Reihen wird Gekreische laut, ein paar Zuschauer ahnen wohl, was jetzt kommt. Ich lächle sie breit an, trinke einen Schluck aus der halbleeren Whiskyflasche, die auf einem der Lautsprecher steht, dann trete ich ganz zurück bis ans Drum-Podest, um von dort aus Anlauf zu nehmen.
I’m falling like Rain, singt die Menge. I’m sick of this Summer!
Für einen Moment denke ich zurück an die Zeit, in der ich das Lied schrieb. Damals hatte ich nicht nur die Schnauze voll vom Sommer, von der drückenden, klebrigen Hitze, sondern von allem. Ich wollte nur raus, nur weg, und ich glaube, deshalb wurde der Song auch so ein Hit. Weil jeder schon mal in dieser Lage war. Aber scheißegal, die Zeiten sind vorbei. Jetzt führe ich ein anderes Leben und verdammt, es könnte besser nicht sein!
Ich überblicke die Menge und höre dabei wie aus weiter Ferne eine helle Stimme, die fordert: »Milo! Tu das nicht! Du weißt doch -«
Dann laufe ich los und springe mit Anlauf ins Publikum. Es gibt doch keine bessere Art, ein Konzert zu beenden, als ein Bad in der Menge!


***


 


Birdy


 


