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> Belletristik > Hasko und Papenhagen - Privatdozent Dr. Schneekloth
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Buch Leseprobe Hasko und Papenhagen - Privatdozent Dr. Schneekloth, Manfred Tiede
Manfred Tiede

Hasko und Papenhagen - Privatdozent Dr. Schneekloth



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Hasko war sein Name. Nun, Hasko ist auch ein Hundename. Gleichwohl wählten die Eltern den Namen Hasko, damals im Jahre 1940. Die Eltern nannten ihre zwei ersten Kinder Harm und Hajo, die folgenden Hasko und Heike, immer mit einem „H“ am Anfang. Was das eigentlich sollte, blieb für den Außenstehenden unklar. Man sagte, Vornamen wurden in dieser Familie wohl so ausgewählt, damit sie vom Klang her gut zusammenpassen. Oder hatte der gewählte sonderbare Wohlklang in den Vornamen der Kinder einen weitergehenden Sinn, der einem schlichteren Menschen verschlossen bleibt? Vielleicht hatten die Eltern den Wunsch, daß die Kinder im Leben zusammen harmonieren möchten, so wie es in der Klangfarbe ihrer Vornamen vorgezeichnet ist. Spötter sagten, daß die Klangfarbe der Vornamen das Format eines Stabreims besitzt. Die Mutter war eine verwelkende Dame mit Abitur. Sie blies den Zigarettenrauch durch die Nasenlöcher in der Form von zwei langen Rauchstäben, die sich beim Sitzen, was sie besonders gern tat, erst auf Kniehöhe aufzulösen begannen. In der Küche war sie selten anzutreffen. Sie bevorzugte das Lesen, und hier waren es deutsche Klassiker, nämlich Goethe, Schiller, Klopstock und Rilke. Haskos Mutter kümmerte sich liebevoll mit ausgewählten Freundinnen um einen kleinen Literaturkreis. In den wöchentlichen Zusammenkünften der Gleichgesinnten wurden auch klassische deutsche Dramen in verteilten Sprechrollen vorgelesen. Die nicht beteiligten anderen Frauen im kleinstädtischen Wohnort redeten hierüber nicht sehr freundlich. Ihnen gefiel vermutlich nicht, daß der Literaturkreis eine exklusive Gruppe war, der sie übergangen hatte. Im Zirkel der Literatur wurde über Dinge gesprochen, von denen dem Verständnis der Beteiligten nach nur sie selbst etwas verstanden. Sämtliche Teilnehmerinnen hatten zudem Abitur. Einige hatten sogar an einer Universität studiert, waren jedoch ohne Hochschulabschluss geblieben. Kein Doktorhut adelte den Literaturkreis. Ja, insbesondere die Promotion mit dem Doktorgrad war es, die Haskos Mutter so gern noch abgeschlossen hätte seinerzeit, als sie an einer Universität studierte. Doch für einen Mangel wie die verpaßte Promotion war nach Ansicht der Mutter in erster Linie nicht sie selbst schuld, sondern es war die Zeit, die ja auch den Krieg gebracht hatte. War die Mutter im Leben ohne beruflichen Abschluß und akademischen Titel geblieben, so ließ sie andere bedacht spüren, daß ihr Mann, der Vater ihrer vier Kinder, als ehemaliger Berufsoffizier in jenen Tagen einen hohen Rang erreicht hatte. Haskos Vater war ein tadellos aussehender ehemaliger U-Boot-Kapitän. Er war blond, hoch gewachsen und wirkte sportlich, obwohl nicht bekannt war, ob er eine Sportart aktiv betrieb. Sein länglicher Kopf war von Lachfalten geprägt, die er sich redlich verdient hatte. Er lachte gern, verbreitete bei Personen in seiner Nähe gute Laune und stach in dieser Hinsicht die Väter anderer Kinder glatt aus. So war beispielsweise der Vater von Petersen, ein Schulfreund von Hasko, von ruhigerer Art. Petersens Vater pflegte den eigenen Sohn nicht in den Arm zu nehmen; er gab ihm abends allenfalls die Hand, bevor der Sohn zu Bett ging. Haskos Vater hingegen schnappte sich bei jeder guten Gelegenheit seinen Sohn, drückte ihn, warf ihn mehrmals in die Luft und steckte den zappelnden und jauchzenden Knaben abends persönlich ins warme Nest. Gebetet wurde nicht, wie übrigens auch nicht bei Petersens.

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