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Belletristik
Buch Leseprobe Grenzliebe, Gabriele Schulz
Gabriele Schulz

Grenzliebe


Eine deutsch-deutsche Liebesgeschichte

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Prolog - April 1991


 


  


Nie werde ich seinen Blick vergessen. Den Ausdruck in seinen Augen, bevor er über die Mauer sprang. Nein, nicht über die, die uns eigentlich trennte. Diese war sorgfältig aus hellen, löchrigen Kalksteinen aufgeschichtet worden ...


 


 


„Katja! Katja?" Hatte Tillmann schon lange mit seinem vollen Tablett vor mir gestanden?


    „Oh, hallo!" Verlegen lächelnd deutete ich auf den freien Platz mir gegenüber. Prüfend sah mich Tillmann an. „Ist alles in Ordnung? Du hast mich ja gar nicht bemerkt."


    „Entschuldige, ich war nur in Gedanken." Während Tillmann die Teller mit Vorsuppe, Hauptspeise und Salat des heutigen Kantinenmenüs vor sich sortierte, warf er mir einen fragenden Blick zu.


    „Gestern habe ich eine Einladung zum Klassentreffen bekommen. Das erste. Zehn Jahre nach der Schule." Offensichtlich hatte er auf meine Erklärung gewartet.


    „Hhm, muss ich mir etwa Sorgen machen, dass du dann deinen ersten Freund wieder triffst?" Tillmann zwinkerte mir zu. Doch ich bemerkte den ernsten Blick, mit dem er mich nun betrachtete. Lachend ging ich auf seinen flapsigen Ton ein, obwohl auch mir heute nicht nach Scherzen zu Mute war.


    „Ganz bestimmt nicht! Weißt du, wie dumm und unreif mir die Jungs aus meiner Klasse damals vorkamen? Nein, meinen Verflossenen sehe ich dort ganz gewiss nicht."


     „Aber", fuhr ich nach einigen Löffeln von einem undefinierbaren Nachtisch fort,  „vielleicht treffe ich meine frühere Freundin wieder. Sie wohnt schon lange in Berlin. Wir haben uns völlig aus den Augen verloren. Seit über acht Jahren habe ich nichts mehr von ihr gehört."


    „Ist bestimmt spannend, sich nach so langer Zeit wieder zu sehen. Wann ist dein Klassentreffen?"


    „In gut einer Woche. Am Ostersamstag", antwortete ich. Aber ich war mit meinen Gedanken schon wieder weit weg. Rasch verabschiedete ich mich von Tillmann, obwohl ich merkte, dass er mir noch etwas sagen wollte.


 


Erst seit zwei Wochen verbrachten wir jede Mittagspause zusammen. Und doch würde ich unsere Gespräche schon jetzt vermissen. Auch sein liebes Lächeln. Genau wie seine Art, beim Zuhören den Kopf interessiert vorzubeugen. Und natürlich seine kreativen Vorschläge, um meine ständig nörgelnde Kollegin zum Schweigen zu bringen. Obwohl ich seine Anregungen natürlich nie in die Tat umsetzte. Aber der bloße Gedanke daran, rettete mir meistens den Tag. Immer öfter ertappte ich mich dabei, dass ich mich viel mehr auf die Mittagspause, als auf den Feierabend freute.


    Trotzdem vermied ich alles, was Tillmann auf eine festere Freundschaft hoffen lassen könnte. War es die bittere Erfahrung, die mich so vorsichtig reagieren ließ? Gerade jetzt, wo die Einladung zum Klassentreffen mühsam unterdrückte Erinnerungen mit Macht an die Oberfläche lockte?


    Im Gegensatz zu anderen Freitagabenden fand ich in meiner Wohnung nichts, was ich hätte putzen können. Jedes Regal war entstaubt und alle Böden gewischt. Es gab nicht mal ein dreckiges Fenster. Sogar den Backofen hatte ich gestern geschrubbt, bis meine Hände rot und aufgesprungen waren.


    Nur um nicht an die Einladung denken zu müssen, die so unschuldig in einem zartgelben Umschlag im Briefkasten gelegen hatte. Es war also möglich, mich zu finden. Auch nach so langer Zeit! Ich konnte nicht verhindern, dass diese Erkenntnis einen leichten Schmerz in der Herzgegend verursachte. Würde Claudia tatsächlich von Berlin nach Kassel kommen? Claudia, die Einzige, die je von Gunnar erfahren hatte ...


    Heute Abend gelang es mir nicht länger, vor der Vergangenheit zu fliehen. Wie ein hungriges Raubtier misstrauisch um allzu leichte Beute, war ich zwei Tage um die Kommode gestrichen. Doch mich warnte nicht nur ein Instinkt vor der drohenden Gefahr. Ich wusste mit Sicherheit, dass die Falle zuschnappen würde, sobald ich die unterste Schublade auch nur berührte. Und doch zog ich an dem abgewetzten Metallknauf.


    Der Inhalt, der mir entgegenquoll sah harmlos aus: alte Schulhefte, ein zerschlissenes Federmäppchen voller Tintenflecke und eselsohrige Hefter. Eine Weile fesselten meine saubere Füllfederhalterschrift und wohlwollende Bemerkungen der Lehrer meine Aufmerksamkeit. In tieferen Schichten stieß ich auf Fotos aus der Schulzeit. Ewig hatte ich diese alten Bilder nicht mehr betrachtet. Die blonden Haare fielen mir damals wie heute über die Schultern. Früher band ich sie häufig zu einem schlichten Pferdeschwanz, während ich meine Haare jetzt etwas kürzer und meist offen trug. Meine Augen, die die Farbe von abgestandenem Kamillentee haben, lächelten fröhlich in die Kamera. Nur auf den letzten Fotos sah ich immer ernst oder mürrisch aus.


    Beim Umzug in die neue Wohnung hatte ich die alten Erinnerungen sofort in diese Schublade verbannt. Nur einen Gegenstand hatte ich vor genau achtzehn Monaten in den Händen gehalten, bevor ich ihn ebenfalls in das Schränkchen warf. Und anschließend die Schublade zuknallte. Fieberhaft wühlte ich danach und fand den Stein in der hintersten Ecke.


    Der Anblick des hellen Kiesels mit seinen rötlichen und glitzernden Streifen stieß endgültig die Tür in die Vergangenheit auf. Zu jenem Samstag vor zwölf Jahren. Der Tag, der mein Leben für immer verändern sollte ... (...)


 


Denn an diesem Samstag im Juli 1979 lernt Katja Gunnar kennen. Es ist der Beginn einer großen Liebe. Wie es weitergeht erfahren Sie in "Grenzliebe"


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