Dieser wildgewordene Irre! Kann Milo Ward nicht einmal in seinem Leben tun, was er soll? Oder zumindest das lassen, was er nicht tun soll?
Bei Konzerten gibt es für ihn und die Jungs von The Shallow genau drei Regeln, und die lauten: kein Alkohol auf der Bühne, kein Sex auf der Bühne, kein Stagediving.
Zwei dieser Regeln hat Milo allein heute gebrochen. Aber ich sollte vermutlich froh sein, dass er vor den 90.000 Menschen da draußen wenigstens niemanden flachgelegt hat. Milo Ward ist einer der größten Rockstars unserer Zeit. Mit seinem blendenden Aussehen und seiner sexy rauchigen Stimme, die wie Brendon Uries nach zu vielen Zigaretten klingt, hat er die Welt im Sturm erobert. Im Prinzip kann er sich alles erlauben und ich als seine persönliche Assistentin kann nicht viel mehr tun, als darauf zu achten, dass er sich dabei nicht irgendwann versehentlich selbst umbringt. Oder jemand anders.
Als er und der Rest der Band wenig später endlich von der Bühne kommen, heiser und nassgeschwitzt, reiche ich Milo eine Flasche Wasser, wobei ich frage: »Bist du eigentlich verrückt geworden?«
Im Backstage-Tunnel, einem dunklen, zugigen Gang, der die Bühne vom Garderobenbereich trennt, bleibt Milo stehen. Er öffnet die Flasche und kippt sich das Wasser über den Kopf, sodass es ihm in Rinnsalen durchs Gesicht und über die nackte, tätowierte Brust läuft.
Ich sehe weg, weil ich mich von seiner Sexy-Rocker-Nummer nicht beeindrucken lassen will. »So was kannst du nicht bringen«, fahre ich fort, während er noch dabei ist, zu Atem zu kommen. »Du hast Glück, dass die Frauen da unten dich nicht in Stücke gerissen haben!«
Diese Worte meine ich vollkommen ernst. Millionen weiblicher Fans himmeln Milo an und die hätten sicherlich gern alle wenigstens ein kleines Souvenir von ihm zu Hause. Und sei es nur ein Fetzen von seiner Hose. Oder ein Ohr.
»Zügel deine Gewaltfantasien, B«, sagt er mit seiner kratzigen Stimme. »Mir geht’s bestens.« Er breitet die ebenfalls tätowierten Arme aus. »Mir ging’s nie besser.«
Das sehe ich ein wenig anders. Meiner Meinung nach tut das Tourleben den Jungs nicht gut, vor allem Milo, der zu viel feiert, zu viel trinkt und so gut wie nie schläft. Was bei anderen Rockern Kajal ist, sind bei ihm Augenringe. Seltsamerweise sieht er selbst damit noch fantastisch aus.
»Ja, ja, jetzt zieh dir was über und dann ab in den Wagen. Wir müssen zum Flughafen und -«
»Hey, Josh! Geile Show!« Die kurze Spanne, in der mir Milo seine ungeteilte Aufmerksamkeit geschenkt hat, ist schon wieder vorbei. Er schiebt mich an den Schultern beiseite und eilt zu Joshua, dem Cheftechniker von The Shallow, um mit ihm abzuklatschen, während ihn die Roadies bejubeln, als hätte er gerade nicht bloß ein Konzert gespielt, sondern den Welthunger beendet.
»Mach dir nichts draus.« Ambrose, der zweite Gitarrist der Band, bleibt grinsend neben mir stehen. Er ist etwas kleiner als Milo und hat einen südländischen Touch, der sich vor allem in seinen dunkelbraunen Augen äußert. Das ebenfalls dunkle, leicht gelockte Haar fällt ihm schweißnass in die Stirn, sein schwarzes Hemd ist offen und er trägt nichts darunter. »Man ist einfach aufgeputscht, wenn man von der Bühne kommt.«
»Ach ja? Und warum kannst du dann mit mir reden wie ein normaler Mensch?«
Ambrose zuckt schmunzelnd mit den Schultern und geht dann weiter, um sich umzuziehen. Er und Rob, der Drummer, sind die Ruhigeren der Truppe, Jaz ist so was wie Milos blondes Mini-Me und Milo, na ja …
Er ist eben Milo. Einer dieser Menschen, die alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen, egal, wohin sie kommen, und jeden Raum erfüllen mit ihrer Aura von -
»Achtung, Korken!« In dem Moment schüttelt Milo eine Champagnerflasche, die er Gott weiß woher hat und Sekunden später lässt er sie aufploppen. Ich halte mir mein übergroßes Smartphone vors Gesicht, das praktisch an meiner Hand festgewachsen ist, weil ich es sowieso dauernd brauche, doch der Korken erwischt zum Glück nur eine der Wände. Dafür werden alle, die sich gerade in Milos Nähe befinden, mit Schampus geduscht und auch ich bekomme einen guten Schwall davon auf mein Shirt.
»Milo! Sagte ich nicht was von Anziehen, wir müssen los?«, rufe ich, aber er hört mir wie meistens gar nicht zu.
Diese Situation, das ganze Chaos nach der Show, ist an sich nichts Besonderes. So läuft es im Grunde immer, doch heute, nach dem Finale der Europatournee, habe ich das Gefühl, dass die Stimmung noch erhitzter ist als sonst.
»Nur schnell was überziehen und dann weiter!«, erinnere ich die Jungs, als ich ebenfalls in die Garderobe komme.
»Hey, B, was wird das, willst du heute noch Miss Wet-T-Shirt werden?«, erwidert Milo, der gerade dabei ist, in seine Lederjacke zu schlüpfen.
Ich sehe an mir runter. Durch das weiße Oberteil, das ich unter meiner grauen Jeansjacke trage, scheint dank des Champagners tatsächlich der BH durch. Innerlich stöhne ich, aber ich weiß, dass man mit Milo Ward nur klarkommt, wenn man ihm Kontra gibt. »Und du? Spontan an Alzheimer erkrankt oder wollen deine Oberteile nichts mehr mit dir zu tun haben?«
Während ich rede, deute ich auf seine Brust, die unter der Jacke immer noch nackt ist, aber er lacht nur. »Ich will der Stadt da draußen ja auch was bieten! Jungs, gehen wir noch in irgendeinen Pub oder …«
»Von wegen Pub. Ihr steigt jetzt in den Wagen und dann geht es zum Flughafen. Sobald wir in der Luft sind, könnt ihr von mir aus weiterfeiern!«
Die Aussicht scheint der Band zu gefallen, zumindest bekomme ich sie so dazu, binnen Minuten das Stadion in Richtung der Limousine zu verlassen, die draußen auf sie wartet. Während die Crew in größere Transporter verfrachtet wird, fahre ich mit der Band in der Stretch-Limo. Leider. Denn Milo und Jaz lassen es sich natürlich nicht nehmen, noch schnell ein paar der Groupies, die hinter der Halle warten, zu sich einzuladen. Sobald die kreischenden Frauen mit im Wagen sitzen, hocken sie auch schon auf dem Schoß der Jungs und es wird so wild geknutscht, dass ich gar nicht weiß, wo ich hinsehen, geschweige denn hinrutschen soll.
Milo sitzt mir mit seiner Auserwählten des Abends direkt gegenüber. Seine Hände, auf denen sich ebenfalls kleine Tattoos befinden, gleiten über ihren Po, der in knappen Hot Pants steckt. Ihre langen, krallenartigen Nägel graben sich in sein dunkles Haar, das an den Seiten kürzer und oben länger und total verstrubbelt ist.
Ich blicke aus dem Fenster und versuche, mich auf die Stadt zu konzentrieren. Immerhin war ich noch nie in London, also versuche ich, all die Sehenswürdigkeiten, an denen wir vorbeikommen, im Eiltempo aufzusaugen. Die Tower Bridge. Das London Eye. Big …
»Oh, wow, da tut sich was Gewaltiges in deiner Hose …«, säuselt Milos Groupie, und so vergeht mir irgendwie der Spaß daran, Big Ben zu bewundern.
Ich kneife die Augen zu und bete, dass bis zum Terminal alle Ampeln grün sind, bevor ich noch Zeugin von etwas werde, das ich wirklich nicht sehen will.
Ausnahmsweise habe ich Glück. Wir erreichen den Flughafen, ohne dass irgendjemand nackt ist und ich springe so schnell aus dem Wagen, wie ich noch nie aus einem Wagen gesprungen bin.
»Los kommt, Jungs, für die Privatjets gibt es einen eigenen Sicherheitsbereich!«
So hastig es geht, schleuse ich die Band hindurch. Als Milo jedoch die Gangway zum Flieger mit seiner Auserwählten im Arm erklimmen will, halte ich ihn auf. »Was wird das?«
Ich deute auf die hinreißende Rotblonde. Warum ist sie nicht Model geworden, anstatt sich Kerlen an den Hals zu werfen, die sie morgen wieder vergessen haben?
»Ich nehme sie mit«, sagt Milo.
»Hast du einen Pass?«, frage ich die Rotblonde.
»Sogar einen amerikanischen. Ich bin aus Boston. Aber nicht hier.«
»Da hast du’s.« Ich wende mich an Milo. »Ohne Pass darf keiner in die Staaten einreisen. Wenn du also nicht wegen Beihilfe verknackt werden willst, solltest du jetzt besser -«
»Nein, du solltest …«, er tippt mir mit dem Zeigefinger vor die Schulter, »ihren Pass organisieren.«
»Das ist jetzt nicht dein Ernst.«
Milo grinst mich breit an. »Du bist meine Assistentin, oder nicht? Du machst Assistentinnensachen und dazu gehört …«
»Ganz sicher nicht, dass ich das Reisebüro spiele«, kontere ich, aber das ist Milo völlig egal.
»Dazu gehört, dass du dafür sorgst, dass ich glücklich und zufrieden bin. Und ich wäre ziemlich zufrieden, wenn ich heute Nacht mit …« Fragend sieht er die Rotblonde an.
»Chloe«, haucht sie.
»Mit Chloe in die Staaten fliegen könnte. Also, kriegst du das hin?«
Innerlich koche ich. Nein, eigentlich ist es sogar mehr als Kochen. Ich fühle mich wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch, doch auf der anderen Seite ist es leider so, dass Milo Recht hat: Assistentinnen machen Assistentinnensachen und in erster Linie sorgen sie dafür, dass ihr Boss glücklich ist. Und auch wenn es nicht Milo persönlich ist, der mich bezahlt, sondern sein Label, ist er mein Boss. Um ihn dreht sich alles.
Daher zwinge ich mich innerlich zur Ruhe, atme einmal ganz tief durch und wende mich dann an das Groupie. »Wo finde ich denn Ihren Pass?«
»Der ist in meinem Hotel. Dem Queen’s Cup in Brixton. In meinem Koffer. Können Sie den vielleicht auch gleich mitbringen …?«
Ich strecke die Hand aus. »Zimmerkarte?«
Mit einem entzückten Lächeln zieht sie sie aus der Hosentasche und reicht sie mir, dann hüpft sie ein paarmal auf der Stelle und wirft sich Milo an den Hals. »Oh mein Gott! Du nimmst mich mit nach New York! Dafür lasse ich mir deinen Namen auf die Du-weißt-schon-was tätowieren!«
Ich werfe Milo, der aussieht, als würde er gern eingehend über die Er-weiß-schon-was seiner Auserwählten sprechen, einen letzten ungläubigen Blick zu, dann verlasse ich den Flieger, um mir ein Taxi zu nehmen und nach Brixton zu fahren.
»Du bist die Beste, Seven«, ruft er mir nach.
Gott. Er weiß, wie ich es hasse, wenn er mich so nennt! Ich mache drei Kreuze, wenn wir gelandet sind und ich ein paar Tage frei habe, bevor der Wahnsinn von vorn losgeht. Auf die Europa-Tour folgt die US-Tour. Noch größer. Noch länger. Noch verrückter.
Was habe ich mir nur dabei gedacht, diesen Job je anzunehmen?!


***


 


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